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Gina-Lisa und Burka

Ich bin derzeit etwas überarbeitet; zwei Themen haben mich aber beschäftigt:

Team Gina-Lisa… Was mich am Fall Gina-Lisa verstört hat war die Reaktion der Unterstützer. Nach allen Standards rationalen Denkens, nach allen Standards von Kriminologie und Kriminalistik ist Gina-Lisa Lohfink nicht vergewaltigt worden, und das war für jeden, der den Fall kurz recherchierte, auch sonnenklar. Ein guter Anwalt mit Verantwortungsgefühl hätte das übrigens schon nach 5 Minuten überblickt und seine Mandantin entsprechend beraten. Es ist schon bedenklich, mit welcher Konsequenz die „Unterstützer“ dort Realitätsverweigerung betrieben haben. Das war totale Tatsachenresistenz. Es geht bei dem Fall auch um den fatalen Diskurs zur angeblichen „Mikrogewalt“. Ein gefährlicher Begriff, denn er bedeutet den Freibrief für alle Arten von Berufsdenunziantentum. Nebenbei: Vergewaltigung ist eine schwerwiegende Straftat, sie wird zu recht hart bestraft – jemanden mit Hilfe falscher Behauptungen sozial zu ermorden ist es aber auch. Ich verweise ansonsten auf diesen Beitrag Prof. Müllers (auch Müllers Antworten auf die Kommentierenden beachten, insbesondere den auf „Anonyma“!) zu den Fällen Kachelmann und DSK. Genau wie die beiden Anzeigeerstatterinnen in den besagten Fällen hat auch Gina-Lisa Lohfink nachweisbar gelogen („KO-Tropfen“ – man bestellt unter KO-Tropfen-Einfluß keine Pizza, punktum) Wenn Tatsachen das ideologisch zuzementierte Hirn nicht mehr erreichen, wird es schon bedenklich. Aber wenn Tatsachen überhaupt für irrelevant erklärt werden, wird es regelrecht gefährlich.
Sie selber tut mir eher leid. Selbstverantwortung hin, Volljährigkeit her: Um die 20 ist man meistens einfach noch nicht reif genug, sich den Verlogenheiten, Begehrlichkeiten und der vordergründigen Attraktivität der Promi-Szene zu entziehen. Als It-Girl, das nichts tun muss außer da zu sein (the medium is the message) in BILD und Bunte abgebildet werden und diese Abbildungen als das reale Leben nehmen – das kann einen schon zerstören. Ich persönlich gehe davon aus, dass man sie zu dieser idiotischen Falschbeschuldigung beschwatzt hat, aber egal*. Alle sahen zu, ihre jeweiligen Schäfchen ins Trockne zu bringen – Anwalt, Managment, Unterstützer…am Ende wird sie alleine sein, es ist jetzt schon abzusehen. Nun geht es also in den Dschungel. Dem, der ihr dazu geraten hat, kann man im Grunde nur noch eine reinhauen… Was noch fehlt ist Schwesigs Rücktritt. Aber solche Leute treten nicht zurück, die machen einfach weiter; schamlos und schmierig. Wieder ein Grund, nicht SPD zu wählen.

