BGE in Finnland…

Finnland will das bedingungslose Grundeinkommen testen. (via burks) Ich wiege es in meinem Kopf hin und her und weiß nicht, wie ich das BGE einschätzen soll. Der berüchtigte Spruch „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ entstammt dem 19 Jhdt., war sozialdemokratisch und war damals (und per damals natürlich zutreffend!) gegen das Schmarotzergesindel von und zu und Kirchens gemeint. Also gegen Typen wie die Guttenbergs, die ja heute noch denken, ihnen stünden ausderlamäng Privilegien zu (zB bei der Auslegung von Prüfungsordnungen). Ich wiege es hin und her, hin und her in meinem Kopf – ich weiß es nicht. Natürlich ist es infam, Arbeit gegen Geld zum Quasi-Zwang zu erheben, wenn es diese Arbeit schlicht nicht mehr gibt (bzw immer weniger gibt). Andererseits gibt es derzeit noch das, was man gut links gesellschaftlich notwendige Arbeit nennen kann… Gesundheit, Altenpflege, Verkehr, Buchdruck, Online, Bildung… BGE? Hmmm. Zur gesellschaftlich notwendigen Arbeit, sagenwirmal, äh, „anregen“ sollte man irgendwie. Ich könnte mir folgende BGE-Variante vorstellen: Miete, Gesundheit, Altersversorgung, Essen…alles wird bedingungslos geleistet. Aber das erste Bier, die erste Fluppe, die erste Wochenendreise muss bereits erarbeitet werden. Übrigens: Bis heute ist der Adel nicht wirklich abgeschafft, nicht wirklich enteignet worden, bis heute haben die Kirchen (über die letzten Paragraphen der Weimarer Reichsverfassung, die heute noch gelten) Privilegien ohnegleichen… Erst mal das Pack enteignen, entschädigungslos natürlich (Entschädigung wofür bitte???), dann können wir weiter reden. Mein ceterum censeo…

Ach, ich bin feige. Ich warte die Ergebnisse des finnischen Experiments ab. Bis dahin übe ich epoché. Übrigens:

m Kapitel „Gesundheit und Wohlfahrt“ des neuen Koalitionsvertrages zwischen der liberalen Zentrumspartei, der rechtspopulistischen Finns Party und der konservativen NCP (meine Hervorhebungen, hf)

Hmmm…also ich weiß nicht.

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Kommentare

  • Amike  On Oktober 21, 2015 at 09:26

    Ah, nett, der wohlgenährte Mittelstand hat gesprochen.
    Man solle also „bedingungslos“ Lebensmittel zur Verfügung gestellt bekommen, aber ohohoh, das böse Bier und die bösen Kippen… woran erinnert mich das nur? Wie soll denn überprüft werden, dass man nur „Essen“ bekommt? Gutscheine? Wird das an die Tür geliefert? Darf man wirklich Schokolade essen oder hat man es dann schon zu gut? Na, also schon höchstens Schlachtabfälle und Gemüse zweiter Wahl, nich? Oder was halt sonst weg muss.
    Die implizite Unterstellung, dass keiner in der Altenpflege arbeitet, weil es nicht genügend ökonomischen Zwang dazu gibt und daher die Faulheit grassiert, haben wir auch dabei, ein Klassiker. Davon, dass keiner die unproduktive Tätigkeit dem Oppa den Hintern abzuwischen, bezahlen will, schweigen wir mal vornehm.
    Und jo, is klar, so lange es noch einen Menschen gibt, der mehr Privilegien hat als du, ist jeder Gedanke daran, dass die, denen es schlechter geht, evtl. nicht mehr um den Preis ihrer schieren Existenz jeden Drecksjob zu miesen Bedingungen annehmen müssten, pure Blasphemie. Wenn auch nur die Drohung im Raum steht, dass am Ende du die scheissebeschmierten Bahnhofsklos putzen musst, weil es eben nicht ein Heer von denen gibt, die es schlichtweg müssen um essen zu können, dann kommt der strenge Bürger, der das Pack zur Arbeit anzuhalten hat, schneller hinter der Fassade vor als man gucken kann. Das BGE würde jeder bekommen, das wäre keine „Sozialhilfe“, d.h. da würde nicht einer mehr kriegen als du. Das einzige Problem wäre, dass du unter den selben Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt zu konkurrieren hättest wie alle und das Elend und der Zwang der anderen, die dich so nett vom Dreck, der Eintönigkeit, der Langeweile, der dunklen Seite der Arbeit abschirmen, wären abgeschafft.
    – Das „du“ hier richtet sich nicht an dich persönlich, falls das nicht klar ist. Wat weiss ich, ob du schonmal dreckige Bahnhofsklos geputzt hast und in welcher (Not-)Lage du dich befunden hast und mit welcher Perspektive du die Tätigkeit ausgeführt hast (muss ich das noch 2 Monate machen? 2 Jahre? 20?). Es ist nur die generelle Antwort auf einen widerwärtigen, wenn auch verständlichen, Impuls des Bürgertums, das zwar erodiert, aber es im Grossen und Ganzen doch noch netter hat, als die meisten anderen. Ist ja nicht so, dass du – also diesmal wirklich du – das nicht selber merken würdest, immerhin fällt es dir schwer den Aufruf zum Arbeitszwang frank und frei herauszuschreiben, ein pietätvolles „äh“ und „sagenwirmal“ ist ja immerhin noch übrig. –

