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Conne Island und was Rassismus nicht ist – edit

Wieder einmal pädagogisch wertvoll, der Fall. Schriebe man nur nicht selber über 25 Jahre gegen den Irrtum an, der Antirassismus mit Idyllik verwechselt. Nirgends auf dieser schadhaften Welt, in der first world nicht, und im sozialen Outback auch nicht, gibt es unbeschädigte Menschen. Einwanderer, Fremde, „die Anderen“ sind um keinen Deut schlechter und ebenso selbstverständlich um keinen Deut besser als Sie oder ich oder irgend wer.

Man ist kein Rassist oder „Kulturimperialist“, wenn man feststellt, dass auch muslimische Gesellschaften ein deutliches Gewaltproblem haben – nicht zuletzt in der Kindererziehung -, dass ihr Frauenbild häufig unterirdische Züge trägt und sie im übrigen auch einen veritablen Antisemitismus an den Tag legen können. (Für letzteres sollte ihnen eigentlich die Zuneigung der neuen Rechten sicher sein. Im übrigen rede ich über muslimische Gesellschaften, nicht über Mustafa und Ayse. Mustafa und Ayse sind allein für sich verantwortlich. Eine Eigenschaft, die sie merkwürdigerweise mit Moshe und Sarah, Michael und Sabine, Jim und Cynthia, Gerard und Yvette teilen. Und mit Tom und Tim und Marlene und Babette auch. Und wenn ich jetzt irgend eine Minderheit oder Mehrheit vergessen habe, dann ist es so…) Und man macht sich mit Schwarzers realitätslosem Wahnwitz auch nicht handgemein, wenn man sich Frauenhaß, Judenhaß, Gewalt überhaupt auch von Muslimen sehr deutlich verbittet und dagegen angeht; im Zweifelsfall auch robust, z.B. durch Hausverbote. Im menschlichen Verkehr kann es keinen moralischen Vorschuß geben. Oder sind Muslime qua Natur kleine Kinder? Hab ich was verpasst? Dass, wo Menschen sterben, sofort und ohne Ansehen der Person geholfen werden muss, bedeutet kein Freibrief, für niemanden. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, das eine habe mit dem anderen zu tun? Das logische Tohuwabohu (ja, der Ausdruck, der meine ‘rassistische Mikrogewalt’ „belegt“, ist jetzt Vorsatz!) rund um solche Fragen ödet mich an seit eh. Antirassismus ist etwas anderes als Trischta. Der neopietistische Selbstzerknirschungsdiskurs ist politisch unfruchtbar und unbrauchbar.

Conne Island hat alles richtig gemacht.

Die Häme, die es pawlowsch von der „Jungen Freiheit“ (oder wie der Dreck sich schreibt) gibt, muss Island nicht irritieren. Dass Menschen innerlich verwahrlost, innerlich verludert sind, erkennt man in der Regel unter anderem daran, dass sie das Beklagenswerte hämisch genießend begrüßen. Inzwischen erfahren  wir, dass die AfD – die Niedertrachtskala ist ja nach unten offen – eine Propagandaaktion vorbereitet für den Fall, dass es einen großen Terrorakt in Deutschland geben wird. München – der Täter war bekanntlich AfD-Sympathisant – ging ja leider schief. Und NSU und Oktoberfestattentat sind irgendwie offenbar auch nicht gemeint. Soll ich jetzt – die infamen Anwürfe gegen Claudia Roth spiegelnd – der AfD sexuelle Perversion vorwerfen, weil sie ganz offenbar genau so lüstern, genau so geil auf das erste ‚richtige‘ islamistische Attentat in Deutschland wartet wie der Teufel auf die Jungfrauenseele?

 

edit: Auf Fratzenbuch hat es hier eine kurze Debatte gegeben; daraus mein Beitrag:

ich hoffe, dass die Linke/Progressiven jetzt endlich mal nachdenken. Meine Güte! Diese Menschen kommen zT aus totalitären Systemen zu uns! Oder aus Gesellschaften, wo Kleriker den Schulunterricht und weiteres bestimmen. Was erwartet man denn? Dass sie problemlos in den Adorno-Foucault-Wittgenstein-Kant geprägten europäischen Diskurs einsteigen? Blödsinn! Nur sagen muss man es, festhalten muss man es. Ruhig, sachlich, unaufgeregt.

