don alphonso sagt, wie es ist

Aber das mundtot machende Rechthaben bringt überhaupt nichts beim Kampf gegen den Antisemitismus, und ich glaube auch nicht, dass dieser schäbige Netzvorgang den Anliegen ebenjener Schwulen hilft, deren Seite mit dem Homophobiegeschrei im Netz angeblich ergriffen wird. Bei Homophobievorwürfen ist es wie mit den Antisemitismusvergleichen: Da agiert oft genug ein Mob der Selbstgerechten, die weder jüdisch noch homosexuell sind, und trotzdem dürfen sie sich moralisch überlegen fühlen – Trittbrettfahrer wie die Antideutschen, um die die jüdischen Gemeinden aus besten Gründen einen grossen Bogen machen. Die Folgen, die Denkverbote, das Schweigen, die Verwerfungen im Diskurs müssen dann diejenigen ausbaden, für die das Thema mehr als ein Tweet im Internet ist.

So ist es; auch dieser freundliche kleine Blog hat ja wieder und wieder angeredet gegen die selbstermächtigten Diskurs-Staatsanwälte, gegen diesen ganzen verquatschen neopietistischen Mist – die Lust am moralisch aufgeladenen Haberfeldtreiben immer mit dabei. Es hat keinen Sinn, mit Leuten zu diskutieren, die ihren Rassismus-Vorwurf alle Augenblicke zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten pawlowsch absabbern. Hier, ich sage es jetzt aber auch zum gefühlten 20sten Mal, war immer schon der logische Ort, wo ich mich von der linken Szene entfernt habe. Da taten sich Abgründe auf. Wenn bereits der ein Rassist sein soll, der, sachlich zutreffend, darauf hinweist, dass noch Martin Luther King ganz unbedarft von „Negern (negros)“ sprach, können wir die Debatte an dieser Stelle beenden. Man nennt so etwas übrigens Sprachgeschichte und könnte an ihr etwas lernen, wenn man denn will.

Diesen Tüpinnen geht es nirgends um Emanzipation, es geht ihnen immer nur um sich, um sich, um sich, um ihre eigenen, sehr bürgerlichen Selbstgefälligkeiten und Distinktionsgewinne. Das alles könnte man noch unter „persönlich mitleiderregend“ abbuchen – was ja auch zuträfe. Aber die Zerstörung jeder öffentlichen Unterredung, die mit solchen aggressiven Unterredungsgebahren einhergeht, ist leider gar nicht mehr mitleiderregend, sondern fatal.

Ich selber bin zum Beispiel heterosexuell – natürlich sagt mir die schwule Szene, sagen mir schwule Lebenswelten nichts und müssen das auch nicht. Was hat dieses uninteressante und banal richtige autobiographische Statement mit Homophobie zu tun? Schwulen wird im Gegenzug meine Lebenswelt nichts sagen – auch das ist in Ordnung und wird von mir nicht als Angriff wahrgenommen, warum auch? Ich möchte nicht auf der Grundlage eines falsch verstandenen Empathiebegriffs in schwule Lebenswelten gezwungen werden – so wenig, wie ich Schwule in meine Lebenswelt zwinge. Auch das ist nicht homophob. Homophob wäre es allein, den Schwulen ihre Lebenswelten zu bestreiten. Die Freiheit des hannoveraner Punks zu seinen Chaostagen ist die Freiheit des krachledernen Bayern zu seiner Blasmusik und vice versa – anders geht es nicht. Die Freiheit des hannoveraner Punks ist ferner die Freiheit, der krachledernen Blasmusik eine persönliche Absage erteilen zu können – und vice versa. Anders geht es nicht. Jemanden anerkennen bedeutet nicht, sich an dessen Lebenswelt heran zu wanzen – jemanden anerkennen bedeutet, dessen Recht, zu leben ’nach dem Gesetz, nach dem er angetreten‘, mit allen Mitteln zu verteidigen. Nicht homophob zu sein bedeutet nicht, beim CSD mit zu tanzen – ich gehe ja auch nicht in die Synagoge, denn ich bin nun mal kein Jude -, sondern es bedeutet allein und ausschließlich: Den Schwulen mit allen Mitteln beiseite zu stehen, wenn man ihnen das Recht auf Lebensfreude, auf Ausdruck ihrer selbst, auf ihre eigene Lebenswelt – kurz: Das Recht, zu sein – bestreitet. Die Diskriminierung Schwuler ist nicht deswegen falsch, weil Schwule am CSD so putzig, so lustig und fantasievoll sind…die Diskriminierung Schwuler ist allein und ausschließlich deswegen falsch und niederträchtig, weil sie Menschen sind, und weil niemand das Recht hat, andere Menschen unter seine Stiefel zu nehmen. Ich bin kein Taubenzüchterdiskriminierer, wenn mir persönlich die Welt der Taubenzüchter nichts sagt. Ist diese Fallunterscheidung wirklich so schwer zu verstehen?

Update: Der Bildblog dokumentiert die redaktionellen Eingriffe, die der Kolumne von Barbara Eggert eine anderen Spin gaben. Und da es offenbar Missverständnisse gab und gibt – ich verteidige nicht die Kolumne, die eine (leider zeitgemäße) Überbesorgtheit gegenüber Kindern zum Ausdruck bringt und Probleme sieht, wo gar keine sind. Ich verteidige Barbara Eggert gegen maßlose Angriffe. Es wird ja fast so getan, als wolle sie den rosa Winkel wieder einführen.

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Kommentare

  • genova68  On Mai 23, 2015 at 08:54

    Unabhängig vom Thema: Dieser Alfons ist ein kompletter Ego-Shooter, ein Egozentriker und Narzisst, der nur sich und seine lustige kleine Welt kennt, die aus Fahrrädern und Tand besteht. Und er braucht jedesmal mindestens fünf Absätze Geplapper, bis er auf den Punkt kommt. Seine Leserschaft ist devot, nach unten tretend und kleinbürgerlich. Es ist mir schleierhaft, wie man sowas lesen kann. Wenn sich so ein Typ für Minderheiten einsetzt, dann ist es unglaubwürdig, außer, er ist selbst Teil davon.

    Insofern ist es unmöglich, dass Alfons sagt, wie es ist.

    Zum Thema: Hartmut, warum stimmst du dieser homophoben Scheiße von Alfons zu? Der kann nicht mal darauf verzichten, völlig zusammenhangslos von Lederklamotten und Darkrooms zu reden, wenn es um eine offenbar ziemlich bürgerliche schwule Hochzeit geht? Warum stilisierst du dich bei diesem Thema zum wiederholten Male zum Opfer, das du nicht bist?

    Was ist passiert? Die Kolumnistin des Westfalenblattes meinte, dass man siebenjährigen Kindern Homosexuelle nicht zumuten könne, es sei pervers, dass die bei einer schwulen Hochzeit Blumen streuen. Man dürfe Kinder nicht zu einer schwulen Hochzeit einladen. Schreibt die allen Ernstes. Warum? Vermutlich glauben sie und Alfons, dass diese perversen Schwulen sofort ihren Pimmel rausholen und ihn den Kindern hintenreinstecken.

    Darauf gab es Kritik an der Kolumnistin, völlig zurecht.

    Wer jammert nun rum über die böse linke Übermacht, die der Kolumnistin zusetzt? Alfons, PI-News und Hartmut.

    Mahlzeit. Frag du dich lieber mal, wo dein eigentliches Problem liegt.

    P.S.: Hartmut, ich halte dir jetzt einfach mal zugute, dass du das Geschwurbel von Alfons nur überflogen hast. Wäre nachvollziehbar.

    • hf99  On Mai 23, 2015 at 09:06

      „Was ist passiert? Die Kolumnistin des Westfalenblattes meinte, dass man siebenjährigen Kindern Homosexuelle nicht zumuten könne, es sei pervers, dass die bei einer schwulen Hochzeit Blumen streuen. “

      Wo sagt sie, dass das pervers sei? Sie sagt es nicht. Der shitastorm lügt es ihr zu in seiner verlogenen Schäbigkeit. Um diese verlogene Schäbigkeit geht es.