    Abgesehen davon glaube ich nicht an den Segen des BGE. Zum einen kann man davon ausgehen, dass es gegen andere solidarisch erbrachte Leistungen ausgespielt wird, d.h. die einzige gewährte Unterstützung wird, und dabei so niedrig angesetzt, dass z.B. Menschen, die älter, krank oder behindert sind, ihren Bedarf keinesfalls decken können (dafür war ja sogar die FDP mal). Zum anderen ist es so schon schwer genug, das liebe Kapital so anzulegen, dass da noch Profite abfallen, wenn sich die dann noch der Staat unter den Nagel reisst um ein BGE zu verteilen, nicht auszudenken… will sagen: es ist schlicht nicht drin, so funktioniert Kapitalismus nicht, nicht auf dem Stand der Produktivität, den wir erreicht haben. (D.h. natürlich nicht, dass es unmöglich ist, dass regional begrenzt damit experimentiert wird, allerdings gehe ich davon aus, dass diese Experimente mit einer extremen Einschränkung der Bewegungsfreiheit einhergehen, denn das BGE in Hintertupfingen ist natürlich nicht gedacht für die Roma und Sinti, die sich dort dank EU-Freizügigkeit aufhalten können – siehe auch dein Hinweis dazu, welche Parteikonstellation sich das mit dem BGE in Finnland ausgedacht hat.)
    BGE halte ich eigentlich nur als „Übergangslösung“ für interessant, gerade um die unselige Kopplung des Rechts zu existieren an das Zwangsverhältnis Arbeit zu brechen und bis gesellschaftlich eine Alternative zur kapitalistischen Produktionsweise realisiert werden kann.

    Und sorry für den Ton, so sind wir halt, das Prekariat. Da unorganisiert und unsolidarisch ist von uns auch nicht mehr zu befürchten als ein unfreundlicher Kommentar.

    • hf99  On Oktober 21, 2015 at 10:37

      ah, ich bin der wohlgenährte Mittelstand. Da musste ich aber lachen (wenn Sie wüssten!). Im Ernst: Kapitalismus hin, Sozialismus her – irgendwer wird Mehrwert generieren, also Mehrarbeit zusetzen müssen, um die Reproduktion zu gewährleisten. Irgendwelche Anreize wird es somit geben müssen. Es gibt so viele gute Bücher, die ich noch nicht gelesen habe – ich würde ein BGE natürlich sofort akzeptieren.
      „Opa den Hintern abwischen“ ist gesellschaftlich notwendige Arbeit, und eine sehr ehrenvolle dazu auch noch.
      Über Ihre Einwände gegern das BGE müssen wir ansonsten nicht streiten. Ja, interessant fürwahr, wer das jetzt einführen will.

      • Amike  On Oktober 22, 2015 at 14:50

        Da oben steht ausdrücklich, dass das „du“ nicht an deine persönliche Lebenssituation gekoppelt ist. Auch wenn ich unterstellen würde, dass du nicht auf Drecksjobs zum Überleben angewiesen bist. flatter erwähnt ja weiter unten schon, dass es da um eine Geisteshaltung geht.

