Fischer über Köln

Thomas Fischers Kolumne ist sowieso immer Pflicht – heute aber erteile ich Lesebefehl. Inzwischen gibt sogar die Polizei z. B. in Pirna zu, dass der öffentliche Hype selbstverständlich das Anzeigeverhalten beeinflusst – kriminologisch ist auch nichts anderes zu erwarten gewesen, und wer das Derailing und Abwiegeln nennt, hat schlicht keine Ahnung. (Für die, die es nicht wissen: Das bedeutet nicht, dass die sozusagen „ausnahmsweise“ angezeigten Taten realitär nicht statt gefunden haben – es bedeutet aber, dass die Zahlen, die ja auf angezeigten Taten beruhen, dadurch im Vergleich mit anderen Massenveranstaltungen systematisch nach oben verzerrt werden. Das ist nun wirklich Statistik 1, sorry. Und das wissen die akademisch ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter z.B. in den Ministerien natürlich auch ganz genau.)

Auch Fischers folgende Bemerkung hat nichts mit Derailing zu tun, sondern dem Wiedergewinnen von Maßstäben und Proportionen:

Zum Beweis hier ein Bericht der örtlichen Presse über einen sicheren und friedlichen Freudentag im Zülpicher Viertel, Köln 2014:

„Die Beamten haben insgesamt 43 (88) Platzverweise erteilt und 47 (39) Personen in Gewahrsam genommen (Vorjahreszahl in Klammern). Die Polizisten leiteten 55 (46) Strafverfahren, unter anderem wegen Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigung, Taschendiebstahl, Raub und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ein. 18 (9) Straftäter wurden festgenommen.“ Nun gut, später entwickelte sich die Sache: „Zu vorgerückter Stunde und mit steigendem Alkoholpegel stieg die Zahl der Straftaten wie Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Beleidigungen an.“ Aber insgesamt eine rundum schöne Bilanz: „‚Die Polizei sorgte durch konsequentes Einschreiten und sichtbare Präsenz für Sicherheit‘, bilanzierte Einsatzleiter Polizeirat H.“

Man kann also, verehrte Araber, auch anders. 55 Strafverfahren, 18 Festnahmen, ein paar Dutzend Raube und ein paar Hundert Körperverletzungen an einem fröhlichen Karnevalstag in einem einzigen Kölner Stadtviertel (meine Hervorhebung!, hf)

Zur wiederholten Klarstellung: Am Kölner Hauptbahnhof hat es offenkundig Straftaten in einem nicht unerheblichen Ausmaß gegeben. Daran gibt es nichts schön zu reden; warum auch, für wen auch. Die Schilderungen der Opfer – etwa hier und hier – sind ekelhaft anzusehen. Auch ich wünsche natürlich, dass die Täter dingfest gemacht und aus dem Verkehr gezogen werden.

Aber „so noch nie dagewesen“, vertierter, 1000köpfiger Flüchtlings-Sexmob, tagelang internationale (!!!) Schlagzeilen, inklusive Frontpage bei der New York Times (sic!)…das war absurd. Solche Opferinterviews kann man, wenn man (Mann? Frau? Frau Schwarzer?) denn will, nach jedem Karneval machen. Und als Hamburger sage ich: Nach jeder wilderen Kiez-Nacht, etwa zum Hafengeburtstag, auch. Aber Alice will hier wohl nicht mehr ran an‘ S-peck.

Ja, auch ich möchte einen Untersuchungsausschuß. Ich möchte wissen, wer uns belogen hat und warum. Wer hat dafür gesorgt, das eine zweifellos ziemlich widerwärtige Sylvesternacht, die verlief, wie so viele „Party“-Nächte leider verlaufen, zur Ausnahme gelabelt wurde, zur Nacht ohne Beispiel, zur Bedrohung für jede deutsche Frau? (Regina Schleheck ist ausgenommen, aber die ist ja, wie ich, älter, die zählt nicht. Mag sich Alice um die sexistischen Konnotationen mal kümmern, die dort in den unfassbar hasserfüllten facebook-Kommentaren an den Tag gelegt wurden? Motto: Die olle Kuh Schleheck, die wolle ja keiner von „denen“ mehr, die hat natürlich nichts erlebt, denn die hat nix mehr zu bieten, deren Brüste hängen schlaff. Wird Alice übernehmen?) Ja, ich möchte einen Untersuchungsausschuß.

