Tag Archives: Terror

Merkwürdigkeiten

Gute Zusammenfassung durch die AZ

Deprimierend.

Der Mann – wenn er denn der Täter ist – soll einen V-Mann nach einer Waffe gefragt haben! Da muss man sich wirklich erst einmal einen Grappa einschenken. Wenn wir schon die allseits bekannten Einschränkungen unserer Freiheit hinnehmen ‚müssen‘ (müssen wir nicht m.E., ist jetzt aber anderes Thema), dann will ich gleichsam wenigstens was sehen fürs Geld! Und ich seh nix! Wir haben ne NSA-analoge Totalüberwachung, aber Leute wir Herr Amri dürfen einfach so durch die Gegend stiefeln und gehen verloren. Hauptsache, der Staatsschutz schmuggelt in die Hamburger rote Flora ein paar Romeos ein. Die rote Flora fährt ja bekanntlich auch jeden Samstag mitm Laster übern Weihnachtsmarkt.

Übrigens soll es auch eine Körperverletzung gegeben haben (Auseinandersetzung im Drogenmillieu). Mach ich als Terrorschläfer auch immer so: Schön ne Kaschemmenschlägerei in Gang setzen, weil die so unauffällig ist.

 

PS: Fefes Terrorbingo

Anbei: was wäre eigentlich…

wenn der „Reichsbürger“ heute in Bayern Mehmet geheißen hätte?  Wie lange hätte Frau Petrys Twitteraccount geschwiegen? 1 Minute, 2 Minuten? Wer bietet mehr?

Ist mir schlecht…

Und hätte es einen Brennpunkt gegeben?

Gina-Lisa und Burka

Ich bin derzeit etwas überarbeitet; zwei Themen haben mich aber beschäftigt:

Team Gina-Lisa… Was mich am Fall Gina-Lisa verstört hat war die Reaktion der Unterstützer. Nach allen Standards rationalen Denkens, nach allen Standards von Kriminologie und Kriminalistik ist Gina-Lisa Lohfink nicht vergewaltigt worden, und das war für jeden, der den Fall kurz recherchierte, auch sonnenklar. Ein guter Anwalt mit Verantwortungsgefühl hätte das übrigens schon nach 5 Minuten überblickt und seine Mandantin entsprechend beraten. Es ist schon bedenklich, mit welcher Konsequenz die „Unterstützer“ dort Realitätsverweigerung betrieben haben. Das war totale Tatsachenresistenz. Es geht bei dem Fall auch um den fatalen Diskurs zur angeblichen „Mikrogewalt“. Ein gefährlicher Begriff, denn er bedeutet den Freibrief für alle Arten von Berufsdenunziantentum. Nebenbei: Vergewaltigung ist eine schwerwiegende Straftat, sie wird zu recht hart bestraft – jemanden mit Hilfe falscher Behauptungen sozial zu ermorden ist es aber auch. Ich verweise ansonsten auf diesen Beitrag Prof. Müllers (auch Müllers Antworten auf die Kommentierenden beachten, insbesondere den auf „Anonyma“!) zu den Fällen Kachelmann und DSK. Genau wie die beiden Anzeigeerstatterinnen in den besagten Fällen hat auch Gina-Lisa Lohfink nachweisbar gelogen („KO-Tropfen“ – man bestellt unter KO-Tropfen-Einfluß keine Pizza, punktum) Wenn Tatsachen das ideologisch zuzementierte Hirn nicht mehr erreichen, wird es schon bedenklich. Aber wenn Tatsachen überhaupt für irrelevant erklärt werden, wird es regelrecht gefährlich.
Sie selber tut mir eher leid. Selbstverantwortung hin, Volljährigkeit her: Um die 20 ist man meistens einfach noch nicht reif genug, sich den Verlogenheiten, Begehrlichkeiten und der vordergründigen Attraktivität der Promi-Szene zu entziehen. Als It-Girl, das nichts tun muss außer da zu sein (the medium is the message) in BILD und Bunte abgebildet werden und diese Abbildungen als das reale Leben nehmen – das kann einen schon zerstören. Ich persönlich gehe davon aus, dass man sie zu dieser idiotischen Falschbeschuldigung beschwatzt hat, aber egal*. Alle sahen zu, ihre jeweiligen Schäfchen ins Trockne zu bringen – Anwalt, Managment, Unterstützer…am Ende wird sie alleine sein, es ist jetzt schon abzusehen. Nun geht es also in den Dschungel. Dem, der ihr dazu geraten hat, kann man im Grunde nur noch eine reinhauen… Was noch fehlt ist Schwesigs Rücktritt. Aber solche Leute treten nicht zurück, die machen einfach weiter; schamlos und schmierig. Wieder ein Grund, nicht SPD zu wählen.