        Dein Reden von „Anreizen“ halte ich für euphemistisch, da haste vermutlich trotz aller Medienkritik zu tief in die (bürgerliche) Zeitung geguckt. Es geht um Zwang. Kontrolle. Um ein Verhalten, welches grausam anderen Menschen gegenüber ist. Das mache ich dir nicht persönlich zum Vorwurf; es ist schwer, in der Welt, so wie sie ist, nicht grausam zu sein, ich würde sogar behaupten, es ist annähernd unmöglich. Wenn ich der Roma an der Bushaltestelle (ich lebe in Malmö, da gehören bettelnde Menschen v.a. aus Rumänien mittlerweile zum Stadtbild) etwa einen Euro in den Becher werfe, dann bin ich auch grausam, weil ich ihr niemals mein Monatseinkommen da reinwerfen würde mit dem Risiko, nächsten Monat dort selbst sitzen zu müssen. Ich bin grausam, so gehe ich jeden Tag durchs Leben. Ich denke da nicht gerne drüber nach, deswegen versuche ich es so oft wie möglich zu verdrängen. Trotzdem ist es kaltschnäuzig von mir. Und das Existenzrecht einschränken zu wollen um zur Arbeit anzuhalten, das ist Zwang, Grausamkeit. Auch wenn da „grosszügig“ das Schwarzbrot zugestanden wird.

        Im Übrigen ist mir noch niemals ein fauler Mensch begegnet, sondern nur solche, die „ihren Arsch nicht hoch kriegen“, weil das, was sie zu tun gezwungen sind, halt einfach scheisse ist. Die Schule ist langweilig, der Job dreckig oder stressig oder man hat nen furchtbaren Chef und das Treffen mit den Schwiegereltern ist geistestötend. Klar guck ich da lieber Pornos und ess Chips, vor allem wenn ich ein Leben hab, das sonst nix zu bieten hat, keine Teilhabe, keine Wertschätzung, kein Wohlbefinden, keine Gemeinschaft… blabla, you get the picture. Eine Gesellschaft mitgestalten zu können und für andere zu sorgen, ist ein Impuls, der bei den meisten auch ohne Drohungen vorhanden ist. Und weisste was? Für die Handvoll, die dann trotzdem keinen Bock haben, mach ich ihren Krempel halt mit.

        Bezüglich der Altenpflege: gerade die gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten zeichnen sich meistens dadurch aus „unproduktiv“ (kapitalistisch betrachtet) zu sein. Genau deswegen sieht es ja in den Sektoren Bildung, Pflege, etc. so erbärmlich aus.

        • hf99  On Oktober 22, 2015 at 20:01

          erstens: „Auch wenn ich unterstellen würde, dass du nicht auf Drecksjobs zum Überleben angewiesen bist.“ Da muss ich Dich enttäuschen

          zweitens: Es ist mir egal, ob andere Begriffe spinen, ich meine sie immer schon so, wie ich sie sage, und diesen Respekt vor dem, was ich sage, bitte ich mir aus: Auch im Sozialismus wird es gesellschaftlich notwendige Arbeit geben, irgendwer wird sie leisten müssen, und da stelle ich mir schon ein Anreizsystem vor. Wenn das jetzt „peinlich“ ist…okay.

          drittens: Mir persönlich sind schon einige wenige Fälle untergekommen, wo man mit Fug und Recht von betrug, von Schmarotzertum sprechen kann. Sie sind gering – in a l l e n bis jetzt beobachteten Systemen sozialer Absicherung beträgt der Missbrauch etwa 2 % und wird locker übertroffen von den Sozialleistungen, die Berechtigte abrufen k ö n n t e n, aber aus Scham nicht in Anspruch nehmen. Erwähnen, dass es diesen Missbrauch im Einzelfall gibt, sollte man aber schon. Ich kannte da mal einen, der alles rangezockt hat, was nur ging, der gelogen hat…und dem ging es nicht um Gerechtigkeit, dem ging es um seinen Daimler und seinen Malle-Urlaub. Wie gesagt: 2 %, nicht relevant – erwähnen aber sollte man es schon.