Ja, und dann also die Burka. Verfassungsrechtlich ist da nichts drin für die Verbotswilligen, und das wissen sie auch. Der Nachweis, dass es sich bei ihr um ein eindeutig verfassungswidriges Symbol handelt, analog dem Hakenkreuz, dürfte nicht gelingen. Bei der Religionskritik mache ich mit, und ich habe immer gesagt: keine Muslim-Hatz bedeutet keine Muslim-Idyllik und vice versa. Burka tragen zu ‘dürfen’ bedeutet, die Burka kritsieren zu ‘dürfen’. Wer will es mir auch verbieten? Aber ich möchte nicht in einem Staat leben, der Bekleidungsvorschriften erläßt. Wo soll das enden? Und bei aller Sympathie für die säkulare Gesellschaft: ich erreiche mit Verboten gar nichts. Knapp 100 Jahre nach Atatürks Zwangssäkularisierung inklusive Kopftuchverbot für Behörden und Universitäten kassiert Erdogan ab. So ist die „neurotische Quetschkommode“ (Rühmklorf) namens ‘Mensch’ nun mal gestrickt. Wer dem bayrischen Säcklerhandwerk etwas Gutes tun will, wirbt für ein (sowieso nicht durchsetzbares) Lederhosenverbot, am besten mit dem Hinweis, Hitler und Göring hätten welche getragen. (Hans Scholl, Christoph Probst und die Edelweißpiraten ebenfalls, aber egal…) Solche Debatten, die sich an Symbolen abarbeiten, führen zu gar nichts. Wichtig allerdings wäre es, die Auseinandersetzung offen zu führen, weiß „weiß“, gelb „gelb“, rot „rot“ zu nennen und nicht abzuwiegeln. Natürlich hat der Islam mit dem Terror zu tun, so, wie das Christentum mit dem europäischen Judenhaß zu tun hat, so, wie die Naturwissenschaften mit Peenemünde und Dora-Mittelbau zu tun haben. Das kann man doch im Ernst nicht bestreiten. Die Frage wäre eben nur: genau was hat der Islam mit den Anschlägen zu tun? Ich möchte schon wissen, warum junge/jüngere muslimische Männer, meist in Europa sozialisiert und fast immer vorher im (klein)kriminellen Millieu unterwegs, das Töten anderer so attraktiv finden, dass sie sich ideologisch aufputschen und am Ende sogar ihren eigenen Tod in Kauf nehmen, nur um töten zu ‘dürfen’.

 

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* Man wird jetzt einwenden, das Urteil sei noch nicht rechtskräftig – was stimmt. Aber wenn die öffentliche Darstellung des Falls richtig ist (keine KO-Tropfen forensisch nachgewiesen, strukturiertes Handeln war möglich, am nächsten Abend ein weiteres, sehr angelegentliches Treffen mit dem angeblichen „Vergewaltiger“, zunächst nur Rechtsmittel gegen den illegalen Film, erst mit Verzögerung auch der Vergewaltigungsvorwurf), und wenn keine sensationell neuen Beweise auftauchen, dann wäre alles andere als ein Verwerfen der Revision ein veritabler Justizskandal. Udo Vetter spricht zu Recht von einer selten guten Beweislage.

„Der Islam“

Das ganze Gerede, das „den“ Islam als monolithischen Block sieht, der „uns“ bedroht, ist auf nachgerade peinliche Art und Weise kenntnisbefreit, wenn wir nur an die beiden größten Konfessionen (Sunniten und Schiiten) denken. (Denen eine Einheit zu unterstellen ist in etwa so realitätsnah, als wenn man von „dem“ Christentum spräche und glaubte, der Papst hätte ein Bild von Martin Luther auf seinem Schreibtisch stehen. Sind ja beides Christen!)

Schulisches

Wir leben aber schon im Jahr 2015, oder?

Wo Fleischhauer Recht hat

Natürlich hat er Recht!

Dabei nützt es dem Mann rein gar nichts, dass er auf die Bibel verweisen kann. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, lautet das erste Gebot. So hat es Moses überliefert, als er vom Berg Sinai hinabstieg – so hat es der Herr seinem Volk als Weisung aufgetragen.

Stimmt! Genau so ist es.

Und genau deswegen halte ich mir jede Religion vom Leibe. Bzw zumindest ihren jeweiligen Klerus.

Und da wir in Deutschland sind, man also die Selbstverständlichkeiten immer brav mit dazu sagen muss: ich weiß, dass es Gläubige gibt, die den Anspruch ihrer jeweiligen Religion Ernst nehmen und ihn leben. Genau die aber, merkwürdig, sind es, die mich nicht bekehren wollen…religiös nicht und politisch schon gar nicht. Hat das womöglich etwas damit zu tun, dass sie die Humanität, die, nach meinen Beobachtungen, der bessere Teil einer jeden Religion fordert, ernst nehmen?

Probleme gibt es jedenfalls, so meine Beobachtung, nie mit einzelnen Gläubigen. Probleme gibt es immer nur mit durchorganisiertem, machtgeschützem, sanktionsbewehrtem sog. Glauben.