Ja, und dann also die Burka. Verfassungsrechtlich ist da nichts drin für die Verbotswilligen, und das wissen sie auch. Der Nachweis, dass es sich bei ihr um ein eindeutig verfassungswidriges Symbol handelt, analog dem Hakenkreuz, dürfte nicht gelingen. Bei der Religionskritik mache ich mit, und ich habe immer gesagt: keine Muslim-Hatz bedeutet keine Muslim-Idyllik und vice versa. Burka tragen zu ‘dürfen’ bedeutet, die Burka kritsieren zu ‘dürfen’. Wer will es mir auch verbieten? Aber ich möchte nicht in einem Staat leben, der Bekleidungsvorschriften erläßt. Wo soll das enden? Und bei aller Sympathie für die säkulare Gesellschaft: ich erreiche mit Verboten gar nichts. Knapp 100 Jahre nach Atatürks Zwangssäkularisierung inklusive Kopftuchverbot für Behörden und Universitäten kassiert Erdogan ab. So ist die „neurotische Quetschkommode“ (Rühmklorf) namens ‘Mensch’ nun mal gestrickt. Wer dem bayrischen Säcklerhandwerk etwas Gutes tun will, wirbt für ein (sowieso nicht durchsetzbares) Lederhosenverbot, am besten mit dem Hinweis, Hitler und Göring hätten welche getragen. (Hans Scholl, Christoph Probst und die Edelweißpiraten ebenfalls, aber egal…) Solche Debatten, die sich an Symbolen abarbeiten, führen zu gar nichts. Wichtig allerdings wäre es, die Auseinandersetzung offen zu führen, weiß „weiß“, gelb „gelb“, rot „rot“ zu nennen und nicht abzuwiegeln. Natürlich hat der Islam mit dem Terror zu tun, so, wie das Christentum mit dem europäischen Judenhaß zu tun hat, so, wie die Naturwissenschaften mit Peenemünde und Dora-Mittelbau zu tun haben. Das kann man doch im Ernst nicht bestreiten. Die Frage wäre eben nur: genau was hat der Islam mit den Anschlägen zu tun? Ich möchte schon wissen, warum junge/jüngere muslimische Männer, meist in Europa sozialisiert und fast immer vorher im (klein)kriminellen Millieu unterwegs, das Töten anderer so attraktiv finden, dass sie sich ideologisch aufputschen und am Ende sogar ihren eigenen Tod in Kauf nehmen, nur um töten zu ‘dürfen’.

 

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* Man wird jetzt einwenden, das Urteil sei noch nicht rechtskräftig – was stimmt. Aber wenn die öffentliche Darstellung des Falls richtig ist (keine KO-Tropfen forensisch nachgewiesen, strukturiertes Handeln war möglich, am nächsten Abend ein weiteres, sehr angelegentliches Treffen mit dem angeblichen „Vergewaltiger“, zunächst nur Rechtsmittel gegen den illegalen Film, erst mit Verzögerung auch der Vergewaltigungsvorwurf), und wenn keine sensationell neuen Beweise auftauchen, dann wäre alles andere als ein Verwerfen der Revision ein veritabler Justizskandal. Udo Vetter spricht zu Recht von einer selten guten Beweislage.

Terror als Mitmach-Event

Sehr kluge Bemerkungen von Florian Flade, der es ganz ähnlich sieht wie dieser Blog auch.

Ob die Attentäter letztendlich Überzeugungstäter sind, ob sie sich tatsächlich für die Weltherrschaftsansprüche der Dschihadisten interessieren, ja sogar, ob sie überhaupt gläubige Muslime sind – all das spielt für die IS-Führung längst keine Rolle mehr.

Der Hass wird einfach in die Welt geblasen. Er wird schon bereitwillige Hirne bestäuben. Und er tut es, immer wieder.

Über einige Attentäter der Pariser Anschläge vom November gibt es Erkenntnisse, denen zufolge sie weniger gottesfürchtige Fundamentalisten waren als vielmehr ein Leben zwischen Drogen, Straßenkriminalität und Alkohol führten, bevor sie zu Mördern wurden.

