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Kölle

Da ist jemand aber enttäuscht! In der Tat: Die weitaus meisten Taten in der Sylvesternacht waren, sofern real, Bagatelldelikte. „Gib Kuß, Puppe!“, Antatschereien, Klaps aufn Po – alles nicht schön, gar keine Frage, alles primitiv, aber eben Dinge, die an jedem Wochenende in jeder Disco, in jedem Club ständig vorkommen. Hier wurde ja so getan, als ob über Stunden hinweg ein durchorganisierter Mob ein Haberfeldtreiben eröffnet hätte. Gegen „unsere“ Frauen (also: mir gehörn se nich, wem gehörn se denn dann? Frau Petry? Herrn Meuthen?)

Übrigens: Die erste Falschbeschuldigung wg angeblicher Vergewaltigung ist aufgedeckt: Ein offenbar psychisch labiles Mädchen (dem ich selbstverständlich keine großen Vorwürfe mache, sondern eher alles Gute für ihre Zukunft wünsche) hatte die ohnedies unglaubwürdige Behauptung erfunden, sie sei auf der Domplatte vergewaltigt worden und danach schwanger gewesen. (War im Arriba-Bad genauso: Die massiven, inzwischen widerlegten Vorwürfe stammten von zwei wohl ebenfalls psychisch instabilen Mädchen. Auch ihnen wünsche ich Stabilität und Ruhe.)

Das Ganze ist nur noch verrückt. Ich gehe davon aus, dass diversen Redaktionen das offenkundige Missverhältnis zwischen dem Kölner Narrativ und der Kölner Realität längst klar ist, sich aber niemand rantraut. Dafür war die Hysterie – inklusive front page story in der New York Times – zu massiv.

BKA-Zahlen – und einige Reflektionen

Die BKA-Zahlen „Kriminalität durch Flüchtlinge“ liegen vor. Sie überraschen nicht – Flüchtlinge haben ein Interesse daran, sich das Wohlverhalten der einheimischen Bevölkerung zu bewahren. (Das meine ich weder lobend – „brav, kleiner Flüchtling, brav, keep it up“, noch tadelnd „Du  kleiner Flüchtlings-Onkel-Tom“, das stelle ich zunächst schlicht so fest.) Die SpON-Überschrift stimmt übrigens nicht – Flüchtlinge sind im Durchschnitt sogar weniger kriminell als die Grundgesamtheit, wie SpON ja selber schreibt (Zitat: „Ja, die Kriminalität steigt, aber sie steigt deutlich langsamer, als es die wachsende Zahl der Zuwanderer vermuten lassen könnte.“). Dies verstärkt sich noch, wenn wir flüchtlingsspezifische Kriminalität abziehen – etwa Körperverletzung untereinander in hoffnungslos überfüllten Aufnahmelagern. Ich will solche Prügeleien nicht bagatellisieren, nur haben sie halt sehr spezifische, Sozialpsychologen hinlänglich bekannte Gründe…Gründe, die mit der Herkunft der Flüchtlinge gar nichts, mit den beengten Verhältnissen in den Notaufnahmelagern alles zu tun haben. (Ich schließe im Einzelfall übrigens überhaupt nicht aus, dass es in Flüchtlingsunterkünften Angriffe von Muslimen auf z.B. Christen gibt. Die allemal vorhandene Grundaggression sucht sich dann halt kulturelle Deutungsmuster, mit denen die Aggressionen legitimiert werden können. Dass sich Aggressionen hinter Deutungsmustern verschanzen, ist nun wirklich ein weltweit und seit eh bekanntes Phänomen.)

