BKA-Zahlen – und einige Reflektionen

Die BKA-Zahlen „Kriminalität durch Flüchtlinge“ liegen vor. Sie überraschen nicht – Flüchtlinge haben ein Interesse daran, sich das Wohlverhalten der einheimischen Bevölkerung zu bewahren. (Das meine ich weder lobend – „brav, kleiner Flüchtling, brav, keep it up“, noch tadelnd „Du  kleiner Flüchtlings-Onkel-Tom“, das stelle ich zunächst schlicht so fest.) Die SpON-Überschrift stimmt übrigens nicht – Flüchtlinge sind im Durchschnitt sogar weniger kriminell als die Grundgesamtheit, wie SpON ja selber schreibt (Zitat: „Ja, die Kriminalität steigt, aber sie steigt deutlich langsamer, als es die wachsende Zahl der Zuwanderer vermuten lassen könnte.“). Dies verstärkt sich noch, wenn wir flüchtlingsspezifische Kriminalität abziehen – etwa Körperverletzung untereinander in hoffnungslos überfüllten Aufnahmelagern. Ich will solche Prügeleien nicht bagatellisieren, nur haben sie halt sehr spezifische, Sozialpsychologen hinlänglich bekannte Gründe…Gründe, die mit der Herkunft der Flüchtlinge gar nichts, mit den beengten Verhältnissen in den Notaufnahmelagern alles zu tun haben. (Ich schließe im Einzelfall übrigens überhaupt nicht aus, dass es in Flüchtlingsunterkünften Angriffe von Muslimen auf z.B. Christen gibt. Die allemal vorhandene Grundaggression sucht sich dann halt kulturelle Deutungsmuster, mit denen die Aggressionen legitimiert werden können. Dass sich Aggressionen hinter Deutungsmustern verschanzen, ist nun wirklich ein weltweit und seit eh bekanntes Phänomen.)

In diesem Zusammenhang ebenfalls einige kühle Bemerkungen über kriminelle Maghrebiner, also jene Gruppe, die u.a. wohl im Wesentlichen für „Köln“ verantwortlich war. (Man kann es gar nicht laut und häufig genug sagen: Die Straftaten in Köln wurden nicht von den Refugees des vergangenen Jahres begangen, sondern, nach allem, was wir derzeit wissen, überwiegend von seit Jahren kriminell operierenden Gruppen speziell aus dem Maghreb. Syrische Familien, die gerade ihr nacktes Leben gerettet haben, haben für so einen Tünneff wie eine besoffen-aggressive Silvesterparty auf der Kölner Domplatte weder Zeit noch Geld noch Sinn…)  Bei diesen maghrebinischen Gruppen handelt es sich, soweit wir wissen, um jüngere Männer, die von ihren Familien, unter Aufbietung letzter Reserven, nach Europa geschleust wurden, damit sie dort Geld heran schleppen, und zwar „egal, wie!“. Nein, ich werde ansexualisierte Antanzdiebstähle nicht verteidigen…aber ich habe Mitleid mit diesen Jungs, deren ganzes Leben verpfuscht ist – denn anstatt sich um Ausbildung, um Etablierung kümmern zu dürfen, müssen sie in ihren prägendsten Jahren irgendwie, meistens illegal, ein paar lumpichte Euros ranwirtschaften, um sie nach Marokko oder Tunesien oder Algerien zu transferrieren. Diese Jungs sind nirgends erwünscht, werden überall verachtet…Fanons altes Wort von den Verdammten dieser Erde, hier kommt es mir in den Sinn. Das furchtbare Leben der sans-papiers und ihr fast zwanghaftes Abgleiten in Kriminalität ist seit Jahren, Jahrzehnten hinlänglich bekannt. Preisfrage, Sherlock: Warum sollten diese Menschen glauben, uns irgend etwas schuldig zu sein? Was sind sie uns denn schuldig, und was wir ihnen? Ich kann doch nicht ständig irgend welche Länder, die mir nichts getan haben, als geopolitische Verfügungsmasse behandeln, und wenn die dort lebenden Menschen sich auf einmal unbotmäßig verhalten und ihren Anteil einfordern, sitzt, wie Tucho gesagt haben würde, ganz Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel! Ich war nie 3te-Welt-Idylliker, ich glaube nicht und glaubte noch nie, dass Armut einen zu einem besonders authentischen Leben animiert. Armut, abgehängt sein, für Aushub erklärt, zu Menschenplunder gemacht werden – das macht niemanden authentisch, es ist einfach nur erniedrigend und zerstörerisch. Das begreifen schmierige Typen wie Boris Palmer nicht. „Blonde Töchter grüner Professoren“ herrenmenscht es aus ihm. Die Menschenrechte eines Boris Palmer sind Herrenmenschenrechte, also jene Rechte, die z.B. beim Drohnenkrieg oder beim Coltanabbau besonders schwungvoll zum Ausdruck kommen. Insbesondere IPhones und Smartphones sind geklaut worden auf der Kölner Domplatte? Soso. Mal ganz böse gefragt: Haben sich die Afrikaner ihr Coltan etwa zurück geholt?