      Die Kleinkolumne redet dummes Zeugs und sieht Probleme, wo keine sind. Als Kolumne ist sie eher beredter Ausdruck jener Überaufgeregtjeit, mit der Kinder in dieser Gesellschaft betrachtet werden („ist das auch gut fürs Kind?“ – ich war da immer sehr locker, Kinder sind viel robuster, die derzeitige Vergottung der Kinder zusamt übereifrigen „Schützens“ halte ich für fatal. Und vor Schwulen muss schon gar niemand geschützt werden – warum denn!) Aber von „pervers“ spricht sie nirgends.

      Ich spreche übrigens nirgends vom darkroom.

      • genova68  On Mai 23, 2015 at 09:22

        Der Ausdruck pervers ist von mir, stimmt. Halte ich aber für einigermaßen passend. Die Kolumnistin sagt, dass Kinder natürlich zu Heterohochzeiten mitgebracht werden dürfen, aber eben nicht zu Homohochzeiten. Die sollen nicht erfahren, dass es sowas gibt. Warum sollen die das nicht erfahren? Weil es nicht normal ist, schmutzig etc. Pervers ist da schon ein angebrachter Ausdruck. Man muss wohl 18 sein, um von sowas Schmutzigem erfahren zu dürfen. Alfons redet in dem Zusammenhang von Kindesmissbrauch, auch das kann er nicht lassen.

        Man muss sich das mal vorstellen: Homohochzeiten sollen demnach nur in abgesperrten Räumen stattfinden dürfen, auf keinen Fall in der Öffentlichkeit, denn vorm Standesamt könnten zufälligerweise auch Kinder vorbeikommen, die dann mitbekommen, dass es sowas gibt. Und dann sind sie ernsthaft geschädigt.

        Dein Problem, Hartmut, ist nun aber die „verlogene Schäbigkeit“ des shitstorms.

        Du redest nicht von darkrooms, stimmst aber Alfons zu. Der sagt, wie es ist und er sagt eben darkroom. Die Kritiker sind Mundtotmacher und ein Mob. Das Opfer ist diese Kolmunistin. Dass man Schwule indirekt zu Perversen erklärt, ist in Ordnung. Dass eine freiberufliche Kolumnistin einen Auftrag verliert, ist ein deutschlandweiter Skandal, gell?

        Alfons ist auf schwulenhassendem PI-Niveau, um das mal ganz deutlich zu sagen.

        • hf99  On Mai 23, 2015 at 09:30

          „Halte ich aber für einigermaßen passend. Die Kolumnistin sagt, dass Kinder natürlich zu Heterohochzeiten mitgebracht werden dürfen, aber eben nicht zu Homohochzeiten. Die sollen nicht erfahren, dass es sowas gibt. Warum sollen die das nicht erfahren? Weil es nicht normal ist, schmutzig etc. Pervers ist da schon ein angebrachter Ausdruck. Man muss wohl 18 sein, um von sowas Schmutzigem erfahren zu dürfen. “

          Nein, das sagt sie nicht. Sie sagt (argumentiert): da die Kinder offenbar konservativ erzogen wurden und ein altes Familienbild beigebracht bekamen, sollte etcetc. ich halte Eggerts Argumentation für grundfalsch. Aber in der Langfassung der Kolumne äußert sie ja sogar (milde, zu milde) Kritik am Verhalten des fragenden Vaters. Warum Barbara Eggert jetzt mit dieser zweifellos verunfallten Kolumne die Sperrspitze der Homophobie abgeben soll, erhellt sich mir nicht.

          Ist so meine Art und Haltung: Wenn jemand nicht gerade eine eindeutige Niedertracht geäußert hat, halte ich zu ihm/zu ihr – auch, wenn das, was er/sie geäußert hat, nicht meinen Beifall findet. ich habe nämlich etwas gegen shitstorms.

          • genova68  On Mai 23, 2015 at 09:37

            Hier ist die Kolumne:

            Da kann sich jeder selbst ein Bild machen.

            Der entscheidende Part:

            „Aber bei allem Respekt, es muss nicht sein, sechs- und achtjährige Kinder einzuladen. Ich gebe Ihnen Recht, Ihre Töchter würden durcheinandergebracht und können die Situation Erwachsener nicht richtig einschätzen, weil sie noch zu jung sind.“

            Es ist übrigens tatsächlich der Onkel, der da heiratet.

            Es geht auch nicht um die Speerspitze der Homophobie, es geht um schwulenfeindliches Verhalten, that´s ist. Und das wird von Alfons bejaht und gleichzeitig werden die Kritiker als Mob bezeichnet etc.

            Nun ja, ich bin jetzt raus aus dem Netz. Du kommst nach wie vor sympathisch rüber, Hartmut, auch jenseits des Artikels. Ich habe nur den Eindruck, dass du dich in solchen Situationen immer wieder verrennst, warum auch immer. Nicht die Kolumnistin ist das Opfer, sondern der Onkel.

            • hf99  On Mai 23, 2015 at 10:04

              es ist die redaktionell gekürzte Kolumne. Kann sich also mitnichten jeder ein Bild machen… ich muss jetzt arbeiten.

              • genova68  On Mai 23, 2015 at 10:18

                Nein, das ist nicht die gekürzte, sondern die lange Version. Außerdem besteht zwischen beiden Versionen kaum ein Unterschied.

                Konkret sind nur folgende beiden Sätze in der Kurzversion nicht enthalten:
                „Andere Kinder mögen vielleicht liberaler aufgewachsen sein. Ihre Töchter sind anders erzogen.“

                Und nochmal konkret: Die Hochzeit müsste vor den Kindern über viele Jahre hinweg geheimgehalten werden, sie dürften auch nicht Händchen halten und bei eventuellen Fragen der Kinder müsste gelogen werden. Die Kolumnistin (die ist allen Ernstes Diplom-Soziologin) schreibt in einer nachträglichen Stellungnahme ganz typisch und demagogisch:

                „Ich bin der Meinung, dass man alle Menschen ernst nehmen und respektieren muss, auch die, und gerade die, die anders denken als man selbst, alles andere würde mir intolerant erscheinen.“

                Alle Menschen respektieren, aber sie meint natürlich nur den Vater, die anderen sind eh nur pervers. Sie liegt ziemlich exakt auf der Linie der besorgten Eltern in BW.

                • hf99  On Mai 24, 2015 at 02:13

                  Zumindest die Überschrift („Kinder schützen“) stammt nicht von Eggert. Ist also zumindest eine Kolumne, bei der redaktionell eingegriffen wurde. Ob auch die längere gekürzt/verändert wurde, wissen wir nicht.

        • hf99  On Mai 23, 2015 at 09:32

          Falls es hier im Blögchen ebenfalls zu einem kleinen Shitstorm kommt: ich bin erst ab 21 Uhr wieder online…

    • Dennis82  On Mai 23, 2015 at 10:42

      „ist ein kompletter Ego-Shooter, ein Egozentriker und Narzisst, der nur sich und seine lustige kleine Welt kennt“ – wenn grade DU (neben „Herrn Karl“) , als politisch überkorrekter, selbst ernannter oberster Moral- und Sittenpolizist und begnadeter Experte für Anti-ismen, „Lechts“, „Rinks“ und alle Formen von „Quer-“ und „Längsfronten“ sowas anderen unterstellst (was ja im Wesentlichen den flachen Tellerrand ausmacht, den für dich deine „Welt“ darstellt), entbehrt dies nicht einer gewissen Ironie… 😀

      Missionarisches, selbstgerechtes, geiferndes und hetzerisches Geschreibsel wie deines ignoriert man ja am besten vollständig. Habe ich monatelang getan – und werde es wieder tun. Ich hatte bzgl. des Themas und des Homophobie-Shitstorms nur mal so zwischendurch ein wenig Lust dazu, dir den Spiegel vorzuhalten… 😛

    • wolfdieter  On Mai 23, 2015 at 18:09

      @genova68

      – Zitat –
      Dieser Alfons ist ein kompletter Ego-Shooter, ein Egozentriker und Narzisst
      – Zitat Ende –

      ja, ja und yup. (Stört mich nicht weiter.)

