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Bertelsmannstiftung: Trickle-down funzt nicht

Haben die das wirklich so gesagt? Im Augenblick habe ich nur den SpON-Artikel gelesen:

In 90 Prozent der untersuchten Länder sei soziale Teilhabe weniger wichtig als „marktwirtschaftliche Arrangements“, schreiben die Forscher. Schuld sei eine „einseitige Prioritätensetzung der vergangenen Jahrzehnte“. Den „Trickle-down“-Effekt, bei dem eine marktradikale Ausrichtung nach anfänglichen sozialen Spannungen zu mehr Wohlstand führen soll, gebe es nicht wie erhofft. Die als „Washington Consensus“ bekannt gewordene Erwartung, „wonach Liberalisierung, Deregulierung, Privatisierung und niedrige Kapitalertragssteuersätze (…) letztlich höhere Einkommen für die Mittelschicht“ bringen, habe sich „in weit geringerem Umfang erfüllt als vorhergesagt“.

Fast schon bizarr nimmt sich dagegen aus, wie gut es der Studie zufolge nach der Krise der späten Nuller Jahre dem Banken- und Kreditwesen geht. Ein „rasche Stabilisierung der Bankensysteme“ habe dafür gesorgt, dass sich der „Anteil notleidender Kredite seit 2009 in den meisten Ländern verringert“ habe.

Und, Bertelsmann-Stiftung? Was könnte das mit den Kartoffelpreisen zu tun haben? Wer hat diese „einseitige Prioritätensetzung“ uns denn wieder und wieder als TINA angedient?

Kalter Staatsstreich und deutsche Kläglichkeiten

Der muffige Mythos vom „Wirtschaftswunder“, das nur möglich wurde, weil „alle mit anpackten“, gehört zu den widerwärtigsten und schamlosesten Narrativen des deutschen kulturellen Gedächtnisses. Historiker wissen es seit langem besser: Voraussetzung dafür, die ökonomische Übermacht in Europa wiederzugewinnen, war das Regulieren der deutschen Kriegsschulden, genauer: Ihre fast ersatzlose Streichung. Denn von ein paar belanglosen symbolischen Zahlungen abgesehen – Zahlungen, die locker zu stemmen waren -, hat Deutschland (West!) niemals für die immensen Schäden zahlen müssen, die es im zweiten Weltkrieg allein verursacht hat. Bis zum heutigen Tag will in Deutschland kaum jemand zur Kenntnis nehmen, welch unfassbar großzügiges Geschenk dem Land mit der Londoner Schuldenkonferenz 1952 gemacht wurde. Viel wichtiger noch als die sehr moderaten Zahlungsregelungen war aber etwas anderes: Der Artikel 5.2, also die Vertagung der Reparationsfragen auf einen späteren Friedensvertrag, den es bis heute zwar de facto, aber letztlich nicht de jure gibt (zumindest ist das unklar; siehe unten). Auf der Pariser Konferenz 1945/46 wurden noch zum Beispiel griechische Ansprüche an Deutschland in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar (in Kaufkraft von 1938) festgestellt – an Griechenland ausgezahlt wurde später die lächerliche Summe von 15 Millionen USD (!!!) (vergl. Králová, Katerina/Kakasová, Nikola, Reparationsforderungen: Umfang, Rechtsfragen, politische Rahmenbedingungen, in: Klemm, Ulf-Dieter/Schultheiß, Wolfgang (HG), Die Krise in Griechenland – Ursprünge, Verlauf, Folgen, Frankfurt/Main (Campus) 2015, zit. nach der text- und seitenidentischen Sonderausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2015, p. 299-325, hier p. 312). Griechenland hat mehrfach auf die noch ausstehenden Zahlungen hingewiesen und wurde von der alten Bundesrepublik auf den noch ausstehenden Friedensvertrag verwiesen (aaO, p. 313 ff). Als nach den zwei-plus-vier-Verträgen, zumindest de facto der Friedensvertrag mit Deutschland, Athen und andere Länder im Ton deutlicher wurden, fuhr Deutschland ein multiples Arsenal an Argumenten auf: Neben dem Hinweis darauf, zwei-plus-vier sei kein Friedensvertrag (nebenbei: das behaupten auch die „reichsdeutschen“ Idioten!), verwies man auf Kredite seit 1958 (die Griechenland allerdings sauber zurück gezahlt hat), auf technische und militärische Hilfe im Rahmen der Nato, auf EU-Zahlungen an Griechenland (die allerdings eben EU-Zahlungen, nicht deutsche Zahlungen, sind), nicht zuletzt wollte man auf Verjährung plädieren (vergl aaO 314ff).

