Schneeball – update

So so, vor Vemma wird also gewarnt.

Die folgende Sendung „Vorsicht Falle“ (leider ein paar Tonaussetzer) lief am 25.03.1979. Naivität hin, Naivität her, aber dass dieses infame Schneeballsystem nach über 35 Jahren immer noch nicht verboten ist, vermutlich unter dem erlauchten Deckmantel der Vertragsfreiheit, ist mir unbegreiflich. Die schon damals avisierten Strafrechtsreformen hat es de facto bis heute nicht gegeben. Interessant, dass auch damals schon nicht nur der erhebliche finanzielle, sondern auch der soziale Schaden der Geprellten thematisiert wird. Besonders niederträchtig: gerade Menschen, die sowieso angeschlagen sind (arbeitslos geworden oä) erweisen sich als anfällig („viktimogen“, das klingt so schön wissenschaftlich), weil sie glauben, ihre Sorgen auf einen Schlag loswerden zu können – und hinterher desto tiefer drinn stecken. Das wissen jene, die solche Schneeballsysteme in Gang setzen, auch ganz genau.

Mich persönlich hat man, ich war noch jünger, mal (erfolglos natürlich) für einen Versicherungsstrukturvertrieb keilen wollen. Ähnliche Masche im Grunde, wenn auch ohne Geld-Schneeball, denn auch dort sollen die Sozialkontakte erst zu Geld gemacht und dann übern Deister gebracht werden. Als ich einigermaßen fassungslos aus der Massenveranstaltung ging (ich Idiot dachte, zu einem individuellen Vorstellungsgespräch eingeladen worden zu sein; es war aber eine Massenveranstaltung), sagte mir ein „Kollege“ hinterher auf der Strasse: „ich hatte den Eindruck, ich solle für eine Sekte geworben werden.“ Diesen letztlich sogar zutreffenden Eindruck musste man in der Tat haben.

Ihr freundliches kleines Blog aus Hamburg-Barmbek verspricht, in Zukunft wieder „gelegentlich zur Lyrik zurückzukehren“, agiert heute aber mal ganz handfest als Lebensberater: Fallt nie auf so etwas herein. Versprechts mir.

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Kommentare

  • summacumlaudeblog  On Mai 2, 2015 at 06:08

    Eine mit dieser Methode arbeitende Firma heißt AmWay. Ich habe mal erlebt, wie eine ganze Krankenhausabteilung davon regelrecht infiltriert worden ist. Derjenige, der noch 1989 bei der Stasi unterschrieben hatte, blieb dann auch auf dem ganzen Nahrungsergänzungsdreck von AmWay sitzen. Titel der Geschichte: Osten scheiße, Westen scheiße oder Verlieren hängt nicht am System…. (echte Scheiße für den Armen Kerl, der – wen wunderst- gar nicht unnett war. Ach, Mann)

  • hf99  On Mai 2, 2015 at 07:31

    Was mir erst jetzt wieder einfällt (das Gedächtnis und seine Prioritäten!): Vor einigen Jahren wollte mir jemand aus meinem erweiterten beruflichen Umfeld Multilevelmarketing-Produkte besonderer Güte andrehen – es ging, na klar, ums „Web 2.0“. irgend eine tooooodsichere Vertriebsmasche oder so ähnlich. Ich damals: „Mann, Markus (in Wahrheit heißt er natürlich anders), das kann doch nicht Dein Ernst sein, mir jetzt MLM aufschwatzen zu wollen!“ Ein wirklich netter Kerl. Letztes Update seiner Website: Februar 2013. Och Markus, Mist!

    In meinem ursprünglichen Beitrag stand etwas von wegen „wenig Mitleid“. Naja, da wohnen, ach, zwei Bewertungsseelen in meiner Brust. Einerseits muss man mit denen, die auf diese zum tausendsten mal präsentierte Schneeballmasche hereinfallen, wirklich kein Mitleid haben. Andererseits – siehe mein update – triffts ja gerade immer wieder die Verletzlichen, Angeschlagenen, und das ist dann schon eine Schweinerei. Faustregel: Wenn die verbeamtete Frau Studienrektorin auf den „Schenkkreis“ reingefallen ist (Frauen machen das ja mit Herz, bei denen heißt das „Schenkkreis“…kicherkicher), darf man gerne etwas grinsen. Frau Studienrektorin wird es überleben. Bei dem/der jungen, unerfahrenen Arbeitslosen ists eine Schweinerei. Den Bericht „Tod eines jungen Handlungsreisenden“ gibts derzeit leider nicht auf der Tube (wer ihn hat: Link hier rein!). Da endete das bekanntlich an einem ostdeutschen Alleebaum. Übel!