          • Amike  On Oktober 22, 2015 at 21:52

            Nunja, „Drecksjob“ und „Überleben“ lassen einen Definitionsspielraum zu und jeder empfindet sowas anders. Ich vermute allerdings, dass wir beide da von unterschiedlichen Dingen sprechen. Ist schon klar, dass du kein Schloss geerbt hast und deine Arbeit nicht darin besteht Kätzchen zu kraulen.

            Ich hätte meinen ersten Kommentar nicht geschrieben, wenn nicht in deinem Text schon das Unbehagen vor der eigenen Forderung mit drin steckte. Hab halt den Respekt, den du mir hier vor solchen ausgelutschten Begriffen wie „Anreizen“ abverlangst, vor deinem eigenen Geschreibsel und guck dir genau an, was da so wehtut, dass man rumdrucksen und sich in Anführungszeichen winden muss (und das bei einem der ordentlich formulieren kann, so viel Respekt habe ich dann tatsächlich vor dem was du schreibst, ich les hier ja nicht zum ersten Mal).

            Inwieweit jetzt dein persönlicher Floridarolf meinen Ausführungen widerspricht versteh ich nicht ganz. Der ganze Laden hier ist so abgerockt, dass es mich ehrlich gesagt wundert, dass die Leute sich nicht noch viel asozialer verhalten. In einer Welt, in der der Daimler und der Malle-Urlaub das höchste Gut sind, sind die dann halt auch die begehrten und ersehnten und erwünschten Objekte. Ich jedoch sprach von dem utopischen Zustand, dass eine Gesellschaft sich grundlegend anders organisiert – dass das kein Ist-Zustand ist, ist schon klar; beim BGE sprechen wir aber auch von einer möglichen Utopie, die Diskussion hier geht also im Grunde schonmal gar nicht um die Welt, so wie sie ist, sondern wie sie sein könnte. In einer solchen Gesellschaft können m.E. locker diejenigen mitversorgt werden, die keinen Bock haben sich zu beteiligen. Die Unendlichkeit der Bedürfnisse, die Geld schafft, fiele weg und so viel kann ein fauler Sack gar nicht fressen und saufen, dass man das nicht ohne grossen Mehraufwand mitproduzieren könnte. Und wie gesagt unterstelle ich, dass nur ein verschwindend geringer Anteil nicht mitmachen würde. Könnt man ja erstmal ausprobieren, falls es nicht klappt, dann kann man ja immer noch das peinigende Instrumentarium rausholen.

            Dass ich hier so angepisst reagiere, liegt daran, dass ich solche Aussagen aufgrund eigener Erfahrungen und der mir nahe stehender Personen als persönliche Kampfansage empfinde. Das ist aber ungefähr so relevant wie die Tatsache, dass ich Wollpullis nicht mag, weil ich sie kratzig finde. Also gar nicht. Ich schreibe das nur, um meine Perspektive zu verdeutlichen. Dass Zwang und der gesellschaftliche Zwang dazu Zwänge zu reproduzieren allerdings widerliche, tückische und weitaus kompliziertere Geschichten sind als das sozialdemokratische Diktum vom „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, kann man z.B. bei Kafka nachlesen. Würde ich zu dem Thema ohnehin viel eher empfehlen als mein Geschreibsel, der Tüp kann das einfach besser als ich. Und du kämst dazu, ein gutes Buch zu lesen statt einem mittelmässigen Kommentar.

            Also: Ich schliesse die Diskussion hier für meinen Teil ab, weil ich die nächsten Tage keine Zeit dafür hab. Wollte nur noch mal betonen, dass das hier kein persönlicher Angriff ist und ich nur so rumpöbel, weil ich sonst mit einem Grossteil dessen, was du schreibst ziemlich viel anfangen kann.