Natürlich nutzt es nichts mehr. Denn die Erzählung ist lanciert, das Mem in der Welt. Vertierte, 1000köpfige nordafrikanische, äh, syrische, äh, jetzt doch nordafrikanische Horden vergewaltigen unsere blonden Frauen. Karneval, Oktoberfest, Hafengeburtstag – alles läuft postmodern/Feministisch/Butler-kompatibel ab, aber wehe, wenn der Musel-MANN kommt… Wer jetzt noch genaue Recherche einfordert, andere Perspektiven einnimmt, ist ein widerlicher Gutmensch, der die Opfer verhöhnt. Verhöhnt man die sehr realen Opfer nicht vielmehr dadurch, dass man sie politisch vernutzt?

Der politische Schaden ist da, „die Spaltung gelungen“, wie mir André Tautenhahn schrieb, und Pegida und AfD sind im Dauerpartymodus. Dass sie das mit Alice Schwarzers Segen sind, könnte man sogar schon wieder spaßig finden, wäre es nicht so ernst. „Emma“ lallt heute und jetzt noch (Screenshots are taken) wahrheitswidrig vom „Terror“ und davon, dass es „bis zu tausend Männer gewesen sein (sollen)“ – sogar die Kölner Polizei hat die Zahl der mutmaßlichen Täter inzwischen drastisch nach unten korrigieren müssen.

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Kommentare

  • Dirk  On Januar 13, 2016 at 02:06

    „Ja, auch ich möchte einen Untersuchungsausschuß. Ich möchte wissen, wer uns belogen hat und warum. Wer hat dafür gesorgt, das eine zweifellos ziemlich widerwärtige Sylvesternacht, die verlief, wie so viele “Party”-Nächte leider verlaufen, zur Ausnahme gelabelt wurde, zur Nacht ohne Beispiel, zur Bedrohung für jede deutsche Frau?“

    Vielleicht wollte die Polizei nicht eingestehen, dass sie die Lage nicht unter Kontrolle hatte und hat dann die Geschichte vom muselmannischen Sexmob in die Welt gesetzt um von eigenem Fehlverhalten abzulenken. Presse und Politik haben dann aus der Sache Kapital geschlagen, Storys von ungezügelten Migranten lassen sich mit Sicherheit gut verkaufen.und vernutzen. Das war bei den Ausschreitungen bei Blockupy ähnlich. Da hat eine Gruppe von allerhöchstens 150 Leuten randaliert, die Polizei ist damals jedoch nur gegen friedliche Demonstranten vorgegangen. Später hat man dann das Märchen von 3000 hemmungslosen Gewalttätern die Frankfurt in Schutt und Asche gelegt hätten in die Welt gesetzt.

  • Bersarin  On Januar 13, 2016 at 09:35

    Nein, Hartmut, das ist falsch. In diesem Ausmaß hat es das so noch nicht gegeben, und das ist nicht mal eben Hafengeburtstag, den ich so gut kenne wie Du, und auch nicht mal eben Oktoberfest. Die sexuellen Übergriffe erfolgen dort in einer ganz anderen Weise und über den Zeitraum verteilt in einer anderen Häufung. Es war nach bisherigen Erkenntnissen in Köln keine kleine Raudigruppe von 10 oder 20 Leuten, die Angst und Schrecken verbreiten. Aus welcher Quelle nimmst Du, daß es nicht 1000 Leute waren? Waren es plötzlich nur noch 100? Das würde allerdings die Lage verändern. Da stimme ich zu. Hier müßten also neuen und bessere Quellen aufgetan werden.

    Daß dieses besondere Ereignis auch politisch vernutzt wird, steht dabei auf einem anderen Blatt. Daß auch die Polizei ihre Gründe gehabt haben mag, nicht einzugreifen, ebenso. Kann sein, kann nicht sein. Für diese These müßten dann belastbare (wie es heute so schön heißt) Belege geliefert werden. Wenn wir, als Blogger, lediglich Mutmaßungen äußern, läßt sich genauso spekulieren, daß die Polizeiführung von der Lage überfordert war, denn 176 Bullen (nicht 200) werden nicht eben mal so mit einer gewaltbereiten Masse von 1000 oder meinetwegen auch 832 Menschen fertig, aus der heraus mit hoher Aggressivität Straftaten verübt wurden. Siehe meine Beschreibung zu solchen Lagen. Genauso läßt ich mutmaßen, daß es doch eher 1500 Leute waren.