Wie auch immer im Einzelnen: Deutschland ist insgesamt, wenn wir uns das Desaster namens zweiter Weltkrieg ansehen, sehr gut weg gekommen. Vermutlich war es richtig, Deutschland nicht die Summe abzufordern, die hier fällig gewesen wäre – leisten können hätte Deutschland diese Summe ohnedies im Leben nicht! -, und eher auf die Zukunft zu setzen. Die deutsche Gesellschaft hätte jedoch allen Grund, dankbar zu sein. Sie ist es aber nicht. Der elend falsche Mythos vom Wirtschaftswunder („wir, wir allein, durch harte Arbeit…“) geht in Deutschland für gewöhnlich eine absurde Symbiose ein mit jener Aggressivität gegen alles und jeden, der fremd ist, denn „die“ wollten ja nur an „unser“ Geld. Die innere Selbstverwahrlosung Deutschlands – hier wird sie greifbar. Mein Land legt eine aggressive Freudlosigkeit an den Tag, die mich staunen macht. Ich bin fassungslos über das, was ich seit Monaten an regelrechten Haßexzessen gegen „die Griechen“ lesen muss. Inzwischen geht man, um die Stimmung am Köcheln zu halten, zu offenen Unwahrheiten über. Ganz unpolitisch nenne ich die antigriechische Hetze, die seit Jahren betrieben wird und die in den letzten Monaten unterirdisches Niveau erreicht hat, schlicht unanständig. (Zur antigriechischen Hetze der letzten Jahre vor 2015 vergl den Aufsatz „Die Rolle der Medien“ von Hans Bickes, Tina Otten und Laura Chelsea Weymann, aaO p. 326-351; Endredaktion des Bandes war Oktober 2014.) Man wirft mir und anderen ja gerne vor, das Insistieren auf schlichten Anstand habe etwas naives und allemal etwas bürgerliches an sich. Mag sein. Aber es ist, dabei bleibe ich, auch für die politische Analyse ein guter Einstieg. Denn: wer lügt, wer hetzt, wozu, warum, wofür? Und woher der offenkundige Erfolg dieser Hetze? Ich bin, was Dinge wie „Psycho-Historie“ betrifft, eher vorsichtig…aber habe ich mich so vollständig verhört, wenn ich hier eine massive Abspaltung wahrnehme? Der deutsche Steuerzahler weiß letztlich sehr genau, wie gut es ihm geht – und er weiß ebenso genau, wieviel Glück er hatte. Genau das aber führt bei ihm nicht zu Gelassenheit, sondern zu zum Teil absurden Haßexzessen. Wäre ich Christ, ich würde den Durchschnittsdeutschen so charakterisieren: Alle sieben Todsünden in Person… Ich bin kein Nationalist, nicht einmal negativer – aber das eigene Land zum Sauhaufen erklären zu müssen ist schon bitter. Im übrigen sind wir na klar die Allertollsten. Nicht zu begreifen, dass uns keiner mag.

Jetzt also haben wir – es ging sehr schnell – den von burks und mir (und anderen) vorhergesagten kalten Staatsstreich („Es ist das Programm einer feindlichen ausländischen Macht“ sagt der milde Münchau völlig zu Recht). Dass Tsipras nicht einfach zurück tritt, ehrt ihn vielleicht. Er scheint die Folgen zu fürchten. Aber wären die Folgen, vielleicht bis zu ausgewachsenen Riots, so viel schlimmer als das, was Griechenland jetzt bevorsteht – nämich die finale Brüningsche Dr-Eisenbarth-Kur? Glauben Merkel und Schäuble sich eigentlich den Blödsinn, den sie daher reden, selber? Griechenland bleibt entweder im Euro – dann muss es so etwas wie einen europäischen Länderfinanzausgleich geben (ich wäre dafür*), denn ein Angleichen des Produktivitätsniveaus wird es auf Jahrzehnte nicht geben. Oder Griechenland darf abwerten – und zwar die Währung. Die dritte Alternative, nämlich Griechenland habe weiter zu verarmen, Löhne, soziale Leistungen weiter zu verschlechtern, ist mir dann in der Tat ganz unpolitisch-bürgerlich zu unanständig. Aber auf diese Unanständigkeit wird es hinaus laufen. Denn Merkel vollzieht, was der deutsche Kleinbürger fordert, übrigens auch der postmoderne Kleinbürger (das ist der, der sich für kritisch hält, weil er Bio ißt und seine Kinder nicht mehr schlägt): Den Wohlstandsladen in Deutschland gefälligst flott halten; der Rest interessiert nicht. Die berühmte Kritik an Merkel, sie stehe eigentlich für gar nichts, deswegen ihr Erfolg, geht völlig fehl und hat das Geheimnis des Merkelschen Erfolgs nicht verstanden. Sie lebt, seit 2005, verstärkt seit 2007/08, von dem einen großen Narrativ: „ich sorge dafür, dass Ihr Deutschen weiterhin nach Malle jetten könnt und Euch dort schmatzend, rülpsend und mit Euro-Scheinen winkend als die Herren Europas aufspielen dürft!“ Ein Narrativ, dessen Bezüge zu dem oben benannten auf der Hand liegen.