      – Zitat –
      er braucht jedesmal mindestens fünf Absätze Geplapper, bis er auf den Punkt kommt.
      – Zitat Ende –

      ja. (Damit lebe ich.)

      – Zitat –
      Insofern ist es unmöglich, dass Alfons sagt, wie es ist.
      – Zitat Ende –

      Und hier liegst VOLL du daneben. Erstens sind die zitierte Stellen argumente ad hominem – falls er wirklich böse ist, was hat das mit Recht haben zu tun?. Und zweitens HAT er hier konkret Recht.

  • genova68  On Mai 23, 2015 at 08:54

    Und schon wieder ein Kommentar verschwunden.

  • neumondschein  On Mai 23, 2015 at 10:34

    Nimmt dieser Vater eigentlich an dieser Hochzeit teil? Und die Mutter? Wie gut ist das Verhältnis zum Onkel wirklich? Was läuft da in diesem ostwestfälischen Kaff wirklich ab? Wer weiß, vielleicht geht es ja gar nicht um die Unschuld kleiner Mädchen sondern um irgendein Gerede um den Vater, weil jetzt alle Leute denken könnten, der Vater sei Parteigänger einer imaginären „Schwulenlobby“, weil seine Töchter und damit indirekt auch er selbst nicht nur an der Hochzeit teilnehmen sondern auch an der Ausgestaltung dieses Familienfestes mitwirken. Alles Fragen, die wildfremde Menschen von der Grünen-Partei auf Twitter nicht abschließend klären können und gewiß auch nicht wollen. Und gewiß berücksichtigen grüne Kellerkinder nicht Gruppendynamiken von Hochzeiten in provinziellen Kaffs, was man aber machen müßte, möchte man der Reaktion wirksam die Stirn bieten. Weiß überhaupt jemand, wie reaktionär heiraten ist? Wie Scheiße das ist, wenn die Öffentlichkeit beim Kindermachen zuschaut? Wie Scheiße das ist, ebenderselben Öffentlichkeit die Jungfräulichkeit der Braut beweisen zu müssen, nur damit diese Braut nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird?

  • Bersarin  On Mai 23, 2015 at 10:44

    Don Alphonso hat in der FAZ einen bemerkenswerten, abgewogenen und klugen Artikel geschrieben, hat eine weitere Posse derer mit der politisch korrekten Gesinnung uns vorgeführt. Don Alphonso gehört immer noch und weiterhin zum Klügsten, was die politische Blogosphäre hervorbringt, weil er sich dem simplen Schema rechts/links nicht beugt, weil er eine Komplexität und Unabhängigkeit des Denkens von politischen Markierungen sich bewahrt hat. Das schlägt manchmal ins Extrem der Polemik aus. Die beherrscht Don Alphonso rhetorisch perfekt. Im Gegensatz zum linksposierenden Schwätzertum mancher, die bereits bei der Lektüre von Sätzen, die mehr als fünfzehn Begriffe beinhalten, aufgeben müssen oder die in ihrer Kreuzberger Medienblase nach einem simplen Schematismus die Welt einteilen, weil es von der Denkkraft zu mehr nicht ausreicht.

    Was Don Alphonso über die Logik des Verdachts der sogenannten selbsternannten gutmeinenden Minderheiteneinsetzer schreibt, ist exakt die Tendenz der Zeit: der künstlich erzeugte Shitstorm einiger Namen, die sich profilieren müssen, die beständig neu hochgefahrene Erregungsmaschinerie, der wir alle aufsitzen, die Denunziation von Positionen, wofür dann das dümmliche Label „Extremismus der Mitte“ herhalten muß und der virtuelle Lynchmob, der sich genau auf diese Unterstellungen mit weiteren Unterstellungen einschießt. Menschen, die nicht fähig sind, Texte zu lesen, geschweige denn ihren Inhalt und Gehalt auch nur annähernd zu erfassen, schieben dann einen Zusammenhang darunter, was schlicht nicht im Text vorkommt. Aus einzelnen Begriffen werden plötzlich andere Kontexte abgeleitet und daraus die Unterstellung gebastelt, so daß man jemanden wahlweisen zum Homophoben, zum Antisemiten usw. labeln kann. Nichts widerwärtiger als das Verhalten des Denunzianten, der sich hinterher dann noch in seiner Rechtschaffenheit suhlt. Von den Denkmechanismen gleicht das PI spiegelbildlich. Nur die Vorzeichen sind andere. Das Resultat bleibt das gleiche.

    • neumondschein  On Mai 23, 2015 at 11:09

      Aber auch Bersarin muß ein wenig die Textverständnisfähigkeit verbessern. Die Diskussion „Extremismus der Mitte“ ist nämlich durchaus vernünftig. Er besagt sinngemäß, daß Erscheinungen wie Antisemitismus, Homosexuellenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und ähnliche Einstellungen, die man gemeinhin mit moderner, liberaler Gesinnung für unvereinbar hält, nicht Sache irgendwelcher Außenseiter und Fremdlinge ist, sondern von Reihenhausbewohnern mit bürgerlichen Berufen und artigen Kindern ausgeht. Und es ist etwas dran, wie ich finde.

    • wolfdieter  On Mai 23, 2015 at 17:32

      @Bersarin – er Don ist wahrhaftig kein Dummer. Außerdem stimme ich ihm entschieden zu: abgesehen von einer mini-missverständlichen Textstelle hat Eggert einen akzeptablen Rat erteilt.

      Aber. Er könnte sich wirklich etwas kürzer fassen, der Don.

      • Bersarin  On Mai 23, 2015 at 18:28

        @wolfdieter
        Es gibt Stellen, da geht es auch kürzer. Aber nur manchmal und selten. Denn diese Umwege sind ja gerade das rhetorische Mittel des Textes: Leserin und Leser werden mählich ins Abschweifende gebracht, fast könnte man schreiben, mit einer Harmlosigkeit eingelullt; vermeintlich vom Thema Wegführendes kommt aufs Tablett oder etwas, das scheinbar nichts mit der Sache zu tun hat. So wie hier die Geschichte mit den Rabbinern. Dann aber, mit einem Male, stößt der Don zu und kommt hart auf den Punkt. So ist der Effekt der Überraschung groß. Eine schöne Stilfigur, um die Klimax zu erzeugen. Im Einerlei der unterkomplexen Blogschreiberei ist das nicht jedermann geheuer. Zumal sich die wenigsten Zeit zum Lesen eines Textes nehmen, sondern nur noch überfliegen. Da geht dann naturgemäß der Blick auf Stil und die rhetorische Mittel eines Textes verloren.

        Man muß nicht allem zustimmen, was Don Alphonso schreibt, und es sind mir Teile seiner unkritischen Gefolgschaft eher suspekt. Dennoch blitzt selbst in seiner Polemik häufig grell etwas auf und bringt auf den Punkt: Etwa sein Bashing dieser gesamten Berliner Medienbohème oder wenn er die Nonsense-Faseler der selbstreferentiellen Internet- und Medienblase aufs Korn nimmt, die Banalitäten zu Gewichtigkeiten hochschreiben.

        • wolfdieter  On Mai 23, 2015 at 20:16

          @Bersarin – alles gut!

          Nur das Lullen, damit habe ich ein Problem. Da werde ich zum Gründlichheimer und frage: lohnt es inhaltlich, oder lässt der Lenz seinen blauen Schnürsenkel … ähm … ist einfach nicht meins.