    Wenn die Anzahl der Anzeigen nach oben steigt, sagt das zunächst einmal gar nichts, außer daß die Zahl eben steigt. Dieser Umstand kann dies genauso auf dem Phänomen beruhen, daß nun auch kleiner Delikte angezeigt werden und sich mehr Menschen trauen. Verbale Übergriffe wie „Fickificki“, „Titti-Titti“ eben oder wenn eine Frau von 10 Männern umringt wird. Als was willst Du das anzeigen? Wie das beweisen? Die steigende Zahl kann genauso daran liegen, daß nun endlich Personal bereitgestellt wurde, all die Übergriffe aufzunehmen und zu bearbeiten. In schwierigen und besonderen Lagen, die es in dieser Weise so nicht gab, wie eben in Köln, läuft nicht alles wie nach dem Idealtypus und wie man es sich nach den geordneten Bahnen wünscht. Auch dies kann eine gute Erklärung für die Unübersichtlichkeit und das uneindeutige Kommunikationsverhalten der Polizei sein. (In Berlin läuft es auf Ämtern und Behörden nicht einmal im Standardzustand rund. Siehe Lageso, sie Terminveragabe auf Bürgerämtern, siehe langen Anrufzeiten bei der Polizei etcpp.) Insofern wundert mich das Chaos von Köln und die unterschiedlichen Berichte und Zahlen darüber ebensowenig. Auch das kann natürlich alles Methode haben. Ausgeschlossen ist nichts.

    Auf der Ebene der Spekulationen gibt es für alles für und wider. Alles könnte natürlich auch ganz anders gewesen sein. Diesen Umstand muß man übrigens bei allen Phänomenen dieser Welt annehmen.

    Weil Blätter wie die Bild-„Zeitung“ Hetzbegriffe verwenden und Propaganda betreiben, indem sie den Mob anfüttern, weil Pegida diese Vorfälle für sich instrumentalisiert (wie auch ein gewisser Kreis von Netzfeministinnen) muß ich mir noch lange nicht die rechtsradikale Sprache zu eigen machen. Ebenso wenig wie die simple Polemik von Fischer. Es ist ein langer Artikel, und es ist zudem ein schlechter Artikel. Ich möchte mal hören, was passiert, wenn in dieser Diktion jemand über Rechtsradikale schriebe und den NSU kleinredete. Was es in der Presse ja ebenfalls gab, muß man gleich mit dazu sagen. Sachlich orientiert ist der Artikel von Fischer nicht. Bisher gibt es keine Zahlen, die belegen, daß alles in Köln ganz anders war als die Zeitungen bisher berichteten.

    Interessant ist aber in diesen Fällen immer wieder zu sehen, wie jeder qua Köln seine Suppe kocht und Sexgewalt gegen Frauen für seine eigenen Zwecke instrumentalisiert. Was nun die Opfer betrifft, um die es eigentlich sehr viel mehr gehen sollte als um die Täter: dazu hier:

    http://www1.wdr.de/themen/aktuell/frauenorganisationen-zu-uebergriffen-silvester-koeln-100.html

  • Bersarin  On Januar 13, 2016 at 09:37

    Kommentar im Spam.

    Gegen Deine These, Dirk, spricht die anfängliche Vertuschung von Zahlen in den die ersten Pressemeldungen, die die Polizei herausgab.

  • Bersarin  On Januar 13, 2016 at 09:44

    Nein, Hartmut, das ist falsch. In diesem Ausmaß hat es das so noch nicht gegeben, und das ist nicht mal eben Hafengeburtstag, den ich so gut kenne wie Du, und auch nicht mal eben Oktoberfest. Die sexuellen Übergriffe erfolgen dort in einer ganz anderen Weise und über den Zeitraum verteilt in einer anderen Häufung. Es war nach bisherigen Erkenntnissen in Köln keine kleine Raudigruppe von 10 oder 20 Leuten, die Angst und Schrecken verbreiten. Aus welcher Quelle nimmst Du, daß es nicht 1000 Leute waren? Waren es plötzlich nur noch 100? Das würde allerdings die Lage verändern. Da stimme ich zu.

    Daß dieses besondere Ereignis auch politisch vernutzt wird, steht dabei auf einem anderen Blatt. Daß auch die Polizei ihre Gründe gehabt haben mag, nicht einzugreifen, ebenso.
    Kann sein, kann nicht sein. Für diese These müßten dann belastbare (wie es heute so schön heißt) Belege geliefert werden. Wenn wir, als Blogger, lediglich Mutmaßungen äußern, läßt sich genauso spekulieren, daß die Polizeiführung von der Lage überfordert war, denn 176 Bullen (nicht 200) werden nicht eben mal so mit einer gewaltbereiten Masse von 1000 oder meinetwegen auch 832 Menschen fertig, aus der heraus mit hoher Aggressivität Straftaten verübt wurden. Siehe meine Beschreibung zu solchen Lagen.