  • hf99  On Mai 2, 2015 at 08:04

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schenkkreis

    Auch zur Rechtslage in Deutschland (wo bis heute herumgezappelt wird) und in Österreich, wo Pyramidensysteme ausnahmelos verboten sind. Scheint, dass wir aus Österreich auch mal etwas lernen können…

    Nötig wäre es jetzt auch, das ganze auf solche Pyramidensysteme zu erweitern, wo vorderhand so etwas wie eine gegenleistung „geboten“ wird, also Nahrungsmittelergänzungsdreck oä. MLM gehört insgesamt verboten.

  • Dirk  On Mai 2, 2015 at 14:21

    DVAG und co. sind fleissige Parteispender. Sind deshalb die Verbraucherschutzgesetze in Deutschland so lasch. Jetzt mal was anderes, meines Wissens nach gilt das Betreiben von Pyramiden- oder Schneeballsystemen als Betrug oder irre ich mich da.

    • hf99  On Mai 2, 2015 at 20:55

      Ja, ist sitternnwirdrig, aber siehe meinen Link; Rechtslage in Deutschland. Bei Vertrieb per MLM kommt noch hinzu, dass dort – im gegensatz zu Schenkkreisen – ja eine (scheinbare) Gegenleistung besteht. „ich werd ja wohl noch getränke verkaufen dürfen?“ etcetc. Und gar, wenn der Käufer als GF unterschreibt – was er tut, denn er will weiterhandeln. Juristen an die Front! ME waren/sind die solcherart geprellten weiterhin sehr schlecht geschützt.

      • Dirk  On Mai 3, 2015 at 14:41

        Bei Finanzvertrieben kommt hinzu, dass Provisionen nur als Vorschuss gezahlt werden. Das heißt wenn die Verträge vorzeitig gekündigt werden, muss der Vertreter den Vorschuss aus eigener Tasche zurückzahlen.

  • RuePoe  On Mai 2, 2015 at 16:56

    Mit einem Link zum ‚Tod eines Handlungsreisenden‘ kann ich nicht dienen. Da gibt es aber einen sehr guten amerikanische Film zum Thema Immobilienvertrieb: ‚Glengarry Glen Ross‘. Inzeniert in Form eines Kammerspiels mit guten Darstellern und guten Dialogen.

    • hf99  On Mai 2, 2015 at 20:53

      Nicht bös sein: das Arthur-Miller-Stück ist mir durchaus bekannt. Es gab einmal eine Doku, deren Titel natürlich auf dieses Stück anspielte (auch dort ja Suizid by car am Ende) eines jungen Ostdeutschen, der durch so ein Schneeballsystem geprellt wurde und seinen Wagen an einen Alleebaum fuhr.

  • wolfdieter  On Mai 4, 2015 at 11:22

    Eine Amway-Anwerbe-Session habe ich in Studentenzeiten mal mitgemacht.

    Anwesend waren außer dem Anheizer mehrere vorher bereits angeworbene Amway-Vertreter. Der Vortrag des Anheizers war ziemlich professionell. Was mir aber in Erinnerung bleibt, ist das Leuchten in den Augen der anderen – merkwürdig insofern, als ich als Futterkonkurrent angeworben werden sollte … also, Leute, da steckt der wahre Glaube dahinter (im Sinne der Zeugen Jehovas).

    Als wir raus waren, fiel mir regelrecht ein Stein vom Herzen.

