Pro linkem Hedonismus

via burks:

Es hat sich eine Achsenverschiebung innerhalb der Linken ergeben: Weg von der sozialen Idee und Kategorien wie menschlicher Fortschritt zu einer protestantisch geprägten, grünasketischen Verdrängungs- und Verbotskultur: Man muss möglichst politisch korrekt agieren, man darf den Islam nicht kritisieren und ansonsten hat man möglichst gesund zu leben…

Michael Hirsch: Genau. Wichtig an neomarxistischen Positionen wie denen von Marcuse und Adorno scheint mir deren hedonistische Achse zu sein, das heißt man denkt Befreiung im Lichte von verbesserten Lebensmöglichkeiten. Es gibt von vornherein eine klare Vorstellung, wohin der Fortschritt führen könnte und deswegen auch eine klarere Idee, was diesem Vorhaben auch innerhalb des eigenen Lagers entgegen steht. Man konnte einen schlechten Asketismus auch bei den eigenen Leuten kritisieren. Der Hedonismus, also die Idee eines guten, eines besseren Lebens ist einer der wesentlichsten Aspekte bei der neomarxistischen Linken, die irgendwann innerhalb der intellektuellen Linken sehr stark an Einfluss verloren hat.

Lesebefehl!

Ich relativiere mein „Ja“ in einem Punkt:

ich glaube, dass Adornos Projekt in sich selbst widersprüchlich (meine Hervorhebung, hf) und dialektisch ist. Die Vernunftkritik ist in sich gespalten: Es existiert auf der einen Seite eine Vernunftkritik an der modernen Gesellschaft als einer verselbständigten, die vermeintlich vernünftig ist, aber tatsächlich einem wahnsinnig gewordenen Realitätsprinzip unterworfen ist. Obwohl unsere Verhältnisse aus menschlichen Handlungen resultieren, sind sie die Menschen nicht Herr ihrer Lage.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich diejenige Vernunft, an die sämtliche moderne emanzipierte denkerische Modelle appellieren, nämlich die des demokratischen, klassisch republikanischen Rechtsstaats, eines Gemeinwesens, welches in freier Vereinbarung sich selbst die Regeln gibt. Diese Idee von demokratischer Souveränität kommt ohne Vernunft nicht aus. Diese Art von Vernunft wird aber wiederum gewissermaßen gegen die sozialen Tatsachen normativ behauptet.

Das ist überhaupt die Eigenart aller vernunftrechtlich argumentierender Positionen seit Kant: Man behauptet ja nicht, der Mensch sei gut, sondern versucht Axiome und Kriterien zu ergründen, aus denen wir vernünftige Verfahren der Entscheidungsfindung entwickeln können. Adorno möchte hier also die Vernunft retten.

Die andere Seite, das Hedonistische, das Freie, kommt hingegen in seinem ästhetischen Denken zu tragen: Dieser Bereich soll ja gerade nicht vernünftig geregelt werden, sondern nur die äußeren gesellschaftlichen Verhältnisse, insbesondere die Ökonomien. Alles was mit unseren ethischen, ästhetischen und feinsinnigen Strömungen als Menschen zu tun hat, alle Sinnenpotentiale sollen nicht verrechtlicht und kollektiv geregelt werden, sondern idiosynkratisch dem Einzelnen überlassen bleiben.

Deshalb ist bei Adorno der Bereich des Ästhetischen, des Funktionslosen, etwas das in sich selbst seine eigene Berechtigung hat, so wichtig. Hier gilt das Primat des Besonderen: Der Mensch ist kein Mittel zum Zweck, auch nicht zum Aufbau einer höheren Form von Gesellschaft, sondern ein radikaler, irreduzibler Selbstwert.

Man hat also hier zwei Ebenen: Zum einen eine Ethik des Besonderen, den irreduziblen Wert des Einzelnen und auf der anderen Seite eine eher kollektiv-demokratische grundrechtliche, soziale Doktrin, die versucht, gesellschaftliche Verhältnisse zu bändigen.

