Orbán legt los

Vielleicht sollte der ZdJ in Deutschland seine antilinken Reflexe noch mal überdenken. Es gibt, keine Frage, auch antilinken Antisemitismus, und er nervt mich bis dorthinaus, er ist widerlich; ich habe es da an Deutlichkeit nie fehlen lassen. Ob es aber eine so gute Idee ist, der Hans-Globke-Partei CDU moralische carte blanc zu erteilen? Es war übrigens Seehofer, der Orbán Satisfaktionsfähigkeit zugeschrieben hat.

Anbei: Die „Nachdenkseiten“ haben diese Verschwörungstheorie zumindest ansatzweise präferriert (Stichwort: Es gäbe Interessen, Europa per Flüchtlingsschwemme zu destabilisieren) – genau da ist ein kritischer Blick auf die nds schon berechtigt. Ich werde nicht jeden Analysefehler gleich als moralisch disqualifizierend betrachten…vielleicht sollten die nds und Jens Berger hierüber aber doch mal etwas tiefer nachdenken. Hat Berger wirklich nicht mehr drauf, als alle Kritiker einfach unter „Trolle“ zu subsummieren?

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Kommentare

  • Dirk  On November 3, 2015 at 12:47

    Ich würde die Sache mit dem linken Antisemitismus ohnehin stark relativieren. Antisemitismus ist vor allem in Rechten und islamistischen Kreisen verbreitet. Sicherlich hat es in der Linken eine überzogene und einseitige Kritik an der israelischen Politik gegeben. Nur ist eine solche Sichtweise nicht gleich antisemitsch oder zunächst einfach sachlich falsch.

    • hf99  On November 3, 2015 at 13:22

      Nicht so ganz. Bebels berühmtes Diktum, der Antisemitismus sei der Sozialismus des dummen Kerls, war damals schon auch als innerlinke Kritik zu verstehen.

      • Dirk  On November 3, 2015 at 14:18

        Ich halte den Satz, dass es sich bei Antisemitismus in erster Linie um eine verkürzte Kapitalismuskritik handelt für falsch. Der moderne oder ethnische Antisemitismus entstammt den europäischen Nationalismus und diente dem Zweck Juden aus der nationalen Gemeinschaft auszuschließen.

        Wie gesagt selbst überzogene und einseitige Kritik an der israelischen Politik ist nicht per se antisemitisch. Antisemitismus wäre es erst wenn man die israelische politik mit dem jüdischen Charakter des Staates Israel erklärt oder wenn man das Wort Juden schlicht und ergreifend durch Zionisten ersetzt. Dies gibt es auch in der Linken, nur dürften solche Positionen dort schon lange nicht mehr Mehrheitsfähig sein.

        • hf99  On November 3, 2015 at 14:22

          nein, falsch, nicht „in erster Linie“, aber er – der Antisemitismus – bietet Platz für leutz, die irgendwie am Kapitalismus (bzw im vormodernen leben überhaupt an den verhältnissen) sagenwirmal „leiden“ und sozusagen Haßobjekte suchen.

  • wolfgang  On November 3, 2015 at 13:07

    Wo anderswo ständig überzogen wird, darf mann (darf mann?? der Linken auch ein „Überziehen“ gestatten. Im übrigen teile ich Bergers Ansicht. Er schreibt ja auch und nicht nur in diesem Text, dass es um Sachlichkeit schon lange nicht mehr geht. Ich behaupte sogar, um die ging es noch nie. Nur ums „Recht haben“ – Ich der Gute, du der Böse. Und Antisemitismus wird leider zu offt mit Antizionismus verwechselt. Letzteres gibt es ja zu hauf auch unter Juden. Ich kann mich mit dem Zionismus, den Netanjahu praktiziert auch nicht anfreunden.