Der Terrorhelfer Saleh Abdeslam etwa galt im Brüsseler Stadtteil Molenbeek als notorischer Kiffer. Gemeinsam mit seinem Bruder soll er eine Kneipe betrieben haben, die als Drogenumschlagplatz bekannt war. Seinem Anwalt sagte Abdeslam, er habe den Koran nie komplett gelesen. Nur eine Zusammenfassung im Internet.

So ist es (siehe etwa meine Bemerkungen hier – Zitat: Die westeuropäischen Franchise-Nehmer des IS sind bis jetzt ausnahmslos vorher als gewöhnliche Gewaltkriminelle in Erscheinung getreten).

Mach mit, machs nach, machs besser – Terror als Mitmach-Event!

„Allah Uakba“ und „IS“ kann jeder rufen.

Orlando, Sicherheit

Was wissen wir, Stand jetzt?

Omar Mir Seddique Mateen hat für G4S gearbeitet und deswegen zwei Waffenscheine. G4S ist eine der größten sog. „Sicherheitsunternehmen“ der Welt. Es arbeitet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch mit Geheimdiensten zusammen.

Gibt es eigentlich einen „Terror“anschlag, einen – ich verlange nur einen, einen! -, in dem es keine unklaren Geheimdienst/Behördenbezüge gibt?

Sascha Lobo

Ich bin auch diesmal fast kritiklos einverstanden; übrigens wundert mich das alles natürlich gar nicht. Schon vor Jahren notierte ich: Wie plausibel sei es angesichts der totalen Überwachung eigentlich, dass sich das Terror-Trio NSU über ein Jahrzehnt unerkannt in Deutschland habe halten können; Fehmarnurlaub vom Morden inklusive…

Nur der erste Absatz widerspricht dem Rest des Textes:

Ja. Es gibt einen mörderischen, islamistischen Faschismus in Europa. Die gefährlichste Antwort darauf ist ein europäischer Gegenfaschismus. Die zweitgefährlichste Antwort ist die Verharmlosung oder gar Leugnung des islamistischen Faschismus.

Wie Lobo ja selber schreibt, zutreffend schreibt: Die Mehrheit der Attentäter ist vorher als Gewalttäter aufgefallen, war vorher im kriminellen Millieu beheimatet, also: Drogen nehmen, Drogen dealen, Gewaltinkasso, Diebstahl, Hehlerei, ggfls Zuhälterei, illegale Pornos gucken, halt der ganze Trara. Einen ideologisch durchgestylten und vollends aufmunitionierten Islamisten stell zumindest ich mir anders vor.

Natürlich gibt es Islamismus und Islamisten, natürlich gibt es islam-Faschismus; no doubts about that. Nur: Wie Ernst nehmen die sich selber? Die Führungsebene des IS? Ehemalige Täusch- und Tarnexperten Saddams; mehr oder weniger dessen Geheimdienst. (Die Baath-Partei war eine krude Mixtur aus „arabischem Sozialismus“ inklusive Bodenreform und Frauenentschleierung plus massiv ausgelebter Gewalt gegen deren Gegner. Als „Saddam“ in den 80ern gegen die Mullahs in Teheran militärisch vorging – trotz westlicher Hilfe nicht sehr erfolgreich übrigens -, galt noch: He is a son-of-a-bitch, but he’s our son-of-a-bitch) Ihre europäischen Handlanger: Kleinkriminelle mit Hang zur Gewalt, nicht zuletzt gegen sich selbst. Im Grunde sind alle Terroranschläge der letzten Jahre, Jahrzehnte, kriminologisch gedeutet, Amokläufe, hate crimes. (In gewisser Weise gilt das für alle Terroranschläge, die nicht ein bestimmtes politisches Ziel – König X, Ministerpräsident Y – treffen wollen, sondern Zufallsopfer aus der Bevölkerung.)

Im letzten Absatz landet Lobo dann einen Volltreffer. Zumindest fast:

Absurditäten des Überwachungszeitalters: Nie war Untertauchen leichter, dank strukturellen Staatsversagens. Man muss sich noch nicht einmal die unfassbare, schmerzhaft verstörende Geschichte der behördlichen Verstrickung beim Terror des NSU ansehen (wo absolut zufälligerweise kürzlich der fünfte mögliche Zeuge in Folge in jungem Alter zu Tode kam), um zu resignieren. Man muss nicht einmal Verschwörungstheorien bemühen, um zu schreien ohne Unterlass. Es reicht schon zu wissen, dass – während anlasslos immer mehr überwacht werden soll – längst bekannte Gefährder unterüberwacht werden. Oder nicht verhaftet. Der islamistische Faschismus bedankt sich herzlich.