Carolin Emcke

hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen.

Allein für diesen Satz (aus 2010!) hat sie ihn schon verdient:

Früher nannte man es Rassismus, wenn Kollektiven Eigenschaften zugeschrieben wurden – heute dagegen gelten dumpfe Vorurteile als »Angst, die man ernst nehmen muss«.

Barmbeker Musel-Sexmob +++ Barmbeker Musel-Sexmob +++ update!

In folgendem sehen Sie Bilder vom Barmbeker Muselsexmob. Ich habe sie, wie unschwer zu sehen, unter Lebensgefahr geschossen. „anwohner51“ macht bekanntlich seit Monaten auf die Gefahr aufmerksam, die vom Flüchtlingswohnheim in der Hufnerstrasse ausgeht. Ich habe das nicht glauben wollen. Aber jetzt muss ich ihm Recht geben. Unter dem Torbogen…erschütternd! Und achten Sie besonders auf das blonde deutsche Mädchen…eine blonde Tochter eines grün wählenden Universitätsprofessors! Schlimm!

Gestern: Der vertierte Muselsexmob formiert sich:

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Fassungslos machend. Schlimmer noch, was dann unter dem berüchtigten Torbogen in der Hufnerstrasse geschah:

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Wie alle Welt sieht: Werhrlos zappeln die (überwiegend jungen, überwiegend blonden) deutschen Mädchen unter dem Torbogen der Schande im Würgegriff des Musels! Und niemand greift ein, keiner traut sich mehr. Denn klammheimlich hat der Musel uns bereits im Griff. Sehen auch Sie da „blonde Töchter grün wählender Uni-Profs“? Ich ja…

Und heute? Sah es etwa anders aus? Mitnichten!

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Wieder sammelt sich der vertierte Muselsexmob am Flüchtlingsheim. Teddybärenwerfer wie ich tun nix dagegen, nix! Und was passiert?

Das hier:

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Der Muselmob rast durch die Stadt, er macht die blonden Fauen platt! Und niemand hilft „anwohner51“. Schauen Sie sich diese Bilder an! Ist es zu fassen? (Lassen Sie sich von der Bild-Manipulation der muselbestimmten Feindpropaganda nicht in die Irre führen: Der Musel-Sexmob war da! Ich bin von der Lügenpresse erpresst worden, diese Friedfertigkeit suggerierenden Bilder zu schießen! anwohner51 weiß Bescheid! Wolfgang und Steffi auch…)

Steffi Krause, edelstes deutsche Blut ganz offenbar, hat mich ja schon vor Monaten angemailt: Sie habe Angst, denn unterm Torbogen wurde sie von versexten,vertierten Musels belästigt. steffi.krause72@gmx.de hat offenbar soviel Angst, dass sie nicht einmal am Klingelschild auftaucht… „anwohner51“ hat aber schon mehrfach klar gestellt, woran das liegen könnte: daran, dass die Antifa Menschenhatz betreibe, man als Rechter in Deutschland Angst haben müsse…weswegen ja auch er anonym bleiben müsse. Angesichts der unstreitigen Tatsache, dass die Summe der von der pöhsen Antifa ermordeten Rechten 0 (in Worten: Null) beträgt, während die Anzahl der von den Rechten seit 1990 Ermordeten inzwischen deutlich dreistellig sein dürfte, ist das natürlich eine sehr begründete Angst.

Update: Hier weitere, soeben fotografierte Belege:  Der Musel war Dreck, ist Dreck, bleibt Dreck. Meine Fotos belegen es:

Unfassbar! Der Musel ist, wie man sieht, auch intelligent. Er entzieht sich meiner Kamera. Damit ist bewiesen, dass der Musel besonders brutal agiert…

Seeßlen-Interview

Wunderbares Interview. Ein Einwand:

Seeßlen: Die Voraussetzung wäre eine Idee von einem Europa, in dem wir wirklich frei und gleich sein wollen. Menschen, die mit der großen Hoffnung auf einen Neuanfang zu uns kommen, könnten die idealen Träger einer solchen Idee sein. Dann könnten die Flüchtlinge Europa möglicherweise vor sich selbst retten. Und vor seiner weiteren Verrohung und Verblödung.