    Wenn die Anzahl der Anzeigen nach oben steigt, sagt das zunächst einmal gar nichts, außer daß die Zahl eben steigt. Dieser Umstand kann dies genauso auf dem Phänomen beruhen, daß nun auch kleiner Delikte angezeigt werden und sich mehr Menschen trauen. Verbale Übergriffe wie „Fickificki“, „Titti-Titti“ eben oder wenn eine Frau von 10 Männern umringt wird. Als was willst Du das anzeigen? Wie das beweisen? Die steigende Zahl kann genauso daran liegen, daß nun endlich Personal bereitgestellt wurde, all die Übergriffe aufzunehmen und zu bearbeiten. In schwierigen und besonderen Lagen, die es in dieser Weise so nicht gab, wie eben in Köln, läuft nicht alles wie nach dem Idealtypus und wie man es sich nach den geordneten Bahnen wünscht. Auch dies kann eine gute Erklärung für die Unübersichtlichkeit und das uneindeutige Kommunikationsverhalten der Polizei sein. (In Berlin läuft es auf Ämtern und Behörden nicht einmal im Standardzustand rund. Siehe Lageso, sie Terminveragabe auf Bürgerämtern, siehe langen Anrufzeiten bei der Polizei etcpp.) Insofern wundert mich das Chaos von Köln und die unterschiedlichen Berichte und Zahlen darüber ebensowenig. Auch das kann natürlich alles Methode haben. Ausgeschlossen ist nichts.

    • hf99  On Januar 13, 2016 at 11:09

      „In diesem Ausmaß hat es das so noch nicht gegeben, und das ist nicht mal eben Hafengeburtstag, den ich so gut kenne wie Du, und auch nicht mal eben Oktoberfest. Die sexuellen Übergriffe erfolgen dort in einer ganz anderen Weise und über den Zeitraum verteilt in einer anderen Häufung. Es war nach bisherigen Erkenntnissen in Köln keine kleine Raudigruppe von 10 oder 20 Leuten, die Angst und Schrecken verbreiten. Aus welcher Quelle nimmst Du, daß es nicht 1000 Leute waren? Waren es plötzlich nur noch 100? Das würde allerdings die Lage verändern. Da stimme ich zu. “

      Dann veränder mal Deinen Blick. Gibt doch alle Welt längst zu, dass die (geringeren, maximal 150, 180) Tätergruppen aus einer Gruppe von 1.000 heraus operierten, es aber eben nicht 1000 Täter waren. Wären sie es alle gewesen, alle, die da auf dem Bahnhofvorplatz standen, hätte man das auch auf den hinlänglich bekannten Videos vom Bahnhofsvorplatz sehen müssen. Sah man aber nicht. (Oder siehst Du auf diesen Videos einen vertierten 1000köpfigen Musel-Sexmob, der hunderte von Frauen Spießrutenlaufen läßt? Denn darum geht es, um diese Suggestion! Dass es es schwere Straftaten gegeben hat, darum geht es nicht, denn das bestreitet keiner. Es bestreitet auch keiner, dass es speziell im Köln-Düsseldorfer Umfeld Probleme mit überwiegend wohl marrokanischen, tunesischen und algerischen Antänzerbanden gibt.)

      Die junge Frau, die Opfer von Übergriffen und Nötigungen wurde und von Spiegel TV mit der Kamera begleitet wurde, sagte bei Spiegel TV sogar wortwörtlich: Normalerweise hätte sie das wohl beiseite geschoben, jetzt aber wolle sie anzeigen. (Zur Klarstellung: ich find es richtig, dass sie angezeigt hat!)

  • Bersarin  On Januar 13, 2016 at 09:44

    Auf der Ebene der Spekulationen gibt es für alles für und wider. Alles könnte natürlich auch ganz anders gewesen sein. Diesen Umstand muß man übrigens bei allen Phänomenen dieser Welt annehmen.

    Weil Blätter wie die Bild-„Zeitung“ Hetzbegriffe verwenden und Propaganda betreiben, indem sie den Mob anfüttern, weil Pegida diese Vorfälle für sich instrumentalisiert (wie auch ein gewisser Kreis von Netzfeministinnen) muß ich mir noch lange nicht die rechtsradikale Sprache zu eigen machen. Ebenso wenig wie die simple Polemik von Fischer. Es ist ein langer Artikel, und es ist zudem ein schlechter Artikel. Ich möchte mal hören, was passiert, wenn in dieser Diktion jemand über Rechtsradikale schriebe und den NSU kleinredete. Was es in der Presse ja ebenfalls gab, muß man gleich mit dazu sagen. Sachlich orientiert ist der Artikel von Fischer nicht. Bisher gibt es keine Zahlen, die belegen, daß alles in Köln ganz anders war als die Zeitungen bisher berichteten.