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*In Bayern (das ist jenes Bundesland, welches von 1950 bis in die End-80er fett reibe rangezockt hat beim Länderfinanzausgleich; „wir“ Hamburger habens den Bayern besonders massiv in den Arsch stecken müssen) sollte es für diese Forderung besonders viel Verständnis geben… Ich kann übrigens gönnen, erwarte gar keine Danke-Mails aus dem jahrzehntelangen Netto-Empfängerland Bayern. Was ich als Hamburger, Ihr von mir höchstpersönlich fett gefütterten Bayern, was ich von Euch allerdings erwarte: Jetzt mal die Klappe zu halten und etwas demütiger aufzutreten…Ansonsten möchte ich Griechenland gern bald mal besuchen. Aber als Gast, nicht als Eroberer. Sogar einen kleinen Abstecher nach Bayern könnte ich mir vorstellen…mal schauen, was meine beiden Hamburger Kolonien so machen…

Börsencrash in China

7 % an einem Tag. Sieben! Und ein Drittel Verlust seit Juni.

Merkt nur kaum einer hier, weil alle Welt über Griechenland redet.

Eine kreditfinanzierte Aktienspekulation wie 1929…krass. Auch bei uns warten übrigens die nächsten Blasen auf die Wirklichkeit; etwa auf dem Immobilienmarkt. Träfe es nur die, die geglaubt haben, Geld könne arbeiten, würde es mich nicht jucken. Aber auf verquere Art und Weise schlägt das Platzen von Blasen zurück auf die reale Welt – weil ja auch der Konsum während des Aufpumpens kreditfinanziert war. Bitte jetzt kein Wort über die „Zocker“. Spekulationsblasen sind, wie burks immer so schön sagt, a feature, not a bug im Kapitalismus.

Streik! Und was er mit Vegetarismus/Veganismus zu tun hat

bildstreik

Na hoffentlich!

Interessant finde ich, dass trotz der Einseitigkeiten, die fast die gesamte Berichterstattung über den Streik durch den „Qualitäts“journalismus auszeichnet, noch so viele Bundesbürger den Streik nachvollziehen können. Ob 68, ob die Willy-Willy-Jahre, der linke Teil der Öko-Bewegung (also jener Teil, der immer auch soziale Fragen ins Spiel brachte und sich nie auf Naturesoterik reduzieren ließ – Naturesoterik haste auch bei Heinrich Himmler und dem Vegetarier Adolf Hitler*) nicht vielleicht doch mehr Einfluß hatte, als ich bis dato dachte? Es wäre zu wünschen…

Übrigens: Meine Frau und unser Sohn hatten unter dem letzten Streik zu „leiden“…und haben es akzeptiert. Da ich für gewöhnlich mit der S-Bahn zur Arbeit fahre und nur ungern auf die U-Bahn umswitche, ist der Streik auch nicht gerade in meinem Interesse. Dennoch: Streikgraf, bleibe weiterhin hart!