Das gilt für durchgeknallte Evangelikale, die Jagd auf Abtreibungsärzte machen, für Rom mit seinen widerwärtigen Täterschützereien („Laßt die Kinder zu mir kommen“…um Himmels Willen!), das gilt für verblödete ultra-orthodoxe Juden mit ihrem Schwulenhaß und ihrer Frauenverachtung, für Hindus und ihr abstruses Frauenbild, für bestimmte Buddhisten mit ihren SS-Kontakten…das gilt aber selbstverständlich auch für wahnverzerrte Muslime mit ihrem Haß auf alles und jeden, der nicht an Allah glaubt. Die Mechanismen sind immer die gleichen. Nicht die Religion, wohl aber ihre institutionalisierte und machtgeschützte Variante zeitigt mit unschöner Regelmäßigkeit einen Menschenhaß, der einen ganz apolitisch, also undialektisch, sprachlos macht. Der Haß gegen Muslime, den Pegida predigt, ist furchtbar, zweifellos…der Haß, den manche Muslime/Christen/Juden/Buddhisten/Hindus predigen, ist es aber ebenso. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass aller jeweiliger Haß sich, sozialpsychologisch gedeutet, nicht allzu sehr voneinander unterscheidet. Dass es bei so gut wie allen sog. Weltreligionen dann auch noch internen Haß zwischen verschiedenen Auslegungen gibt…geschenkt.

Jene Teufel

Jene Teufel in Menschengestalt, die Sklavenhalter und Sklavenhändler in den Nordamerikanischen Freistaaten (sollte heißen Sklavenhalterstaaten) sind in der Regel orthodoxe und fromme Anglikaner, die es für schwere Sünde halten würden, am Sonntag zu arbeiten, und im Vertrauen hierauf und auf ihren pünktlichen Kirchenbesuch u.s.w. ihre ewige Säligkeit hoffen. – Der demoralisirende Einfluß der Religionen ist also weniger problematisch, als der moralisirende. Wie groß und gewiß müßte hingegen nicht dieser seyen, um einen Ersatz zu bieten für die Gräuel, welche die Religionen, namentlich die Christliche und Mohammedanische, hervorgerufen und den Jammer, welchen sie über die Welt gebracht haben! Denke an den Fanatismus, an die endlosen Verfolgungen, zunächst an die Religionskriege, diesen blutigen Wahnsinn, von dem die Alten keinen Begriff hatten (Schopenhauer meint die griechisch-römische Antike, die er hier deutich idealisiert überzeichnet, hf); dann an die Kreuzzüge, die ein zweihundertjähriges, ganz unverantwortliches Gemetzel, mit dem Feldgeschrei „Gott will es“ waren, um das Grab dessen, der Liebe und Duldung gepredigt hat, zu erobern…(Schopenhauer, Arthur, Über Religion, in: P&P II, Werke Zürcher Ausgabe X Arthur Hübscher, Zürich 1977, p. 392-393).

Groß posten werde ich nicht mehr; lohnenswerte Hinweise aber werde ich weiterhin bringen. Stremingers Kommentar ist ebenfalls lesens- und bedenkenswert. Ein kleiner Einwand. Er schreibt:

Natürlich wäre es ungerecht, wollte man übersehen, dass es heutzutage manche Pastoren und Priester gibt, die sich für Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit engagieren. Aber andere tun es eben nicht, und diese würden in ihren Ressentiments triumphieren, hätten sie nur die Macht dazu. Der immer wieder vorgebrachte Einwand, die Hochkirchen seien ‚doch so tolerant geworden‘, ist zum einen ziemlich unrichtig und zum anderen ziemlich kurzsichtig. Denn diese Toleranz hängt von äußeren Umständen ab, und zwar von einer säkularisierten, aufgeklärten und humanen Umgebung. Existiert diese nicht, wie etwa zur Zeit der Inquisition und der Religionskriege, oder existiert sie bloß in eingeschränktem Maße (wie etwa im Iran, aber auch im amerikanischen Bibel Belt, in Polen oder Irland), dann zeigt die Religion sogleich ihr weniger anziehendes Gesicht. Es ist nicht überraschend, dass heute viele Intellektuelle den Buddhismus für attraktiver als etwa das Christentum halten, scheint doch die Geschichte des Buddhismus um einiges friedlicher zu sein.