Ja, eben. Eben. Eben! Das kritische Bewusstsein will keiner VT erliegen – und ständig kommt die Realität daher und zwingt einen fast schon, eine ‚Strategie der Spannung‘ durch klandestine Dienste annehmen zu müssen. Zumal, Ganser hin, Ganser her, Strategien der Spannung immer schon verfolgt wurden. Etwa durch Metternich. Daniele Gansers Ansatz ist ja nicht völlig außerhalb der Welt. Was ich, im Gegensatz wohl zu Ganser, allerdings nicht glaube: Dass hier der allwissende Betrachter eiskalt und gleichsam wider besseres Wissen eine Agenda durchzockt. Das mag es bei Totalzynikern im Einzelfall gegeben haben und geben – ein gewisser Zynismus ist ja Einstellungsvoraussetzung bei Geheimdienstlern -, dürfte aber nicht die Regel sein. Auch Geheimdienstler sind Menschen, die sich ihr Tun überwiegend als sinnvoll einreden müssen. Und auch Metternich hat, ganz genau wissen wir es nicht, subjektiv wohl völlig ehrlich an eine Bedrohung durch eine bundesweite Verschwörung geglaubt.

Habe ich einen Gegner aber erst einmal dämonisiert, ist das Kind im Brunnen. „Der signalisiert Friedensbereitschaft? Lüge! Zockertrick!“- eine Übertragungsneurose, wenn es je eine gab. Dagegen ist dann kein Anreden mehr, denn mein Anreden wäre dann auch bloß ein „Zockertrick“. Haben beide Seiten den jeweils anderen derart dämonisiert – im Nah-Ost-Konflikt ist das ersichtlich der Fall -, wird es fast hoffnungslos.

Was tun? (frug Lenin und gab die falsche Antwort) Natürlich deeskalieren, wo immer es geht. Viel grundlegender: Sich diese fatalen Mechanismen klar machen. Konsequent Kollektivzuschreibungen abwehren (eine der wichtigsten Faustregeln des Menschenanstands). Konsequent den Anderen als Menschen sehen (die allerwichtigste…). Das wird beim ökonomisch-soziologisch-politisch-dialektisch geschulten linken Denken auf Gekicher stoßen; ich weiß. Und beim konservativ-organisch-historistisch-hermeneutischen auf Verachtung. Dann sei es jeweils so.

Unruhe, Brüssel

Soll man zur Ruhe aufrufen? Nein. Massenmord kann niemanden ruhig lassen. Zur Wut? Natürlich nicht. Wut berät einen immer schlecht. Zur Analyse? Ja, nur weiß ich dafür zu wenig. Versuchen wir es mal:

Die Führungsspitze des IS, sofern die öffentlich zugänglichen Informationen stimmen, besteht aus ehemaligen Geheimdienstoffizieren des Irak, also aus ehemaligen Mitgliedern der Baath-Partei Sadam Husseins; eine weltliche Orga, eine krude Mischung aus Panarabismus und einem „arabischen Sozialismus“, was immer das sei oder war. Bodenreform, Frauenbefreiung, Alphabetisierung verbanden sich im Irak Husseins mit erbarmungsloser Jagd auf alle innenpolitischen Gegner. (Sehr guter Standard-Artikel über die Hintergründe.) Gleichviel: Mit dem religiösen Background des IS dürfte es nicht weit her sein – wir haben es hier nicht  mit religiösen Fanatikern zu tun, sondern mit ehemals säkular orientierten Geheimdienstoffizieren, also mit geschulten, eiskalten Technikern der Macht, die genau wissen, wo die Schwachstellen des ‚Feindes‘ sind und wie man sie attackieren kann. Haben sie selber ein ideologisches Anliegen? Oder ist ihr Terror eher ein Geschäftsmodell, einfach der Job, den sie gelernt haben? So oder so: Mit „dem“ Islam, den es so nicht gibt, hat der IS nichts zu tun, er ist eine durch und durch moderne Veranstaltung. Wer jetzt über Karl Martell und Poitiers fantasiert, ist nicht ganz bei Troste.