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* ja, das war jetzt unfaire Polemik. Ich weiß, dass auch Franz Kafka Vegetarier war. Aber die Tatsache, dass sowohl der jüdische Jahrtausendschriftsteller Kafka (die gesamte Familie in Auschwitz ausgemordet!) als auch Hitler Vegetarier waren – was sie beide ja nun unstreitig waren – sollte anzeigen, dass Vegetarismus/Veganismus als soziale Bewegung nichts bedeutet, gar nichts. In dieser Welt geht es, sorry, nicht um Essgewohnheiten. Übrigens, auch, wenn Veg/etarier/aner es nicht hören mögen: Biologisch kommen wir vom Alles/Aßfresser her. Gehungert wird in dieser Welt nicht, weil es Fleischfresser gibt. Gehungert wird aus anderen Gründen. Diese Gründe wollen Vegetarier/Veganer offenkundig nicht diskutieren. Da müsste man ja über den Kapitalismus sprechen. Ein bißchen persönliche, verbeamtete Wohlfühlmoral ist da viel angenehmer. Ich selber esse Fleisch, achte aber ansatzweise (immer leisten kann ich es mir nicht) darauf, dass es sich um Bio-Fleisch handelt…nicht wegen „der Natur“, sondern einfach, weil ich keine Tiere leiden wissen will. Tiere aus Nahrungsgründen töten ist das, was unsere Vorfahren (Stichwort Höhlenmalerei) immer schon taten. Vegetarier/Veganer stammen also von Völkermördern ab. Nun, das tu ich als Deutscher ohnedies. Naja, jetzt wirds richtig schräg. Anyway: Wenn wir bedenken, dass auch Pflanzen rudimentärste Ansätze von Empfindung haben, auch Wirbellose… Nun gut. Essen müssen wir. Am Gesündesten ist dabei eine ordentliche Portion Fleisch. Unsere nächsten Verwandten in der ach so friedfertigen Natur – die Schimpansen/Bonobono – gehen sogar, kannibalistisch böse, wie sie veranlagt sind, auf Artgenossenjagd.

Wo waren wir? Ach ja, Streik! Streikt! Streikt für uns alle!

Streikgraf, bleibe hart! – update

Zum Lokführerstreik schreiben Rico Grimm und burks alles erforderliche.

Am lustigsten finde ich das Argument mit den „wirtschaftlichen Folgeschäden“. Axo, ein Streik tut jemandem weh?

Ein Streik, der keine „wirtschaftlichen Folgeschäden“ hat, ist kein Streik, sondern Mumpitz. „Geht spielen, Kinder, aber macht Euch und vor allem uns dabei nicht schmutzig.“ Das hätten die wohl gerne. Habe ich mich verhört, wenn ich im Gerede von der „Volkswirtschaft“, die für „uns alle“ (wer ist das? Wer ist es nicht?) da und demnach zu schützen sei, Elemente von Volksgemeinschaftsideologie erblicke?

„Da kann ja gleich die Aldi-Kassiererin streiken!“ Ja, eben! Täte sie es nur endlich mal! Nichts wie los!

Update: SpON

So liebe Leser, mein morgendlicher Liveticker geht zu Ende und die Umfrage zum Bahnstreik ist geschlossen. Erst stand es fast 50:50, doch nun ist das Ergebnis ziemlich eindeutig. 60 Prozent der Leser würden die GDL am liebsten zur Zwangsschlichtung verdonnern. Nur etwas mehr als ein Drittel pocht auf das Streikrecht. (meine Hervorhebung, hf) Vier Prozent zweifeln, dass es Sinn macht, die Streitparteien zu Verhandlungen zu zwingen. Und zwei Prozent ist der Tarifstreit egal.

Immerhin ein Drittel sind mit Restvernunft gesegnet? Und wer da wohl dafür gesorgt hat, dass die Umfrage doch noch kippte…naja.

Uninteressante Prozesse

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – ich finde nichts uninteressanter als Streitereien wie die zwischen Kirch/Erben und der deutschen Bank. Dass man sich in solchen Sphären untereinander auch mal kräftig um das Geld beschubst, das sowieso ganz andere verdient und erarbeitet haben – who cares. Wer da Recht hat ist mir weder erfindlich noch interessant. Solange in dieser Gesellschaft die Brechtsche Frage, wem die Welt gehöre, ausgeklammert bleibt, können wir jeden politischen Ansatz vergessen. Meines Wissens kamen zumindest Teile der grünen Bewegung mal aus der Ecke, die von dieser Frage im Ansatz schon mal gehört hat. Über die heutigen Grünen sagt genova alles erforderliche. Die Linkspartei ist ebenfalls längst bereit, ihre derzeit noch vorhandenen oppositionellen Reste über Bord zu werfen.