In diesem Zusammenhang ebenfalls einige kühle Bemerkungen über kriminelle Maghrebiner, also jene Gruppe, die u.a. wohl im Wesentlichen für „Köln“ verantwortlich war. (Man kann es gar nicht laut und häufig genug sagen: Die Straftaten in Köln wurden nicht von den Refugees des vergangenen Jahres begangen, sondern, nach allem, was wir derzeit wissen, überwiegend von seit Jahren kriminell operierenden Gruppen speziell aus dem Maghreb. Syrische Familien, die gerade ihr nacktes Leben gerettet haben, haben für so einen Tünneff wie eine besoffen-aggressive Silvesterparty auf der Kölner Domplatte weder Zeit noch Geld noch Sinn…)  Bei diesen maghrebinischen Gruppen handelt es sich, soweit wir wissen, um jüngere Männer, die von ihren Familien, unter Aufbietung letzter Reserven, nach Europa geschleust wurden, damit sie dort Geld heran schleppen, und zwar „egal, wie!“. Nein, ich werde ansexualisierte Antanzdiebstähle nicht verteidigen…aber ich habe Mitleid mit diesen Jungs, deren ganzes Leben verpfuscht ist – denn anstatt sich um Ausbildung, um Etablierung kümmern zu dürfen, müssen sie in ihren prägendsten Jahren irgendwie, meistens illegal, ein paar lumpichte Euros ranwirtschaften, um sie nach Marokko oder Tunesien oder Algerien zu transferrieren. Diese Jungs sind nirgends erwünscht, werden überall verachtet…Fanons altes Wort von den Verdammten dieser Erde, hier kommt es mir in den Sinn. Das furchtbare Leben der sans-papiers und ihr fast zwanghaftes Abgleiten in Kriminalität ist seit Jahren, Jahrzehnten hinlänglich bekannt. Preisfrage, Sherlock: Warum sollten diese Menschen glauben, uns irgend etwas schuldig zu sein? Was sind sie uns denn schuldig, und was wir ihnen? Ich kann doch nicht ständig irgend welche Länder, die mir nichts getan haben, als geopolitische Verfügungsmasse behandeln, und wenn die dort lebenden Menschen sich auf einmal unbotmäßig verhalten und ihren Anteil einfordern, sitzt, wie Tucho gesagt haben würde, ganz Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel! Ich war nie 3te-Welt-Idylliker, ich glaube nicht und glaubte noch nie, dass Armut einen zu einem besonders authentischen Leben animiert. Armut, abgehängt sein, für Aushub erklärt, zu Menschenplunder gemacht werden – das macht niemanden authentisch, es ist einfach nur erniedrigend und zerstörerisch. Das begreifen schmierige Typen wie Boris Palmer nicht. „Blonde Töchter grüner Professoren“ herrenmenscht es aus ihm. Die Menschenrechte eines Boris Palmer sind Herrenmenschenrechte, also jene Rechte, die z.B. beim Drohnenkrieg oder beim Coltanabbau besonders schwungvoll zum Ausdruck kommen. Insbesondere IPhones und Smartphones sind geklaut worden auf der Kölner Domplatte? Soso. Mal ganz böse gefragt: Haben sich die Afrikaner ihr Coltan etwa zurück geholt?

Nein, ich bin nicht für Straftaten a la Köln – sehr wohl aber dafür, andere Perspektiven einzunehmen. Es gibt nun mal so ein paar Faustregeln der Recherche. Etwa: Man soll sie billig hören alle beede. Oder: Wo alle Beifall klatschen, da sollst Du fragen. Wo alle Buh rufen, da sollst Du fragen. Oder: Sich nicht gemein machen mit irgend einer Sache, auch nicht einer vermeintlich guten. Oder: Stell Dich doch ein Mal, ein einziges Mal, in die Schuhe des Anderen…