          Falls du das magst, sei es dir gegönnt.

          • wolfdieter  On Mai 23, 2015 at 20:52

            Nachtrag:

            In einem Kulturbeitrag ist das Lullen DURCHAUS meins, und zwar im Intro der Toten Hosen vom Song „Ich würde nie zu Bayer München gehn“. Das ist Vorweg-Einlullen wie es sein MUSS: „Es gibt nicht viel auf dieser Welt, woran man sich halten kann …“

            (schwelg)

            „Was muss einer für Eltern haben, um so verdorben zu sein – einen Vertrag zu unterschreiben mit diesem Sch****verein“ – ok, das war jetzt ein NACHTRÄGLICHES Lullen, aber ja ja ja!

        • neumondschein  On Mai 23, 2015 at 20:38

          Es gibt aber auch überflüssige Umwege, etwa über Fahrräder, Silberkannen, Ölbilder von wildfremden Damen, Tortenstücken und und und. Ärzte werden sicherlich so eine Art „Messie“-Syndrom feststellen bei ihm. Und seine Vorurteile über Berlin, sein komischer Dünkel, sich sein Strandcafe leisten zu können, sind auch nicht gerade unterhaltsam.

  • Bersarin  On Mai 23, 2015 at 11:25

    @Neumondschein
    Natürlich ist da etwas dran – das bestreitet keiner. Nur wird zugleich mit diesem Begriff Schindluder betrieben (genau darauf wollte ich hinaus) und es wird Menschen, die eben keine Faschisten, Rassisten, Homophobe sind, implizit übergestülpt, daß sie welche seien. Hartmut wies auf diese Mechanismen von Anfang an und seit urgedenken hin. Das hätten wir sehr viel ernster nehmen müssen als wir es damals taten. Wenn alles Extremismus ist und faschistisch: Als was würdet ihr dann eigentlich Horst Mahler oder den Ex-Landser-Sänger Michael Regener bezeichnen? Mit dieser Extremismusschnüffelei wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Und Don Alphonso weist seit Jahren auf genau diesen Unfug hin. Angefangen bei dieser dümmlichen Mohrenlampendebatte. Bis hin zu dieser Leserbriefanfrage. Nein, sie ist nicht schön. Ja, es gibt Schlimmeres als das. Und Don Alphonso bringt, diese Gewichtung genau auf den Punkt und zeigt die Mechanismen, die diesem Erregungsdenken zugrunde liegen.

  • Dirk  On Mai 23, 2015 at 11:31

    Der eigentliche Skandal besteht darin, dass es im Jahr 2015(!) zu dieser Thematik überhaupt noch Diskussionen gibt. Aber nächste Woche können wir ja dann wieder mit dem Finger auf die „rückständigen“ Russen oder Muslime zeigen, dann ist bei uns wieder alles in bester Ordnung…

  • Bersarin  On Mai 23, 2015 at 11:44

    @Dirk
    Und was unternimmt man gegen einen solchen Skandal? Einen Shitstorm erzeugen? Internetpranger aufstellen wie im Mittelalter, damit das rechtschaffene antirassistische Bewußtsein sich in genau seiner Rechtschaffenheit suhlen kann?

    „Das Ergebnis wird nicht sein, dass man das Thema offen bespricht, sondern die Kinder lieber in den Sprachurlaub weit weg verfrachtet und dann heimlich AfD wählt. Es wird das gleiche betretene Schweigen herrschen, wie wenn Rabbiner gezwungenermassen etwas über Antisemitismus sagen. Aber man kann auch Recht haben, ohne den anderen moralisch zu unterjochen.“ So Don Alphonso. Genau dies wird das Resultat sein: die Leute ducken sich weg, halten fürdahin die Klappe, denken aber immer noch in ihren Strukturen. Rassismus bekämpft man nicht durch die ordre du mufti, sondern durch Argumente und indem man diesem fragenden Mann eben das Falsche seiner Position vorführt.

  • genova68  On Mai 23, 2015 at 12:31

    Ich frage mich, wo der shitstorm eigentlich ist. Ich habe gerade alle Links bei Alfons angeklickt, nirgendwo kommt ein shitstorm zum Vorschein. Es gibt einen sehr vernünftigen Artikel zum Thema auf queer.de und einen tweet einer Grünen und einen von Volker Beck.

    Lesenswert:

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=23789

    Es ist das übliche Schema rechter Waschlappen: Einen imaginären Feind hochjazzen, der einen bedroht. Und dann jeden Kritiker als „moralisch“ verurteilen. Als nächstes kommt vermutlich „Gutmensch.“

    Lustig auch, dass Alfons meint, der angebliche Shitstorm gegen die Kolumnistin sei rufschädigend. Nicht etwa ihre Kolummne. Dieser Kamerad verrät sich mit jedem zweiten Satz.

    Es ist wirklich unangenehm, dass dieser homophobe Scheiß nun auch in mittigen Kreisen diskutiert wird. „Schwule sind pervers und also nicht jugendfrei. Man darf die Toleranz von uns tollen Bürgern nicht überfordern.“ Nichts anderes ist die Kernaussage des Vaters, der Kolumnistin und von Alfons. Es ist die Position von Putin, wenn ich nicht irre.

    Passend dazu wird von Kamerad Bersarin die Querfront unterstützt.

    Manchmal wünscht man sich hier Momorulez zurück.

  • Bersarin  On Mai 23, 2015 at 12:58

    Es ist genau die Methode Genova: Nicht lesen können, was über vier Wörter pro Satz hinausgeht, die eigene Unwissenheit und Borniertheit zum Maßstab zu erheben und dann kräftig denunzieren und etwas unterstellen. Dieses Denunzieren und dieses bewußte Umlügen von Texten geschieht freilich nicht zum ersten Mal. Don Alphonsos Artikel ist alles andere als homophob. Aber das begreift Reflexwichtelchen Genova nicht. Er nimmt nur das Wort „Darkroom“ wahr und wird dann ganz rot im Gesicht. Vielleicht vor Verlegenheit, vielleicht vor Prüderie. Wir wissen es nicht. Hätte er den übrigen Text weitergelesen, wäre ihm kaum in den Sinn gekommen, Don Alphonso homophob auf PI-Niveau zu nennen.

    Daß Don Alphonso den Genova damals bei der Mohrenlampendebatte wegen mangelnder Qualität der Beiträge aus seiner Blog-Diskussion herausschmiß, hat Genova bis heute nicht verkraftet.

    • der Doctor  On Mai 23, 2015 at 18:54

      Genovas Beiss-Reflexe zeigen, das sowohl Don Alphonso als auch Hartmut ins Schwarze getroffen haben, und er sich im Spiegel wieder erkennt.Da jault der getroffene Hund auf, und merkt nicht, wie sehr er diesen und Dons Artikel bestätigt.Ich habe den Don Alphonso -Artikel gelesen,und sehe auch nicht, wo er homophob ist.Weder er noch Hartmut verteidigen die Kolumne inhaltlich, sondern kritisieren sie, weil sie natürlich auch Blödsinn ist, nur darum geht es nicht, sondern um den inquisitorischen Eifer einer selbsternannten Gesinnungspolizei, der einen sachlichen Diskurs zunehmend ersetzt, und hier zum virtuellen Lynchmob wurde, und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, geht es hier um eine Kolumne in einer eher unbedeutenden Provinz-Zeitung, die als kostenlose Postwurfsendung verteilt wird, und eher ein Vehikel für Werbe-Prospekte ist.Ich frage ich, ob hier nicht eine Maus zu einem riesigen Elefanten aufgeblasen wird.Natürlich, die Kolumne ist daneben,und zeugt von einem etwas antiquierten Weltbild der Autorin, aber dieser Schrott wurde nicht von besonders vielen Leuten gelesen, und wäre wohl kaum aufgefallen, wenn nicht die selbsternannten Gesinnungswächter einen solchen Bohei darum machen würden.Offen gesagt, war mir die Dame bisher unbekannt.Und der größte Heuchler in dieser Sache ist Volker Beck, der hier wieder einen dicken macht, aber damals begeistert dem bekennenden Schwulenhasser Ratzinger zu dessen Papstzeit im Bundestag beklatschte, welcher Homosexualität für eine Krankheit hält.
      Richtig, man muss einen Diskurs führen zum Thema Toleranz gegenüber Homosexualität,und mit berechtigter Kritik an dieser Kolumne hätte keiner ein Problem. aber eine Hexenjagd auf eine Provinz-Journalistin,die letztlich dazu führt, das sie ihren Job verliert geht eben zu weit.