Das ist mir zu naiv. Die Menschen, die zu uns kommen, sind um keinen Deut schlechter, aber natürlich ebenso wenig auch nur einen Deut besser als wir. Sie sind wie wir aufgewachsen in einer Welt voller Ungleichheit und Gewalt, Privilegien und Bauernschläue, Egoismen und Anpassungsdruck. Es gibt keinen „neuen Menschen“, nirgends. Immer nur die alten.

Dank an Götz Eisenberg

Nämlich hierfür.

Dem, nun ja, Informierten ist das natürlich nichts Neues.

Gut auch, dass er an die Pogrome zu Beginn der 90er erinnert. Ich habe sie seit Monaten im Ohr, im Kopf, als sei es gestern gewesen – das Sonnenblumenhaus von Rostock, Mölln, Solingen, Hoyerswerda, die Änderung GG 16, Kohls Scheinheiligkeit und das – wie immer – Einknicken der SPD. Nie werde ich die analphabetische Hetze gegen „die Asylanten“ vergessen (BILD: „Deutschlands schlimmster Asylant“). Im Phil-Caphe der Uni Hamburg hatten wir schon damals unsere Map hängen, allerdings noch aus Papier: Für jede Neonazi-Tat ein Fähnchen. Die Deutschlandkarte war ruckzuck voll, und nicht nur „im Osten“.

Die jüngste Bemerkung von Stanislaw Tillich soll in ihrer Scheinradikalität darüber hinwegtäuschen, dass er selbst durch zahlreiche Aussagen zu Ausbreitung der Pogromstimmung gegen alles Fremde in Sachsen beigetragen hat. „Der Islam gehört nicht zu Sachsen“, ließ er sich Anfang 2015 vernehmen, als Pegida von Montag zu Montag stärker wurde. Wer solche Sätze in die Mikrophone von Fernsehanstalten spricht, darf sich nicht wundern, wenn im Schutz der Dunkelheit Flüchtlingsunterkünfte angezündet und Ausländer angegriffen werden. Es gilt immer noch, was Bodo Morshäuser Anfang der 1990er Jahre anlässlich der damaligen Pogrome geschrieben hat:

„Wenn der Schlips vor Scheinwerfern ‚Ausländerbegrenzung‘ fordert, löst der Stiefel sie in der Dunkelheit ein. Dass aus Wörtern Taten geworden sind, will der Schlips danach nicht mit sich selbst in Zusammenhang gebracht wissen.“

So ist es.

Köln, zusammengefasst

Immer dann, wenn mit viel Empörungs-Bassa-Manelka (und noch mehr Empörungs-Bassa-Teremtemtem) Politik gemacht wird, ist es Zeit, Fragen zu stellen.

Zunächst einmal – denn wir leben in Deutschland, da muss man den Disclaimer immer brav mit dazu sagen:

Ich bestreite mit keinem Wort, dass es Sylvester 2015/16 zu widerwärtigen Szenen gekommen ist, insbesondere zu Angriffen auf die körperliche Integrität von Frauen, die zum Teil sexuell, zum Teil materiell, zum Teil gemischt motiviert waren. Das war seit eh so, macht die Sache aber nicht schöner. Falschbeschuldigungsdebatte hin, Falschbeschuldigungsdebatte her – eine (meistens junge/jüngere) Frau, die aufgelöst und mit zerrissenen Kleidern noch in der Tatnacht eine Vergewaltigung/einen massiven sexuellen Übergriff angezeigt hat, wird das auch so erlebt haben. Die Falschbeschuldigungsquote dürfte hier im Promillebereich liegen; vernachlässigbar. Übrigens: Die Anzeigebereitschaft bei Vergewaltigung/massiver sexueller Gewalt beträgt, wenn ich der seriösen Literatur glauben darf, etwa 20-25 % – ist aber bei Vergewaltigung/massiver sexueller Gewalt durch Fremde sicherlich höher. (Die weitaus meisten sexuellen Übergriffe/Vergewaltigung werden bekanntlich im Nah-Bereich des Opfers ausgeführt – und da kommt es, leider, immer wieder zu Hemmungen, den Täter anzuzeigen…weil man die Familie nicht zerstören will etcetc, als ob eine Familie, in der vergewaltigt wird, nicht längst vom Vergewaltiger zerstört wurde.)

