eigentlich eine tolle Sache…

Wie gesagt: Eigentlich ist Kapitalismus eine tolle Sache. Aber derzeit ist er dabei, sich selbst zu zerstören.

Auf so einen grotesken Slapstick muss man aber auch erst einmal kommen…

Die Krise war nie weg, und sie hat auch nichts mit schwächelnden Schwellenländern zu tun (mit Griechenland, dessen Wirtschaftsleistung vernachlässigbar ist, schon gar nicht), sondern drückt jene massiven Ungleichgewichte aus, die dem Kapitalismus essenziell innewohnen. Man muss nicht einmal „Marxist“ sein – was immer das sei -, um zu begreifen: Ein Wirtschaftssystem, in dem so gut wie sämtliche Überschüße nach oben durchgeschossen werden (die Quote „die reichsten 5 % versus den Rest der Welt“ nimmt inzwischen aberwitzige Formen an), während die letzte, abgehängte Milliarde immer noch regelrecht hungert, ist schon lange aus dem Ruder gelaufen.

Fast schon rührend schreibt Sibylle Berg, die es von Herzen gut meint:

Es scheint, als hätten einige Mitglieder der aktuell noch herrschenden Klasse – Politiker, Wirtschaftsvorstände, Aufsichtsratsvorsitzende, Chefs von Energiekonzernen, Waffenhersteller und Dealer – eine Ahnung von der Veränderung, als röchen sie ihren Untergang. Das Ende des umjubelten Wachstums, das alles zum Explodieren bringt, das Ende des Patriarchats, das Ende des Neoliberalismus, das wittern sie.

Und deshalb wollen sie so viele Menschen wie möglich mit in den Abgrund reißen. Schnell noch mal so richtig Scheiße bauen. Ein paar Endlager errichten, ein paar alte Atomkraftwerke weiterlaufen lassen, größere Autos bauen, Wiesen zubetonieren, Grundwasser vergiften, ein paar gute Entscheidungen revidieren, ist doch egal, was die nach uns machen.

Ach Mensch, Sibylle. Weißt Du denn nicht: Its a feature, not a bug?

Der Kapitalismus lebt u.a. vom Appell an den schamlosen Egoismus des Einzelnen. Ein solcher Appell hat weiterhin und bis auf weiteres Chancen auf Gehör. Solange die Mittelklasse in den Machtzentren der Welt halbwegs bei Laune gehalten wird, wird der Laden weiter laufen. Ich hab das auch erst lernen müssen: Es gibt keine Revolution „aus Moral“. Moral (als Ist-Zustand des moralischen Bewusstseins verstanden) ist flexibel, weil ihre einzige Aufgabe darin besteht, das Selbstbild des Betreffenden mit den herrschenden Verhältnissen abzugleichen. Revolutionen gibt es immer erst dann, wenn es auch dem selbstzufriedenen Mittelstand, der sich für gewöhnlich mit dem Trostpreis zufrieden gibt, selber an den Kragen geht. Und welche Richtung diese Revolution dann einschlägt, ist völlig offen.

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Kommentare

  • chriwi  On August 24, 2015 at 08:15

    Auf den ersten Beitrag bin ich auch gestoßen.
    Im Text schreibt der Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus

    „Leider scheint dieses Modell nicht mehr zu funktionieren“

    ein wenig später dann

    „Stattliche gegenwärtige Gewinne verwenden sie, um gigantische Summen an die Aktionäre auszuschütten “

    D.h. das System Kapitalismus funktioniert doch. Die Annahme, dass der Kapitalismus automatisch Gutes bringt und Wohlstand für alle bewirkt ist falsch. Ziel ist es aus Kapital (bspw. der Aktionäre) mehr Kapital (bspw. der Aktionäre) zu machen. Genau das passiert doch. Der Herr Professor geht mit falschen Annahmen in seine Analyse und wird genau aus diesem Grund viele Zusammenhänge nicht verstehen. Besonders schön ist seine falsche Beschreibung von Geld. Sparer leihen der Bank Geld, dieses Geld wird dann an die Wirtschaft weiter gegeben. Das ist nicht richtig, wird den jungen Wirtschaftsjournalisten mitgegeben. Selbst wenn diese dann einen später kritischen Bericht über Wirtschaftspolitik schreiben wollten, fehlt ihnen das Rüstzeug dafür.
    So stabilisiert sich das System selbst und braucht nicht einmal Zensur dafür.

  • wolfgang  On August 24, 2015 at 09:38

    Genauso, Hartmut.

  • wolfgang  On August 24, 2015 at 09:39

    Oder genau so.

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