    Interessant ist aber in diesen Fällen immer wieder zu sehen, wie jeder qua Köln seine Suppe kocht und Sexgewalt gegen Frauen für seine eigenen Zwecke instrumentalisiert. Was nun die Opfer betrifft, um die es eigentlich sehr viel mehr gehen sollte als um die Täter: dazu hier:

    http://www1.wdr.de/themen/aktuell/frauenorganisationen-zu-uebergriffen-silvester-koeln-100.html

  • Bersarin  On Januar 13, 2016 at 10:14

    Auf der Ebene der Spekulationen gibt es für alles für und wider. Alles könnte natürlich auch ganz anders gewesen sein. Diesen Umstand muß man übrigens bei allen Phänomenen dieser Welt annehmen.

    Weil Blätter wie die Bild-„Zeitung“ Hetzbegriffe verwenden und Propaganda betreiben, indem sie den Mob anfüttern, weil Pegida diese Vorfälle für sich instrumentalisiert (wie auch ein gewisser Kreis von Netzfeministinnen) muß ich mir noch lange nicht die rechtsradikale Sprache zu eigen machen oder aber diese eigenartigen Relativierungen der Netzfeministinnen. Ebenso wenig wie die simple Polemik von Fischer. Es ist ein langer Artikel, und es ist zudem ein schlechter Artikel. Ich möchte mal hören, was passiert, wenn in dieser Diktion jemand über Rechtsradikale schriebe und den NSU kleinredete. Was es in der Presse ja ebenfalls gab, muß man gleich mit dazu sagen. Sachlich orientiert ist der Artikel von Fischer nicht. Bisher gibt es keine Zahlen, die belegen, daß alles in Köln ganz anders war als die Zeitungen bisher berichteten. Da nützt auch Fischers Polemik nichts, daß er in Köln nur von Schnorrern angegangen wurde. Ich habe übrigens zu Silvester am Hamburger Hauptbahnhof auch nur friedliche und nette Menschen erlebt. Allerdings im Theater, Parkett, 5. Reihe. Und dann zum Feiern im Foyer.

    Interessant ist aber in diesen Fällen immer wieder zu sehen, wie jeder qua Köln seine Suppe kocht und Sexgewalt gegen Frauen für seine eigenen Zwecke instrumentalisiert. Was nun die Opfer betrifft, um die es eigentlich sehr viel mehr gehen sollte als um die Täter: dazu kann man bei wdr 1 etwas nachlesen. Unter Frauenorganisation. (Verlinken kann ich nicht, dann landet der Text wieder im Spam)

    Und noch etwas zu Zahlen, den Kräfteverhältnissen und zu Auswüchsen, mit denen niemand gerechnet hat. Bsp. Leipzig-Connewitz: 3000 Polizisten (das sind 30 Hundertschaften, darunter Spezialkräfte wie SEK und BFE), Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge werden 250 Fascho-Hooligans nicht Herr. Oder Berlin, 1. Mai.: eine deutlich höhere Zahl an Polizei als in LE rund 10.000 Bullen können es nicht verhindern, daß 2000 Autonomen Teile eines Viertels in Schutt legen. Irgendwie eigenartig und verdächtig? Oder doch nur einer unübersichtlichen Lage geschuldet?

  • Knallrotes Gummiboot  On Januar 13, 2016 at 10:56

    @Dirk:
    Irgendwie muss da noch mehr Komplexität im Spiel sein:
    eine überforderte Polizei, die den Platz räumen konnte … ein Vater, der keine Polizei gesehen haben will …
    Dann könnte man ja auch noch als Möglichkeit sehen, wenn ein Sexmob da über Stunden getobt haben soll und die Polizei da so hilflos gewesen sein soll, dass sich dann vielleicht auch entsprechende Gangs zusammenrotten hätten können (wie ja jetzt „Rocker“ oder Hooligans), die dann den Sexmob aufgemischt hätten.
    Und dieser ganze Sexmob soll bisher nur durch Aussagen dokumentiert sein?
    Solche drastischen Sachen wie in dem zweiten Video berichtet, müssten doch auch von Kameras (mit Infrarot) erfassbar sein.
    Und auch wenn die sexuellen Sachen eher etwas schwieriger aufklärbar sind, die Diebstähle müssten sehr gut aufklärbar sein, besonders bei den Handies.
    Was hat die Funkzellenüberwachung ergeben?