Ich bestreite auch mit keinem Wort, dass es – wie und wodurch das auch immer verursacht wurde, wie das auch immer zu interpretieren sei – zunächst einmal signifikant höhere Kriminalitätsraten von Migranten, speziell jüngeren männlichen Migranten, gibt. Die Abweichungen nehmen keine unterirdischen Ausmaße an. Es ist nicht so, dass ein Zehntel der Bevölkerung für die Hälfte der Kriminalität verantwortlich ist, es ist nicht so, dass die Migranten den ehrlichen Deutschen andauernd terrorisieren, Buschkowskys und Sarrazins widerwärtige Suggestionen sind belegbar falsch…aber die Abweichungen existieren. Die bekannte kriminologische Diskussion hierzu – etwa zwischen Christian Pfeiffer und Michael Bock – bleibt offen. Gleichviel: Es gibt innerhalb diverser von Einwanderern ausgeprägter Subkulturen/Communities selbstverständlich auch gewaltbereite, kriminelle Jungmännerbünde – sie stellen selbst innerhalb ihrer Communities die absolute Minderheit! -, und natürlich darf das so fest gehalten werden. Es geht für jede und jeden, die und der an humaner Aufklärung interessiert ist, eben immer um die Frage: Warum ist das-und-das so, wie es ist? Akzeptiert man erst einmal basale Voraussetzungen – etwa: Es gibt kein Deutschen-Gen und kein Türken-Gen, kein Syrier-Gen und kein US-Gen, es gibt nur Menschen und ihre manchmal nicht sehr durchsichtige Art, sich zu verhalten -, akzeptiert man das einmal, so kann es kein Forschungstabu geben.

Dies vorausgeschickt, habe ich mit dem, was uns seit Anfang Januar auf internationaler Ebene (ua New York Times!) medial angedient wird – es habe speziell in Köln, aber auch anderswo, etwa in Hamburg, eine so noch nie dagewesene Gewalt durch einen migrantischen Sex-Mob gegeben, das sei eine neue Dimension, Integration sei wohl gescheitert – folgende Probleme:

1. Nach allen, dinglich allen Erfahrungen der letzten Jahre – Stichwort: Zeitalter des Smart-Phones – müsste es dutzende von youtube-Videos der Vorfälle in Köln und anderswo geben. Es gibt sie nicht. Wo sind diese Videos? Warum existieren sie Stand heute abend nicht?

2. Nach allen dinglich belastbaren Zahlen müssten auf eine spontan und sofort angezeigte (und, wie gesagt, absolut glaubhafte!) Vergewaltigung/einen spontan angezeigten, absolut glaubhaften schweren sexuellen Übergriff maximal – das ist kulant geschätzt – acht nicht angezeigte Übergriffe/Vergewaltigungen/versuchte Vergewaltigungen kommen. Nachdem die angebliche Sexorgie durch die „Ausländer“ medial vermittelt wurde, schossen die „Nach“anzeigen in die Höhe. In Hamburg kommen auf 6 (in Worten: sechs!) reale Anzeigen über 150 „Nach“anzeigen. Einige dieser „Nach“anzeigen werden zweifellos auch real sein, keine Frage, und ich stelle das Leid der Opfer nicht in Abrede. Aber alle? Hier kann es sehr wohl wegen des öffentlichen Hypes zu Verzerrungseffekten gekommen sein, die Kriminologen wohlbekannt sind*.

3. Am 4.1. wurde ein Bericht geleaked – oder eben „geleaked“ -, der (schein?)authentisch dartat, wie sich ein Polizeibeamter so gefühlt habe… Wir wissen inzwischen (mit Dank an die FAZ, denn Dank, wem Dank gebührt!), dass es so nicht gewesen sein kann! Wie kam es zu diesem (schein?)authentischen Bericht? Wer verbreitet da Unwahrheiten und warum?