Ob das IS-Fußvolk dem religiösen Brimborium glaubt, das man ihm andient, müsste im Einzelfall untersucht werden. Wenn die Vorgeschichte diverser Paris-Attentäter zutrifft – kleinkriminelles Millieu, Drogen, Hehlerware usf -, ergeben sich einige Fragen. Gebündelt lauten sie: Warum ist jemand, der, wie etwa Abaaoud, sogar auf einem ‚gutbürgerlichen‘ Gymnasium zur Schule ging, dort sehr angelegentlich  mit ‚Ungläubigen‘ kickte und auch sonstens integriert war, bereit, sein Leben rauschhaft zu beenden, es einer hanebüchenen Ideologie zu opfern? Wo war der Bruch bei dieser gescheiterten Existenz?

Viel weniger ideologisch bestimmt, als sie gedacht habe, notierte Hannah Arendt über Eichmann, und auch, wenn das auf die individuelle Person Eichmanns wohl nicht zutraf (Bettina Stangneth): Arendt hat hier eine Beobachtung gemacht, die den modernen Menschen überall betrifft. Wo ich ideologisch andocke, scheint bei destruktiven Menschen, denen der Kompaß abhanden kam, weit weniger wichtig, als dass ich nur überhaupt irgendwo dort andocke, wo ich meine Destruktivität ausleben kann.

„weniger Vernunft“ fordert Matthias Gronemeyer, und das ist schon mal ein guter Anfang.

Was also tun?

Gar nichts. Sich unbeeindruckt zeigen. Kein „Je suis Bruxelles“, keine Sondersendungen (irreal, ich weiß), nirgends. Zukünftige Terroristen sollen wissen, dass man sich nicht für sie interessieren wird. Keine der von ihnen vorab herbeifantasierten Schlagzeilen sollte es geben, nichts.

Der nächste Anschlag wird kommen; irgendwann wird es auch Deutschland treffen, da mache man sich nichts vor. 3, 4 halbwegs unterwiesene, entschlossene Täter reichen aus. Ich bin nicht bereit, die mir von ihnen zugewiesene Rolle zu spielen. Matthias Gronemeyer: „Und es wäre nach den Anschlägen von Paris wohl vernünftig, Angst zu haben. Ich habe keine.“

Terror-Bingo

fefes Terror-Bingo. Denn der nächste Anschlag kommt bestimmt!

Interview mit Paul Schreyer

Ein Interview mit Paul Schreyer auf den nds, das ich – neben seinen telepolis-Aufsätzen – sehr ans Herz lege. Es entspricht ziemlich genau der hier von mir seit eh vertretenen Haltung: nein, keine Finalverschwörung von gaaaanz oben, kein die-Amis-warens, keine „Hologrambilder von Flugzeugen“, kein auf-Bilderberg-wird-alles-bestimmt…aber kritische Nachfragen.

Modellfall all solcher Fragen ist und bleibt der Kennedy-Mord. Natürlich kann es Oswald alleine gewesen sein – ich schließe gar nichts aus, also auch das nicht. Aber wie wahrscheinlich ist das, und sei es bloß wegen Jack Ruby, über dessen Begründung – er habe Jackie Kennedy den Prozess ersparen wollen – inzwischen die Hühner auf jedem nordamerikanischen Bauernhof kichern? Ja, Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt können – logisch auszuschließen ist das nicht – über ein Jahrzehnt unerkannt im Untergrund gelebt haben, nur am Rande etwas von alten Kameraden unterstützt. Ja, unserem Inlandsgeheimdienst ist das de facto Geständnis durch „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ ein Jahr vor offizieller Enttarnung der Terrorzelle entgangen, ja, der Verfassungs“schützer“ Andreas Themme war ganz zufällig zugegen in Kassel und wird ganz zufällig von ganz oben gedeckt, Schilys Erklärung einen Tag nach der Explosion in der Keupstrasse…die diversen V-Männer in diesem Fall, zwei sind (schon?) tot…alles Zufall, bedauerliche Fehler…aber wie wahrscheinlich ist das, wenn wir allein nur an das inzwischen bekannt gewordene Ausmaß an Überwachung denken, vom Aktenschreddern zu schweigen? Ja, Gundolf Köhler war vielleicht wirklich ein Alleintäter, seine Beziehungen zur – alles Ableugnen ist zwecklos! – von der CSU massiv gedeckten WSG Hoffmann war längst eingeschlafen, ein junger Mann, persönliche Probleme (glaub ich sogar!), Liebeskummer (glaub ich sogar!)…also frustrierter Einzeltäter…das ist zweifellos möglich, aber wie plausibel ist das?