Alles richtig – aber wo ist das widersprüchlich? Ich sehe den Widerspruch einfach nicht. Ich habe ihn noch nie gesehen. Wo soll sich Baudelaire-Lesen und Bordeaux-Saufen denn mit Antirassismus beißen? Ist nicht vielmehr die Suggestion, hier läge ein Widerspruch vor, eine der großen blinden Flecke linken Denkens? Hirsch sagt es ja selber: Zwei Ebenen – eben! Die der sozialen Gerechtigkeit und die der persönlichen, individuellen Lebenswelt, die jeweils nicht aufeinander reduzierbar sind und deswegen auch nicht aufeinander reduziert werden sollten. Wer es dennoch versucht, etabliert entweder eine neostalinistische Trischta, die linke Sauberkeitserziehung, den „linken Rohrstock“ (Rühmkorf), oder das ironische Beliebigkeitsgetründel jener Typen, denen man irgendwann einmal erlaubt hat, 2 Seiten Derrida zu lesen.

Ceterum censeo: Der Satz „Das Politische ist privat und das Private politisch“ ist die große linke Grunddummheit…und zwar, historisch betrachtet, letztlich spätestens seit 1789.

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Kommentare

  • Wolfgang  On Dezember 30, 2015 at 13:10

    Und was lehrt uns das, dass wie nie etwas anderes bekommen werden als wir jetzt haben?

  • Wolfgang  On Dezember 30, 2015 at 13:15

    Klar doch, „die Linke Sauberkeitserziehung“, Arbeit als Recht und Pflicht, z.B. na und ?

  • Dirk  On Dezember 31, 2015 at 12:11

    Die Aussage mit dem Hedonismus würde ich stark relativieren. In dem Kulturindustriekapitel aus der DdA schreiben Horkheimer und Adorno, dass Hedonismuns und Amusement systemstabilisierend und durchkommerzialisiert sind. Die Leute sollen sich ja vergnügen um dem Arbeitsalltag aufs neue gewachsen zu sein. Gerade deshalb beharren ja beide auf der Autonomie von Kunst und Wissenschaft.

    Ansonsten ist dem Text zuzustimmen. Poststrukturalistische Ansätze reduzieren Macht- und Herrschaftsphänomene auf sprachliche Konstrukte, was letztlich dazu führt, dass die Ebene des politischen auf eine lebensweltliche und symbolische Perspektive verkürzt wird.

    • hf99  On Dezember 31, 2015 at 14:18

      und in der minima moralia steht irgendwo, es weise noch der dümmlichste Liebesschlager auf Sehnsucht nach dem Anderen…

    • hf99  On Dezember 31, 2015 at 14:18

      „Ansonsten ist dem Text zuzustimmen. Poststrukturalistische Ansätze reduzieren Macht- und Herrschaftsphänomene auf sprachliche Konstrukte, was letztlich dazu führt, dass die Ebene des politischen auf eine lebensweltliche und symbolische Perspektive verkürzt wird.“

      Mein Sagen seit 89…

  • che2001  On Dezember 31, 2015 at 13:29

    Jetzt mal ganz platt gesagt: In der Welt, in die ich sozialisiert wurde, waren links sein, Haschisch rauchen, oft Party haben, viel Sex mit experimentellen Praktiken und häufigem Partnerwechsel und sich mit Nazis und Bullen hauen organisch zusammenhängend ein und dasselbe. Und bewusstseinstechnisch ist das für mich heute immer noch so.

  • che2001  On Januar 1, 2016 at 19:45

    @““Das Politische ist privat und das Private politisch” ist die große linke Grunddummheit…und zwar, historisch betrachtet, letztlich spätestens seit 1789.“

    ——- Jede Person, die die Grunddummheit begeht, für das eigene Smartphone ein Google-Account anzumelden, wird die Richtigkeit dieses Satzes am eigenen Leib demonstrieren, begibt sie sich doch in eine Überwachbarkeit und Kontrollierbarkeit, mit der verglichen sich der Orwell´sche Überwachungsstaat wie ein anonymes Niemandsland ausnimmt. Bei jeder Spam-Mail, die wir bekommen, sollten wir davon ausgehen, dass der Grund für Ihre Aussendung ein Bewegungsbild von uns ist, eine Mischung aus Persönlichkeitsprofil und aktueller Standortangabe. Im Grunde trägt jeder Smartphoneuser eine Light-Variante der elektronischen Fußfessel mit sich herum. Darum navigiere ich auf meinen Bergtouren übriges nach Kompass, Höhenmesser und Quadrant. Sowohl Unternehmen wie Geheimdienste können sich diese Bewegungsbilder beschaffen, und sie tun es auch. In diesem Zusammenhang empfehle ich die Lektüre von „Der Rechtsstaat im Untergrund“ von Wolf Wetzel, einem für die Entwicklung eines kritischen Bewusstsein möglicherweise viel wichtigerem Buch als so manche philosophischen Werke.