4. Wir wissen inzwischen oder wollen wissen: Es waren ca. 1.000 Personen vor/am Kölner Hauptbahnhof. Scheint mir, wenn ich mir die einzigen Real-Videos auf youtube so anschaue, auch etwas zu hoch gegriffen. Das sollen 1.000 peoples sein? Aber okay, 1.000 peoples. Zu ihrer, ich sag das mal so, „Bekämpfung“ standen ausweislich offizieller Quellen über 200 top ausgebildete Polizisten zur Verfügung. Top ausgebildete Leute, ausgestattet mit Waffen und dem Gewaltmonopol. Die deutsche Polizei, und das nehme man mir bitte nicht übel, ist nicht bekannt dafür, besonders zimperlich zu sein, wenn „Kameltreiber“ rumzicken. Und die wurden mit den peoples stundenlang nicht fertig?

Die immer intelligenten Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen: ich schließe gar nichts aus. Aber ich möchte die vier genannten Punkte geklärt wissen, bevor ich ins Empörungs-Bassa-Manelka/Bassa-Teremtemtem einsteige.

Der Golfkrieg 1991, der Jugoslawienkrieg 1999 wurden jeweils per Auschwitz legitimiert. Inzwischen hat man den Feminismus als Legitimations-Dummy entdeckt. Anne Frank, Sophie Scholl, Simone de Beauvoir als Legitimationsdummys für Herrenmenschenpolitik…und keinem wird schlecht.

 

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  • update: Ich sehe, ich muss das noch etwas genauer erklären. Es geht um folgendes Phänomen: relativ harmlose Belästigungen werden für gewöhnlich nicht angezeigt, also etwa Szenen wie folgende: „Puppe, gib Küßchen!“ – „Piss off, notgeiler Schwanz!“ klatsch, es gab ne Ohrfeige, Szene erledigt. Keine harmlose Szene, das nicht, aber gemessen an versuchter oder vollendeter Vergewaltigung eben relativ harmlos. Kommt es zur Anzeige von Szenen solcher Qualität, ist das keine Falschbeschuldigung – die Szene gab es ja. Aber wenn, dank des Hypes, solche Szenen, die aller Erfahrung nach meistens nicht angezeigt werden, nunmehr doch zur Anzeige kommen – was an sich ja richtig ist! -, kommt es eben zu verzerrten Zahlen und dazu, dass man denkt, 15/16 habe es Szenen in einem Ausmaß wie noch nie gegeben. In Wahrheit haben wir „lediglich“ realistisch(er)e Zahlen als aus früheren Sylvesternächten.

Freifunk, Hufnerstrasse

Als ich, vor Weihnachten, eine Email bekam (offenbar anonym, jedenfalls wohnt eine St***Kr*** ausweislich der Klingelschilder nicht im angegebenen Haus), in der mir von „Freifunk“ berichtet wurde, war ich zunächst ratlos. Von der Initiative Freifunk hatte ich bis dahin nichts gehört (Schande über mich!). Dank Freifunk würden, so berichtete St***Kr***72@gmx.de mir, ständig junge Männer  vor ihrer Tür stehen und sie belästigen. Einmal hätte sie die Polizei rufen müssen. Ob ich Freifunk nicht wenigstens des Nachts abschalten könne. Da ich beim besten Willen nicht wusste, worauf sie hinaus wollte, antwortete ich:

???

Nö, bin ich natürlich nicht… Ich verstehe auch das Problem nicht. Wo
stehen die? Wann stehen die? Wer steht da?

Gruß

St***Kr***72@gmx.de antwortete nicht mehr. Soviel zu St***Kr***s Bedürfnis nach ehrlicher Kommunikation. Mail vom 16.12., meine Antwort war am 17.12. Ich habe die nächsten Tage – es war nicht kalt! – damals ca gegen 00:00 Uhr immer wieder rüber geschaut: Nichts, niemand!

