Seeßlen-Interview

Wunderbares Interview. Ein Einwand:

Seeßlen: Die Voraussetzung wäre eine Idee von einem Europa, in dem wir wirklich frei und gleich sein wollen. Menschen, die mit der großen Hoffnung auf einen Neuanfang zu uns kommen, könnten die idealen Träger einer solchen Idee sein. Dann könnten die Flüchtlinge Europa möglicherweise vor sich selbst retten. Und vor seiner weiteren Verrohung und Verblödung.

Das ist mir zu naiv. Die Menschen, die zu uns kommen, sind um keinen Deut schlechter, aber natürlich ebenso wenig auch nur einen Deut besser als wir. Sie sind wie wir aufgewachsen in einer Welt voller Ungleichheit und Gewalt, Privilegien und Bauernschläue, Egoismen und Anpassungsdruck. Es gibt keinen „neuen Menschen“, nirgends. Immer nur die alten.

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Kommentare

  • Wolf-Dieter  On März 17, 2016 at 23:33

    Der Schlusssatz ist sehr schön und deckt sich mit dem Satz, den ich (glaube ich) bei Brecht gelesen habe: du kannst alles verbessern, nur eines nicht: den Menschen.

  • hANNES wURST  On März 17, 2016 at 23:54

    Ich finde auch, dass Seeßlen hier wieder Flucht mit Emigration verwechselt (oder sich zumindest ungeschickt ausdrückt). Natürlich ist es wünschenswert, dass viele matriarchalische Demokraten von hoher Kultur, Bildung und Toleranz nach Deutschland kommen. Diese aufzunehmen hat aber nichts mit der Bewältigung von (durch Deutschland mit verschuldeter) Flucht zu tun. Das Thema hatten wir hier ja schon.

    Recht auf Asyl ist universell, darüber besteht seit 1948 Konsens, aber es wird aus rein egoistischen Gründen jeder Haken geschlagen, um materielle oder machtpolitische Nachteile abzuwenden und dennoch einen einigermaßen humanen Eindruck zu machen. Wobei sich Deutschland bis vor kurzem ganz gut angestellt hat aber jetzt versandet der Humanismus, man tut schlicht so, als gäbe es jetzt von Deutschland aus keinen Handlungsbedarf mehr und streicht die FPÖ Dividende ein. Dabei gibt es keine humanitäre Ausrede dafür, dass man die Flüchtlinge nicht mit dem Bus aus Griechenland holt.

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