Kölle

Da ist jemand aber enttäuscht! In der Tat: Die weitaus meisten Taten in der Sylvesternacht waren, sofern real, Bagatelldelikte. „Gib Kuß, Puppe!“, Antatschereien, Klaps aufn Po – alles nicht schön, gar keine Frage, alles primitiv, aber eben Dinge, die an jedem Wochenende in jeder Disco, in jedem Club ständig vorkommen. Hier wurde ja so getan, als ob über Stunden hinweg ein durchorganisierter Mob ein Haberfeldtreiben eröffnet hätte. Gegen „unsere“ Frauen (also: mir gehörn se nich, wem gehörn se denn dann? Frau Petry? Herrn Meuthen?)

Übrigens: Die erste Falschbeschuldigung wg angeblicher Vergewaltigung ist aufgedeckt: Ein offenbar psychisch labiles Mädchen (dem ich selbstverständlich keine großen Vorwürfe mache, sondern eher alles Gute für ihre Zukunft wünsche) hatte die ohnedies unglaubwürdige Behauptung erfunden, sie sei auf der Domplatte vergewaltigt worden und danach schwanger gewesen. (War im Arriba-Bad genauso: Die massiven, inzwischen widerlegten Vorwürfe stammten von zwei wohl ebenfalls psychisch instabilen Mädchen. Auch ihnen wünsche ich Stabilität und Ruhe.)

Das Ganze ist nur noch verrückt. Ich gehe davon aus, dass diversen Redaktionen das offenkundige Missverhältnis zwischen dem Kölner Narrativ und der Kölner Realität längst klar ist, sich aber niemand rantraut. Dafür war die Hysterie – inklusive front page story in der New York Times – zu massiv.

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Kommentare

  • Herwig Finkeldey  On Oktober 27, 2016 at 18:58

    Zur „Vergewaltigung“
    „Gar nicht in Köln gewesen“ – und gerade diese Geschichte hatte große Breitenwirkung. Ist bekannt, wieviele Falschbeschuldigungen/Übertreibungen es gibt und welche Motive dem zu Grunde liegen? Wie viele waren auch nicht in Köln gewesen?
    Sollte da die Stimmung gegen Flüchtlinge forciert werden? Hopplahoppla.

    Meine ersten Zweifel – NICHT am Tatbestand an sich, sondern am behaupteten AUSMASS – kamen nach der Geschichte vom sich auf deutsch bei Merkel bedankenden „syrischen Flüchtling“ (explizit so gesagt). Das entsprach 1:1 dem AfD/PEGIDA-Mem, das seit Monaten durchs digitale Dorf getrieben wurde.

    • hf99  On Oktober 28, 2016 at 22:47

      es scheint erste weitere Belege für Falschbeschuldigungen zu geben, aber nichts genaues weiß man nicht, und die Quelle (huffington post) ist auch etwas na ja. Ich überlege: Dass ein in der Enge normaler Körperkontakt, nachdem die Hysterie losbrach, in der Erinnerung hie und da als sexuelle Belästigung gewertet und angezeigt worden sein kann. Auch möglich. Mich würde auch interessieren, was es mit dem angeblich bei einem „Sextäter“ aufgefundenen fucki-fucki-Zettel real auf sich hat.

      Anyway: das erste, was mich stutzig machte und weiterhin macht, ist und bleibt das Entscheidende: Es gibt bis heute nicht ein youtube-Video, welches den Sexmob zeigt. Selbst bei den ja durchaus vorliegenden Videos müsste man durch technische Tricks eine solche Vergrößerung hin bekommen, dass man den Sexmob wenigstens aus der Ferne erkennt. Was es gab (und was ja auch durch Videos belegt ist) ist Knallkörperaggro, der dann ja auch kurz vor Mitternacht zur (berechtigten! angemessenen!) Räumung durch die Polizei geführt hat. Die Polizei hat also keinesfalls die Kontrolle verloren.