Nun, zunächst ist das mit der Friedfertigkeit „des“ Buddhismus (aber wer oder was ist schon „der“ Buddhismus) ziemlich relativ, wie ja auch Streminger weiß. Viel wichtiger: ich trenne extrem zwischen individuellen Menschen, die ein religiöses Bedürfnis haben – das ‚ozeanische Gefühl‘, von dem Freud einmal sagte, er verspüre es nicht, er koinzidiere es aber jedem! – und institutionalisierter Religion. Was letztere betrifft, sind Streminger und ich uns selbstverständlich einig. Ja, es geht um die Machtfrage! Die römkath und die evluth sowie die evref Kirchen sind jeweils Privatorgas, deren staatliche Privilegien längst abgeschafft gehörten. Sei es so, dass 1803 die Kirchen ‚enteignet‘ wurden (als ob den Kirchen ihr sog. Eigentum vorher legitimerweise gehört habe, und außerdem wurden sie 1803 gar nicht ‚enteignet‘)…sei es so… denen ist das, was ihnen meinethalben zustand, per 2015 mit ichweißnichtwievielen Zinsen ausgezahlt worden. Die derzeit immer noch existierenden, massiven Privilegien der christlichen Kirchen, gerade auch solche arbeitsrechtlicher Natur, sind einfach ein Skandal und weiter gar nichts. Religion, da es sie ja nur im Plural gibt, muss ihrer Natur nach Privatsache sein und bleiben. Jede staatliche Privilegierung einer Religion(/ aka einiger weniger Religionen gleicher Stoßrichtung), und sei sie noch so milde, ist, weil staatlich=sanktionsbewehrt, abzulehnen. Entweder werden die steuerlichen und anderen Privilegien jeder Religion, auch der allerobskuresten neiheidnischen, und jeder Weltanschauung, auch der Vereinigung der Atheisten, der Marxisten und der der Agnostiker, eingeräumt…oder sie werden ersatzlos gestrichen. Ich bin für letzteres…allerdings mir einer Ausgleichszahlung, die die in den letzten Jahrzehnten verfassungswidrig fett gefütterten christlichen sog. Kirchen an ihre Konkurrenten im Sinnmarkt zu leisten haben. Nicht zuletzt an die Agnostiker und Atheisten. Wir haben für die ja auch gezahlt, jahrzehnte-, jahrhundertelang, und nicht zu knapp.

Thomas Anz über Trakl

Und mehr ist zum religiös sich verbrämenden Gesindel denn auch nicht zu sagen. Vuielleicht eine Präzisierung (Anz meint es aber genau so): Bis heute gibt es, so meine Beobachtung, Menschen, die ihre Religion ganz aufrichtig als Ort der Humanität verstehen – und vor allem: leben. Deswegen stehe ich massiver Religionskritik immer etwas reserviert gegenüber. Deren Lebenswelt ist nicht meine, aber sie ist verhandelbar.

Mit religiösen Institutionen, die sich der Macht zur Verfügung halten (wenn sie nicht überhaupt mit ihr identisch sind), gibt es jedoch nichts zu verhandeln. Was hätten wir auch zu bereden mit jenem Christenpack, das sich mit dem Schlimmsten handgemein machte?

Jonestown

Für mich eine der, wenn man so will, lehrreichsten Fälle religiösen Wahns. Alles ist vorhanden: Die Befriedigung der sexuellen Bedürnisse der Oberschicht, die das Fussvolk zu leisten hat, was ihm natürlich religiös verbrämt wird, der Erlöserwahn, die Gewalt hinter der friedlichen Fassade, und natürlich der schlichte Lug und Trug. Siehe die „Wunderheilungen“ ab Min 22:00: Schieres Gauklertum. So schön kriegt das nicht mal die katholische Kirche hin.

Vermutlich ist jede institutionalisierte Religion als Ausdruck von Zwangsstörungen zu werten (vielleicht als der ihrer Kleriker, allemal als der ihrer Schäfchen). Es wird an solchen Extremen wie Jonestown zwar besonders gut deutlich. Man denke aber auch an Frau Bojaxhio – Verlogenheit ist jeder öffentlich ausgelebten Religion eigen. Faustregel der Religionskritik: „…doch der schrecklichste der Schrecken/ das ist der Mensch in seinem Wahn“.

Ein sehr zurückhaltender Dokumentarfilm, der kaum Partei ergreift und dies nicht muss, weil die präsentierten Fakten für sich sprechen. Interessant, dass Jones Kirche die antirassistisch-progressive Karte spielen konnte und damit bei den Liberals bis hin zu Jimmy Carter zeitweilig Erfolg hatte.

Kopftuch revisited

Ich bin dafür, dass ein Verbot des Niqab und der Burka auch in Deutschland eingeführt wird, vorausgesetzt, auch der Religionsunterricht in Schulen wird abgeschafft. Sonst wäre das inkonsequent.