  • ziggev  On Mai 4, 2015 at 21:03

    war ja auch mal bei sowas, Wellingsbütteler Landstraße, richtung „Borstels Ende“, weißes, villaartiges Gebäude (etwas abgehalftert allerdings, sah nach verschiedenen, prekär den Schein aufrechterhaltenden Mietparteien – oder schlimmer: „Eigentümern“ – aus), ich weiß gar nicht mehr, worum es ging, sie saßen da jedenfalls, abgestiegenes upper-Mittelklassetum, hörten sich das konfuse Gelaber, Geschrei des Einheizers an, um kein Mittelchen der Küchenpsychologie verlegen, man, ich kannte das, tendierte ja zum Reduktionismus (während mein Magen knurrte), kannte solche MLP-Leute, über BWL-„Freunde“, das war aber nur noch trist.

    BWL-MLP: BWL empirisch betreiben: also mit dem Porsche (MLP bring Kohle!) zu irgendwelchen Top-Mangern fahren, fürs Interview, mit allen Finessen Lebenslauf fälschen, klar war ich bei der und der nicht mehr existierenden Firma dann und dann tätig (man muss nur die richtigen Leute erpressen können und wissen, wie man sowas recherchiert), das aber in der Wellingsbütteler Landstraße war echt nur ne Freak-Show. Neben mir so ne Captain Janeway-mäßig arisch aussehende Frau, nur größer, blond-ergrautes Haar, noch stärker der Kiefer, …

    … aber ach! Kurz hatte sie sich noch zusammengenommen, sich einen Ruck zu geben versucht gehabt. Nachdem wir dann alle schließlich erleichtert den Raum verließen, gab sie mir zu verstehen: jaja, unser „Einheizer“, war schon mal schlechter, das Koks!

    Natürlich war das ein Superproll in Anzug mir aufgeklebten dritten Zähnen, die mühsam angelernten Phrasen durcheinanderwürfelnd, traurig, eigentlich dieser Typ, aber ich begriff nur langsam, was da vor sich ging. Es ging um große Verlußte, verpfändetes Eigentum, verarscht werden von Vollidioten … Es schwante mir. Sobald ich aber dieses Haus verlassen hatte, tat ich alles, um nur dieses ERlebnis so schnell wie möglich zu vergessen. Ich war offenbar der einzige gewesen, das das noch nicht kannte. Es taten sich Abgründe auf – aber ich wagte nicht (sonst ja so gar nicht meine Art), hinein-, hinunterzublicken …

    • hf99  On Mai 4, 2015 at 22:14

      und ganz aktuell: http://www.mopo.de/nachrichten/-mega-holdings–ex-mitarbeiter-packen-aus—wir-dachten–wir-werden-millionaere-,5067140,30605138.html

      Naja, Mopo halt. Dachten die wirklich, sie würden Millionäre? Also…ich bin ja bekanntlich pro Prügelstrafe, nur eben nicht bei Kindern, sondern bei unbelehrbaren Erwachsenen. Wenn der dort zitierte Jungspund wirklich bloß 840.- Euro verloren hat – das kann man aufholen, ab in die Erfahrungskasse damit! – sage ich etwas fies: Dann musste er eben übers 840-Euro-Knie gelegt werden. Hoffentlich wirkts. Wirklich leid tun mir die alleinerziehenden Mütter, die ihren Kindern verzweifelt etwas mehr bieten wollen als die Brosamen des Hamburger Ferienpasses (nichts gegen den, da waren gute Sachen dabei, haben wir auch in Anspruch genommen), die sich vom feministisch-esoterischen Schenkkreis-Gelaber haben einlullen lassen und jetzt im „Forderungsmanagement“-Schwitzkasten zappeln (denn jene „Feministinnen“ vergessen ihre besondere, frauliche Menschlichkeit dann ganz schnell…so schnell kannste gar nicht gucken!). Ich finde es – Trottel hin, Trottel her – unmöglich, dass eine solche Veranstaltung ganz offenbar unbeanstandet im CCH hat statt finden können.

      @ziggev: MLP? Meintest Du NLP? Neuro-linguistic-programming, was ich immer schon und bis heute ohne jede Einschränkung für faschistisch halte? Oder MLM? Multilevelmarketing? ist ja beides sozusagen tiefenidentisch…

    • hf99  On Mai 5, 2015 at 01:58

      @ziggev versehentlich mit weggeklickt. Dieser Spam, puuuh. Sorry. Magst Du es nochmal formulieren?