    • hf99  On Januar 13, 2016 at 11:14

      @knallrotes Gummiboot

      „ein Vater, der keine Polizei gesehen haben will …“

      der ist mir auch aufgefallen. In der Tat. Und um 23:30 wurde Verstärkung abgelehnt („brauchen wir nicht“)

      „Und dieser ganze Sexmob soll bisher nur durch Aussagen dokumentiert sein?“ Naja eben. Das wundert mich ja auch. Straftaten aus einer amorphen Menge heraus – klar, keine Frage, ich glaube den Mädchen/Frauen (zwei Erlebnisberichte verlinkte ich) jedes Wort, müssen wir nicht drüber reden.

      Aber ein 1000Mann-Sexmob über Stunden? Nee, sorry.

    • hf99  On Januar 13, 2016 at 11:19

      ergänzend: man sehe sich die Aussagen der jungen Frauen nochmal genau an. Auch sie sprechen ja eben gerade nicht von 1000 Mann, die sich auf sie gestürzt hätten.

  • Wolfgang  On Januar 13, 2016 at 11:19

    Ja Fischer, hab es gerade gelesen, lese seit geraumer Zeit alles von ihm, die Kolumne unterschreibe ich, wie das meiste von ihm!

  • Bersarin  On Januar 13, 2016 at 11:39

    Niemand (und auch ich nicht) schrieb vom 1000 Tätern, sondern von einer Gruppe von 1000 Menschen, aus der heraus ca. 140, 150, 180 Menschen Straftaten verübten. Und ich habe in der FAZ, in der Berliner Zeitung und auf SpOn auch nichts von 1000 sexhungrigen, vertierten Tätern gelesen, sondern genau diesen beschriebenen Fakten. (Für die Berliner Zeitung und die FAZ kann ich das relativ genau sagen.) Und ich habe dies auch exakt so in meiner Lageeinschätzung beschrieben, weshalb es für (inzwischen 142) Polizisten schwierig ist, Zugriffe zu machen, wenn sich diese Täter in einer Großgruppe, die teils aufgeheizt ist (im wahrsten Sinne des Wortes: siehe Silvesterrakten und Feuerwerkskörper) verstecken.

    • hf99  On Januar 13, 2016 at 11:43

      „Niemand (und auch ich nicht) schrieb vom 1000 Tätern“ Lieber Bersarin, das kannst Du jetzt nicht ernst meinen. Durchs ganze Web jagt die ominöse Zahl 1000. Dass der seriöse (naja…) Journalismus sich schnell korrigiert hat, ist richtig, ändert aber nichts mehr am Mem.

      Ggfls haben sich die Täter derart in der Menge versteckt, dass es für die Polizei schwierig war, das Ausmaß zu erkennen (weswegen Verstärkung abgelehnt wurde). Das wäre jetzt in einem PUA zu klären, der hoffentlich kommt.

  • Wolfgang  On Januar 13, 2016 at 11:44

    Lest doch mal den Fischer genau. Da steht doch alles drinne.

    • hf99  On Januar 13, 2016 at 11:48

      Natürlich.

      Hier sind seine wichtigsten Zeilen:

      Bleiben Sie, liebe Mitbürger, bitte ruhig und freundlich! Es sind am 31. Dezember 2015 in Deutschland etwa genauso viele Straftaten geschehen wie an jedem anderen 31. Dezember. Der Anteil der von Ausländern begangenen Straftaten ist nicht gestiegen.

      Der Nordafrikaner neigt von Natur aus zur Vergewaltigung nicht mehr als der Nordsiegerländer, hat allerdings gelegentlich eine aus unserer Sicht recht verquere Auffassung von der Sozialadäquanz männlicher Gewalt. Daran sollten wir arbeiten. Wäre der Araber weg, bliebe uns noch das Problem der restlichen 90 Prozent junger männlicher Straftäter, die ein ziemlich ähnliches Verständnis von der Ehre der Frau haben. Die sind eindeutig deutsch, immerzu entweder in „Liebe“ oder in „Ehre“ entbrannt und ziehen eine Schneise von Blut und Sperma von Saarbrücken bis Usedom. Wir könnten gewiss nicht alle, aber doch die meisten von ihnen einfangen und besänftigen und mit einer gewissen Lebensperspektive erfüllen, wenn sie uns als Menschen etwas wert wären.

      Sind sie aber nicht. Wir nehmen sie hin, verachten sie, ignorieren sie. Kein Politiker sagt, sie seien ein Menetekel der Zerstörung unserer Kultur. 20.000 Millionen Euro schreibt unsere Regierung ab für die Resozialisierung der verrückt gewordenen Investmentbanker, damit dem deutschen Mittelstand kein weiteres Leid geschehe. Wenn in Köln 13 neue Stellen für Pädagogen oder Sozialarbeiter gefordert werden, um ein paar Hundert armseligen Verlierern eine klitzekleine Pforte zum Paradies zu zeigen, wandeln 1.000 Pegidisten um den Dom und murmeln: „Erlöse uns vom Araber“.