Nein.

D.h.: Ja!

Also genauer.

Dass ich mich über jede Muslimin freue, die ihr Kopftuch entsorgt, über jeden evangelikalen Christen, der die Kategorie Erbsünde (das, was ist, ist schuldig, schuldig, schuldig) zusamt seinem Missionsauftrag wegwirft – geschenkt. Über die Praxis von Religionen, speziell über die jahrtausendelang geübte Praxis des Christentums informiere man sich beim großartigen Deschner. Was Deschner dem Christentum exemplarisch nachgewiesen hat, gilt für alle anderen mir bekannten Religionen ebenso.

Das hat zunächst interne Gründe: Eine Religion muss sich – sie wäre sonst keine – als in irgendeiner Form geoffenbarte Wahrheit verstehen. Eine Religion hat, ihrem Selbstverständnis nach, immer Recht. Für Christen ist Christus Gottes Sohn – sie wären sonst keine mehr. Aus diesem Selbstverständnis folgt für einen Christen (aka Muslim, Juden, Buddhisten): Bei einem Konflikt zwischen einem Christen (aka…) und einem „Ungläubigen“ hat der Christ (aka…) immer Recht – er lebt ja in geoffenbarter Wahrheit. Und da es, habe ich jedenfalls läuten gehört, zwischen Menschen hie und da Konflikte geben soll, etabliert eine Religion allein schon wegen ihres Wahrheitsanspruchs eine gewalttätige Welt.

Schon Kant, obwohl selber noch gläubiger Christ, sprach vom „Religionswahn und Afterdienst“. Allein ein guter Lebenswandel zähle (= alle Menschen – alle! – als Menschen respektieren), alles andere, Gebete, Beichte, Riten, Erlösungsglaube, sei Unfug. Soziologisch und politisch darf das Phänomen Religion ohnedies seit Feuerbach/Marx als durchanalysiert gelten. Zur Psychologie der Religion (Strafbedürfnis, Machtbedürfnis der zu kurz Gekommenen) informiere man sich bei Friedrich Nietzsche. Mit diesen vier Klassikern ist alles gesagt, ich muss das jetzt nicht mehr wiederholen.

Etwas ganz anderes aber ist die Frage, ob man die Säkularisierung des öffentlichen Raums sanktionsbewehrt durchsetzen sollte.

Zunächst: Man kann mit einem religiösen Fanatiker nicht über Toleranz diskutieren. Das ist in etwa so aussichtsreich wie der Versuch, einem Händewaschneurotiker rational nachzuweisen, dass seine Hände wirklich sauber sind, er sich die 23ste Waschung ersparen kann. Einem Händewaschneurotiker das Händewaschen zu verbieten ist sinnlos.

Ferner: Wer, so ist das mit der Dialektik, Religionen zumindest öffentlich zum Verschwinden bringen will, etabliert seinerseits eine gewalttätige Welt. Mit allem Respekt: Wo soll das enden? Säkulare Bilderstürmerei? Alle Kirchen, Moscheen, Synagogen sprengen? burks meint es wohl nicht so, aber dann brauchen wir letztlich eine Religionspolizei. Ich dachte immer, burks sei gegen „Verbieten, melden, durchführen“…

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weswegen die Debatte um die Religionen einem so schwer wird. Alle Religionen, die ich kenne, enthalten, neben all dem offenkundigen Unrat, auch diffuse Bilder einer anderen Welt. Alle enthalten, mehr oder weniger versteckt, ein Liebesgebot. Gut Adornosch gesprochen: Es gibt in allen Religionen das Moment des Wahren im absurd Falschen. Nicht „das“ Christentum (aka Judentum etcetc), wohl aber einzelne Christen (Juden etcetc) nehmen dieses Moment sehr ernst. Soll ich ihnen vor den Kopf schlagen? Wozu? Was gewinne ich damit? Entscheidend ist nicht das Kopftuch/der Schleier – entscheidend ist, ob Kommunikation möglich ist. Religiöse Fanatiker sind kommunikationsunfähig, richtig. Sollten wir es dann auch sein? Sind alle, die religiös gebunden sind, auch Religionsfanatiker? Nach meiner Erfahrung „nein“. Und: Bedürfnis nach Riten…bin ich, ist irgend wer frei davon? Insofern antworte ich mit „jein“, so preisbewusst und risikolos das auch aussehen mag.