  • neumondschein  On Mai 23, 2015 at 13:04

    Mein Urteil:

    Der Vater ist zweifellos ein reaktionärer Trottel
    Die Kolumnistin drückt sich uneindeutig aus:

    Ich gebe Ihnen recht. Ihre beiden Töchter würden durcheinandergebracht und können die Situation Erwachsener nicht richtig einschätzen, weil sie noch zu jung sind.

    Mit den Erwachsenen sind hier die beiden Brüder gemeint, also der Vater und der Onkel. Der Onkel ist schwul und der Vater hat etwas dagegen – OK, er hat etwas gegen Schwulen-Ehe – nein gegen die Ehe seines Onkel – OK, nein – egal. Das ist das, was hier „Situation“ heißt. Die Kolumnistin erahnt die Konfliktträchtigkeit dieser Situation:

    Es ist für homosexuelle Paare sicherlich nicht einfach, eine gelungene Hochzeitsfeier zu organisieren, die der ganzen Familie gerecht wird.

    Doch kleine Gören verstehen das nicht. Die freuen sich vielleicht auch noch auf das Fest. Von all der reaktionären Scheiße um sie herum ahnen sie noch nichts, weil sie zu jung sind. Und Schwule haben mehr von ihrer Hochzeit, wenn reaktionäre Knallköppe nicht anwesend sind. Deshalb sollte der Vater seinem Bruder mitteilen, daß seine Töchter zu diesem sowieso schon barbarischen Event nicht anwesend sein werden.
    Man kann die ganze Sache auch ganz anders verstehen. Besonders Menschen mit begrenzten Textverständniskapazitäten könnten diesen Rat der Kolumnistin als Bestärkung reaktionärer Blödheit mißverstehen, Dagegen muß queer.de einschreiten, denn das entspricht der Mission dieser Website.
    Solche Menschen gibt es nicht nur in ostwestfälischen Käffen. Es gibt eine weltweite Gemeinschaft derartiger Menschen, die sich auf Twitter herumtreibt, und sich berufen fühlt, die Situation wildfremder Leute zu beurteilen und sich dabei als moralische Instanz aufführen, ohne diese Situation im Detail zu untersuchen. An der Uni wurden sogar ganze Fakultäten geschaffen, die derartige Gouvernanten, Denunzianten, Scharfrichter ausbilden. Genauso wie früher unkeusche Menschen mit liederlichem Lebenswandel unbarmherzig und gnadenlos vom Mob verfolgt wurden, werden jetzt angebliche Frauenfeinde, Antisemiten und Rassisten ermittelt und niedergemacht.
    Die hierbei vorgeblich begünstigten Menschen, etwa Juden, Ausländer und Schwule haben davon überhaupt nichts. Die wollen einfach ihrer Wesensart entsprechend leben und von Heten, Goyim etc. in Ruhe gelassen werden, und zwar von Menschenhassern genauso wie von Menschen, die glauben, fremde Menschen beschützen zu müssen.

  • neumondschein  On Mai 23, 2015 at 13:06

    Dein Blog frißt Kommentare.

    • neumondschein  On Mai 24, 2015 at 07:43

      Danke! Alles wieder da! Bis auf die Struktur. Die ist weg. Aufzählungen geht hier also nicht. Deshalb ist der Beitrag so chaotisch.

  • Dirk  On Mai 23, 2015 at 13:11

    @Bersarin
    „…denken aber immer noch in ihren Strukturen…“ In einer Gesellschaft, in der sich alles nur um das Geld dreht und der Mensch immer weniger bedeutet, kann es gar keine anderen Strukturen geben.Der Fehler liegt im System und die Herrschenden werden einen Teufel tun, es freiwillig abzuschaffen. Wenn sich daran nichts ändert, wirst Du noch in 100 Jahren argumentieren…

  • ziggev  On Mai 23, 2015 at 23:56

    ein Vorschlag: lasst uns einfach mal einen Fachmann auf den Gebiet zu Wort kommen, es handelt sich um ein Interview mit dem unglaublich sympathischen Wassilios Fthenakis auf br alpha. hier mein Transkript von vor 2 Jahren. Besonders interessant ist m.E., dass er ganz ruhig u. mit aller Selbstverständlichkeit von „sozialer Konstruktion“ und (bitte jetzt den Rest der Zeile und die nächste gleich mit als Ausrufezeichen denken!) „individueller Konstruktion“ spricht. Denn wie anders denn durch vorgängige soziale Prozesse hätten die 99,99 % der Elemente der Umfänge der vielfältig schillernden Begriffe „weiblich“ wie „männlich“, deren jeweilige Grenzen natürlich sehr vage sind, zu je einem dieser Elemente – natürlich immer: je nach historischen u. sozialen Umständen usw. – werden können, wenn es sich nicht um „Konstruktionen“ handelte ? Selbst das Individuum kann gar nicht anders, als „zu konstruieren“! Vorausgesetzt, so verstehe ich Fthenakis, es wird ihm diese Freiheit gelassen – und nicht eine „Identität“ aufgezwungen. Die Restlichen 0,01 % können wir gerne den reduktionistischen Naturalisten überlassen, die – übrigens – es gar nicht, wohl verstanden, so arg böse meinen mit ihren Definitionen. Es handelt sich eben um Definitionen in der Wissenschaft (nicht DIE Wissenschaft, btw.), u. nicht um Definitionen in den Sozialwissenschaften. (Siehe: Begriffsbildung und Definition. Tadeus Pawlowski, Sammlung Göschen. 1980, Berlin, New York, De Gruyter.)

    Nyhuis: Sie haben viele interessante Erkenntnisse über die Geschlechterrollen gewonnen, darüber, dass diese Rollen schon sehr früh angelegt werden. Das geschieht durch Gene und durch Prägung, oder?

    Fthenakis: Nein, das geschieht doch mehr durch soziale Konstruktionen. Es gibt keinen Bereich der menschlichen Entwicklung, in dem wir auf dem Altar der sozialen Erwartungen und der sozialen Konstruktion so viel Kreativität opfern wie bei der Entwicklung des geschlechtsspezifischen Verhaltens von Mädchen und Jungen. (meine Hervrh., zigg) Wir konstruieren heute sehr eng: Was typisch weiblich und was typisch männlich ist, bestimmt nicht das Individuum, sondern das bestimmt viel stärker die Gesellschaft, die Kultur, das bestimmen die Normen. Hier erlebe ich wirklich den höchsten Grad an Verlust von individueller Autonomie in der menschlichen Entwicklung. Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass in modernen Bildungsplänen ein völlig anderer Weg gewählt wird, wie man damit umgeht. Dieser Weg besteht darin, dass wir der individuellen Konstruktion schlicht mehr Raum geben. Es gibt Jungen, die bereits im vorschulischen Alter anders sein möchten, als sie von der sozialen Konstruktion konstruiert werden: Sie möchten pinke Farben tragen, sie möchten anders sein usw. Wenn man Kindergärten aufsucht, dann wird man sehen, dass auch dort bereits die Proponenten der sozialen Konstruktion zu finden sind. Wenn ein Kind wagt, anders zu sein, dann wird dieses Kind sehr schnell und massiv sanktioniert. Hier braucht es unbedingt eine neue Bildungskonzeption, die es dem Kind erlaubt, seine Individualität auch und vor allem in der Entwicklung des geschlechtsspezifischen Verhaltens wirklich zum Ausdruck zu bringen. Was unsere Gesellschaft braucht, ist mehr Variabilität, mehr Flexibilität innerhalb des Geschlechts! Denn wenn ich heute junge, akademisch ausgebildete Frauen frage, was für sie die schwierigste Frage ihres Lebens gewesen ist bzw. immer noch ist, dann bekomme ich nicht an erster Stelle die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu hören. Nein, an erster Stelle steht,
    den richtigen Partner zu finden. Das gelingt aber nicht, wenn wir die Geschlechter nur homogen in sich selbst entwickeln lassen. Stattdessen brauchen wir viel mehr Variation, viel mehr Variabilität innerhalb des Geschlechts. Die entwicklungspsychologische Forschung sagt, dass dabei der Mann seine Identität als Mann keineswegs verliert. Auch die Frau verliert dabei keineswegs ihre Identität als Frau. Wir müssen also heute über die Bildung mehr Variabilität erreichen.