Nunmehr erfahre ich, Dank dieses anonymen Blogs, folgendes:

Da einer der Freifunker seinen Standort in der Hufnerstraße 42 hat, bat sie auch den dort sitzenden Blogger Hartmut Finkeldey um Hilfe. Finkeldey, sonst sprachlich traumtänzelnd mit Worten wie “außerästhetisch” unterwegs, fragte nur stumpf zurück:

??? Welche Leute vor der Tür?

Real existierende Probleme von Nachbarinnen passen eben nicht das Weltbild eines Pseudointellektuellen

Zur Klarstellung (von „Hufnerstrasse 51″s Falschzitat abgesehen): ich habe keinen Freifunk-Stützpunkt, allein schon deswegen nicht, weil ich erst jetzt erfahren habe, dass es sowas gibt. Wie hier im Blog schon mehrfach belegt: ich bin vielleicht ganz gut, wenn es um Kant, Schiller, Marx, Brecht, Schopenhauer, Benn, Nietzsche geht…aber mit Sicherheit entsetzlich schlecht, wenn es um postindustrielle Informations-Technologie zu tun ist. Na, da muss ich mich ja wohl mal zu Freifunk aufmachen. Natürlich werde ich, sofern und solange finanziell für mich darstellbar, direkt im sog. „Heim“ für einen Freifunk-Stützpunkt sorgen. Denn ich bin für Freifunk! In jeder Hinsicht!

@Freifunk (Freifunk tritt übrigens mit ladefähiger Adresse im Impresssum auf!): Wir hören uns!

@St***Kr***72@gmx.de und @https://hufnerstrasse.wordpress.com/ (hier fehlt ein Impressum!): Ich wüsste gerne, mit wem ich es zu tun habe. Eure multiple Feigheit kotzt mich an.

 

Übel, das alles…

Interview mit Paul Schreyer

Ein Interview mit Paul Schreyer auf den nds, das ich – neben seinen telepolis-Aufsätzen – sehr ans Herz lege. Es entspricht ziemlich genau der hier von mir seit eh vertretenen Haltung: nein, keine Finalverschwörung von gaaaanz oben, kein die-Amis-warens, keine „Hologrambilder von Flugzeugen“, kein auf-Bilderberg-wird-alles-bestimmt…aber kritische Nachfragen.

Modellfall all solcher Fragen ist und bleibt der Kennedy-Mord. Natürlich kann es Oswald alleine gewesen sein – ich schließe gar nichts aus, also auch das nicht. Aber wie wahrscheinlich ist das, und sei es bloß wegen Jack Ruby, über dessen Begründung – er habe Jackie Kennedy den Prozess ersparen wollen – inzwischen die Hühner auf jedem nordamerikanischen Bauernhof kichern? Ja, Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt können – logisch auszuschließen ist das nicht – über ein Jahrzehnt unerkannt im Untergrund gelebt haben, nur am Rande etwas von alten Kameraden unterstützt. Ja, unserem Inlandsgeheimdienst ist das de facto Geständnis durch „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ ein Jahr vor offizieller Enttarnung der Terrorzelle entgangen, ja, der Verfassungs“schützer“ Andreas Themme war ganz zufällig zugegen in Kassel und wird ganz zufällig von ganz oben gedeckt, Schilys Erklärung einen Tag nach der Explosion in der Keupstrasse…die diversen V-Männer in diesem Fall, zwei sind (schon?) tot…alles Zufall, bedauerliche Fehler…aber wie wahrscheinlich ist das, wenn wir allein nur an das inzwischen bekannt gewordene Ausmaß an Überwachung denken, vom Aktenschreddern zu schweigen? Ja, Gundolf Köhler war vielleicht wirklich ein Alleintäter, seine Beziehungen zur – alles Ableugnen ist zwecklos! – von der CSU massiv gedeckten WSG Hoffmann war längst eingeschlafen, ein junger Mann, persönliche Probleme (glaub ich sogar!), Liebeskummer (glaub ich sogar!)…also frustrierter Einzeltäter…das ist zweifellos möglich, aber wie plausibel ist das?

Paul Schreyer berichtet von Übungen, die es bei mehreren Terrorattentaten zeitnah – wenige Stunden vorher jeweils – gab und deren Szenario den tatsächlichen Ablauf erschreckend genau vorwegnahmen. Meine Frage lautet schlicht: War dem so? Hier möchte ich mich nicht mit dem VT-Dummy abspeisen lassen; ich möchte einfach nur wissen, ob dem so war und was es bedeutet, wenn dem so war.