Soviel Du brauchst…

Ab heute werden die organisierten Christen über Hamburg herfallen. Der evangelische Kirchentag hat sich das Motto „Soviel Du brauchst“ gegeben; eine Anspielung auf 2. Mose 16 passim (dort wird dann bekanntlich u.a. auch der Sabbat begründet). Das Volk hungert während des Auszugs aus Ägypten und „murrt“ gegen Moses und Aaron; letztlich gegen den HERRn. Der HERR aber will es Brot regnen lassen, „dass ich prüfe, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht.“ (2. Mose 16, 4) Der HERR sorgte dann, klar, letztlich tatsächlich dafür, dass „Ein jeder“ sammeln kann, „soviel er zum Essen braucht“. Theologisch sind Hartz-IV-Empfänger mithin Ungläubige, nicht mehr Mitglieder der Gemeinde – sie könnten ja soviel sammeln, wie man braucht, sagt die Schrift, verweigern dies aber offenkundig immer mal wieder und bestehen also die Prüfung des HERRn nicht. Eine der hintergründig widerwärtigsten Passagen der Bibel, weil er die Verantwortung für Armut den Notleidenden selber zuweist. Haben halt nicht stark genug gebetet und geglaubt…denn alle Gottesfürchtigen bekommen ja „soviel sie brauchen“.

Die Kirche hat sich, mit ein bißchen Monieren hie, Kritik an Nebenaspekten da, denn auch, theologisch ganz konsequent, sehr schnell zu Hartz IV bekannt.

Hier Hubers entscheidender Satz:

Viele empfinden diese Entwicklung als bedrohlich. Nicht immer beruht das auf einer realistischen Einschätzung. Wir müssen dazu beitragen, dass Notwendigkeit wie Problematik dieser Reform besser verstanden werden.

Selbstverständlich wurden damals auch von der Kirche EEJs geschaffen profitierte auch die Kirche schnell von EEJs.

Unter dem Dach der Diakonie des evangelischen Kirchenverbandes sollen Empfänger von Arbeitslosengeld II in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden. Eine Vielzahl von Organisationen sind an der Inititive beteiligt, so etwa die Christliche Sozialhilfe, die Jugendwerkstatt Klettenberg und die Arbeit und Lernen gGmbH. „Wir haben die Möglichkeiten, den Menschen in unserem Netzwerk eine Vielzahl von Integrationsjobs, den so genannten ,Ein-Euro-Jobs anzubieten“, führte Lindlar weiter aus.

Eng zusammen arbeitet der Verbund mit der Arbeitsgemeinschaft von Stadt und Arbeitsagentur (ARGE), die die Teilnehmer den einzelnen Trägern zuweist. Die bis zu 500 „Ein-Euro-Jobs“ aus Bereichen wie Gartenbau, Montage, Umweltschutz und Hauswirtschaft stellen eine „unbürokratische Initiative zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dar“, erklärte Helga Blümel, die Geschäftsführerin der Diakonie. Eine begleitende Schuldner- und Suchtberatung sollen folgen. (meine Hervorhebung, hf)

Das Labournet weiß mehr über Kirche und deren arbeitsweltliche Wohltaten.

Nicht, dass uns dort noch irgendwas überraschen kann, aber ab und an sollte man sich doch noch einmal genau erinnern. Euch haben wir nichts vergessen, Freunde!

„mit aller Deutlichkeit“

Der Vatikan bestreitet „mit aller Deutlichkeit“, dass der Papst zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur Verstöße gegen die Menschenrechte gebilligt habe.
(…)
Kritiker hatten Franziskus vorgeworfen, die Menschenrechtsverletzungen der argentinischen Junta in den siebziger und achtziger Jahren gebilligt zu haben. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, die Anschuldigungen stammten von linken Kräften, die der Kirche schaden wollten.

Der Vatikan dementiert? Das ist tatsächlich eine Headline wert. Da hatte ich jetzt doch wirklich die ganze Zeit gedacht, er werde bestätigen. Die Schlagzeilen stammen übrigens nicht von „linken Elementen“ (an ihrer Sprache sollt ihr sie erkennen!) – Lombardi lügt oder er weiß es wirklich nicht besser in seiner kläglichen Plumpheit -, sondern ursprünglich von der Schwester eines der Geschädigten.