Nichts ist so absurd wie das völlig unhistorische Demokratieübergestülpe. Wir fahrn nach Bagdad un machn da ne Dämogradie auf…kindisch, wenn es überhaupt ernst gemeint war (vermutlich nicht; das Menschenrechtsgeblubbere war wohl nur für die intellektuellen Speichellecker der Macht gedacht). Eine mit Bombenangriffen, mit toten Kindern etablierte sog. Demokratie ist zu Recht von vorneherein delegitimiert. Viel wichtiger: Menschheitsgeschichte vollzieht sich in Schüben, in Räumen, vollzieht sich nicht parallel, vollzieht sich leider auch gewaltsam, und „die“ Menschenrechte, obwohl logisch betrachtet abstrakt gültig, für jede und jeden jederzeit in Geltung, waren keineswegs „immer da“, sondern mussten geschichtlich entwickelt werden. Selbst in Europa, das heute arrogant so tut, als sei es immer schon demokratisch gewesen (die jüdisch-christliche Tradition Europas…dass ich nicht lache!), waren z.B. Frauen bis vor wenigen Jahren/Jahrzehnten noch massiv benachteiligt, sind es z.T. immer noch – von den Schwulen, den Schwarzen, den Juden mal zu schweigen. Ich bin dankbar dafür, in den 70ern/80ern im alten Westdeutschland sozialisiert worden zu sein – mit Zugriff auf alles, was lieb, gut, taschenbuchpreiswert und gefährlich war: Benn und Brecht, Marx/Engels (Raubdrucke des Fremdsprachenverlags Peking!) und Spengler/Nietzsche, Camus und Sartre, die Klassiker sowieso…alles war da! Wenn man mir als 17jährigen erzählt hätte, dass man die „schmutzigen Schwuli-Bulis“ unter Kuratel stellen müsse, weil die ja krank und abartig seien und Jungs zum krank/abartig sein verführen könnten, hätte ich 17jähriger Klaus-Mann-Leser (obwohl Hete) einfach angefangen zu kichern. Nur besteht für europäische Arroganz kein Anlaß. Es war diese Haltung überhaupt nicht mein Verdienst! Es hatte bei mir mit 14, 15 – ich geriet an die Frühpubertät, ferner an Kafka und an die Bulldozer-Bilder aus Bergen-Belsen, alles brachte mich fast um den Verstand – einfach „klick“ gemacht im Kopf. Hä? Juden sind minderwertig? Schwule sind minderwertig? Schwarze sind minderwertig? Frauen sind minderwertig? Gehts noch? Wer ist der behandelnde Arzt? Es gibt jetzt aber ein Problem: Dass ich diese Haltung entwickeln konnte, hatte Gründe, die nichts mit mir zu tun hatten. Es ist die europäische Geschichte, die mir diese Einsichten erlaubte – eine unfassbar brutale, gewaltbereite Geschichte, ein jahrtausendlanges Ringen um Vorherrschaft mit Nazi-Deutschland als negativer Apotheose. Nur 50 Jahre früher geboren…und ich schließe eine SS-Karriere nicht aus. Ich hatte einfach Glück gehabt, wurde als in jeder Hinsicht privilegierter im „goldenen Zeitalter“ (Hobsbawm) geboren. Wenig später, so etwa mit 17, geriet ich dann auch an Filme, etwa an Costa Gavras „Missing“. Da wars dann auch politisch aus.

Jetzt mein Probem: Wie kommuniziere ich mit Menschen, die anders groß geworden sind? Die keine postmoderne Demokratie, keine multiplen Bildungschancen hatten? Zum Beispiel in Gesellschaften, wo – grauenhaft! – kleine Mädchen zwangsbeschnitten werden? Wo Schwule, weil sie schwul sind, gedemütigt, vielleicht sogar öffentlich aufgehängt werden? Wo Juden verfolgt und gehasst werden? Wo, mit anderen Worten, heute noch das passiert, was in Europa vor wenigen Jahrzehnten auch noch gang und gäbe war, jahrtausendelang? Einerseits ist europäische Selbstgefälligkeit nicht am Platze, andererseits möchte ich, ganz ehrlich, hier sehr offensiv auftreten: Juden, Schwule, Schwarze, Frauen, psychisch Kranke, natürlich auch Muslime sind nicht minderwertig, sie sind es objektiv und ontisch nicht, ich habe hier objektiv recht und ihr objektiv unrecht. Entschuldigt bitte, Ihr Lieben, aber hier gibt es für mich keinen Diskussionsspielraum. Wir können über Historie reden und sollten das auch, darüber, dass auch meine Gesellschaft diesen mörderischen Unfug jahrtausendelang gelaubt hat und er also offenbar Bedürfnisse befriedigte. Ich bin sehr für Rankes Historismus, wenn es darum geht, zu verstehen. Aber die Inhalte der Menschenrechte zu verhandeln bin ich nicht bereit. Natürlich muss man Menschen immer „dort abholen, wo sie stehen“ – alles andere ist witzlos -, aber dann muss es schon erlaubt sein, zu sagen „Du stehst falsch, objektiv falsch dort, wo Du jetzt stehst“. Und wenn das jetzt „Kulturimperialismus“ sein soll, dann bitte mehr davon.