Kaufen Sie Aktien

Spätestens nach den Kursrekorden dieser Woche dürften sich viele Anleger sicher sein: An der Börse droht eine Korrektur oder gar ein Kurssturz. Eine Analyse aus den USA zeigt jedoch: Wer deshalb mit dem Aktienkauf zögert, macht womöglich einen Fehler.

Made my day!

Sollte jemand jetzt Geld verlieren: Null Mitleid! Immer daran denken: das Geld ist gar nicht futsch. Es hat nur ein Klügerer. Ihr wollt mittanzen? Dann beschwert Euch nicht.

Aufschwung

Nanu? Aufschwung schon wieder ‚putt?

Der Aufschwung ist da!
Der Aufschwung ist da!
Wer ihn bezweifelt oder lacht
wird in ne Maßnahm‘ gebracht!

Griechenlandhilfe

SpON kanns nicht lassen. Selbst das Offenkundige und seit Jahren Bekannte muss irgendwie noch einen Spin verpasst bekommen:

Wer profitiert von der Griechenland-Rettung? Jedenfalls nicht die Bürger, behaupten die Globalisierungskritiker von Attac. Sie haben errechnet, dass mehr als drei Viertel der Hilfskredite an Banken und Anleger geflossen sind. Das ist aber allenfalls die halbe Wahrheit.

(…)

So imposant die Zahlen von Attac klingen – wirklich neu sind sie nicht. Die Organisation bediente sich öffentlicher und leicht zugänglicher nicht-öffentlicher Quellen. So beruht ein großer Teil des Berichts auf Pressequellen. Es ist bekannt und auch logisch, dass die Hilfskredite an jene Akteure geflossen sind, die dem griechischen Staat Geld geliehen haben. Und das sind eben vor allem Banken und Kapitalanleger im In- und Ausland.

Zahlen, die letztlich jedem klar sind (u.a. dieser kleine Blog für intelligente Menschen sagt ja seit Jahren nichts anderes; indeed: Die Erkenntnisse von attac sind nicht sonderlich aufregend, da hat SpON sogar Recht) besagen also nichts? 2 + 2 = 4 ist solange keine Trivialität, solange es Menschen gibt, die daran glauben, dass 2 und 2 5 seien – und solange andere daraus Mehrwert schlagen. Übrigens:

Wenn die Euro-Retter Griechenland nicht geholfen hätten, wäre das Land binnen weniger Wochen zahlungsunfähig gewesen – mit vorhersehbar verheerenden Folgen für die Bürger.

Wieder falsch; wie immer beim Qualitätsjournalismus a la SpON. Das ist TINA Merkel, und weiter gar nichts. Denn natürlich hätte es Alternativen gegeben. Etwa: bei den Verursachern abkassieren. Aber dazu müsste man den Kapitalismus abschaffen. Und da sei Gott vor. Oder zumindest die Werbekunden, die den Qualitätsjournalisten von SpON den lifestyle querfinanzieren. Die Folgen der per ordre de Germania verpassten Sparzwangsjacke sind übrigens bereits jetzt für die Griechen verheerend – was die Qualitätsjournalist/inn/en von SpON sehr gut wissen. Geht es noch verheerender?

Ihr seid die Besten

Dann merkte ich aber, dass es immer nur um Auswendiglernen und Geld ging. Dozenten sind vor den Jahrgang getreten und haben gesagt: Ihr seid hier, weil ihr reich werden wollt. Und unser Rektor sagte am ersten Uni-Tag: Ihr seid die Besten, ihr werdet dieses Land einst führen. Dieses Gefühl der Überlegenheit setzte sich im Laufe der Semester bei fast allen durch. Das führte zu Selbstgerechtigkeit und Arroganz.

Ein Paralleluniversum, das Sadinam da beschreibt; absolut erschreckend. Es bestätigt aber meinen Verdacht: In gewissen Studiengängen werde zum Teil weniger geistige Kompetenz abgefragt, vielmehr die Bereitschaft zu einer ganz bestimmten Haltung. Das ist schon glaubhaft, dass solche Absolventen später, als Personalchefs, nicht einen Hauch von Skrupel haben werden, Menschen in die soziale Endlagerstätte Hartz IV zu verklappen.

Wieviele aus einer solchen „Elite“ wohl Investmentbänker geworden sind…