    • hf99  On November 3, 2015 at 13:28

      Bei allem respekt: Auch Müller hat zumindest ansatzweise – ich habs hier damals kritsiert – angedeutet, es seien fremde Mächte, die die Flüchtlingsströme losliessen…sorry, das geht nicht. Vor kurzem hörte ich am telefon von einem Linken, dessen urteil ich bis dato wirkicb schätzte, folgendes: Die CIA-Agentin Hannah Arendt habe sich von ihrem tollen Mann Günther Anders getrennt, um mit Hilfe ihres nächsten Ehemanns, eines reichen Juden, in die gehobene Gesellschaft aufsteigen zu können; später habe ihr der CIA die Professur durchfinanziert…das ist so irre, so absurd, dass einem sogar das Mitleid im Halse stecken bleibt.

  • wolfgang  On November 3, 2015 at 17:04

    Hannah Arendt eine CIA-Agentin, also die Geschichte ist mir neu, wann soll das gewesen sein?

  • Paul  On November 4, 2015 at 05:37

    Zu Beginn des Kalten Krieges sind viele progressive, aber nicht-kommunistische amerikanische Intellektuelle und Zeitschriftenprojekte in Europa auch von der CIA unterstützt worden – sogar Ausstellungen amerikanischer Künstler wie Jackson Pollock. Oder Gloria Steinem, Ikone des Feminismus der 60er Jahre, die hat bewusst für eine von der CIA finanzierte Stiftung gearbeitet.
    Ziel war es, ohne viel Aufsehen antikommunistische Kräfte zu stärken, und außerdem die Vorstellung zu verbreiten, dass die amerikanische Kultur der Inbegriff des Modernen, Fortschrittlichen, und vor allem Anti-Totalitären ist, damit nicht alle kritischen Europäer zu den Kommunisten überlaufen… eine Strategie, die ganz gut aufgegangen ist.

    Hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Congress_for_Cultural_Freedom

    Das ist eine sehr spannende Geschichte, auch weil es viel darüber verrät, wie wir zu der Überzeugung gelangt sind, dass moderne Kultur für Individualismus, persönliche Ausdruckskraft, inhaltslose Freiheit, etc. steht, also mit durch und durch liberalen Werten verbunden wird und vor allem grundsätzlich anti-totalitär und antikommunistisch ist.
    http://www.amazon.com/How-York-Stole-Idea-Modern/dp/0226310396
    Das Buch ist ziemlich faszinierend.

    Ich würde mich nicht wundern, wenn Hanna Arendt da auf irgendwelche Weise auch Geld gekriegt hat, oder für CIA-finanzierte Zeitschriften geschrieben hat. Aber über Arendt viel aussagen würde es nicht. Und Agentin war sie garantiert auch nicht.

    • hf99  On November 4, 2015 at 16:30

      Hallo

      Arendt hat später spitz gekriegt, dort (ccf) vernutzt worden zu sein, und war super sauer darüber. Irgendwo in einem Brief an jaspers, find ich gerade nicht.

      „Aber über Arendt viel aussagen würde es nicht. Und Agentin war sie garantiert auch nicht.“ So ist es.

  • Paul  On November 4, 2015 at 06:04

    Ich finde es wirklich erstaunlich, wie verbreitet so ein altmodischer Antisemitismus in Ungarn offenbar ist. Ebenso wie die Tatsache, dass die rechte Jobbik vor allem unter Studenten eine Basis hat. Es ist wirklich erstaunlich, was dort vor sich geht. Da gibt es zum Beispiel so groteske Geschichten, wie der Antisemitische Jobbik-Abgeordnete, der irgendwann herausfindet, dass er selbst jüdischer Abstammung ist – und dann tatsächlich sein ganzes Leben ändert:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article121038974/Warum-ein-Judenhasser-zum-Judentum-konvertiert.html

  • neumondschein  On November 4, 2015 at 19:09

    Hülfe! Was ganz neues (hatten wir noch nicht): Nationaler Notstand!

    http://www.danisch.de/blog/2015/11/03/militarische-bedrohung-musste-deutschland-nicht-im-verteidigungsfall-sein/

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