Die These, der Begriff der Menschenrechte sei von bildungs- und ökonomisch privilegierten weißen Männern in Europa und Nordamerika entwickelt worden, ist historisch zweifellos zutreffend, aber unerheblich. Ich möchte diese Menschenrechte nicht preisgeben oder relativieren, sondern für alle in Geltung sehen – dafür heißen sie ja auch Menschenrechte. Dass die Machtelite meines politischen Verbandes auf diese Menschenrechte ebenfalls scheißt und lediglich dann die Menschenrechtskarte zückt, wenn es den eigenen Machtinteressen dient, weiß ich, ich bin ja nicht blöde – Stichworte: Drohnenkrieg, Coltan, Öl. Und dass die Mehrheit meiner sog. Nahgruppe, die Mehrheit der sog. „Bio-Deutschen“ (ich verwende diesen witzigen Begriff mal; wir alle wissen, was gemeint ist) mit postmoderner Demokratie auch recht wenig am Hut hat, weiß ich ebenso; die Anzahl der seit 1990 totgeschlagenen „Fremden“ belegt es.

Worum geht es? Ich höre immer „Integration“. Na gut, nennen wir es „Integration“, da gerade kein besserer Begriff zur Hand ist. Aber was ist darunter zu verstehen? Sollen die Einwanderer in Dirndl und Lederhose aufs Oktoberfest spediert werden – sozusagen eine Kulturschockmethode? Wohl kaum. Sollen sie sich in Integrationskursen textanalytisch durch Kants ‚ewigen Frieden‘ ackern? Auch eher nicht, obwohl das schon eher Sinn machte. Ich denke, Integration ist ganz einfach: Es geht um die minima moralia, es geht um Schopenhauers Neminem laede. Um mehr geht es nicht, aber darum geht es, und zwar diskussionslos. Im Klartext: Du willst hier leben? Okay! Dann musst Du damit rechnen, weibliche, schwule oder jüdische Vorgesetzte zu haben. Und damit musst Du klarkommen. Mehr erwarten wir nicht – aber das erwarten wir, und das dürfen wir auch erwarten. Du musst sie nicht lieben, aber Du musst sie respektieren. Das ganze ist übrigens, und jetzt gehts ans Eingemachte, keine Einbahnstrasse. Ein persönliches Beispiel: Der Leiter der für mich zuständigen HaSpa-Filiale ist, zumindest dem Namen nach, türkischstämmig. Wenn der Edelgermane Hartmut anrückt und um einen Kredit nachfragt, ist es Mustafa (in Wahrheit heißt er anders), der „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ macht – und so muss es auch sein, es geht nicht anders! Wenn der Edelgermane Hartmut als Gewalttäter auffällig werden sollte, kann es sein, dass die (wunderbare) Kriminalpsychologin Nahlah Saimeh ein Gutachten über mich erstellt – und so muss es sein, es geht nicht anders! Integration kann also nicht meinen, dass „die“ sich „uns“ ‚gefälligst‘ anzupassen haben. Integration kann nur ein Geben und Nehmen sein, ein fairer Interessenausgleich, also eine Interaktion von Gleichen aka von Menschen. Solange „Integration“ von Leuten gefordert wird, die die Herrschaft des weißen Mannes (inzwischen generöserweise: des weißen Menschen) absichern wollen, wird sie natürlich scheitern. Denn das ist keine.

Fischer über Köln

Thomas Fischers Kolumne ist sowieso immer Pflicht – heute aber erteile ich Lesebefehl. Inzwischen gibt sogar die Polizei z. B. in Pirna zu, dass der öffentliche Hype selbstverständlich das Anzeigeverhalten beeinflusst – kriminologisch ist auch nichts anderes zu erwarten gewesen, und wer das Derailing und Abwiegeln nennt, hat schlicht keine Ahnung. (Für die, die es nicht wissen: Das bedeutet nicht, dass die sozusagen „ausnahmsweise“ angezeigten Taten realitär nicht statt gefunden haben – es bedeutet aber, dass die Zahlen, die ja auf angezeigten Taten beruhen, dadurch im Vergleich mit anderen Massenveranstaltungen systematisch nach oben verzerrt werden. Das ist nun wirklich Statistik 1, sorry. Und das wissen die akademisch ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter z.B. in den Ministerien natürlich auch ganz genau.)