  • ziggev  On Mai 5, 2015 at 17:41

    Dank Vorformulieren im Editor konnte ich sehen, dass ’nochmal formulieren‘ keine schlechte Idee war … davon merkt man zwar wenig 😉 …

    ja, NLP, gab´s ja auch für Hausfrauen, fehlt nur noch NLP für Kinder, Katzen (gibt´s ja beides als Yoga). Und: Ja, kenn´ jemand, der hat das vom Arbeitsamt vermittelt bekommen. Und: Auch mit dem sog. „Familienaufstellen“ verdien(t)en da irgendwelche armen Säue ihr Geld. Wer blöd genug ist, stellt sich in die Mitte und irgendwelche Schwachmaten „analysieren“ Dich dann mit ihrer ausgefuchsten Küchenpsychologie …

    aber … aarghhh! Gib ihnen Hoffnung!

    Diese gräßliche Klassentrennung hat bewirkt, dass an Allmachtsphantasien, durch irgendeinen Trich (z.B. „mind-control“, sonne 70er-Geschichte), könne irgendeine „Karriere“ gestartet werden, nicht mehr so wie vor ein paar Jahren appeliert werden kann. Heute, scheint mir, hat sich die Lage geändert.

    Unten weiß man doch recht genau, woran man ist. Du hast keine Chance – versuch´s nicht mal! Das wirkt psychisch vielleicht sogar stabilisierend. Der Rest ist : scripted reality. (habe durch meine Arbeit jemanden kennengelernt, der sich da wo beworben hat. Jetzt bekommt er immer Angebote und stellt sich vor, wie er dann immer erklären müssen würde: Nein, das bin nicht ich – das war nur im Fernsehen!)

    Es ist zwar ein ekliges Thema – und ich habe keine Lust, da irgend analytisch ranzugehen, denn das würde bedeuten, das berühmte „Principle of Charity“ zu berücksichtigen, also eine „ernsthafte“ Auseinandersetzung – aber vielleicht könntest Du kurz andeuten, wie Du das mit dem „faschistisch“ verstanden haben willst? Polizeipsychologie ? (jmd. mit Aufkleber auf Auto will sagen: mit mir ist was nicht in Ordnung. Also aufpassen/kontrollieren?)

    Ansonsten, ein Beispiel: Das mit der Körpersprache: Ja, es könnte sein, dass, wer die Arme verschränkt, ohne zu wissen signalisiert, dass er nicht kommunizieren will. (Meine Oma nahm diese Haltung mit ihren fleischigen Armen immer vollkommen in sich ruhend und in vollkommener Selbstzufriedenheit ein, wenn sie, mit den Händen ihre Rede mit kleinen Gesten begleitend, lustige Anekdoten aus der Kindheit meiner Mutter erzählte.) Nun kann man sich einbilden, dass diese Haltung selbst, qua Umkehrung von Ursache und Wirkung, eine innere Haltung der Verschlossenheit bewirkt. Und? Welche Schlussfolgerung sollen/können wir daraus ziehen? Natürlich überhaupt keine. – Das ist einfach alles ein einziger riesiger Bullshit !

    • hf99  On Mai 5, 2015 at 19:48

      Weil nlp erklärtermaßen manipuliert – was schon der Name sagt. Keine Wissenschaft, sondern unklare Manipulationstechniken. ich kenne sie aus dem Marketingbereich (war selber gotseidank nie Opfer solcher Machenschaften) – dort sollen Menschen umgemodelt werden, und zwar zu fröhlich-positiv-optimistischen Dämlich-Dauergrinsern, die dann auch ganz bestimmt gut verkaufen werden…und wenn sie nicht verkauft haben, waren sie nur noch nicht optimistisch genug.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Neuro-Linguistisches_Programmieren#Kritik