    Ende des Zitats.

    Leider Arbeitet dieser Fthenakis nicht als Ratgeber in einem Käseblatt für die Provinz.

  • summacumlaudeblog  On Mai 24, 2015 at 06:21

    An der Anzahl der Kommentare kann man bei Hartmut immer schon den Erregungspegel ablesen. Da darf ich dann natürlich auch nicht abseits stehen…

    Es geht also formal um eine harmlose Beantwortung einer Leseranfrage, die der Redaktion eines Provinzwerbeblattes gestellt worden ist. Bis ich diese Zusammenhänge heraus hatte, dauerte es erst einmal ein wenig, da das Dröhnen der Reaktion den eigentlichen „Fall“ – von Fall ohne Anführungszeichen kann man ja wohl kaum sprechen – deutlich übertönte.
    Also eine Provinzposse. Frau Eggert beantwortete eine dämliche Anfrage eines überbesorgten Vaters so, wie es die „Szene“ in Berlin-Kreutberg niemals dulden würde, wie es liberaler aber in der Provinz bis heute eben nicht möglich ist. Da sind wir schon am Kern: Bis hier hin und nicht weiter geht die Liberalität der Provinz des Jahres 2015! Betulich und und mit (Über)sorge um das innere Wohlbefinden des überbesorgten Vaters antwortete Frau Eggert. Na und?
    Frau Eggert hat diesen Vater – Achungachung, jetzt kommt eine Sozialpädagogenfloskel – „da abgeholt, wo er gerade stand“, und ich wage die Prophetie, dass dieser Vater im Verlauf seines Provinzdaseins sich auch nicht viel weiter bewegen wird. Sie hat NICHT gesagt, jawohl lieber Vater, mit deene Einwände und Bedenken haste janz Recht. Sie hat mit ihrer „Antwort“ den Durchschnittskunden ihres Blättchens nicht vor den Kopf schlagen wollen. Sie hat provinzkonform gehandelt. Mehr ist nicht passiert. Für mich zeigt sich an Hand dieses „Falles“ auch ein Mal mehr, dass man sich über die innere Verfasstheit der deutschen Provinz in Berlin-Kreuzberg/Friedrichshain oder in Hamburg-Altona immer noch etwas vormacht.
    Seis drum: Was dann geschah, lässt einen an der Urteilsfähigkeit so mancher Zeitgenossen zweifeln. Eine Provinzposse wird behandelt, als stünde der Faschismus vor der Tür. Mein Gott! Da wird einem ja Angst und Bange vor der Zukunft! Denn wer solche Gegner wie unsere neopietistischen Szeneliberalen hat, der braucht keine Freunde mehr! Der setzt sich auch so durch.

  • genova68  On Mai 24, 2015 at 10:20

    Man kann entsetzt sein, wie sehr sich hier neurechte Strukturen zeigen.

    Und die gehen so:

    Auf die konkrete Argumentation der Kolumnistin geht man bewusst nicht ein. Auch nicht auf die Perspektive des Onkels und seines Freundes, um den es eigentlich geht. Der menschenverachtende Rat der Kolumnistin (, Kinderverbot auf der Hochzeit, Kinder zehn Jahre lang belügen, Schwule auf Erregung öffentlichen Ärgernisses und perverser Sexpraktiken hin deformieren, Schwule als Kinderzerstörer darstellen) ist offenbar ok, daran gibt es nichts zu kritteln.

    Wer es doch tut, kriegt die volle Ladung ab: Das ist dann, allen Ernstes: ein Lynchmob (Mob alleine reicht schon nicht mehr), der flugs einen mittelalterlichen Pranger errichtet. Was heißt das? Die arme Kolumnistin wird von ungeahnten Kräften fertiggemacht, wohl auch körperlich. Es sind die, die die komplette Gewalt innehaben, die sowas machen können.

    Und dann der shitstorm: Nirgendwo ist er aufgetaucht, offenbar ist der tweet von Volker Beck das Zentrums des shitstorms und Beck dann der Anführer des Lynchmobs (man beachte auch hier die körperliche Komponente: Den verschwulten Linken reicht es nicht mehr, andere rhetorisch fertigzumachen, jetzt wird es konkret, jetzt wird gelyncht).

    Überhaupt shitstorm: Was da passiert ist, nennt man Meinungsfreiheit. Man muss heute keinen Leserbrief mehr schreiben, der sowieso nicht abgedruckt wird, man schreibt flott seine Meinung bei facebook oder twitter auf. Das ist den Wächtern hier gar nicht recht, Meinung heißt nämlich dann shitstorm, wenn sie für Unterprivilegierte eintritt. Die sollen die Klappe halten.

    Es gibt Medienverhalten. Das führt alle naselang zu Aufgeregheit, weil zuerst die Leitmedien berichten, dann der komplette Rest. Rudelverhalten. Ähnlich läuft es bei facebook und co. Je größer die Aufmerksamkeit, desto leichter lässt sie sich steigern. Das wird hier außer Acht gelassen, stattdessen ist ein Lynchmob aktiv.

    Und selbst summacumlaude stimmt in den rechten Chor ein mit einer bemerkenswerten Argumentationsstruktur: Die Meinung des Vaters, die eignen Kinder nicht zur Hochzeit des eigenen Bruders (mit gutem Verhältnis zu Kindern) mitbringen zu können, ist „harmlos“. Der menschenvernichtende „Rat“ der Kolumnistin ist ein „Provinzposse“. (Hoyerswerda war demnach auch eine Provinzposse, liegt ja in der Provinz.) So ist sie halt, die Provinz. Stattdessen sind nun die Kreuzberger die Bösen, die uns alle mit ihrem linksextremen Zeug überfluten wollen. Verräterische Wortwahl: Die Szene entscheidet, was sie duldet und was nicht. Wer einen Schwulen als einen normalen Menschen ansieht, muss in Kreuzberg wohnen. Wer nicht bereit ist, den Onkel in die Kindesmissbrauchsecke zu stellen, ist linkxextremer Lynchmob. Aber 99 Prozent der deutschen Fläche denkt normal. Mannomann.

    Und es fehlt jegliche Fähigkeit der Textanalyse oder es wird hier gelogen, was das Zeug hält: Die Kolumnistin hat den Vater mitnichten da abgeholt, wo er steht, sondern sie hat ihn komplett und umfassend in seiner homophoben Haltung bekräftigt. Alleine der erste Satz, wonach Schwule kaum eine Hochzeit mit Kindern ausrichten können. Dazu die Betonung der Sexualität: Schwul kann bei den rechten Kameraden nur mit Arschfick gedacht werden. Und da müssen die Kinder dann zugucken. Die eigene sexualisierte Denke wird dann auf die Kinder übertragen, die quasi vor den eigenen Gedanken geschützt werden müssen, die man, dem Christentum sei Dank, als schmutzig empfindet.