Auch Fischers folgende Bemerkung hat nichts mit Derailing zu tun, sondern dem Wiedergewinnen von Maßstäben und Proportionen:

Zum Beweis hier ein Bericht der örtlichen Presse über einen sicheren und friedlichen Freudentag im Zülpicher Viertel, Köln 2014:

„Die Beamten haben insgesamt 43 (88) Platzverweise erteilt und 47 (39) Personen in Gewahrsam genommen (Vorjahreszahl in Klammern). Die Polizisten leiteten 55 (46) Strafverfahren, unter anderem wegen Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigung, Taschendiebstahl, Raub und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ein. 18 (9) Straftäter wurden festgenommen.“ Nun gut, später entwickelte sich die Sache: „Zu vorgerückter Stunde und mit steigendem Alkoholpegel stieg die Zahl der Straftaten wie Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Beleidigungen an.“ Aber insgesamt eine rundum schöne Bilanz: „‚Die Polizei sorgte durch konsequentes Einschreiten und sichtbare Präsenz für Sicherheit‘, bilanzierte Einsatzleiter Polizeirat H.“

Man kann also, verehrte Araber, auch anders. 55 Strafverfahren, 18 Festnahmen, ein paar Dutzend Raube und ein paar Hundert Körperverletzungen an einem fröhlichen Karnevalstag in einem einzigen Kölner Stadtviertel (meine Hervorhebung!, hf)

Zur wiederholten Klarstellung: Am Kölner Hauptbahnhof hat es offenkundig Straftaten in einem nicht unerheblichen Ausmaß gegeben. Daran gibt es nichts schön zu reden; warum auch, für wen auch. Die Schilderungen der Opfer – etwa hier und hier – sind ekelhaft anzusehen. Auch ich wünsche natürlich, dass die Täter dingfest gemacht und aus dem Verkehr gezogen werden.

Aber „so noch nie dagewesen“, vertierter, 1000köpfiger Flüchtlings-Sexmob, tagelang internationale (!!!) Schlagzeilen, inklusive Frontpage bei der New York Times (sic!)…das war absurd. Solche Opferinterviews kann man, wenn man (Mann? Frau? Frau Schwarzer?) denn will, nach jedem Karneval machen. Und als Hamburger sage ich: Nach jeder wilderen Kiez-Nacht, etwa zum Hafengeburtstag, auch. Aber Alice will hier wohl nicht mehr ran an‘ S-peck.

Ja, auch ich möchte einen Untersuchungsausschuß. Ich möchte wissen, wer uns belogen hat und warum. Wer hat dafür gesorgt, das eine zweifellos ziemlich widerwärtige Sylvesternacht, die verlief, wie so viele „Party“-Nächte leider verlaufen, zur Ausnahme gelabelt wurde, zur Nacht ohne Beispiel, zur Bedrohung für jede deutsche Frau? (Regina Schleheck ist ausgenommen, aber die ist ja, wie ich, älter, die zählt nicht. Mag sich Alice um die sexistischen Konnotationen mal kümmern, die dort in den unfassbar hasserfüllten facebook-Kommentaren an den Tag gelegt wurden? Motto: Die olle Kuh Schleheck, die wolle ja keiner von „denen“ mehr, die hat natürlich nichts erlebt, denn die hat nix mehr zu bieten, deren Brüste hängen schlaff. Wird Alice übernehmen?) Ja, ich möchte einen Untersuchungsausschuß.

Natürlich nutzt es nichts mehr. Denn die Erzählung ist lanciert, das Mem in der Welt. Vertierte, 1000köpfige nordafrikanische, äh, syrische, äh, jetzt doch nordafrikanische Horden vergewaltigen unsere blonden Frauen. Karneval, Oktoberfest, Hafengeburtstag – alles läuft postmodern/Feministisch/Butler-kompatibel ab, aber wehe, wenn der Musel-MANN kommt… Wer jetzt noch genaue Recherche einfordert, andere Perspektiven einnimmt, ist ein widerlicher Gutmensch, der die Opfer verhöhnt. Verhöhnt man die sehr realen Opfer nicht vielmehr dadurch, dass man sie politisch vernutzt?

Der politische Schaden ist da, „die Spaltung gelungen“, wie mir André Tautenhahn schrieb, und Pegida und AfD sind im Dauerpartymodus. Dass sie das mit Alice Schwarzers Segen sind, könnte man sogar schon wieder spaßig finden, wäre es nicht so ernst. „Emma“ lallt heute und jetzt noch (Screenshots are taken) wahrheitswidrig vom „Terror“ und davon, dass es „bis zu tausend Männer gewesen sein (sollen)“ – sogar die Kölner Polizei hat die Zahl der mutmaßlichen Täter inzwischen drastisch nach unten korrigieren müssen.

