Der Sisyphos-Diskurs – update

Nun ja. Auch ich bin zusammen gezuckt – aus reichlich persönlichen Gründen -, als der eine oder andere Politiker psychisch Kranke auf einmal quasi unter Kuratel stellen wollte. Einen witzigen Beitrag las ich dazu im SpON-Forum: Auf den Vorschlag, diverse Berufsgruppen psychologisch zu untersuchen und ggfls Berufsverbote auszusprechen, notierte ein SpON-Leser: So also stellten sich arbeitslose Psychologen den Himmel vor…LoLoL

In der Substanz hat che natürlich recht. Diese Antisemiten/Homophoben/Rassisten/___________erwünschtes bitte eintragen-Riecherei ist einfach nur noch zum Kotzen und hat dinglich nichts mehr mit Aufklärung zu tun und hatte es auch nie. Das sind Machtdiskurse, mit denen Menschen aus dem Diskurs ausgesperrt werden sollen („Du bist ein Rassist, halt die Klappe!“) und weiter gar nichts. Gegen diesen neopietistischen Zerknirschungsdiskurs zusamt seiner klammoffenen Aggression trommel ich seit Jahrzehnten. (Update: Und natürlich muss jetzt – wir sind mitten drin im Thema! – ganz brav der Disclaimer dazu gesagt werden: Nein, ich bin nicht für Rassismus et al, ich bin nur dagegen, dass gewisse menschliche Ungeschicklichkeiten mit knallharten Rassismus a la „Schade, dass noch keine Flüchtlinge drin waren, als das Heim brannte“ ineins gesetzt werden.)

Diese kruden innerlinken Debatten spiegeln allerdings nur die Großwetterlage der öffentlichen Unterredung überhaupt. Ich halte es inzwischen generell für aussichtslos, im gegenwärtig medial bereitsgestellten Diskursraum wieder und wieder Kriterien fairer Unterredung einzufordern. Es ist, um nur ein Beispiel zu nennen, sinnlose Sisyphos-Arbeit, zu erklären, dass man weder mit der unappetitlichen Pegida-Bewegung noch mit seiner spiegelbildlichen Entsprechung, dem wahnverzerrten Islamismus, irgend etwas zu schaffen haben mag. Der mörderische Drohnenkrieg und die kruden islamistischen Gotteskriegereien sind aufeinander bezogen – beide können nicht ohne einander. Solche dialektischen Untiefen – Hegel würde von einer schlechten Unendlichkeit reden – mag ich nicht länger befahren. Ich weiß, dass das nichts mit überlegener, gelassener Souveränität zu tun hat (zu der diese Haltung des „ohne mich“ gerne umgelogen hat), sondern mit Resignation. Aber was soll ich machen? Ich bin den Sisyphos-Diskurs, also das Denken in Disclaimern so pappesatt!

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Kommentare

  • Klaus Baum  On Mai 8, 2015 at 09:28

    ich auch

  • oblomow  On Mai 8, 2015 at 09:40

    Tröste dich mit Nestroy:

    Die edelste Nation unter allen Nationen ist die Resignation.

  • P.M.  On Mai 9, 2015 at 14:41

    Naja.
    Also ich halte es schon für angebracht, Rassismus, Sexismus und Co. als solche zu bezeichnen, auch wenn sie gerade mal nicht den Massenmord fordern. Erscheint mir nicht zweckmäßig, einen offenen Diskurs zuliebe auf die Kritik zu verzichten, um die es darin überhaupt gehen soll.

    Aber wenn ich Che’s Blogartikel so lese, scheint er Kritik an Formen struktureller Gewalt eh längst aufgegeben zu haben. Das liest sich ja wie eine Glosse aus dem FAZ-Feuilleton, Mann o Mann.

    • hf99  On Mai 9, 2015 at 19:38

      Nö. hab aber keine Lust mehr, zu erklären, warum. dafür habe ich zuviel Energie in diese sinnlosen Debatten gesteckt.

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