            • hf99  On Oktober 22, 2015 at 22:09

              Diese ganze Scheisse läuft ja deswegen weiter, weil sich die Leute das neueste IPhone von Apple als wichtig aufschwatzen lassen (scheissegal, wie das produziert wird, unter welchen Bedingungen). Sie läuft aber auch deswegen weiter, weil Daimler-Malle-Arschloch (war übrigens wirklich eines, hat auch seine Frau unmöglich behandelt) eben überhaupt nicht darüber nachdenkt, mal neue Türen für eine andere Zukunft aufzumachen, sondern bloß rumplärrt, Daimler und Malle stünden ihm auch zu. Wäre diese Welt auch nur gerechter, noch gar nicht mal gerecht, müsste eine so massive Umverteilung erfolgen, dass daimler und Malle für die first wrld Bürger kaum mehr so einfach sprängen. Dass wir in einer gerechten Gesellschaft, in der, von der der junge Marx träumte (in der der Mensch aufhört, ein geknechtetes, verächtliches Wesen zu sein) die paar, die aus welchen Gründen auch immer lieber rumschlünzen, locker mit durch bekämen, ist klar. Würde mich auch nicht jucken.

              Mich juckt aber, dass die harten Dinge nicht diskutiert werden können, dürfen…resp eben sofort auf massive Abwehr bei den Meisten treffen. Das ungeheure Wohlstands-Missverhältnis first world / rest of the world muss aufgelöst werden…wird es aber nicht, weil die feisten Bürger sich ihre Privilegien nicht werden nehmen lassen. In einem bin ich antimarxsch: Man rede mir nicht vom „totalen Verblendungszusammenhang“. Blödsinn! Der STudienrat, der Sparkassenfilialleiter, die Tiefbauingenieurin haben ein OBJEKTIVES Interesse daran, dass alles so bleibt. Sie sind second Sieger und leben sehr sehr gut hier.

              Ansonsten möchte ich nichts sagen, sonst wäre ICH zu angepisst. (…)

  • Dirk  On Oktober 21, 2015 at 11:18

    Ich denke es gibt beim BGE noch andere Probleme. Soweit ich weiß soll das BGE alle anderen Sozialleistungen ersetzen. Das klingt erstmal sehr verlockend, da man so Unsummen an Verwaltungskosten sparen könnte. Da stellt sich dann die Frage was mit den bereits erworbenen Ansprüchen aus der Arbeitslosenversicherung und der Rentenkasse geschieht. Ein weiteres Problem bestünde darin, dass auch Spitzenverdiener, die auch ohne BGE genug verdienen Ansprüche auf das BGE hätten. Zudem schafft man durch das BGE Anreize, die Löhne für geringqualifizierte zu senken. Wenn es Geld vom Staat gibt, kann der Arbeitgeber weniger Gehalt zahlen. Dass das BGE von einer Liberalkonservativen Regierung durchgesetzt wird ist kein Zufall, die Idee stammt ursprünglich von MIlton Friedmann.

    Meines Erachtens nach ist es sinnvoller die Hartz-Sätze zu erhöhen und Hartz-Sanktionen abzuschaffen. Zudem sollte man die Steuersätze für Spitzenverdiener erhöhen und in staatliche Wohnungsbauprogramme investieren. Die derzeitigen Schieflagen, sind eine der Ursachen für die Finanzkrise und lassen sich nur durch Umverteilungspolitik beseitigen.

    • hf99  On Oktober 21, 2015 at 12:02

      Naja, Hartz erhöhen und sanktionen abschaffen wäre dann aber de facto schon fast ein BGE, zumindest eine GGarantie darauf bei Arbeitsplatzverlust. ich stimme übrigens zu – ich bin gar nicht prinzipiell gegen Sanktionen, da der Hartz-Satz aber das Mindesteinkommen ist, kann/darf dort (eigentlich) gar nicht sanktioniert werden.

      • Dirk  On Oktober 21, 2015 at 12:50

        Wären kein BGE weil nicht jeder in den Genuss dieser Leistungen kommt. Ich halte es durchaus für sinnvoll, wenn erst das eigene Vermögen aufgebraucht wird, bevor es Hartz gibt. Den Hartz-Satz zu erhöhen würde den Druck auf die Einkommen lockern, dass käme auch denen zu gute die arbeiten gehen. Sanktionen braucht es nicht, bei Leuten die partout nich arbeiten wollen, helfen Sanktionen auch nichts. Bei groben Verstößen wie Betrug, ist ohnehin die Staatsanwaltschaft zuständig.

        • hf99  On Oktober 21, 2015 at 12:53

          Stimmt auch wieder (das mit den Sanktionen).