Vielen fällt langsam ein bestimmtes Schema auf. Immer, wenn ein großer Anschlag verübt wird, heißt es zuerst, die Sicherheitsbehörden seien vollkommen überrascht worden. Schon 24 Stunden später kennt man dann aber angeblich genau die Täter.

Es waren in Paris – übrigens auch am 11.09.2001, auch 2005, auch in Madrid – nicht einmal 24 Stunden, wenn ich es recht erinnere. (siehe hier)

Von diesem Schema – alles ist überrascht, aber schnell werden die Täter präsentiert, und von dieser Präsentation wird dann auch nicht mehr abgegangen – weicht eine spezielle Form von Terroranschlägen interessanterweise völlig ab! Nämlich die, die von rechtsradikalen/Neonazis verübt wurden. Beim Oktoberfest 1980 war Strauss sehr schnell am Tatort und wetterte gegen links. Als nicht mehr zu verleugnen war, dass der Anschlag von rechts kam, schaltete man sofort auf den eher unpolitischen Einzeltäter um. The same with Breivik. Auch dort wurde zunächst, die screenshots brachte ich damals, auf einen muslimischen Anschlag abgehoben. Dies, übrigens belegt dinglich, dass es die eine große Megaverschwörung nicht gibt! Denn wenn es die eine große Bilderberg-CIA-Mossad-BND-MI6-undsoweiter-Weltverschwörung gäbe, wäre es ein leichtes, diese „Pannen“ zu vermeiden.

Warum dann aber doch die Uniformität der Berichterstattung? Dass alle vor Bilderberg kuschen, weil Bilderberg die totale Megamacht hat, ist auszuschließen. Aber so, ich bitte um Entschuldigung, stellen sich das eben nur der kleine Fritz und die kleine Fritzine vor. In Wahrheit wird eine Gesellschaft viel subtiler auf Linie gebracht. O-Ton Schreyer:

Nun ist es in der Tat sicher nicht so, dass in den Chefredaktionen jeden Morgen jemand anruft, einen „Tagesbefehl“ durchgibt und bestimmt, was geschrieben werden soll und was nicht. So eine Vorstellung ist wirklich Unsinn. Dennoch ist es für jeden halbwegs wachen Geist offenkundig, dass die großen Medien zumindest bei den Hauptthemen wie Ukraine, Griechenland oder eben Terrorismus tatsächlich mehr oder weniger das Gleiche schreiben.

(..)

Dann gibt es aber noch einen dritten Faktor, nämlich gezielt gesetzte Anreize und Karriereoptionen (meine Hervorhebung, hf) im Umfeld von Lobbygruppen. Es scheint mir zum Beispiel absurd, zu behaupten, dass transatlantische Netzwerke keine Rolle in der deutschen Medienlandschaft spielen würden. Sie spielen eine Rolle und auch darüber sollte geredet werden.

In diesen Netzwerken findet zwar keine Gehirnwäsche von Journalisten statt, wir leben ja nicht in Nordkorea, aber es werden dort eben gezielt Medienmacher eingeladen, von denen die Organisatoren wissen, dass sie schon ähnlich ticken. Und wenn diese Leitartikler dann weiterhin das schreiben und sagen, was in den Netzwerken zum guten Ton gehört, und wenn sie das weglassen, was man dort nicht gern hören möchte, dann gibt es auch Belohnungen, wie etwa Einladungen zu exklusiven Konferenzen, Zugang zu einflussreichen Interviewpartnern und Aussicht auf Jobs im Umfeld der Netzwerke.

Genau so werden Gesellschaften gesteuert. Nein, kein Tagesbefehl. Keine Bilderberg-Konferenz. Es ist alles viel banaler, viel mieser.

