Sascha Lobo über Germanwings

Endlich liest mans auch mal in einem mainstream-Medium.

Das gesellschaftliche Verständnis von „Sicherheit“ ist radikal technologiegläubig geworden: Im Zweifel ist es besser, der Technik zu vertrauen als dem Menschen. Die Panzertür, hier Kristallisationspunkt des Flugzeugdramas, ist ein bitteres Symbol dafür, wie sich vermeintliche Sicherheitstechnologie gegen die Sicherheit wenden kann.

So ist es. Aber das will keiner hören. Da macht man lieber ohne Beleg Andreas Lubitz zum Killer-Schwein und verkündet öffentlich unter viel Beifall, man habe ganz bewusst nur um 149 Menschen getrauert.

Vielleicht waren es Dämpfe im Cockpit, vielleicht ein Schlaganfall/Tumor, vielleicht doch eine Wahnidee…so oder so oder so: Es wäre nicht passiert, wenn der Pilot ins Cockpit hätte kommen können. Der Pilot ausgesperrt aus dem Cockpit durch Sicherheitswahnwitz…das kann man eigentlich niemandem erzählen, so bescheuert ist das! Das Schlimmste (wie hier mehrfach schon verlinkt): Warnung plus Referenzfall lagen vor!

Und: was immer es war, so oder so oder so: giftige Dämpfe, Schlaganfall/Hirntumor oder psychisch schwer desorganisiert… Andreas Lubitz war ein (ggfls kranker) Mensch. Kein Killer-Schwein.

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Kommentare

  • Wolfgang  On April 2, 2015 at 11:36

    1. Globalisierung ist gut.
    2. „Ich“ muss überall hin müssen. Usf. – ein Teil dessen, was noch kommt, liest sich dann so, wie hier. Leider.

  • kalo  On April 2, 2015 at 13:26

    Lobo nähert sich nach meinem Geschmack einer bedeutenden Einsicht, ohne sie deutlich aussprechen zu können oder zu wollen: wir leben in einer politisch und kulturell reaktionären Zeit. Ich wurde wohl 1999 alarmiert, als ich in der damals recht guten „Berliner Zeitung“ zum Jahrestag der Mondlandung einen Kommentar las, in dem als Mittel zur Befeuerung des menschlichen Erfindungsgeistes ein neues großes … technisches Projekt gefordert wurde. Es kam dem gebildeten Schreiber gar nicht in den SInn, daß doch auch einmal die gesellschaftlichen Verhältnisse Gegenstand von einfallsreichen Innovationen sein könnten. Sie werden, ganz altbürgerlich, als so selbstverständlich wie Natur unterstellt. Und das, groteskerweise, während die neoliberalen social engineers alles umkrempeln. Aber das wird Hand in Hand gehen. So lange bei der tonangebenden Mittelklasse die Phantasie fehlt, sich eine andere Lebensweise vorzustellen, also Gesellschaft als Gegenstand von erkenntnisgeführter Intervention unvorstellbar bleibt, können die Herolde der Alternativlosigkeit ihre Pläne ungestört umsetzen. Es ist geradezu bitter-komisch, wenn man an die alten Popperianer mit ihren Einwänden gegen die ‚Großtheorien‘ denkt. Während altväterlich knurrend zur intellektuellen Bescheidenheit geraten wird, bauen Heerscharen von Betriebswirtschaftlern ohne Bewußtsein von ihrer Hintergrundtheorie die gesellschaftlichen Verhältnisse um. Und die Betroffenen stehen hilflos herum und sagen: daß wird wohl so sein müssen, ich als Einzelner kann’s ja nicht wissen … – Während doch gerade „ich“ in meiner Personalität der wäre, der denken kann !
    Die Technikgläubigkeit scheint mir nur eine Facette dieser weit verbreiteten Haltung zu sein.

  • wolfdieter  On April 2, 2015 at 15:21

    Der letzte Satz spricht mir aus der Seele. (Habe mich bisher nirgends dazu geäußert.)

  • Wolfgang  On April 2, 2015 at 15:32

    Zu kalo, und dabei sehen wir eigentlich alle wohin das führt – und machen mit. Alternativlos.

  • Garfield  On April 3, 2015 at 07:19

    Fatal ist MMN v.A. das fast schon wörtliche Ur-(bzw „Gott-„)Vertrauen in Computer & Software, schon allgemein. Auch wenn sich der Tempomat kurz mal selbständig macht, speziell beim Fliegen gab’s da ja auch schon genug Zwischenfälle

    Den Sicherheitswahn halte ich eigtl auch für übertrieben, aber zu diesem Post hier:
    Die Diskussion um die Tür ist geradezu absurd. Seit fast 14 Jahren hatten wir in der westlichen Welt keine einzige Flugzeugentführung durch Passagiere mehr – ich kann mir nicht vorstellen, dass es das in der Geschichte der Zivilluftfahrt jemals zuvor gab. Nur weil das jetzt eventuell einmal dazu beigetragen hat, dass der FO seinen Plan durchführen konnte, ist das immer noch eine ganz klare Erfolgsbilanz. Wovon gibt es mehr? Was ist wahrscheinlicher: Dass ein Passagier ein Flugzeug entführen will oder dass ein Pilot sich umbringen will?
    Wenn jetzt die sicheren Türen abgeschafft werden, kann man die Uhr danach stellen, bis die gleichen „Experten“, die jetzt gegen die „paranioden“ Türen schimpfen sich darüber beschweren, warum es keine wirksamen Maßnahmen gegen Terroristen gab.
    […]