        • Dennis82  On Oktober 22, 2015 at 19:55

          Interessante Ansichten hier. Der eine findet den Arbeitszwang eigentlich gar nicht so wirklich verkehrt… und der Andere (Dirk): Warum hältst du es eigentlich für (mal eben so ganz beiläufig rausgehauen…) richtig, dass erst das „eigene Vermögen aufgebraucht“ werden soll…? Weil du meinst, keins zu besitzen…? Wer ist für dich denn „Vermögend“? Hast du dich mal genauer damit befasst, was da nach dem SGB alles schon als „Vermögen“ gilt – und herangezogen wird? Nach der Definition gibt es einmal mehr in Deutschland fast nur noch Reiche! Es ist also richtig, nach einem Jahr Arbeitslosigkeit Menschen ihres quasi gesamten erarbeiteten Lebenswerks(!) zu berauben, nur damit der „arme Steuerzahler“ nicht einspringen muss…!? Pauschal werden solchen Leuten (selbst bei nachgewiesenen Einkünften unter dem Existenzminimum) von der Krankenkasse per Kopfpauschale mind. 166 Euro jeden Monat in Rechnung gestellt. So kann man Menschen auch enteignen. Die Kinder (die dann nix zu erben haben). Dafür freut sich dann die Brut desjenigen, der die hart erarbeitete Bude dann für wenig Geld erwirbt… Alles auch, damit der Millionär bloß keine höheren Einkommen- oder gar Vermögensteuern bezahlen muss…

          Meine Güte…!

  • flatter  On Oktober 21, 2015 at 11:22

    Ich muss Amike zu annähernd 100% zustimmen. Manchmal ist Mittelschicht übrigens eine Geisteshaltung. Du scheinst tatsächlich den Arbeitszwag so verinnerlicht zu haben, dass er ganz selbstvesrtändlich herausfällt, und, ja: die Steinbrücksche Kategoire „Kippen und Bier“ ist eine Peinlichkeit.

    „Im Ernst: Kapitalismus hin, Sozialismus her – irgendwer wird Mehrwert generieren, also Mehrarbeit zusetzen müssen, um die Reproduktion zu gewährleisten.“
    Ähm, Sozialismus und Mehrwert? Das ist die sozialdemokratische Variante, die „Sozialismus“ als „soziale Marktwirtschaft“ kennt und daher eben doch nur Kapitalismus. Es gibt andere ‚Anreize‘ als Geld, auch dieser Gedanke ist der geistigen Mittelschicht aber offenbar nicht mehr zuzumuten.Oder was soll „Mehrarbeit“ sein? Mehr als Maschinen erledigen können? Das ist zu schaffen.

    p.s.: „Amike Siezen“ ist auch nur phonetisch reizvoll. Hat nen netten Groove.

    • hf99  On Oktober 21, 2015 at 11:59

      ich halte es mit burks, lieber flatter (ob er heute noch zu seinen Sätzen steht, weiß ich nicht): „Ich bin gegen den Bundesarbeitsdienst, aber für Sanktionen gegen die, die aus Prinzip ihren Arscvh nicht hochkriegen“ Nun, müssen nicht mal Sanktionen sein. Steinbrücks Zitat kannte ich nicht oder habe mich nicht erinnert. Ist egal. Mein Verständnis von Sozialstaat lautet seit eh: Das Schwarzbrot muss springen, für den Schampus sollte man schon was tun. dann ist das meinethalben Sozialdemokratismus.

      Und es ist schon relevant, wer das fordert…

    • Amike  On Oktober 22, 2015 at 14:51

      Junger Mann, gönnse mir halt den Spass, ich werd nicht so oft gesiezt 😉

  • Dirk  On Oktober 21, 2015 at 11:28

    Jetzt mal im Ernst, der Kapitalismus ist nun mal Fakt und Alternativen sind zur Zeit nicht in Sicht. Unter diesen Umständen ist ein funktionierender Sozial- und Rechtsstaat wohl noch die vernünftigste Lösung.