Es ist soweit

Menschen werden in Deutschland ganzjährig bejagt.

Bergers Treffer

Wichtige Faustregel des intellektuellen Anstands: Wer scharf kritisiert, muss auch deutlich loben, wenn es angebracht ist. Heute hat Jens Berger einen (Fast, siehe unten)Volltreffer gelandet:

So schafft es jeder Artikel des WELT-Journalisten Henryk M. Broder mühelos in die Echokammern der Pegidisten, wo er dann natürlich – „Endlich sagt mal jemand die Wahrheit“ – als gemeinschaftsstiftendes Gruppenbekenntnis gefeiert wird. Auch fremdenfeindliche Beiträge rechter Blogs und konsensfähige Kommentare von anderen Mitgliedern der jeweiligen Gruppen werden positiv aufgenommen und weiterverbreitet.Darüber kann man nun natürlich die Nase rümpfen. Dies macht die Sache jedoch auch nicht besser. Und abgesehen von den Inhalten funktionieren ja auch andere Kommunikationsnetzwerke nach dem gleichen Muster. Nehmen wir da ruhig die klassischen Medien selbst als Beispiel. Was sich als Kern des Hauptstadtjournalismus herausgebildet hat, ist in gewisser Art und Weise auch eine Echokammer. Man ist sich in den wesentlichen Punkten einig, ignoriert Positionen, die dem gemeinsamen Konsens zuwiderlaufen, zitiert sich mit Vorliebe selbstreferentiell selbst und bleibt im Netzwerk am liebsten unter sich. Natürlich rümpft der selbsternannte Qualitätsjournalismus über reale und virtuelle Stammtische nur die Nase. Aber ist ein nobler Gentlemen´s Club nicht auf gewisse Art und Weise auch nur ein Stammtisch?Während Pegida auf die „Lügenpresse“ schimpft und dabei auch gleich mehr oder weniger elegant einen Vorwand gefunden hat, sich nicht mit Informationen zu beschäftigen, die dem eigenen Weltbild zuwiderlaufen, klagt die Bel Etage über ihre schwindende Meinungsmacht und schimpft ihrerseits über die bösen sozialen Netzwerke und „Verschwörungstheoretiker“. Na klar, das Netz wimmelt nur so von Wirrköpfen und Hetzern (z.B. Politically Incorrect, der Kopp Verlag und Jürgen Elsässers Compact). In seiner Pauschalität ist dieser Vorwurf jedoch genau so unzutreffend, wie der „Lügenpresse-Vorwurf“ der Pegidisten. Beide Vorwürfe sind vielmehr eine Abwehrstrategie, um sich gar nicht erst mit Informationen, Positionen und Deutungen beschäftigen zu müssen, die nicht mit dem eigenen Weltbild zusammenpassen.

Genau so ist es. Und solange das nicht begriffen wird, werden die Klisché-Blöcke aufeinander zu fahren, einen vollelastischen Stoß ausführen, in ihre Ausgangsstellungen zurück rollen, und das nennt man dann „Diskurs“. Passiert ist im Grunde nichts…

Einen kleinen Einwand, schon Stokowski hat ihn sich gefallen lassen müssen, habe ich:

Wer die Gesellschaft zum Positiven verändern will, muss auch und vor allem Andersdenkende überzeugen. Wie will man jemanden überzeugen, den man noch nicht einmal verstehen will? Das Leben in der Echokammer ist bequem, da man plötzlich nur noch von Gleichgesinnten umgeben ist und keine ernsthaften Debatten mehr führen muss. Dummerweise ist die Außenwirkung dieses internen Schulterschlusses gleich null. Die Welt nimmt es vielmehr überhaupt nicht zur Kenntnis, wenn diese oder jene Echokammer wieder einmal einer Meinung ist.