    …die Tür war zwar schon öfters problematisch; und diese „14 Jahre“ liegen wohl auch zum guten Teil an den Boden-Kontrollen – denn was macht z.B. ein Pilot, dem zugesichert wird es ist „nur“ eine Entführung, während er das Messer am Hals [befreundeter] FBs sieht… blockiert er diesen Notfall-Code auch dann…?
    (jetzt dürften zwar einige wissen, daß Axt & Brechstange im Flieger sind & die Tür auch manuell …)

    Ganz Unrecht hat der Einsteller MMN trotzdem nicht. Hundert %ige Sicherheit IST halt unmöglich.

    (btw – die mit Abstand (70%) höchste Unfallursache i.d. Luftfahrt sind laut SZ übrigens Arbeitsbedingungen/Ermüdung – i.d. Statistik dann als „menschl. Versagen“… bequemerweise für die Branche, der Aktionismus wird wohl in andere Richtungen gehn. Ich nehm an auch die Schweigepflicht wird weiter gelockert sobald das Thema nicht mehr so „heiß“ ist)

    • hf99  On April 3, 2015 at 07:39

      Ich hab den Post auch gelesen. Denkfehler mE: Ein Angreifer wird sich ja immer auf die Situation einstellen – im Zweifelsfall schmuggel ich zB einfach jemanden in die Crew. FB genügt inzwischen wg der Vier-Augen-Regel. Wer ein Flugzeug angreifen will, wird dies auch schaffen.

      Ein „normaler“ Flugzeugentführer, der die Maschine „nur“ umdirigieren will, braucht nicht mal ins Cockpit, er hat einfach ne Bombe an Bord (oder eine Attrappe) und stellt seine Forderungen. Dass wir auch solche Entführungen nicht mehr hatten, ist wohl doch eher den Bodenkontrollen geschuldet.

      Das mit den 70 % ist allerdings bedenkenswert.

      • Garfield  On April 3, 2015 at 08:17

        im Netz ist ja nicht jeder für was er sich ausgibt – aber dieser PPRuNe-User wohl auch Pilot, Zitat:
        (nicht wörtlich) „ich erinnere mich an eine Einweisung zur Sicherheitstür. Im Fall eines Hijacking durfte die Tür auf keinen Fall geöffnet werden, auch wenn ein Passagier nach dem andern als Geisel getötet wird; Verhandlungen oder Heldentum streng verboten… einziger Zweck der Tür war, den Mißbrauch als Rakete zu verhindern“

        um das Durchzusetzen braucht es natürlich schon ne sehr kaltblütige und/oder nervenstarke Cockpit-Besatzung – wirklich durchgesetzt hätte die Tür dann aber tatsächlich Sinn gemacht, mal vorausgesetzt die „Entführer“ waren ausschließlich Suizid-Bomber.

        Bald (jetzt schon?) kann man sich das eigtl eh sparen… ich weiß nicht wie weit man Flugzeuge bereits hacken kann (=den Piloten auch von manueller Steurung komplett aussperren); Schiffe auf jeden Fall soweit ich weiß – mit entspr. Know-How müssten die „Suizid“-Bomber also nicht mal ins Flugzeug

      • Garfield  On April 3, 2015 at 08:24

        1. ⅔ streichen, hab dich mißverstanden. Noch zu früh 😉

      • Garfield  On April 5, 2015 at 00:00

        was ich mit meinem kryptischen Kommentar eigtl sagen wollte:

        um ein Flugzeug zu entführen braucht man nicht mal unbedingt Bomben o. Waffen, körperl. Gewalt reicht schon. z.B. FlugbegleiterIn mit Gürtel/ Schnürsenkel/zusammengerolltem Hemd/… strangulieren & als Geisel nehmen – ins Cockpit zu gelangen, wär in dem Fall natürlich noch vorteilhafter…
        das ist durch die Sicherheits-Tür schon mal ausgeschlossen; sie gibt den Piloten teils auch „moralischen“ (im Sinn von Selbstvertrauen) Rückhalt.

        wie gesagt, ob die Piloten echt so abgebrüht wären, zuzugucken wie ein FB erwürgt wird…
        die Entführer wissen aber, daß sie auf keinen Fall sofort ins Cockpit kommen, sondern sich den Weg erst „freipressen“ müssen – und dabei evtl noch von Passagieren überwältigt werden…
        insoweit hat der OP schon Recht; auch wenn der Hauptteil ohne Frage am Boden passiert.

        (wie weit eine Vorschrift vertretbar ist, alle Pass. über die Klipe springen zu lassen – nur weil die Maschine eventuell als Bombe benutzt werden könnte – laß ich hier mal außen vor)

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