Nein, ich bin nicht für Straftaten a la Köln – sehr wohl aber dafür, andere Perspektiven einzunehmen. Es gibt nun mal so ein paar Faustregeln der Recherche. Etwa: Man soll sie billig hören alle beede. Oder: Wo alle Beifall klatschen, da sollst Du fragen. Wo alle Buh rufen, da sollst Du fragen. Oder: Sich nicht gemein machen mit irgend einer Sache, auch nicht einer vermeintlich guten. Oder: Stell Dich doch ein Mal, ein einziges Mal, in die Schuhe des Anderen…

Nichts ist so absurd wie das völlig unhistorische Demokratieübergestülpe. Wir fahrn nach Bagdad un machn da ne Dämogradie auf…kindisch, wenn es überhaupt ernst gemeint war (vermutlich nicht; das Menschenrechtsgeblubbere war wohl nur für die intellektuellen Speichellecker der Macht gedacht). Eine mit Bombenangriffen, mit toten Kindern etablierte sog. Demokratie ist zu Recht von vorneherein delegitimiert. Viel wichtiger: Menschheitsgeschichte vollzieht sich in Schüben, in Räumen, vollzieht sich nicht parallel, vollzieht sich leider auch gewaltsam, und „die“ Menschenrechte, obwohl logisch betrachtet abstrakt gültig, für jede und jeden jederzeit in Geltung, waren keineswegs „immer da“, sondern mussten geschichtlich entwickelt werden. Selbst in Europa, das heute arrogant so tut, als sei es immer schon demokratisch gewesen (die jüdisch-christliche Tradition Europas…dass ich nicht lache!), waren z.B. Frauen bis vor wenigen Jahren/Jahrzehnten noch massiv benachteiligt, sind es z.T. immer noch – von den Schwulen, den Schwarzen, den Juden mal zu schweigen. Ich bin dankbar dafür, in den 70ern/80ern im alten Westdeutschland sozialisiert worden zu sein – mit Zugriff auf alles, was lieb, gut, taschenbuchpreiswert und gefährlich war: Benn und Brecht, Marx/Engels (Raubdrucke des Fremdsprachenverlags Peking!) und Spengler/Nietzsche, Camus und Sartre, die Klassiker sowieso…alles war da! Wenn man mir als 17jährigen erzählt hätte, dass man die „schmutzigen Schwuli-Bulis“ unter Kuratel stellen müsse, weil die ja krank und abartig seien und Jungs zum krank/abartig sein verführen könnten, hätte ich 17jähriger Klaus-Mann-Leser (obwohl Hete) einfach angefangen zu kichern. Nur besteht für europäische Arroganz kein Anlaß. Es war diese Haltung überhaupt nicht mein Verdienst! Es hatte bei mir mit 14, 15 – ich geriet an die Frühpubertät, ferner an Kafka und an die Bulldozer-Bilder aus Bergen-Belsen, alles brachte mich fast um den Verstand – einfach „klick“ gemacht im Kopf. Hä? Juden sind minderwertig? Schwule sind minderwertig? Schwarze sind minderwertig? Frauen sind minderwertig? Gehts noch? Wer ist der behandelnde Arzt? Es gibt jetzt aber ein Problem: Dass ich diese Haltung entwickeln konnte, hatte Gründe, die nichts mit mir zu tun hatten. Es ist die europäische Geschichte, die mir diese Einsichten erlaubte – eine unfassbar brutale, gewaltbereite Geschichte, ein jahrtausendlanges Ringen um Vorherrschaft mit Nazi-Deutschland als negativer Apotheose. Nur 50 Jahre früher geboren…und ich schließe eine SS-Karriere nicht aus. Ich hatte einfach Glück gehabt, wurde als in jeder Hinsicht privilegierter im „goldenen Zeitalter“ (Hobsbawm) geboren. Wenig später, so etwa mit 17, geriet ich dann auch an Filme, etwa an Costa Gavras „Missing“. Da wars dann auch politisch aus.