    Der Satz von der Kongruenz des Politischen und des Privaten meint natürlich etwas völlig Anderes, doch denke ich, dass Du, Hartmut, da viel zu großräumig vorgehst. Entstanden ist diese Formel 1967 und war damals schlicht wahr und sehr zuttreffend. Gemeint war, ich drücke mich da bewusst plastisch aus, etwa jener Zusammenhang: Wer nicht in seiner Pubertät gegen die Autorität der Eltern, Lehrer und Meister rebelliert, wird auch später weder als politischer Mensch noch als arbeitender Mensch eine kritische, unabhängige Haltung haben können. Wer nicht bereit und in der Lage ist, autonom, d.h. auf sich gestellt und situationsbezogen zu handeln ist nicht links. Angepasste, konfliktunfähige Menschen mögen links wählen und links denken, sie leben durch ihr Verhalten aber rechts. Wer als Mann eine patriarchale Beziehung führt, sich von der Frau bedienen lässt, sich beim Sex auf keine Praktiken außerhalb der Missionarsstellung einlässt, der lebt ein kleinbürgerliches Beziehungsleben, wer das als Linker tut ist Genosse auf der Straße und Faschist im Bett.

    Die Vorstellung, einen strengen politisch-ideologisch begründeten Moralcodex mit dem eigenen Alltagsverhalten zu verbinden und sich vor den eigenen Genossinnen oder gar der Allgemeinheit/Öffentlichkeit dafür rechtfertigen zu müssen ist in dieser Denkfigur aber nicht enthalten. Die entstand erst, als die radikale Linke sich immer mehr sozialer Durchsetzungmöglichkeiten beraubt sah zuerst nach dem Deutschen Herbst 1977 und als Massenphänomen erst nach der Katastrophe von 1989 – die nicht wegen des Zusammenbruchs des Sowjetlagers eine Katastrophe warm, sondern weil die westliche Linke darauf keine libertären Antworten hatte. Der Tugendterror der Französischen Revolution, der Stalinismus, das Umkippen der sozialen Revolution in die nationale, diese Dinge sind jeweils eigene Formen in denen der autoritäre Charakter sich ausagiert. Die Moralkreischtrinen, Krampfhennen und Betroffenheitsfanatiker mit denen wir in der deutschen linken und alternativen bzw. feministischen Szene so zu tun
    haben samt des Kulturbetriebes um solche Fraktionen herum sind dennoch Ergebnis einer Entwicklung, die außerhalb von Randgruppen keine 30 Jahre alt ist.

    • Dirk  On Januar 4, 2016 at 14:54

      Ob ich mir ein Smartphone zulege oder es eben lasse ist zunächst keine politische Handlung sondern eine Kaufentscheidung, die weder Google noch sonstwen dazu bewegen wird irgendetwas an seinen Geschäftspraktiken zu ändern. Ob jemand im Alltag konfliktfähig ist oder autonom handeln kann sagt nichts über seine politische Einstellung sondern etwas über seine Persönlichkeit aus. Das Politische befasst sich eben mit Angelegenheiten die alle Mitglieder eines Gemeinwesens betreffen, hier ist die Persönlichkeit desjenigen der politische Forderungen artikuliert zunächst mal zweitrangig. Vielmehr kommt es hier darauf an, welche Folgen diese Konzepte für ein Gemeinwesen haben. Sprich politische Forderungen können selbst dann richtig sein, wenn derjenige der sie artikuliert im Privatleben ein Arschloch ist.

  • che2001  On Januar 4, 2016 at 16:11

    Begriffen hast Du meinen Kommentar offensichtlich nicht, lieber Dirk. Schon rein semantisch nicht.

  • Dirk  On Januar 4, 2016 at 16:39

    Es ist nun mal nicht jedem vergönnt, solche tiefschürfenden und trifftigen Argumente wie Du sie vorträgst nachzuvollziehen.

  • hf99  On Januar 6, 2016 at 21:56

    Bleibt mal entspannt, m.E. habt ihr beide recht.