Paul Schreyer berichtet von Übungen, die es bei mehreren Terrorattentaten zeitnah – wenige Stunden vorher jeweils – gab und deren Szenario den tatsächlichen Ablauf erschreckend genau vorwegnahmen. Meine Frage lautet schlicht: War dem so? Hier möchte ich mich nicht mit dem VT-Dummy abspeisen lassen; ich möchte einfach nur wissen, ob dem so war und was es bedeutet, wenn dem so war.

Vielen fällt langsam ein bestimmtes Schema auf. Immer, wenn ein großer Anschlag verübt wird, heißt es zuerst, die Sicherheitsbehörden seien vollkommen überrascht worden. Schon 24 Stunden später kennt man dann aber angeblich genau die Täter.

Es waren in Paris – übrigens auch am 11.09.2001, auch 2005, auch in Madrid – nicht einmal 24 Stunden, wenn ich es recht erinnere. (siehe hier)

Von diesem Schema – alles ist überrascht, aber schnell werden die Täter präsentiert, und von dieser Präsentation wird dann auch nicht mehr abgegangen – weicht eine spezielle Form von Terroranschlägen interessanterweise völlig ab! Nämlich die, die von rechtsradikalen/Neonazis verübt wurden. Beim Oktoberfest 1980 war Strauss sehr schnell am Tatort und wetterte gegen links. Als nicht mehr zu verleugnen war, dass der Anschlag von rechts kam, schaltete man sofort auf den eher unpolitischen Einzeltäter um. The same with Breivik. Auch dort wurde zunächst, die screenshots brachte ich damals, auf einen muslimischen Anschlag abgehoben. Dies, übrigens belegt dinglich, dass es die eine große Megaverschwörung nicht gibt! Denn wenn es die eine große Bilderberg-CIA-Mossad-BND-MI6-undsoweiter-Weltverschwörung gäbe, wäre es ein leichtes, diese „Pannen“ zu vermeiden.

Warum dann aber doch die Uniformität der Berichterstattung? Dass alle vor Bilderberg kuschen, weil Bilderberg die totale Megamacht hat, ist auszuschließen. Aber so, ich bitte um Entschuldigung, stellen sich das eben nur der kleine Fritz und die kleine Fritzine vor. In Wahrheit wird eine Gesellschaft viel subtiler auf Linie gebracht. O-Ton Schreyer:

Nun ist es in der Tat sicher nicht so, dass in den Chefredaktionen jeden Morgen jemand anruft, einen „Tagesbefehl“ durchgibt und bestimmt, was geschrieben werden soll und was nicht. So eine Vorstellung ist wirklich Unsinn. Dennoch ist es für jeden halbwegs wachen Geist offenkundig, dass die großen Medien zumindest bei den Hauptthemen wie Ukraine, Griechenland oder eben Terrorismus tatsächlich mehr oder weniger das Gleiche schreiben.

(..)

Dann gibt es aber noch einen dritten Faktor, nämlich gezielt gesetzte Anreize und Karriereoptionen (meine Hervorhebung, hf) im Umfeld von Lobbygruppen. Es scheint mir zum Beispiel absurd, zu behaupten, dass transatlantische Netzwerke keine Rolle in der deutschen Medienlandschaft spielen würden. Sie spielen eine Rolle und auch darüber sollte geredet werden.

In diesen Netzwerken findet zwar keine Gehirnwäsche von Journalisten statt, wir leben ja nicht in Nordkorea, aber es werden dort eben gezielt Medienmacher eingeladen, von denen die Organisatoren wissen, dass sie schon ähnlich ticken. Und wenn diese Leitartikler dann weiterhin das schreiben und sagen, was in den Netzwerken zum guten Ton gehört, und wenn sie das weglassen, was man dort nicht gern hören möchte, dann gibt es auch Belohnungen, wie etwa Einladungen zu exklusiven Konferenzen, Zugang zu einflussreichen Interviewpartnern und Aussicht auf Jobs im Umfeld der Netzwerke.

Genau so werden Gesellschaften gesteuert. Nein, kein Tagesbefehl. Keine Bilderberg-Konferenz. Es ist alles viel banaler, viel mieser.