Jetzt mein Probem: Wie kommuniziere ich mit Menschen, die anders groß geworden sind? Die keine postmoderne Demokratie, keine multiplen Bildungschancen hatten? Zum Beispiel in Gesellschaften, wo – grauenhaft! – kleine Mädchen zwangsbeschnitten werden? Wo Schwule, weil sie schwul sind, gedemütigt, vielleicht sogar öffentlich aufgehängt werden? Wo Juden verfolgt und gehasst werden? Wo, mit anderen Worten, heute noch das passiert, was in Europa vor wenigen Jahrzehnten auch noch gang und gäbe war, jahrtausendelang? Einerseits ist europäische Selbstgefälligkeit nicht am Platze, andererseits möchte ich, ganz ehrlich, hier sehr offensiv auftreten: Juden, Schwule, Schwarze, Frauen, psychisch Kranke, natürlich auch Muslime sind nicht minderwertig, sie sind es objektiv und ontisch nicht, ich habe hier objektiv recht und ihr objektiv unrecht. Entschuldigt bitte, Ihr Lieben, aber hier gibt es für mich keinen Diskussionsspielraum. Wir können über Historie reden und sollten das auch, darüber, dass auch meine Gesellschaft diesen mörderischen Unfug jahrtausendelang gelaubt hat und er also offenbar Bedürfnisse befriedigte. Ich bin sehr für Rankes Historismus, wenn es darum geht, zu verstehen. Aber die Inhalte der Menschenrechte zu verhandeln bin ich nicht bereit. Natürlich muss man Menschen immer „dort abholen, wo sie stehen“ – alles andere ist witzlos -, aber dann muss es schon erlaubt sein, zu sagen „Du stehst falsch, objektiv falsch dort, wo Du jetzt stehst“. Und wenn das jetzt „Kulturimperialismus“ sein soll, dann bitte mehr davon.

Die These, der Begriff der Menschenrechte sei von bildungs- und ökonomisch privilegierten weißen Männern in Europa und Nordamerika entwickelt worden, ist historisch zweifellos zutreffend, aber unerheblich. Ich möchte diese Menschenrechte nicht preisgeben oder relativieren, sondern für alle in Geltung sehen – dafür heißen sie ja auch Menschenrechte. Dass die Machtelite meines politischen Verbandes auf diese Menschenrechte ebenfalls scheißt und lediglich dann die Menschenrechtskarte zückt, wenn es den eigenen Machtinteressen dient, weiß ich, ich bin ja nicht blöde – Stichworte: Drohnenkrieg, Coltan, Öl. Und dass die Mehrheit meiner sog. Nahgruppe, die Mehrheit der sog. „Bio-Deutschen“ (ich verwende diesen witzigen Begriff mal; wir alle wissen, was gemeint ist) mit postmoderner Demokratie auch recht wenig am Hut hat, weiß ich ebenso; die Anzahl der seit 1990 totgeschlagenen „Fremden“ belegt es.