      • ziggev  On Mai 5, 2015 at 21:20

        ja, stimmt! fiel mir nämlich eben bei dem Körpersprache-Beispiel auf: Es geht um Manipulation, nichts anderes. „Verschränke mal die Arme! O.k., merkst Du, wie Du Dich innerlich verschließt?“ „Öhmn…nja!“ Warum sollte eigentlich kommunikative Außenwirkung mit (körperlichen) Selbstpraktiken verbunden werden oder vice versa? Kommunikation kann optimiert werden, o.k. (mein Vorbild ist Seven of Nine). Selbstpraktiken hingegen sollen allein das Selbst modifizieren. Erst soll verunsichert werden (Klassiker: „Warum sitzt Du eigentlich mit verschränkten Armen/überschlagenen Beinen da?“), und dazu wird irgendein Irrationalismus serviert, hier die implizite These, dass Selbstpraktiken mit Techniken der Außenwirkung in Verbindung stehen, ja stehen sollten, was offenkundiger Unsinn ist, denn zu Selbstmodifikationen kann nur ich mich aus freien Stücken entscheiden, und zwar dann und nur dann, wenn es mir um die Modifikation meiner Selbst, und nichts anderem, geht.

        Bereits hier ist klar, dass es Manipulation ist. Denn welch anständiger Mensch, dem ich solches nicht ausdrücklich erlaubt habe (ein Guru, ein Priester, ein Meister in einem Fach, ein geliebter Mensch, dem ich vertraue), würde sich zu so etwas erdreisten, es sei denn zu (ungenannten) eigennützigen Zwecken? (Nachplappernde Dummheit dürfen wir aber nie ausschließen.)

        Natürlich sollen die Opfer verunsichert werden – und, weil sie in Selbstmodifikation/ – praktiken unerfahren sind, im Umkehrschluss annehmen, dass, weil es eben völlig uneinsichtig ist, warum irgendwer in die eigenständigen Modifikationen eines selbst einzugreifen berechtigt wäre, sie hier einfach irgendetwas nicht richtig verstanden hätten (Rationalisierung).

        Von nun an werden sie also nicht mehr selber entscheiden, ob oder wann oder aus welchem Anlass sie „sich selbst verändern“ werden wollen – warum, zu welchem Zweck soll ich mich selber verändern, da ich ja nun bin, wer ich bin? Das kann ja nur jemand anderes entscheiden.

        Bei den Ursachen und den Wirkungen solcher Selbstmodifikationen, die, als „Technik“ verstanden, vollkommen zweckfrei vonstattengehen sollten, handelt es sich, wenn nicht, um Pathologien des Geistes.

        Vollkommen entkoppelt scheinen diese beiden Ebenen bei Adorno zu sein: man beobachte seinen von keinem Urteil (Ekel) umspielte Mundwinkel beim Anhören der DDR-Nationalhymne: (scheint ein running gag geworden zu sein, nicht mehr gefunden, desh. das hier – ich glaube aber fast, dass der Video Adorno beim Hören besagter Hymne zeigt)

  • ziggev  On Mai 5, 2015 at 23:45

    2nd try:

    ja, stimmt! fiel mir nämlich eben bei dem Körpersprache-Beispiel auf: Es geht um Manipulation, nichts anderes. „Verschränke mal die Arme! O.k., merkst Du, wie Du Dich innerlich verschließt?“ „Öhmn…nja!“ Warum sollte eigentlich kommunikative Außenwirkung mit (körperlichen) Selbstpraktiken verbunden werden oder vice versa? Kommunikation kann optimiert werden, o.k. (mein Vorbild ist Seven of Nine). Selbstpraktiken hingegen sollen allein das Selbst modifizieren. Erst soll verunsichert werden (Klassiker: „Warum sitzt Du eigentlich mit verschränkten Armen/überschlagenen Beinen da?“), und dazu wird irgendein Irrationalismus serviert, hier die implizite These, dass Selbstpraktiken mit Techniken der Außenwirkung in Verbindung stehen, ja stehen sollten, was offenkundiger Unsinn ist, denn zu Selbstmodifikationen kann nur ich mich aus freien Stücken entscheiden, und zwar dann und nur dann, wenn es mir um die Modifikation meiner Selbst, und nichts anderem, geht.

    Bereits hier ist klar, dass es Manipulation ist. Denn welch anständiger Mensch, dem ich solches nicht ausdrücklich erlaubt habe (ein Guru, ein Priester, ein Meister in einem Fach, ein geliebter Mensch, dem ich vertraue), würde sich zu so etwas erdreisten, es sei denn zu (ungenannten) eigennützigen Zwecken? (Nachplappernde Dummheit dürfen wir aber nie ausschließen.)