    Sexuelle Orientierung: Die Tante behauptet indirekt, eine Heterohochzeit habe mit sexueller Orientierung nichts zu tun, die ist wohl platonisch, nur bei einer Homohochzeit muss man (und müssen die Kinder!) sich mit diesem schmutzigen Thema beschäftigen.

    Dann die Floskel „bei allem Respekt“. Eggert hat null Respekt für die Schwulen, das ist offensichtlich. Der Respekt gilt ausschließlich dem homophoben Vater, der es schafft, seinen eigenen Bruder als pervers darzustellen (aber natürlich ist er ein wunderbarer Mensch). Die Unterscheidung zwischen kurzer und langer Fassung ist ebenso obsolet, es ändert sich praktisch nichts in der Aussage.

    Ein weiterer Abwehrreflex ist, dass die Zeitung kostenlos ist und wenig gelesen wird. Aha, also muss man sich zuerst die Auflagenhöhe anschauen, bevor man kritisiert.

    Um das nochmal ganz konkret zu machen, was diese Kolumnistin empfiehlt und was die Folgen sind:

    Der Onkel soll irgendwo im Keller heiraten mit Gästen 18+ und die nächsten acht oder zehn Jahre seine Nichten anlügen: Er ist nicht verheiratet, er hat keinen Freund, und wenn die Mädchen irgendwann fragen, warum er nicht verheiratet ist, muss er sagen: Er hat keine abgekommen oder so. Ein Sonderling, der aber nett ist. Alles, um die Kinder zu schützen. Kommen die Mädchen in den Raum, darf auch Händchenhalten nicht mehr sein. Es könnte verwirren.

    Die Kolumnistin meint übrigens immer noch, der Text richte sich mit keinem einzigen Satz gegen Homosexuelle. Auch das ist auf Putin- und Elsässerniveau,die selbstredend auch nichts gegen Homosexuelle haben.

    All das ist kein Problem, das Problem sind die, die so eine Argumenation kritisieren.

    Ein erzreaktionärer, menschenverachtender Text wird verharmlost, ihm gar zugestimmt (wolf-dieter) oder ignoriert, dafür werden die Kritiker zu Ersatzstalins aufgeblasen, die dulden oder auch nicht.

    Das ist leider alles auf dem intellektuellen Niveau eines Elsässer und auf dem inhaltlichen eines Putin. Ihr merkt vermutlich garnicht, wie sehr ihr diese Strukturen schon übernommen habt. Die böse linke Übermacht hat uns im Griff, und zwar als Lynchmob, und wir haben nichts gegen Schwule, wenn sie im Darkroom, zumindest aber unsichtbar bleiben. Dazu noch die von Alfons bewusst hergestellte Verbindung von Schwulen und Kindesmissbrauch: Das wohl schlagendste Argument gegen die Kinderbeteiligung an der Homohochzeit.

    Es ist niederträchtig.

    Und auch argumentativ: Von euch kommt kein Argument in der Sache, sondern nur massive Ressentiments, irgendwas, das ihr euch ausdenkt, erfindet. Den Lynchmob-Shitstorm beispielsweise. Es ist klassische rechte Demagogie, die ihr hier betreibt. Summa behauptet, jemand sehe den Faschismus vor der Tür. Warum? Weil er die Kolummne kritisiert. Demagogie in Reinkultur.

    Es wird immer deutlicher, dass Momorulez seinerzeit Recht hatte, bei allem Generve, das der auch veranstaltet hat.

    Ihr wollt offensichtlich zurück in die 50er, vielleicht merkt ihr das gar nicht. Alte weiße Männer, die selbstverliebt in ihrem Grandhotel sitzen, Deutungsmacht beanspruchen und ihre mannigfaltigen Neurosen pflegen oder Fahrrad fahren und das für den Nabel der Welt halten (und diese Belanglosigkeit anderen ständig mitteilen müssen.)

    Eure Abwehrhaltung gegen die Deppenlinke, gegen die protestantischen Entsager und die Sprachverhunzer, gegen eine aggressive Noah Sow oder aggressive Autonome, die sich nur abreagieren wollen oder diese medienelitenfrau etc. in Ehren, keine Frage. Aber darum geht es bei der Kolummne nicht. Ihr seid nicht bereit, da zu differenzieren, sondern nutzt die erstbeste Gelegenheit, um euch auf die Seite der rechten Demagogen zu retten.

    Man spürt geradezu eure Erleichterung.

    Selbstverliebte Schwätzer.

    Die Süddeutsche ist um Längen weiter als ihr:

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/aufregung-um-homophobe-erziehungstipps-erschreckend-1.2486353

    Aber vermutlich ist die SZ nun ein linksversifftes Stalinistenblatt. Aus Kreuzberg.

    • hf99  On Mai 24, 2015 at 19:26

      „Auf die konkrete Argumentation der Kolumnistin geht man bewusst nicht ein. “ Es tut mir leid, aber damit disqualifizierst Du Dich. Auf Eggert wurde sehr wohl eingegangen – zum Beispiel durch mich: Ihre Antwort sei Ausdruck jener Überbesorgtheit um Kinder, die in Wahrheit mehr ertragen, als die Helikoptereltern glauben – abgesehen davon, dass man Kinder vielleicht tatsächlich vor diesem oder jenem schützen muss, aber mitnichten vor schwulen Lebenswelten und realen Schwulen. Die Kolumnistin, summa hat das sehr schön ausgeführt, hat in ihrem ursprünglichen Text (den gekürzten nehme ich nicht Ernst, jedenfalls nicht als Beleg für Eggerts reale Haltung) dämlich-viertelliberale Bemerkungen abgesondert, den Vater durch die Blume sogar leicht kritisiert. Den Kern der Debatte – dass man Kinder n i c h t vor Schwulen und Schwulsein schützen muss, da Schwule keine Bedrohung darstellen, sondern einfach eine Möglichkeit des Menschen, da zu sein, also einfach eine Dimension des Menschlichen – hat sie in der Tat nicht begriffen. (Die alte bürgerliche Angst, Kinder würden durch Schwule zum Schwulsein verführt, spielt hier mit…gute Güte, muss Schwulsein attraktiv sein! Und überhaupt: Selbst wenn!) Allerdings ist ihr – die Hermeneutik nennt das „wohlwollende Interpretation“, wer nicht weiß, was das ist, googelt es bitte selber – zu unterstellen, dass sie nicht auf den homophoben Zug aufspringen wollte, sondern in einer konkreten Situation einen (in der Tat schlechten) Rat erteilen… Niemand hier hat Eggerts Inhalte verteidigt. verteidigt habe ich sie dagegen, dass sie per shitstorm (es empöre sich derzeit das Netz über sie, schreibt der von Dir verlinkte und empfohlene SZ-Artikel – liest Du die Artikel eigentlich, die Du verlinkst und empfiehlst?) zum Strohmann aufgebaut wird, zum homophoben Punching-Ball, an dem man sich mit schwungvoller Moral abarbeiten kann und gegen den man billig Distinktionsgewinne einfährt. Dieses virtuelle Haberfeldtreiben war, ist und bleibt mir widerlich. Für mich gehört es zu einem fairen Umgang mit meinem Gegenüber, zwischen Ungeschicklichkeiten und Infamie zu unterscheiden. Eggert war ungeschickt und hat das Problem nicht ganz durchdacht. Niederträchtig war sie nicht. Und wenn sie dann zur niederträchtigen homophoben Hexe inszeniert wird, werde ich sie jedenfalls verteidigen. Das ist so meine Art. Das war sie und das wird sie bleiben.

    • Bersarin  On Mai 24, 2015 at 20:41

      „Und es fehlt jegliche Fähigkeit der Textanalyse“ So ist es Genova. Und zwar bei Dir. Aber das kennen wir seit Deinen Ausfällen zu Kleist und zu Adorno. Du bist und bleibst ein Ressentiment-Blogger, der die Welt lediglich in gut/böse einzuteilen vermag, weil es zu mehr nicht reicht. Das zeigte sich in Deinem Blog etwa in Deinen selbstgefälligen und völlig sinnfreien Äußerungen zu Pegida. Mitlesende Ostdeutsche, die gegen genau dieses Phänomen angehen und demonstrieren, bezeichneten Deine Sicht so: „Typischer Wessie-Schwafler. Nie im Osten gewesen, aber die große Klappe mit dummen Thesen aufreißen.“ Was nun die Textanalyse anbelangt: Du bist bisher konkret und mit belegbarem Textmaterial nicht auf einen einzigen Satz von Alphonso, von Hartmut oder von mir eingegangen, sondern Du unterschiebst etwas, das man wohlwollend nicht einmal mehr als Interpretation bezeichnen kann; Du pflegst Dein Ressentiment sowie ein dualistisches Weltbild und lügst, sobald etwas nicht in dieses Bild paßt, Äußerungen anderer um: Querfront, Homophobie, PI, Elsässer. Das sind natürlich wunderbare Schlagwörter, wo bei jedem, der auf das Reiz/Reaktionsschema mit pawlowscher sabbernder Zunge anspringt, unmittelbar die Alarmsirenen schrillen: Mit denen darf man sich nicht gemein machen. Wenn man nun wie Genova argumentierte, müßte man schreiben: Der Herr Genova gehört genau zu jenem virtuellen Lynchmob. (Ich bin mittlerweile übrigens froh, daß Leute wie Helga Hansen, rhizom, Nadine Lantzsch, Sow, Genova, Momorulez, der mitunter allerdings und in seinen lichten Phasen richtige und gute Einsichten hat, und andere eine Minderheit sind. Ich hoffe, ihr bleibt es auch weiterhin.)

      Was bitte ist an diesem Satz, der die Angelegenheit auf den Punkt bringt, homophob?:

      „Für die Autorin [Eggert] ist das mehr als nur rufschädigend, obwohl ihr Standpunkt vermutlich immer noch auf der liberaleren Seite der Bevölkerung zu verorten ist – echte Homophobe hätten das Thema erst gar nicht gebracht. Die elende Shitstormkultur des Netzes hat jeden Dialog über das Thema vernichtet, und durch einen sozialen Druck ersetzt, in dem jede falsche Äusserung zu schweren Konsequenzen führen kann. Das Ergebnis wird nicht sein, dass man das Thema offen bespricht, sondern die Kinder lieber in den Sprachurlaub weit weg verfrachtet und dann heimlich AfD wählt. Es wird das gleiche betretene Schweigen herrschen, wie wenn Rabbiner gezwungenermassen etwas über Antisemitismus sagen. Aber man kann auch Recht haben, ohne den anderen moralisch zu unterjochen.“ Was bitte ist an diesem Satz homophob und steht in der Nähe zu PI, wie Du es Don Alphonso unterlügst? Bitte nenne mir weitere Textstellen für Deine Behauptung, daß der Don, Hartmut, ich, summacumlaude homophob, PI, Querfront sind!

      Statt sachlich auf Hartmuts Text einzugehen, werden von Genova gleich zum Auftakt im ersten Kommentar von ihm ad-hominem-Unterstellungen verwendet, um den Sprecher zu diskreditieren: „Mahlzeit. Frag du dich lieber mal, wo dein eigentliches Problem liegt.“ Schreibt Genova.

      Niemand verteidigt Frau Eggert in diesem Kontext und schreibt, daß sie ganz wunderbare Ratschläge erteilen würde. Solltest Du eine Textstelle finden, zitiere sie bitte! Aber vermutlich kommt dann der typische und übliche Genova-Ausfluchthinweis: „Ich habe keine Lust mir die ganze homophobe Scheiße nochmal reinzuziehen.“ Hartmut schreibt: „Die Kleinkolumne redet dummes Zeugs und sieht Probleme, wo keine sind. Als Kolumne ist sie eher beredter Ausdruck jener Überaufgeregtheit, mit der Kinder in dieser Gesellschaft betrachtet werden …“ So ist es. Ich habe zunächst zwei Textpassagen zitiert, und so könnte ich hier Stelle für Stelle aufschreiben, die genau das Gegenteil der Genovaschen Denunziation zeigen.

      Aber ganz egal wie: Im Grunde illustriert Genova aufs beste die Äußerungen des Don zum Erregungsshitstorm, der Zusammenhänge ganz bewußt entstellt und umlügt.

  • genova68  On Mai 24, 2015 at 10:21

    oh mann, kommt hier überhaupt mal ein kommentar durch, der mehr als zwei zeilen hat?

  • summacumlaudeblog  On Mai 25, 2015 at 00:44

    @genova „neurechte Strukturen“ ??? We bitte? Nur weil eine Provinzposse als das eingeordnet wird, was sie auch ist: Als lächerlich! ich muß Dir empfehlen, Deine Kategorien zu überdenken. Neurechte Strukturen zeigten sich in Dresden, weit zuvor in Hoyerswerda, in Rostock-Lichtenhagen, in Mölln, kurzum in Mordversuchen, Morden, Aufrufen zum Morden. In dem, was Sascha Lobo „Endsätze“ nennt, also in Aussagen, die Gewalttaten gegen „Fremde“ als normal, als geläufige menschliche Handlung hinstellen. Das sind „neurechte Strukturen“, also neurechtes Denken.
    Nicht hierher gehören provinzielle Antworten auf noch viel provinziellere Fragen. Die aber immerhin von diesem ominösen Vater gestellt worden sind. Und eben nicht einfach von vornherein weggebügelt wurden.
    Deswegen noch einmal mein Argument aus bersarins Blog hier feilgeboten, mit der Bitte um konkrete Antwort. Kein Ausflüchte, nur konkret auf diese Frage bezogen: Wie siehst Du eine 1919 geborene Faru, die nach kleinbürgerlich-konservativer Erziehung im Laufe ihres langen Lebens (das übrigens 2007 endete) zu der Erkenntnis kam, dass Schwule ja „nichts dafür können, dass sie schwul sind“. Das ist sicherlich nicht die Position, die wir praeferieren würden; wir würden doch eher von einer anderen, aber gleichberechtigten Lebenswirklichkeit dieser Menschen reden (Habe ich eine falsche Vokabel verwendet?). Aber von dieser Frau ausgegangen: Ist sie strukturell ein „Fascho“, oder hat sie nicht trotz der autoritär-heteronormativen Erziehung, die ihr verpasst worden ist, immerhin eine zu begrüßende Erkenntnisleistung in ihrem Leben vollbracht, die in der Summe in eine emanzipatorische Richtung zielt? Bitte nur auf diese Frage antworten, auf weitere Unterstellungen angeblicher „neurechter Strukturen“ ohne textlichen Beleg kann ich verzicheten…

    • genova68  On Mai 25, 2015 at 21:40

      summa, in Bezug auf die alte Frau stimme ich dir zu. Hast du etwas anderes erwartet? Es geht bei Eggert aber nicht um eine alte Frau, sondern um eine Diplom-Soziologin, die nach eigener Aussage seit elf Jahren Ratgeberseiten in Zeitungen betreibt. Wenn die Frau in der SZ behauptet, ihr Text richte sich nicht gegen Homosexuelle, dann hat sie halt nichts kapiert. Ich habe das hier jetzt schon ein paarmal erklärt. Der Mensch wird nur abzüglich seiner Homosexualität akzeptiert, und eben nicht Arschfick, sondern er darf auch nicht sagen, dass er seinen Freund mag, gern hat, mit ihm zusammenwohnen will. Wäre es nicht so, wäre die Hochzeit kein Problem. Die Kinder kommen nicht von selbst auf Arschfick.

      Es ist in etwa so, als würde sie sagen: „Ich habe nichts gegen Schwarze, wenn sie sich nur weiß anmalen.“

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