Worum geht es? Ich höre immer „Integration“. Na gut, nennen wir es „Integration“, da gerade kein besserer Begriff zur Hand ist. Aber was ist darunter zu verstehen? Sollen die Einwanderer in Dirndl und Lederhose aufs Oktoberfest spediert werden – sozusagen eine Kulturschockmethode? Wohl kaum. Sollen sie sich in Integrationskursen textanalytisch durch Kants ‚ewigen Frieden‘ ackern? Auch eher nicht, obwohl das schon eher Sinn machte. Ich denke, Integration ist ganz einfach: Es geht um die minima moralia, es geht um Schopenhauers Neminem laede. Um mehr geht es nicht, aber darum geht es, und zwar diskussionslos. Im Klartext: Du willst hier leben? Okay! Dann musst Du damit rechnen, weibliche, schwule oder jüdische Vorgesetzte zu haben. Und damit musst Du klarkommen. Mehr erwarten wir nicht – aber das erwarten wir, und das dürfen wir auch erwarten. Du musst sie nicht lieben, aber Du musst sie respektieren. Das ganze ist übrigens, und jetzt gehts ans Eingemachte, keine Einbahnstrasse. Ein persönliches Beispiel: Der Leiter der für mich zuständigen HaSpa-Filiale ist, zumindest dem Namen nach, türkischstämmig. Wenn der Edelgermane Hartmut anrückt und um einen Kredit nachfragt, ist es Mustafa (in Wahrheit heißt er anders), der „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ macht – und so muss es auch sein, es geht nicht anders! Wenn der Edelgermane Hartmut als Gewalttäter auffällig werden sollte, kann es sein, dass die (wunderbare) Kriminalpsychologin Nahlah Saimeh ein Gutachten über mich erstellt – und so muss es sein, es geht nicht anders! Integration kann also nicht meinen, dass „die“ sich „uns“ ‚gefälligst‘ anzupassen haben. Integration kann nur ein Geben und Nehmen sein, ein fairer Interessenausgleich, also eine Interaktion von Gleichen aka von Menschen. Solange „Integration“ von Leuten gefordert wird, die die Herrschaft des weißen Mannes (inzwischen generöserweise: des weißen Menschen) absichern wollen, wird sie natürlich scheitern. Denn das ist keine.

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Kommentare

  • summacumlaudeblog  On Februar 18, 2016 at 14:37

    Anfang Januar von uns schon vermutet, nun also Gewißheit. Gut auch, dass du von Mitleid für die mit Geldbringauftrag nach Europa verschifften Jugendlichen sprichst. Geht mir genau so. Was den Umgang mit ihnen nicht leichter macht.

    Eins kann ich mir nicht verkneifen: Wochenlang ist man pars pro toto als sog. Victimblamer durch die mediale Öffentlichkeit getrieben worden, nur weil man das Mem des an sich bösen Muselmann von der Domplatte nicht glauben wollte!
    Da bleiben bei mir auch Verletzungen, muß ich schon klar sagen. Das war schon krass. Eine auf unheimliche Art und Weise vergiftete Athmosphäre im öffentlich-medialen Raum.

  • Dirk  On Februar 18, 2016 at 15:59

    Leider kann man es nicht oft genug wiederholen. Die PKS, auf der die Statistik des BKA beruht, gibt nur das Anzeigeverhalten wieder. Hieraus lassen sich keine Aussagen über die Zahl der tatsächlich begangenen Straftaten treffen. Wenn Leute auf die ganze Füchtlingshysterie aufspringen und sich die Anzeigen häufen, steigt laut dieser Statistik zwangsläufig die Zahl der gemeldeten Straftaten ohne, dass sich die Zahl der tatsächlich begangenen Straftaten erhöhen muss.

    • hf99  On Februar 18, 2016 at 16:02

      das ist richtig und wurde hier auch immer wieder klargestellt. Interessant aber ist doch, dass SELBST die PKS die freudigen, gewaltgeilen Fantasien von AfD, Pegida und Palmer eben gerade NICHT bestätigen.

  • Dirk  On Februar 18, 2016 at 16:49

    Den AFDlern und Pegida-Leuten sind Fakten ohnehin egal. Bei Leuten wie Palmer ist es wichtig eine solide Datengrundlage zu haben, sonst berufen die sich auf die mangelnde Aussagekraft der PKS.

    • hf99  On Februar 18, 2016 at 23:41

      naja, bessere Zahlen als die PKS haben wir nun mal nicht. Sie ist übrigens sowieso systematisch in Richtung „Ausländer“ (also was so als „Ausländer wahrgenommen wird) verzerrt, weil Mustafa Öztürk nun einmal eher angezeigt wird als Horst-Hans Möller. ist einfach so, peng, muss man sportlich sehen.

  • Dirk  On Februar 19, 2016 at 17:16

    Es gibt durchaus Dunkelfeldstudien in denen abgefragt wird, wer in den letzten Jahren Opfer einer Straftat war. By the way, was in der Diskussion um Flüchtlinge und Kriminalität gerne unterschlagen wird, ist dass Flüchtlinge auch öfters Opfer von Straftaten werden als Deutsche. Von rassistischer Gewalt oder Schägereien in Asylbewerberunterkünften sind „Bio-Deutsche“ nun mal nicht betroffen.

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