    Natürlich sollen die Opfer verunsichert werden – und, weil sie in Selbstmodifikation/ – praktiken unerfahren sind, im Umkehrschluss annehmen, dass, weil es eben völlig uneinsichtig ist, warum irgendwer in die eigenständigen Modifikationen eines selbst einzugreifen berechtigt wäre, sie hier einfach irgendetwas nicht richtig verstanden hätten (Rationalisierung).

    Von nun an werden sie also nicht mehr selber entscheiden, ob oder wann oder aus welchem Anlass sie „sich selbst verändern“ werden wollen – warum, zu welchem Zweck soll ich mich selber verändern, da ich ja nun bin, wer ich bin? Das kann ja nur jemand anderes entscheiden.

    Bei den Ursachen und den Wirkungen solcher Selbstmodifikationen, die, als „Technik“ verstanden, vollkommen zweckfrei vonstattengehen sollten, handelt es sich, wenn nicht, um Pathologien des Geistes.

    Vollkommen entkoppelt scheinen diese beiden Ebenen bei Adorno zu sein: man beobachte seinen von keinem Urteil (Ekel) umspielte Mundwinkel beim Anhören der DDR-Nationalhymne: (scheint ein running gag geworden zu sein, nicht mehr gefunden, desh. das hier – ich glaube aber fast, dass der Video Adorno beim Hören besagter Hymne zeigt)

  • ziggev  On Mai 6, 2015 at 18:55

    ja, stimmt! fiel mir nämlich eben bei dem Körpersprache-Beispiel auf: Es geht um Manipulation, nichts anderes. „Verschränke mal die Arme! O.k., merkst Du, wie Du Dich innerlich verschließt?“ „Öhmn…nja!“ Warum sollte eigentlich kommunikative Außenwirkung mit (körperlichen) Selbstpraktiken in Verbindung gebracht werden – oder vice versa? Kommunikation kann optimiert werden, o.k. (mein Vorbild ist Seven of Nine). Selbstpraktiken hingegen sollen allein das Selbst modifizieren. Erst soll verunsichert werden (Klassiker: „Warum sitzt Du eigentlich mit verschränkten Armen/überschlagenen Beinen da?“), und dazu wird irgendein Irrationalismus serviert, hier die implizite These, dass Selbstpraktiken mit Techniken der Außenwirkung in Verbindung stehen, ja stehen sollten, was offenkundiger Unsinn ist, denn zu Selbstmodifikationen kann nur ich mich aus freien Stücken entscheiden, und zwar dann und nur dann, wenn es mir um die Modifikation meiner Selbst, und nichts anderem, geht. Die Königsdisziplin der Selbstpraktiken – Meditation – ist eigentlich eine asoziale Angelegenheit.

    Bereits hier ist klar, dass es Manipulation ist. Denn welch anständiger Mensch, dem ich solches nicht ausdrücklich erlaubt habe (ein Guru, ein Priester, ein Meister in einem Fach, ein geliebter Mensch, dem ich vertraue), würde sich zu so etwas erdreisten, es sei denn zu (ungenannten) eigennützigen Zwecken? (Nachplappernde Dummheit dürfen wir aber nie ausschließen.)

    Natürlich sollen die Opfer verunsichert werden. Und – weil sie in Selbstmodifikation/ – praktiken unerfahren sind – im Umkehrschluss annehmen, dass, weil es eben völlig uneinsichtig ist, warum irgendwer in die eigenständigen Modifikationen eines selbst einzugreifen berechtigt wäre, sie hier einfach irgendetwas nicht richtig verstanden hätten (Rationalisierung).

    Von nun an werden sie also nicht mehr selber entscheiden, ob oder wann oder aus welchem Anlass sie „sich selbst verändern“ werden wollen – warum, zu welchem Zweck soll ich mich selber verändern, da ich ja nun bin, wer ich bin? Das kann dann als nur jemand anderes entscheiden.