    Dass es ein politischer Akt ist, sich zB von den inneren Strukturen zu befreien, die einem eine autoritäre Erziehung aufgeprügelt hat – keine Frage! Da bin ich bei Dir, das weißt Du auch. Nur: Muss jede persönliche Regung dann gleich wieder ins Politische zurückverwandelt werden? Da hat Dirk schon Recht: „Ob jemand im Alltag konfliktfähig ist oder autonom handeln kann sagt nichts über seine politische Einstellung sondern etwas über seine Persönlichkeit aus.“ Eben. Es gibt heute diverse postmoderne Kapitalismusbefürworter, die ihre Kinder – gut so, richtig so – natürlich nicht mehr übers Knie legen…aber das bedeutet nichts mehr. Als Ulrike Meinhof damals sagte, seine Kinder nicht (mehr) zu schlagen sei politisch, hatte sie per damals recht. Per heute ist das unpolitisch (und, nebenbei bemerkt, hoffentlich eine Selbstverständlichkeit!). weißt Du, wie der postmoderne Rohrstock aussieht? So! „Wer in der Schule versagt, wird mit Freiheitsentzug nicht unter 2 Nachhilfestunden/Woche bestraft“. Die Kinder erleben Nachhilfe als Strafe für sog. Schulversagen, und genau das ist sie auch! Hier wirds dann in der Tat wieder politisch. (Übrigens, was ich erst seit einigen Monaten weiß, weils völlig außerhalb meiner Sphäre war: Inzwischen gibt es den Nachhilfe-Rohrstock nicht bloß, um nicht zu „versagen“, inzwischen gibt es ihn, um das Abi von 2,0 auf 1,5 hochzujazzen. Pervers!)

    Der langen rede kurzer Sinn: Es gibt in der Postmoderne viele außerpolitische Bereiche, wo das Private dann wirklich privat ist und bleiben sollte. Ob ich Verein x oder y präferriere oder Fussball gar nicht mag, ist unpolitisch. Du selber, lieber che, hast in Deinem wunderbaren Schelmenroman doch Anschauungsmaterial in Hülle und Fülle dazu geliefert.

    Ob ich, um das Fussballbeispiel weiter zu spinnen, allerdings beim public viewing schwarz-rot-bescheuert schwinge oder nicht, das ist natürlich wieder politisch. „Gesnder Pastriotismus“, also eine eckige Kugel. Schwarz-rot-kackebraun geht gar nicht, klar, und das ist nicht mehr privat.

  • che2001  On Januar 15, 2016 at 01:05

    Hartmut, ich gebe Dir in den meisten Punkten Recht. Meine Argumentation lief aber noch auf etwas Anderes hinaus. Zunächst mal habe ich, was die Unterscheidung zwischen politischem und privatem angeht da einen ganz anderen Politikbegriff als Dirk. Ich gehe da an die begriffshistorischen Wurzeln (kann ich als ideengeschichtlicher Historiker gar nicht anders) und begreife bezüglich dieser Unterscheidung Politik im Sinne der griechischen Politeia/Oikos bzw. der römischen res publica die politische Sphäre nicht im engen Sinn der unmittelbaren und offiziellen Politik, sondern als Sphäre der Öffentlichkeit im Gegensatz zur Privatsphäre. Da war meine Einlassung auch eine ironische Brechung der Parole „Das Politische ist privat, das Private ist politisch“. Und in diesem Kontext ist festzustellen, dass im Zuge der digitalen Revolution ein Prozess stattgefunden hat, der die Voraussetzungen der Parole „Das Politische ist privat, das Private ist politisch“ ad absurdum geführt bzw. auf völlig neue Füße gestellt hat. Wer heute sein Smartphone mit einem Google-Account verbindet verkauft die Kontrolle über seine (oder ihre) Privatsphäre komplett an für sich selber nicht mehr kontrollierbare Mächte. Alle Leute, die das tun können permanent geortet werden und unterliegen damit potenziell der fortlaufenden Standortkontrolle durch Polizei, Staatsanwaltschaft, Finanzamt, Geheimdienste und diversen Dienstleistern. Für die gibt es kein abgeschottetes Privatleben mehr. Der tschetschenische Rebellenführer Dudajew wurde getötet, indem seine Handydaten in das Feuerleitsystem einer russischen Boden-Boden-Rakete einprogrammiert wurden. Das war 1995. Inzwischen ist die Technologie schon viel weiter. Aus den Handydaten lässt sich nicht nur feststellen, wer wann wie lange wo ist, daraus werden auch Bewegungsbilder erstellt, die komplette Lebensgewohnheiten von Menschen erfassen. Früher diente das mal der Terroristenfahndung (tut es auch heute noch), heute bedienen sich Handels- und Dienstleistungsunternehmen dieser Informationen, um individualisierte Werbemails zu verschicken. Als ich mein neues Notebook eingerichtet habe war meine erste Handlung, die Webcam zu überkleben und das Mikro mit einer Stahlnadel zu behandeln. Non serviam!

