Gina-Lisa und Burka

Ich bin derzeit etwas überarbeitet; zwei Themen haben mich aber beschäftigt:

Team Gina-Lisa… Was mich am Fall Gina-Lisa verstört hat war die Reaktion der Unterstützer. Nach allen Standards rationalen Denkens, nach allen Standards von Kriminologie und Kriminalistik ist Gina-Lisa Lohfink nicht vergewaltigt worden, und das war für jeden, der den Fall kurz recherchierte, auch sonnenklar. Ein guter Anwalt mit Verantwortungsgefühl hätte das übrigens schon nach 5 Minuten überblickt und seine Mandantin entsprechend beraten. Es ist schon bedenklich, mit welcher Konsequenz die „Unterstützer“ dort Realitätsverweigerung betrieben haben. Das war totale Tatsachenresistenz. Es geht bei dem Fall auch um den fatalen Diskurs zur angeblichen „Mikrogewalt“. Ein gefährlicher Begriff, denn er bedeutet den Freibrief für alle Arten von Berufsdenunziantentum. Nebenbei: Vergewaltigung ist eine schwerwiegende Straftat, sie wird zu recht hart bestraft – jemanden mit Hilfe falscher Behauptungen sozial zu ermorden ist es aber auch. Ich verweise ansonsten auf diesen Beitrag Prof. Müllers (auch Müllers Antworten auf die Kommentierenden beachten, insbesondere den auf „Anonyma“!) zu den Fällen Kachelmann und DSK. Genau wie die beiden Anzeigeerstatterinnen in den besagten Fällen hat auch Gina-Lisa Lohfink nachweisbar gelogen („KO-Tropfen“ – man bestellt unter KO-Tropfen-Einfluß keine Pizza, punktum) Wenn Tatsachen das ideologisch zuzementierte Hirn nicht mehr erreichen, wird es schon bedenklich. Aber wenn Tatsachen überhaupt für irrelevant erklärt werden, wird es regelrecht gefährlich.
Sie selber tut mir eher leid. Selbstverantwortung hin, Volljährigkeit her: Um die 20 ist man meistens einfach noch nicht reif genug, sich den Verlogenheiten, Begehrlichkeiten und der vordergründigen Attraktivität der Promi-Szene zu entziehen. Als It-Girl, das nichts tun muss außer da zu sein (the medium is the message) in BILD und Bunte abgebildet werden und diese Abbildungen als das reale Leben nehmen – das kann einen schon zerstören. Ich persönlich gehe davon aus, dass man sie zu dieser idiotischen Falschbeschuldigung beschwatzt hat, aber egal*. Alle sahen zu, ihre jeweiligen Schäfchen ins Trockne zu bringen – Anwalt, Managment, Unterstützer…am Ende wird sie alleine sein, es ist jetzt schon abzusehen. Nun geht es also in den Dschungel. Dem, der ihr dazu geraten hat, kann man im Grunde nur noch eine reinhauen… Was noch fehlt ist Schwesigs Rücktritt. Aber solche Leute treten nicht zurück, die machen einfach weiter; schamlos und schmierig. Wieder ein Grund, nicht SPD zu wählen.