  • wolfgang  On Oktober 28, 2016 at 10:07

    In diesem Zusammenhang bitte mal das Buch vom Präsidenten der Deutschen Polizeigewerkschaft, Reiner Wendt, lesen. Mal sehen, was ihr dazu sagt, oder ob es euch, ein bissel jedenfalls, die Sprache verschlägt.

    • Herwig Finkeldey  On Oktober 28, 2016 at 13:10

      „Natürlich fällt nur eine kleine Minderheit, vielleicht ein paar Tausend, durch Kriminalität auf.“ (Reiner Wendt) Sehe ich auch so. Intensivtäter, die wie alle Intensivtäter Integrationsangebote ablehnen. Von Resozialisation will ich gar nicht reden, da sie ja nie sozialisiert waren und es mutmaßlich auch gar nicht wollen.
      Ich weiß nur nicht, was das mit syrischenBürgerkriegsflüchtlingen zu tun haben soll, die unsere Posttfaktischen mit ihrem „Danke Merkel“ meinen.

      • hf99  On Oktober 28, 2016 at 22:39

        Die Kriminalität „der“ Syrer, also der 2015er Flüchtlinge, ist sogar deutlich unterdurchschnittlich. Dass bei ca 1 Million Menschen es auch Straftaten durch eben diese Gruppe geben würde, war hier schon im Sommer 2015 zu lesen. Entscheidend ist ja das narrativ vom Mob, von der Masse. Im Extremfall verbunden mit dem Narrativ von der Agenda, Europa durch Einwanderung zu besiegen. Dass Menschen, die der Bombenhölle mit Ach und Krach entkommen sind, alles mögliche im Sinn haben, aber mit Sicherheit nicht dies, die Schlacht von Poitiers am Ende doch noch zu gewinnen…merkwürdig, auf diesen recht nahe liegenden Gedanken wollen die AfD-Kopeiken einfach nicht kommen.

  • ziggev  On Oktober 28, 2016 at 19:45

    – da sich gerade die Gelegenheit ergibt (sitze am PC, dem alten Laster fröhnend, gerad eine angesteckt, immer schön brav F5 drücken, die üblichen Blog-Verdächtigen abrufend) möchte ich mich aber auch mal dafür bedanken, dass Du diese Geschichte auf Deine kritische Art und Weise mitverfolgst!

    Ein bisschen mehr Klarsicht, danke also dafür. Merkel, die – das ist nur meine persönliche Meinung – einfach alles richtig gemacht hat, schien sich gezwungen zu sehen „die Silvester-Nacht“ in der Sendung, vor c.a. 1 Jahr, als Fakt zu nehmen und sich entsprechend darauf zu beziehen. Der einzige Punkt, wo ich Merkel kritisieren würde. Da ist sie peinlich eingeknickt. – Hätte ich mir auch nie auszumalen vermocht, dass ich, eher mit Hafenstraße-Sympathien befleißigt, eine CDU-Kanzlerin so zu verteidigen mich genötigt sehen würde.

    die postfaktische Dimension, in die wir offenbar eingetreten sind, ist derart schauderhaft, dass es immer wieder eine schiere Freude ist, bei „Kritik und Kunst“ auf F5 zu drücken. Gut gemacht und danke!

    • hf99  On Oktober 28, 2016 at 22:59

      irgendwo, ich weiß nicht mehr wo, las ich vor kurzem (ich werde copyrights beachten!): Was heißt hier „postfaktisch“? Wann war diese Gesellschaft je „faktisch“? Durchs web würde das Postfaktische, was allen Gesellschaften und ihren Narrativen, Memen, Mythen etc eigne, lediglich besonders sichtbar gemacht.

      Sehe ich auch so. Bundesdeutsches Beispiel: Der historisch schlicht falsche Mythos von den „Trümmerfrauen, die beim Aufbau mit halfen, und denen wir soviel Dank schulden“. Erwiesen falsch, bis heute transportiert. Enttrümmert – und vor allem: Bomben entschärft! – haben überwiegend KZ-Häftlinge. Es ist so ekelhaft…

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