    Bei den Ursachen und den Wirkungen solcher Selbstmodifikationen, die, als „Technik“ verstanden, vollkommen „zweckfrei“ – ein äußere Motivation ist nicht gegeben – vonstattengehen sollten, handelt es sich, wenn nicht, um Pathologien des Geistes. Denn, grob formuliert, Kausalität gibt es nur im Bereich der Psyche, nicht in der Sphäre des Geistes.

    Vollkommen entkoppelt scheinen diese beiden Ebenen bei Adorno zu sein: Dieses Video zeigt Adorno, glaube ich wenigstens, bein Anhören von „Auferstanden aus Ruinen“.

  • ziggev  On Mai 6, 2015 at 18:56

    ja, stimmt! fiel mir nämlich eben bei dem Körpersprache-Beispiel auf: Es geht um Manipulation, nichts anderes. „Verschränke mal die Arme! O.k., merkst Du, wie Du Dich innerlich verschließt?“ „Öhmn…nja!“ Warum sollte eigentlich kommunikative Außenwirkung mit (körperlichen) Selbstpraktiken in Verbindung gebracht werden – oder vice versa? Kommunikation kann optimiert werden, o.k. (mein Vorbild ist Seven of Nine). Selbstpraktiken hingegen sollen allein das Selbst modifizieren. Erst soll verunsichert werden (Klassiker: „Warum sitzt Du eigentlich mit verschränkten Armen/überschlagenen Beinen da?“), und dazu wird irgendein Irrationalismus serviert, hier die implizite These, dass Selbstpraktiken mit Techniken der Außenwirkung in Verbindung stehen, ja stehen sollten, was offenkundiger Unsinn ist, denn zu Selbstmodifikationen kann nur ich mich aus freien Stücken entscheiden, und zwar dann und nur dann, wenn es mir um die Modifikation meiner Selbst, und nichts anderem, geht. Die Königsdisziplin der Selbstpraktiken – Meditation – ist eigentlich eine asoziale Angelegenheit.

    Bereits hier ist klar, dass es Manipulation ist. Denn welch anständiger Mensch, dem ich solches nicht ausdrücklich erlaubt habe (ein Guru, ein Priester, ein Meister in einem Fach, ein geliebter Mensch, dem ich vertraue), würde sich zu so etwas erdreisten, es sei denn zu (ungenannten) eigennützigen Zwecken? (Nachplappernde Dummheit dürfen wir aber nie ausschließen.)

    Natürlich sollen die Opfer verunsichert werden. Und – weil sie in Selbstmodifikation/ – praktiken unerfahren sind – im Umkehrschluss annehmen, dass, weil es eben völlig uneinsichtig ist, warum irgendwer in die eigenständigen Modifikationen eines selbst einzugreifen berechtigt wäre, sie hier einfach irgendetwas nicht richtig verstanden hätten (Rationalisierung).

    Von nun an werden sie also nicht mehr selber entscheiden, ob oder wann oder aus welchem Anlass sie „sich selbst verändern“ werden wollen – warum, zu welchem Zweck soll ich mich selber verändern, da ich ja nun bin, wer ich bin? Das kann dann als nur jemand anderes entscheiden.

    Bei den Ursachen und den Wirkungen solcher Selbstmodifikationen, die, als „Technik“ verstanden, vollkommen „zweckfrei“ – ein äußere Motivation ist nicht gegeben – vonstattengehen sollten, handelt es sich, wenn nicht, um Pathologien des Geistes. Denn, grob formuliert, Kausalität gibt es nur im Bereich der Psyche, nicht in der Sphäre des Geistes.

  • ziggev  On Mai 6, 2015 at 18:58

    please, hf99 – mal i den Spam-Order geschaut, jetzt extra das Adorno-Video abgekoppelt … immer noch nichts? grüße, zigg.

    • hf99  On Mai 6, 2015 at 19:58

      ich hab die jetzt mal alle freigegegebn, trotz Wiederholung, damit mein Schpämmfilta es mal kapiert. Ich m u s s den Filter so hart einstellen, ansonsten wird das hier mit Viagra und irgend welchen blöden Fonds überschwemmt… Wenns wenigstens Pot wäre. Aber immer nur Viagra und Fonds…

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