Fast am Wichtigsten:

Es geht ja auch um viel. Das Thema behandelt Macht auf einer sehr hohen Ebene. Dagegen sind die Affären, die uns sonst so beschäftigen, vom VW-Abgasskandal bis zur FIFA-Korruption, eher belanglos. Hier geht es an die Grundlagen der Politik. Jeder, der am heiligen Gral Terrorismus rührt und ihn mit Staatsterrorismus verknüpft, der stellt die Substanz infrage. Darum die ständige Ausgrenzung solcher Debatten. Im Grunde ist das Schweigen zwingend. Wie sollte es denn auch weitergehen, wenn wirklich einmal offen bei Anne Will oder Frank Plasberg über 9/11 oder das Wissen um die Verstrickungen von Geheimdiensten in so manches Attentat geredet werden würde? Was sollte daraus folgen? Da tut sich ein Abgrund auf. Und alle spüren das, auch wenn keiner in den Leitmedien darüber redet. Ich habe das in verschiedenen persönlichen Gesprächen mit Journalisten bemerkt.

Elmar Theveßen etwa, der Terrorexperte vom ZDF, hielt sich zum Thema 9/11 mir gegenüber sehr bedeckt, obwohl er selbst 2011 ein Buch dazu verfasst hatte. Als ich einzelne Punkte mit ihm diskutieren wollte, wurde es schnell still am anderen Ende. Und Jochen Bittner von der ZEIT meinte mir gegenüber, alternative Sichtweisen zu 9/11 wolle man lieber nicht drucken, weil das „die Leser verunsichern“ könne. Das ist kein Scherz. So denken führende Leute in den Redaktionen. Daher bleibt man lieber auf vermeintlich sicherem Boden und redet von „Verschwörungstheorien“. Das ist bequem, weil man sich dann mit den Fakten gar nicht erst auseinanderzusetzen braucht. Außerdem machen es ja alle so und man fällt dann nicht auf. Das ganze Thema ist sehr stark angstbesetzt, so mein Eindruck.

So sehe ich das auch.

Abschiedskultur

Bei Herrn De Maizière kommt mir gerade die Begriff „Abschiedskultur“ in den Sinn. Wie könnte man die gestalten, in seinem Fall?

Heinrich Böll 1976 über Bersarin

Heinrich Böll hat sich vor knapp 40 Jahren zustimmend über Bersarin geäußert (vergl. auch hier und hier):

Es wird so leicht dahin gesagt, Zahlen sprächen für sich; ich zweifle an dieser Feststellung. Große Zahlen verdecken eher, als daß sie offenbaren. Wenn es um ein Menschenleben geht, ist es immer die Ziffer und die Zahl eins, die uns nahegeht. Vor einiger Zeit – ungefähr um die Zeit, als der Film Das große Fressen lief – fand in der Bundesrepublik Deutschland eine Gerichtsverhandlung um ein verhungertes Kind statt. Der Gegenstand des Prozesses galt als im einzig wahren Sinn sensationell, und es war dann auch, wie es der absurden Logik unseres Publikationswesens entspricht, nicht die Sensationspresse, die über den Fall ausführlich, mit genauen Analysen und Millieubeschreibungen berichtete.

Dieser Prozeß um ein verhungertes Kind schreckte auf. In unserem Land war ein Kind verhungert!

Nach den Unterlagen der UNICEF verhungern jährlich 10 bis 15 Millionen Kinder auf dieser Erde – ich muß feststellen, daß in dem Wörtchen „bis“ die ganze Schnödigkeit und Grausamkeit enthalten ist, die man ziffermäßig erfassten Toten angedeihen läßt. Und es muß die Frage folgen: wer führt die zehn bis fünfzehn Millionen Prozesse, die da fällig waren? Wer klagt an, wer verteidigt, wer richtet? Angesichts dieser notwendigen Frage und ausgeliefert der Phantasie, die notwendig (und das einzig brauchbare Mittel) ist, sich fünfzehn Millionen Gerichtsverfahren vorzustellen, muß wohl festgestellt werden, daß diese Ziffer – bedenkt man, wieviel planerische Intelligenz wir entwickeln und angewendet haben – die Bilanz eines totalen Bankrottes ist. (Böll, Heinrich, Das große Menschen-Fressen, in: Böll, Heinrich, Es kann einem bange werden, Schriften und Reden 1976-1977, München (dtv), 1985, p. 89)