  • Stefan  On Januar 13, 2016 at 11:58

    Eine Erklärung für das Mißverhältnis zwischen spontan und nachträglich angezeigten Sexuellen Übergriffen in Köln:

    Es konnten in der Silvesternacht nicht alle Anzeigen aufgenommen werden.

    Lt. Polizeibericht waren ca. 30-50 Personen auf der Wache, um Anzeige zu erstatten. Da sexuelle Übergriffe von weiblichen Beamten aufgenommen wurden und von denen nur 2 vor Ort waren, dauerte das so lange, dass die meisten Opfer entnervt wieder gegangen sind. Insgesamt gab es bisher ca. 200 Anzeigen wg. sexueller Übergriffe. Dann würde das Verhältnis ungefähr stimmen.

    Mittlerweile werden auch Opfer gestalkt und Klarnamen und Adressen veröffentlicht (ein Fall ist bekannt).

    Offensichtlich fühlen sich tatsächlich manche aufgerufen eine „faschistische Anzeigenkampagne“ aufzudecken.

  • Wolfgang  On Januar 13, 2016 at 12:03

    So isses, Hartmut. Leider.

  • Dirk  On Januar 13, 2016 at 12:34

    Zunächst hat die Polizei von einer ruhigen Silvesternacht gesprochen und überhaupt nichts zu den Vorfällen gesagt. Die Geschichte vom 1000 Mann starken Mob wurde erst veröffentlicht, als sich nicht mehr bestreiten ließ, dass es in der fraglichen Nacht zu sexuellen Übergriffen kam. Seitdem geistern eine Version der Ereignisse durch die Medien die auf einem eher unglabuwürdigen Polizeibericht beruht. Zudem ist weiterhin unklar, ob sich zu dem Zeitpunkt wirklich 1000 Personen am Kölner Hbf aufhielten. Siehe hier : http://www.burks.de/burksblog/

  • Dirk  On Januar 13, 2016 at 12:35

    Hier ist nochmal der vollständige Link: https://www.burks.de/burksblog/2016/01/10/koelner-nebelkerzen

  • Bersarin  On Januar 13, 2016 at 13:01

    Dirk, ich finde bisher keine Links, die von Zahlen weit unter 1000 Personen (noch einmal: Nicht Täter!) auf dem Hauptbahnhof und dem Domplatz sprechen. Wo also Nebelkerzen?

    „Der Nordafrikaner neigt von Natur aus zur Vergewaltigung nicht mehr als der Nordsiegerländer, hat allerdings gelegentlich eine aus unserer Sicht recht verquere Auffassung von der Sozialadäquanz männlicher Gewalt. Daran sollten wir arbeiten. Wäre der Araber weg, bliebe uns noch das Problem der restlichen 90 Prozent junger männlicher Straftäter, die ein ziemlich ähnliches Verständnis von der Ehre der Frau haben. Die sind eindeutig deutsch, immerzu entweder in “Liebe” oder in “Ehre” entbrannt und ziehen eine Schneise von Blut und Sperma von Saarbrücken bis Usedom.“

    Dem ist zuzustimmen. Ebenso diese Passagen:

    „An dem Bericht des Bundespolizisten überrascht zudem, dass Vorgänge beschrieben wurden, die in einem Einsatzbericht eigentlich nichts zu suchen haben, da sie nichts über die Gefährdungslage oder den Ablauf des Einsatzes aussagen. Dazu gehört die in allen Medien aufgegriffene Äußerung „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen“, der im Bericht als „Vorfall“ beschrieben wurde. Auch die Beschreibung, dass eine Aussage „mit einem Grinsen im Gesicht“ gemacht wurde, hat in einem Polizeibericht eigentlich nichts zu suchen und sagt mehr über die Haltung des Verfassers aus als über die tatsächliche Gefährdungslage in der Silvesternacht.“

    Hier wird es in der Tat seltsam.

    • hf99  On Januar 13, 2016 at 13:15

      „Hier wird es in der Tat seltsam.“

      Und wenn wir den Vater des einen Opfers hören (habe keine Polizei gesehen) wirds noch viel viel seltsamer.