So weit, so banal, und ich habe immer gesagt: In einem Punkt bin ich Adenauerianer! Auch ich rede zunächst mit jedem. Nur setze ich mich nicht mit jeder These auseinander. Was habe ich inhaltlich mit einem Rassisten, einem Antisemiten, einem Muslimhasser, einem Schwulenhasser zu verhandeln? Dass er (ach, bitte) nur jeden zweiten totschlagen möge? Gerade das ist ja das Wesen des Faschismus: Der totale Kommunikationsabbruch, lies: Der totale Abbruch jeglichen menschlichen Verkehrs. Wir haben mit dem Faschismus nichts zu besprechen. Und Pegida, also der johlende Menschenhaß, ist Faschismus. Ich rede mit jedem Faschisten – aber ich lege vorher meine Karten auf den Tisch: ich rede mit ihm unter der Voraussetzung, zwar verstehen zu wollen, wie, um alles in der Welt, er denn zu solchen absurden Vorstellungen gekommen sei… aber nur, um ihm einen Ausweg aus seinem inneren Irrgarten anzubieten. Faschismus ist Menschenhaß, und auf Menschenhaß kann man letztlich nicht angemeßen reagieren. Kommt der Faschismus zur Macht, bleibt der Welt nichts anderes übrig als das, was sie 39-45 tun musste und zum Glück getan hat: Totschlagen wie einen räudigen Hund. Genau das ist übrigens die innerste, tiefste Freude des Faschisten: Die Humanität auf sein Niveau zerren. Es ist dem Gesindel nicht einmal 39-45 gelungen. Nazideutschland wurde, gottseidank, erbarmungslos vermöbelt – als es besiegt war, eröffnete die Welt den Deutschen, also unseren Vorfahren, eine neue Chance. Welche neue Chance hätten die Nazideutschen, also unsere Vorfahren, im Falle ihres, unseres Sieges den Juden, Polen, Russen eröffnet?

Genau so sollten wir auch mit Pegida-Bewegten umgehen. Jede, jeder, die und der sich eines Besseren besinnt, wird mit Jubel und Glockengeläut begrüßt – die unbelehrbaren Menschenhasser aber sind unsere Gegner. Inhaltlich haben wir mit ihnen nichts zu besprechen. Und das müssen wir auch so signalisieren. Mit offenen Karten spielen scheint mir wirklich das beste Mittel gegen Pegida.

Noch einmal der Herr P.

Die Debatte rund um Akif Pirincci ist, wie burks immer sagt, „pädagogisch wertvoll“. Der erste Reflex (der will KZs einrichten) ist ja nun hoffentlich als falsch erkannt – ein ärgerlicher Reflex, weil er Pirinccis eigentliche Infamie verbirgt: Pirincci nimmt, indem er KZs ins Spiel bringt, die man für ihn vorgesehen habe, für sich und die Pegida-Bewegung einen Opferstatus in Anspruch und vergleicht sich, übrigens im weiteren Verlauf der Rede sogar wörtlich, mit den Nazi-Verfolgten. Diese widerwärtige, hasserfüllte Vertauschung muss thematisiert werden.

Sie ist nur Teil einer größeren Umtauschaktion. Die gesamte Pegida-Bewegung, im weiteren wohl auch größere Teile der sog. Mitte, lebt davon, dass sich hier Bürger als Opfer fühlen dürfen – Opfer klandestiner Machenschaften, Opfer eines Lügensystems. Dies zeigt sich an und in ihrer Sprache. „Lügenpresse“ ist ursprünglich ein variabel eingesetztes Wort gewesen: Im Ersten Weltkrieg nannte man die „Feindpresse“ so, die Nazis belegten Exilblätter damit…aber auch die Arbeiterbewegung machte Gebrauch von dem Begriff, und die „Frankfurter Rundschau“ verstand ihre Gründung 1945 explizit als Gegenentwurf zu – Zitat! – „Hugenbergs Lügenpresse“. Auch mir war der Begriff bis vor kürzerem nur im Zusammenhang mit Hugenberg bekannt; und dort traf und trifft der Begriff auch zu. Jetzt ist er natürlich eindeutig besetzt; man hat es versäumt, um ihn zu kämpfen. Im Übrigen schmeckt mir die vielfältig herauszuhörende Suggestion unserer „Qualitätsmedien“ – etwa so: wenn Du an mir zweifelst, bist Du ein zweiter Lutz Bachmann – ganz und gar nicht. Ich lass mir vom Dummy „Lutz Bachmann“ doch nicht meine Medienkritik verbieten… Und am Medienkartell gibt es einiges zu kritisieren – unvergesslich ist mir jedenfalls die fast einstimmige Hetze gegen Erwerblose im Zusammenhang mit der Einführung der Hartz-Gesetze.