Ja, und dann also die Burka. Verfassungsrechtlich ist da nichts drin für die Verbotswilligen, und das wissen sie auch. Der Nachweis, dass es sich bei ihr um ein eindeutig verfassungswidriges Symbol handelt, analog dem Hakenkreuz, dürfte nicht gelingen. Bei der Religionskritik mache ich mit, und ich habe immer gesagt: keine Muslim-Hatz bedeutet keine Muslim-Idyllik und vice versa. Burka tragen zu ‘dürfen’ bedeutet, die Burka kritsieren zu ‘dürfen’. Wer will es mir auch verbieten? Aber ich möchte nicht in einem Staat leben, der Bekleidungsvorschriften erläßt. Wo soll das enden? Und bei aller Sympathie für die säkulare Gesellschaft: ich erreiche mit Verboten gar nichts. Knapp 100 Jahre nach Atatürks Zwangssäkularisierung inklusive Kopftuchverbot für Behörden und Universitäten kassiert Erdogan ab. So ist die „neurotische Quetschkommode“ (Rühmklorf) namens ‘Mensch’ nun mal gestrickt. Wer dem bayrischen Säcklerhandwerk etwas Gutes tun will, wirbt für ein (sowieso nicht durchsetzbares) Lederhosenverbot, am besten mit dem Hinweis, Hitler und Göring hätten welche getragen. (Hans Scholl, Christoph Probst und die Edelweißpiraten ebenfalls, aber egal…) Solche Debatten, die sich an Symbolen abarbeiten, führen zu gar nichts. Wichtig allerdings wäre es, die Auseinandersetzung offen zu führen, weiß „weiß“, gelb „gelb“, rot „rot“ zu nennen und nicht abzuwiegeln. Natürlich hat der Islam mit dem Terror zu tun, so, wie das Christentum mit dem europäischen Judenhaß zu tun hat, so, wie die Naturwissenschaften mit Peenemünde und Dora-Mittelbau zu tun haben. Das kann man doch im Ernst nicht bestreiten. Die Frage wäre eben nur: genau was hat der Islam mit den Anschlägen zu tun? Ich möchte schon wissen, warum junge/jüngere muslimische Männer, meist in Europa sozialisiert und fast immer vorher im (klein)kriminellen Millieu unterwegs, das Töten anderer so attraktiv finden, dass sie sich ideologisch aufputschen und am Ende sogar ihren eigenen Tod in Kauf nehmen, nur um töten zu ‘dürfen’.

 

_______________

* Man wird jetzt einwenden, das Urteil sei noch nicht rechtskräftig – was stimmt. Aber wenn die öffentliche Darstellung des Falls richtig ist (keine KO-Tropfen forensisch nachgewiesen, strukturiertes Handeln war möglich, am nächsten Abend ein weiteres, sehr angelegentliches Treffen mit dem angeblichen „Vergewaltiger“, zunächst nur Rechtsmittel gegen den illegalen Film, erst mit Verzögerung auch der Vergewaltigungsvorwurf), und wenn keine sensationell neuen Beweise auftauchen, dann wäre alles andere als ein Verwerfen der Revision ein veritabler Justizskandal. Udo Vetter spricht zu Recht von einer selten guten Beweislage.

Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentare

  • Publicviewer  On August 30, 2016 at 02:14

    Nur mal so nebenbei, wir haben ja Bekleidungsvorschrifften. lieber hätte ich es ganz umgekehrt: „Jeder darf rumlaufen wie er möchte, bekleidet oder halt nicht… 😉

  • altautonomer  On August 30, 2016 at 09:35

    Wenn jemand noch letzte Restzweifel an der These haben sollte, es gehe GLL nur um Aufmerksamkeit, der sehe sich diese Inszenierung an:

    http://www.mopo.de/news/promi-show/schraege-kunstperformance-gina-lisa-traegt-die-privatsphaere-zu-grabe-24666062

    Das ist keine Kunst, das ist einfach nur krank.

  • hANNES wURST  On August 30, 2016 at 10:31

    Man kann beide Fälle kombinieren und Gina-Lisa Lohfinck wegen Falschbeschuldigung und als Schutzmaßnahme gegen weitere öffentliche Selbstdemontage zu einem Jahr Burka verurteilen. Auch ohne Urteil empfehle ich der Dame ein freiwilliges Burkajahr, der Presserummel ist garantiert, die islamische Welt entzückt, der Papst lobt sie für die Verständigung der Religionen und zuhause kann sie die Kutte abwerfen und sich vor der Webcam poppen lassen wie eh und je.

  • Wolf-Dieter  On August 30, 2016 at 12:13

    ich möchte nicht in einem Staat leben, der Bekleidungsvorschriften erläßt.

    Tust du aber. Lauf mal ohne Beinkleid übern Bürgersteig.