      Übrigens: siehe die Leserinnenkommentare bei Fischers Artikel: Noch heute wird im Publikum von 1000 Tätern gefaselt. Ist ja auch so schön griffig, die Zahl. Und so flauschig bedrohlich. Schmeckt einfach…

  • neumondschein  On Januar 13, 2016 at 17:45

    Unsere beiden Streithammel, Hartmut und Bersarin sollten bedenken, daß wenig Erkenntnisse vorliegen. Wir streiten uns darum, welches Gerüccht glaubwürdiger und welche Vermutung wahrscheinlicher ist. Und sobald diese Fakten vorliegen, interessiert sich keine Sau mehr über die Silvesternaccht in Köln, weil inzwischen die Aufmerksamkeit auf den Terroranschlag in Istanbul übergegangen ist.

    Das einzige, was eventuell vielleicht geht, ist über die sogenannten Antänzer, die polizeibekannten Intensivtäter aus Marokko zu recherchieren. Mehr geht erst mal nicht. (via genova)

    • summacumlaudeblog  On Januar 13, 2016 at 17:48

      via genova? Den Artikel aus der SZ habe ich gestern hier verlinkt 🙂

    • neumondschein  On Januar 13, 2016 at 17:52

      Übrigens halte auch ich den Polizeibericht vom 2. Januar für glaubwürdiger. Und da es am 2. Januar noch keine Verdächtigen gab, kann man auch keine Verbindung zur Flüchtlingskrise behaupten. Täte die Polizei das, würde sie sich den Vorwurf der Voreingenommen gefallen lassen müssen.

      Jetzt fange ich auch an, Berichte nach Glaubwürdigkeit abzuwiegen!

    • hf99  On Januar 13, 2016 at 18:10

      die Antänzer sind schon länger im Boot. Scheint mir hier auch tatsächlich der Fall gewesen zu sein.

      Folgendes – vor allem, wenn ich die (natürlich nicht repräsentativen) persönlichen Berichte der Opfer mir so anhöre – scheint aber ein realistisches Szenario zu sein:

      a) der ganz normale Angrabschscheiß besoffener Männer, der jetzt, im Gegensatz zu sonst, eben angezeigt wird (gut so, dass angezeigt wird! Find ich richtig!)

      b) direkt Hbf/Domplatte eben auch massiv auftretende Antänzer, wobei ich schon früh sagte, dass es auch hier vermutlich „Misch-Motivationen“ gibt, will sagen: Die Täter oder zumindest einige haben das sexuell/machtlüstern „angenehme“ mit dem materiell „nützlichen“ (Handy, Geldbörse) verbunden.

  • summacumlaudeblog  On Januar 13, 2016 at 17:47

    Ich glaube man muß akzeptieren, dass die seriöse Presse den Irrtum von „1000 Tätern“ und vom „stundenlangen“ Sexmob schnell korrigiert hat. Drastisch nach unten, denn weniger als 20% der ursprünglich berichteten Menge IST definitiv drastisch. Berichtet worden bersarin ist es aber durchaus.
    Leider geistert die Zahl noch im Netz rum und ist schwer aus den Köpfen zu kriegen. Was mir dabei in den Sinn kommt: Ist der Vorfall nur der Empörung wert, wenn es tausend Täter waren? Gibt sich PEGIDA nicht mit (wie gesagt DEUTLICH) weniger zufrieden?
    Man muß immer auf der Hut sein, wenn die Fakten eskaliert werden. Wieso reichen nicht 180 Täter für die Empörung und die Frage nach den Ursachen? Verstehe ich nicht.
    Weiterhin ist ja nun klar geworden, dass es nicht Kriegsflüchtlinge aus Syrien waren. Auch das ist ja zwischenzeitlich behauptet worden. Außerdem wurde eine EINZELNE Geschichte immer wieder berichtet, wonach ein Festgenommener gesagt haben SOLL, „mother Merkel has invited us“. Für mich ist klar, dass diese Geschichte verwendet werden soll, um die Stimmung zu kippen. Auch den Kriegsflüchtlingen gegenüber. Das Asylrecht soll nur noch rein formal im Sinne der sicheren Drittstaatregelung ausgelegt werden. Das ist definitiv die Intention der AfD und dafür muß die Stimmung auch gegenüber den Syrern kippen.
    Die eigentlichen Täter waren ja offenbar allein Stehende Nordafrikaner, v.a. Marokkaner. Tja, deren Situation ist furchtbar bis hoffnungslos. Natürlich sind sie kriminell, haben auch teilweise ein fragwürdiges Frauenbild. Aber ihre Situation – mit dem letzten Ersparten losgeschickt als vermeintlich Stärkster ihrer verarmten Familie, um irgendwie in Europa Geld zu machen – also für mich reicht das, um deren Situation eben auch tragisch zu nennen.

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