    • Dirk  On Januar 19, 2016 at 16:14

      @ Hartmut: Kannst Du mal nachschauen, ob meine Antwort im Spamordner gelandet ist.

      • hf99  On Januar 20, 2016 at 02:02

        leider nein, was ich bedaure. hast Du sie abgespeichert, um sie noch mal zu posten?

        • Dirk  On Januar 20, 2016 at 04:44

          @ Che2001: Dann versuche ich es nochmal. „Zunächst mal habe ich, was die Unterscheidung zwischen politischem und privatem angeht da einen ganz anderen Politikbegriff als Dirk. Ich gehe da an die begriffshistorischen Wurzeln (kann ich als ideengeschichtlicher Historiker gar nicht anders) und begreife bezüglich dieser Unterscheidung Politik im Sinne der griechischen Politeia/Oikos bzw. der römischen res publica die politische Sphäre nicht im engen Sinn der unmittelbaren und offiziellen Politik, sondern als Sphäre der Öffentlichkeit im Gegensatz zur Privatsphäre.“

          Dann verstehe ich nicht warum wir da einen anderen Politikbegriff haben sollen. Ich habe nirgendswo gesagt, dass ich mich auf offizielle Politik beschränke. Unter Öffentlichkeit verstehe ich ja gerade, die Sphäre in der verhandelt wird, welche Regeln innerhalb einer Gemeinschaft gelten sollen. Hier muss es sich nicht zwangsläufig um staatlich organisierte Gemeinwesen handeln. Der Satz: „Das Private ist politisch“, lehnt ja gerade diese Trennung von Öffentlichkeit und Privatssphäre ab. Die Neuen sozialen Bewegungen haben hier den Fehler gemacht das Politische in die Lebenswelt zu verlagern. Dies halte ich für sehr problematisch, da es so nicht mehr möglich ist, politische Forderungen unabhängig von der Person die sie artikuliert zu beurteilen. Des Weiteren besteht hier das Problem, dass Machtverhältnisse zwar in der Lebenswelt reproduziert werden und die Lebenswelt strukturieren, jedoch nicht in der Lebenswelt aufgehen. Rassismus oder Sexismus sind nicht bloß Phänomene der Alltagskultur sondern auf Ressourcen, wie Staatsangehörigkeitsrechte oder ähnliches angewiesen, die den Alltag nach solchen Kategorien strukturieren.

          Dass sich im Neoliberalismus die Grenzen zwischen Privatssphäre und Öffentlichkeit verschieben ist offensichtlich und zwar zugunsten der Privatssphäre. Konzerne wie Google oder Facebook sind Privatunternehmen die keiner öffentlichen Kontrolle unterliegen und recht willkürlich festlegen, welche Informationen sie bereitstellen und welche Daten sie speichern. Es gibt daher wie Du zutreffend dargestellt hast gute Gründe dafür, mit seinen Daten sorgsam umzugehen. Dies fängt schon beim Zahlen mit der EC-Karte an. Nur halte ich es für keine politische Handlung auf Smartphones oder Facebook zu verzichten. Abgesehen davon, dass dies für junge Leute schwierig ist, sind dies individuelle Konsumentscheidungen, die nicht mit politischen Forderungen verknüpft sind. Politisch wäre es vielmehr, wenn man sich überlegen würde, wie solche Konzerne demokratisch kontrolliert werden könnten.

  • Hanneswurst  On Januar 15, 2016 at 19:35

    Das wäre eigentlich ein Posting für sich.

  • che2001  On Januar 17, 2016 at 01:08

    Somit geschehen.

  • che2001  On Januar 21, 2016 at 00:09

    Dirk,damit haben wir einen Konsens, anhandessen sich weiterdiskutieren lässt. War mir vorher nicht deutlich klar.

    • Dirk  On Januar 21, 2016 at 14:52

      Dann, möchte ich mich auch noch mal für meine persönliche Spitze gegen Dich entschuldigen. Habe hier wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen.

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