BILD haarscharf vorbei / Medikamente nach Athen

Das alles stimmt sogar – oder hätte doch stimmen können, wenn Dirk Hoeren nur einmal konsequent zuende gedacht hätte.

Die Geldgeber verlangen seit 2010 Reformen, Steuererhöhungen, überweisen im Gegenzug mehr als 200 Milliarden Euro Kredite an Athen. Erfolglos! Das Land stürzte ab: Rekordarbeitslosigkeit (25,6%), die Wirtschaft ist um ein Viertel geschrumpft. Das Rettungsprogramm entpuppte sich als ein Rettungsring aus Blei …

Mit dem 3. Hilfspaket wird sich das nicht ändern – im Gegenteil: Der Absturz durch den neuen Bleiring dürfte sich beschleunigen …

Volltreffer. Brüningsche Roßkuren (aka „Reformen“) erweisen sich immer als Rettungsring aus Blei. Ich fürchte nur, dass Hoeren es so nicht meinte.

Griechenland zu helfen wäre ein Leichtes: Man müsste nur die Gewinne derer, die an diesem Desaster massiv verdient haben, abschöpfen. Dazu wird es natürlich aus mehr als nur einem Grund nicht kommen. Der deutsche Spießer feiert lieber Wolfgang Schäuble ab. Solange das krankheitsverursachende Virus als Medizin missverstanden wird, wird es nichts werden. Jetzt muss also privatisiert und dereguliert werden, jetzt müssen neoliberale Reformen her – wieviele denn noch? Die spinnen doch komplett. Das ist eine Allergie gegen die Realität, die einen schlicht sprachlos macht.

Derweil kommt es im griechischen Gesundheitssystem zur Katastrophe. Wie ich soeben aus gut unterrichteter Quelle erfahren habe, fehlt es an Medikamenten: blutdrucksenkende Mittel und Herzmittel sind besonders begehrt, im Prinzip ist aber alles von Nutzen. Mein Gewährsmann wird in zwei Wochen nach Athen fliegen, mit einem Riesenkoffer an Medikamenten für eine Krankenstation, in der nicht versicherte Patienten kostenlos behandelt werden. O-Ton: „Es geht nicht um Geld, Geld bringt gar nichts – da fehlen effektiv Medikamente! Die sind schlicht nicht da, können auch nicht gekauft werden.“ Plündert Euren Medizinschrank und schickt mir das Zeugs; ich leite es weiter.

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Kommentare

  • Dirk  On Juli 14, 2015 at 12:20

    Das Wahnwitzige an der Sache ist ja, dass diese Bankenrettungspackete eine Entschuldung Griechenlands verhindern. Letztlich wurden hier die Kreditrisiken privater Gläubiger verstaatlicht. Würde es hier wirklich nur um die Rückzahlung griechischer Staatschulden gehen, gäbe es zum Schuldenschnitt keine Alternative. Nur so könnte sich die griechische Wirtschaft erholen und die Gläubiger würden wenigstens einen Teil des Geldes sehen. Tatsächlich geht es hier darum eine Regierung zu stürzen die es gewagt hat den neoliberalen Kurs Merkels in Frage zu stellen.

    Da Schäuble und Merkel sehr genau wissen, welche Folgen diese Spardiktate für Griechenland haben, kann man hier nur noch von kriminellen und vorsätzlichen Handeln sprechen.

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