    • hf99  On Oktober 21, 2015 at 12:25

      Zumindest vorderhand. Und wenn man sich am begriff Mehrwert stört, biete ich den Begriff Überschuß an – auch eine sozialistische Wirtschaft wird irgendwie Überschüße produzieren müssen…

  • flatter  On Oktober 21, 2015 at 12:25

    @Dirk: Eine Lösung, die nicht funktioniert, ist keine. Der Kapitalismus fährt gerade wieder einmal die Welt an die Wand. Sie haben es geschafft, drei Dollar Mehrwert aus jedem Dollar zu quetschen, der weltweit real umgesetzt wird (Darin enthaltener Mehrwert nicht einmal mitgerechnet). Jetzt müssen es eben vier werden usf.. Du erkennst das Problem? Nein? Schade.

    • hf99  On Oktober 21, 2015 at 12:27

      Ja, und nach der Zerstörung wird er es wieder aufbauen – das kann noch Jahrhunderte so weiter gehen. Ich sehe nur leider so lange keine Lösung, solange sich die Bürger Scheinprobleme als relevant aufschwatzen lassen.

      • Wat.  On Oktober 21, 2015 at 12:47

        Wieso nennst Du Dich „die Bürger“.
        Es ist zb. ein Scheinproblem, daß Leute den Arsch nicht hochkriegen…

        • hf99  On Oktober 21, 2015 at 13:00

          Gottseidank gibts ja Leutz wie Dich, die ständig daran arbeiten, dieses in sich marode, kaputte System endlich und endgültig abzuschaffen. Morgen früh um 09:17 Uhr ists dann so weit.

          • Wat.  On Oktober 21, 2015 at 13:20

            So schnell weißt Du, daß Du Geld nicht essen kannst. Chapeau!

            • hf99  On Oktober 21, 2015 at 13:24

              Was ist los? Du darfst auch mehr als zwei Sätze schreiben…

    • Dirk  On Oktober 21, 2015 at 12:43

      @flatter: Vielen Dank, für Deine Nachhilfestunde. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht was Du mir sagen willst. Vielleicht solltest Du etwas klarere Formulierungen wählen. Ich halte die Kritik am Kapitalismus durchaus für Berechtigt. Nur sehe ich zur Zeit keine Alternativen zum Sozial- und Rechtsstaat.

      • flatter  On Oktober 21, 2015 at 13:05

        Da oben sagtest du: „der Kapitalismus ist nun mal Fakt und Alternativen sind zur Zeit nicht in Sicht.“
        Nicht? Ich sehe da eine ganze Menge. Chaos zum Beispiel, failed States, Krieg, illegale Verabredungen, die über rechtsstaatliche Strukturen gestellt werden und diese wirkungslos machen. Oh, warte …
        Nachhilfe? Immer gern. Diese Entwicklungen haben damit zu tun, dass aus den drei Dollar vier werden müssen, aber eben nur beim Last State Standing.

  • Dirk  On Oktober 21, 2015 at 14:27

    Failed States und kriminelle Handelsnetzwerke sind keine Alternativen zum Kapitalismus, der Kapitalismus war schon immer auf solche Strukturen angewiesen. Das der Kapitalismus auf die Produktion von Mehrwert angewiesen ist, ist eine Binsenweisheit. Leider verstehe ich nicht was Du mir damit sagen willst.

    • flatter  On Oktober 21, 2015 at 15:36

      Ich empfehle dir die Lektüre deiner Kommentare, auf die ich antworte:
      „Unter diesen Umständen ist ein funktionierender Sozial- und Rechtsstaat wohl noch die vernünftigste Lösung“.
      Das ist keine Lösung, der wird gerade bis auf die Grundmauern geschleift, alternativlos. Geht eigentlich aus meinen Einlassungen hervor. Aber ich strecke an dieser Stelle mal die Waffen. Ich habe noch nie verstanden, wie ihr Optimisten den Spagat hinbekommt, aus dem Kapitalismus etwas machen zu wollen, das nicht die Hölle auf Erden bereitet. Selbst als ich selbst noch so einer war.

  • Dirk  On Oktober 21, 2015 at 15:45

    Das wird er zweifelslos, daher ist es auch wichtig den Sozial-und Rechtsstaat gegen die neoliberale Wende zu verteidigen.

  • Amike  On Oktober 22, 2015 at 18:51

    Kann es sein, dass ein längerer Kommentar von mir im Spamfilter hängengeblieben ist? (Dieser Kommentar ist für das Thema nicht relevant, kann daher gerne gelöscht werden.)

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