Nein hieß nein

Ich habe mehrere lange Versuche zum neuen Sexualstrafrexcht wieder einkassiert, weil die Debatte (immerhin argumentationstheoretisch und somit pädagogisch wertvoll) wieder einmal so abläuft wie fast immer in gesellschaftlich oder politisch wichtigen Debatten: pawlowsche Reflexe und Gegenreflexe tauschen sich aus, vollführen einen vollelastischen Stoß, rollen jeweils in ihre Ausgangsposition zurück und rufen ad nauseam „qed, qed!“.

„Nein heißt nein!“ gilt auch jetzt schon, wie Monika Frommel mehrfach und überzeugend dargelegt hat (bitte selber googlen). Gegenlautendes Gerede („wir Frauen waren bis jetzt nicht geschützt!“) ist einfach falsch. Daran ändern auch einzelne Fehlentscheidungen von Staatsanwaltschaft oder Gerichten nichts.

Aber ebenso wenig stimmt es natürlich, dass ab sofort die Frauen den Schlüssel für den Knast in der Hand haben, wie etwa Sabine Rückert insinuiert (bitte selber googlen). Denn die Beweisregeln des Strafrechts wurden ja nicht geändert.

Genau hier steige ich aus. Als Verfügungsmasse für die Diskursprojektionen der jeweiligen Kontrahenten stehe ich nicht zur Verfügung. (Nein, ich bin nicht dafür, Frauen zu Freiwild zu erklären, wenn ich bei dem neuen Sexualstrafrecht skeptisch bleibe – und ich will nicht die Unschuldsvermutung preisgeben, wenn ich es befürworte.)

Matthias Gronemeyer (ja, mir persönlich bekannt und sehr geschätzt!) hat übrigens vor kurzem so provokant wie genial vorgeschlagen, das gesamte Sexualstrafrecht einfach ersatzlos zu streichen. (Bevor jetzt jemand in Schnappatmung verfällt: Eine Vergewaltigung dürfte ja wohl vorsätzliche Körperverletzung, und zwar sowohl schwere wie auch gefährliche Körperverletzung, darstellen. Maximum 10 Jahre! Minimum 3!  Noch Fragen?) Ich finde diesen Vorschlag großartig. Das Sexualstrafrecht betrifft unser Intimstes. Unsere ganzen persönlichen Projektionen, Hoffnungen, Sehnsüchte sind betroffen. (Straf)Rechtlich aber ist eben „nur“ objektiv beweisbare Gewalt/Nötigung zu verhandeln. Ein ausgerutschter Abend, der (halb zog es die beiden, halb sanken sie hin) unbefriedigend endet, ist keine schöne Lebenserfahrung – wir alle kennen es -, er ist aber keine Gewalt. Ein ausgerutschter Abend ist keine Vergewaltigung, keine Venusfalle…es ist ein ausgerutschter Abend, mehr nicht, und bleibt das auch nach neuem Recht, und das ist auch gut so.

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