    Nach Lektüre von Felix Bartels‘ Zehn Noten zur Burka bin ich durchaus Befürworter eines Burka-Verbots. (Felix ist einer der beiden Charaktere, von denen ich zuverlässig weiß, dass sie klüger sind als ich.)

  • wolfgang  On August 30, 2016 at 12:55

    Zu G.L.L. kein Kommentar, weil, das sind wir und der Markt. Gäbs den Markt nicht, gäbs G.L.L. nicht. Und zur Burka: was ist eine Burka? Trägt die überhaupt jemand in Deutschland?

  • wolfgang  On August 30, 2016 at 14:14

    Glaube ich nicht, Wolf-Dieter – voll verschleiert, von oben bis zu den Füssen und mit Sehschlitz oder Sehgitter?

    • Wolf-Dieter  On August 30, 2016 at 17:09

      Yep. Genau. (Nicht jeden Tag. Aber ich habe genau das gesehen, was du beschreibst.)

  • Herwig Finkeldey  On August 30, 2016 at 15:47

    Bin ja aus rein pragmatischen, nicht aus inhaltlichen Gründen gegen das Burkaverbot: Denkt Euch, da führt die Polizei eine Burka + Inhalt ab und auf dem Revier wird dann gewaltsam entschleiert! Nachher sagt die Frau noch: Nein! Denn: Nein ist nein! Und dann wandert der Kripo-Beamte in den Knast. Weil das #teamginalisa es so will.

    Spaß beiseite: das Prinzip IT-Girl und das Prinzip Burka haben als feindliche Geschwister sehr viel miteinander zu tun. Beide leben nur, weil sie die Hauptakteure unmündig halten und Paradiese versprechen, die es so nicht gibt. Es gibt keine Seeligkeit durch faktische Entleibung wie es die Burka forciert, und auch kein C-Promiparadies, von dem IT-Girls träumen. Taucht bei GLL die erste Falte auf, wird sie des Paradieses verwiesen, ob sie nun in den in jedem Fall sauren Apfel biss oder nicht.

    Und so bleibt die Kernfrage der Aufklärung in beiden Prinzipien doeselbe: Wie bekommt man es hin: Den Austritt des Menschen aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit?

    • Wolf-Dieter  On August 30, 2016 at 17:22

      Bei der Burka dürfen wir nicht von Freiwilligkeit ausgehen. Sondern sie ist zu sehen als ein Element von Zwang der Männer gegenüber ihrem „rechtmäßig erworbenen Eigentum“, also ihren Frauen. Das gilt auch für jene Damen, die sich dieser Weltordnung unterwerfen. Denn deren Unterwerfung stand keine akzeptable Alternative gegenüber, die Voraussetzung für Freiwilligkeit wäre.

      Ein Burkaverbot kann und soll nicht die Glückseligkeit über die Damen bringen. Sondern es verhindert ein tröpfelweises Einsickern einer Negation der menschlichen Individualität.

  • Dirk  On August 30, 2016 at 16:35

    Wer dem IS noch mehr Zulauf garantieren möchte, sollte sich unbedingt für das Burka-Verbot einsetzen… Ich kenne ein paar Muslima, die nur deshalb Kopftuch tragen, weil ständig über ein Verbot desselben diskutiert wird.
    Wir wollen eine aufgeklärte und zivilisierte Gesellschaft sein und kritisieren eine Religion für ihre Rückständigkeit, reagieren selbst jedoch archaisch auf das Tragen von Kleidungsstücken. So gesehen ist unser zivilisatorischer Vorsprung dann wohl doch nicht so groß…

  • altautonomer  On August 31, 2016 at 07:33

    Hartmut: Wer ist HERWIG Finkeldey?

    Pantoufle: Wer ist Gina Lisa LohbBRINK?

    Gruss vom Irritierten.

Trackbacks

  • By Team Gina-Lisa | die Schrottpresse on August 30, 2016 at 13:27

    […] Blogger-Kollege Hartmut Finkeldey schreibt über sein Unbehagen gegenüber dem #TeamGinaLisa, daß ich […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: