„Auswege aus dem Gefängnis der Märkte“

Es gibt Auswege? Mit Verlaub: Welche denn? Banken verstaatlichen, was Vogl ja offenbar im Sinn hat? Zurück zum Wohlfahrtstaat? Ach, die Kulturwissenschaftler. Ich studier den Kram derzeit ja selber, halte aber wenig davon, den Kulturbegriff isoliert als maßgeblich zu sehen. Da hat der gute alte Marxismus mit seinem Basis-Überbau-Theorem schon Recht: Keine kulturelle Äußerung, von der Alltagskultur in Gestalt des Tassendesigns bis zu Rembrandt, ist ohne materielle Basis denkbar. Vogl sieht den kapitalistischen Wald vor lauter kulturellen Bäumen nicht. 2008 haten wir also eine revolutionäre Situation? Du lieber Gott… Es geht nicht um ein bißchen weniger Privatisierung. Dabei weiß er Bescheid:

Dass es für alle nicht reicht, ist die Definition des Kapitalismus. Der Kapitalismus oder die Kapitalwirtschaft im weitesten Sinne, dieses ökonomische System funktioniert unter der Bedingung, dass die Güter knapp sind. Das heißt also, dass das Brot, das ich nicht esse, jemand anderem trotzdem fehlt, nur unter dieser Bedingung lässt sich das System erhalten. Das heißt, es funktioniert unter der Bedingung, dass zwangsläufig nicht alle satt werden, satt werden dürfen, ansonsten würde das System kollabieren.

Volltreffer. Gut gebrüllt, Löwe. Und? Was könnte das in diesem Zusammenhang bedeuten?

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Kommentare

  • Wolfgang  On Mai 16, 2015 at 10:21

    Was das in diesem Zusammenhang bedeutet? Das die Basis dumm gehalten werden muß!

  • eb  On Mai 16, 2015 at 11:42

    Tjö, – so ist das, wenn man nur in Systemen denkt und das Denken dann eben systemisch drin hängen bleibt. Hihi. Dabei fällt mir ein, – wenn man schon mal Basis und Überbau mental fixiert, kann man ja auch mal nen humanethischen Unterbau wagen, auf dem dann das „System“ aus Basis und Überbau nicht immer so frei schwebend für sich selber-, sprich letztendlich den Überbau am Steuerknüppel lebt und alles andere darauf abstimmt und ansonsten auch, mit’m Raumschiff systemisch Schlitten fährt. Aber nöööh. Ganz klar dreht sich das im Kreis und ich befürchte, – man kann dem Ding noch so viele Systemwechsel ankleistern, – es wird lediglich anders werden, aber nicht wirklich besser. Glaubt da im Ernst jemand daran, dass man nem „System“ bloß nen anderen Namen wegen anderer Innereinen und Mechaniken geben braucht, und dann wird jetzt die Basis heller? Aber nichts für ungut, – nix gegen den ollen Marx. Ich befürchte allerdings, – Im System sind alle Katzen grau und deren Gefängnis eindeutig größer. Übrigens, – spannend der Satz und recht stellvertretend fürs generelle Schleifen wie auch Lavieren am Eingemachten vorbei:

    …. zwei völlig unterschiedliche Lagen und Situationen, und zwar sowohl auf der systemischen Ebene wie auf der Ebene des Personals.

    Öhmmm. Das Personal heißt mittlerweile Human Ressources. Und wo kommt das wohl her?

  • Wolfgang  On Mai 17, 2015 at 09:28

    Womit wir wieder bei der Basis wären, und bei Marx.

  • eb  On Mai 17, 2015 at 12:46

    Wolfgang. Letztendlich auch eine Frage der Terminologie. Ich würde es eher so formulieren. Wir sind wieder bei den Menschen, die anständig von was leben wollen und sich wie Menschen fühlen möchten und seit ner Weile bzw. auch je nach Überbau glauben, dass das mit Maschinensichten klappen könnte, – während der Überbau die Zahnräder schmiert. Beide haben ganz klar auch ihre nationalen Eitelkeiten und Bösartigkeiten nicht im Griff. Wozu durchaus auch ein paar Marxisten gehören, die sich genauso in Humanisten, Technokraten, Rationalisten, Perfektionisten, Ideologen, Nationalisten, Globalisten und Comicfans unterteilen lassen, wie alle anderen,- aber genau das, dann eben nicht ansprechen. So was geht auch mit Frommisten, Adornisten, Sloterdisken, Kreationisten, Konstruktivisten, Mahatmagandhisten und Zigarettenkisten. Es waren nie die Denker, sondern immer ihre Jünger. Mir ist das Heer der „isten“, „raten“ und „logen“ irgendwie zu mächtig, bei denen ich mich immer aufs Neue fragen muss, – wie ticken die eigentlich als Menschen für, und dies durchaus auch alle Menschen? Damit könnte man sogar so was wie die Basis, also „die Menschen da“ ansprechen. Ich finde, das geht, und ich glaube sogar, – Marx hätte das begrüßt.

  • Wolfgang  On Mai 17, 2015 at 16:45

    Na bitte.

  • eb  On Mai 17, 2015 at 20:07

    🙂

  • Dirk  On Mai 19, 2015 at 10:02

    Ehrlich gesagt verstehe ich Deine etwas harsche Kritik an Vogt nicht. In dem Interview, bleibt er doch auf einer politisch-ökonomischen Ebene und vieles von dem was er über das Verhältnis von Staat und Politik sagt ist klug und richtig. Das Einzige was man Vogt vorwerfen kann, ist das er die Möglichkeiten von Veränderungen zu optimistisch einschätzt. Natürlich ist der Kapitalismus in sich widersprüchlich und dynamisch. Nur vergißt Vogt hier, dass der Kapitalismus ständig neu erfunden werden muss um weiterbestehen zu können. Um es kurz zu fassen: Der Kapitialismus ist auf Kapitalismuskritik angewiesen.

    • hf99  On Mai 19, 2015 at 12:39

      Und genau das kritisiere ich. Er hat alle Fäden in der Hand…und läßt sie am Ende doch los.

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