Fast am Wichtigsten:

Es geht ja auch um viel. Das Thema behandelt Macht auf einer sehr hohen Ebene. Dagegen sind die Affären, die uns sonst so beschäftigen, vom VW-Abgasskandal bis zur FIFA-Korruption, eher belanglos. Hier geht es an die Grundlagen der Politik. Jeder, der am heiligen Gral Terrorismus rührt und ihn mit Staatsterrorismus verknüpft, der stellt die Substanz infrage. Darum die ständige Ausgrenzung solcher Debatten. Im Grunde ist das Schweigen zwingend. Wie sollte es denn auch weitergehen, wenn wirklich einmal offen bei Anne Will oder Frank Plasberg über 9/11 oder das Wissen um die Verstrickungen von Geheimdiensten in so manches Attentat geredet werden würde? Was sollte daraus folgen? Da tut sich ein Abgrund auf. Und alle spüren das, auch wenn keiner in den Leitmedien darüber redet. Ich habe das in verschiedenen persönlichen Gesprächen mit Journalisten bemerkt.

Elmar Theveßen etwa, der Terrorexperte vom ZDF, hielt sich zum Thema 9/11 mir gegenüber sehr bedeckt, obwohl er selbst 2011 ein Buch dazu verfasst hatte. Als ich einzelne Punkte mit ihm diskutieren wollte, wurde es schnell still am anderen Ende. Und Jochen Bittner von der ZEIT meinte mir gegenüber, alternative Sichtweisen zu 9/11 wolle man lieber nicht drucken, weil das „die Leser verunsichern“ könne. Das ist kein Scherz. So denken führende Leute in den Redaktionen. Daher bleibt man lieber auf vermeintlich sicherem Boden und redet von „Verschwörungstheorien“. Das ist bequem, weil man sich dann mit den Fakten gar nicht erst auseinanderzusetzen braucht. Außerdem machen es ja alle so und man fällt dann nicht auf. Das ganze Thema ist sehr stark angstbesetzt, so mein Eindruck.

So sehe ich das auch.

Aus dem Inneren einer Terrorzelle (Hannah Arendts erste Eindrücke)

An die Wohnungstür waren Huldigungen an den „Islamischen Staat“ (IS) gekritzelt.

Mach ich auch immer, wenn ich eine klandestine Terrorzelle gründe: Ersma meine Insignien an die Wohnungstür malen…

Beim Wiederlesen Hannah Arendts:

 

Hannah Arendt an Gertrud und Karl Jaspers

Chicago, 24. November 1963

Lieber Verehrtester, liebe Gute –

Ich schreibe noch ganz unter dem Entsetzen über die Ermordung Kennedys. Seit Tagen sitzt man am Radio und hört Nachrichten, die nicht nur furchtbar, sondern vor allem auch ganz undurchsichtig sind. Die zweite Ermordung des Verdächtigen (Oswalds Ermordung durch den Mafiosi Jack Ruby in der Polizeitiefgarage, hf) – bei dem man ja gar nicht umhin konnte, Verdacht zu schöpfen, daß er einfach nur auf gut Glück oder, schlimmer, nicht auf gut Glück festgenommen war – durch diesen Unterweltcharakter, von dem man eben durchs Radio gibt – wie nebenbei -, daß er mit der Polizei in Dallas sehr gut bekannt war (auf bestem Fuße stand), hat alles noch viel schlimmer gemacht.

(…)

Die Texas-Geschichte selbst mit dem doppelten Mord und den offenbaren versuchen, die Öffentlichkeit nicht zu informieren, klingt wie ein Vorkommnis aus einem Polizeistaat.

(Hannah Arendt – Karl Jaspers, Briefwechsel 1926-1969, herausgegeben von Lotte Köhler und Hans Saner, München (Piper) 2001 (2te Auflage), p. 569-570)

Scheint, dass auch Hannah Arendt Verschwörungsirre war. Amerikakritik, im gleichen Brief kriegt auch noch Israel sein Fett ab wg Eichmann-Prozess – ei ei. Sind die Lehrpläne schon geändert worden? Wann wird das Hannah-Arendt-Institut seine Namensänderung bekannt geben? Eine solche verschwörungsirre, antiamerikanische, wohl gar noch antisemitische sog. „Denkerin“ sollte sich die westliche Wertegemeinschaft nun wirklich nicht länger antun.