Ich könnte weiter machen. Es wäre zum Beispiel einiges damit gewonnen, einmal kritisch über den Begriff „Verschwörungstheorie“ zu reden. Gar keine Frage, Pegida ist eine einzige, absurde Verschwörungstheorie. Ich möchte dennoch gerne wissen, was auf den Bilderberg-Konferenzen so verhandelt wird. Von mir haben diese Leute jedenfalls kein Mandat erteilt bekommen, und das fest zu halten hat mit „Verschwörungstheorien“ (an die ich bei Bilderberg nicht glaube; eher dürfte Marcus Klöckners Analyse hinkommen) erst einmal nicht das Geringste zu tun.

Pegida, das macht ihre Gefährlichkeit aus, dockt an Gefühlen an, deren Berechtigung z.T. nicht von der Hand zu weisen ist und tauscht diese Gefühle dann um. Die gesamte radikale Rechte seit eh darf man ja so deuten: Das Aufsaugen diffuser, z.T. sogar berechtigter Ängste und deren Umtausch in haßerfülltes völkisch-nationales Pathos. Das ist Faschismus in nuce. In diesem Zusammenhang ließe sich fragen, ob Pirincci versteckt nicht doch mit KZs gedroht hat. Denn die faschistische Seele lügt anderen immer das zu, was man selber, hätte man nur Macht und Gelegenheit, jederzeit tun würde.

Was tun? Wie sich auseinandersetzen mit diesem Phänomen? Vorderhand kommt der parlamentarische Ableger Pegidas bei Umfragen auf 6, 7 %. Das ist ärgerlich, aber keine Bedrohung. Vielleicht wirklich einfach ruhig weitermachen. Rassistisch-völkische Sauhaufen „rassistisch-völkische Sauhaufen“ nennen und fertig. Hat jemand bessere Ideen?

kein rechtsradikaler Hintergrund, sondern bürgerlich

Die Tat habe zwar einen fremdenfeindlichen, aber keinen rechtsradikalen Hintergrund, betonte die Polizei. Das geständige Duo sei dem bürgerlichen Umfeld zuzurechnen.

Das kann man nicht erfinden…

Turnhalle brennt

In Nauen ist eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge Menschen ausgebrannt.

Es wird wieder Tote geben.

undeutscheste Typen

Na gut, Gabriel hat sich von jedem rechten Demonstranten, jeder rechten Demonstrantin die Pässe zeigen lassen und stellt erleichtert fest (warum wäre das eigentlich eine Erleichterung!): ganz undeutsch. „Undeutscheste Typen“ radebrecht er sogar und weiß nicht, dass man diskrete Zustände nicht steigern kann.

Derweil entstellt sich der Haß auch hier in Barmbek zur Kenntlichkeit. Muss der ein tristes Leben haben – oder ist es eine „sie“? In gerader Rede natürlich uninteressant, in jeder Hinsicht (halt der übliche Ressentiment-Brei), als Dokument jedoch bezeichnend.

„Ich glaube den sogenannten Migranten kein Wort.!!! „

Ungeheuer beeindruckende Arbeit von Gregor Weichbrodt und Hannes Bajohr. Nicht, dass wir überrascht wären. Aber da tun sich schon Abgründe auf. Abgründe, die konsequent mit dieser unfassbar schmierigen Verlautbarung Merkels in Verbindung stehen. Merkel weiß ja, dass das nicht stimmt. Sie weiß, dass nichts geschehen wird (ein paar web-tv-kompatible Palliativa ausgenommen…“Rettungs“schiffe beim Auslaufen und so). Es geht ihr nicht darum, Flüchtlinge zu retten, weil es dem Publikum darum nicht zu tun ist – die wären dann ja hier! -, sondern wie immer allein darum, Politik zu moderieren. Die Flüchtlinge sind den vollgefressenen Europäern egal wie nur irgendwas. Eine Problemlösung ist gar nicht vonnöten. Wohl aber eine Lösungsankündigung, die das Gewissen beruhigt. Politikersatz in therapeutischer Absicht.