Fälschung allerorten – update (2)

Mir persönlich ist es selbstredend egal, ob Varoufakis 2013 Merkel wörtlich oder nur verbal den Mittelfinger gezeigt hat – Recht hatte er in jedem Fall; und die industriell hergestellte Empörung über ihn ist allemal ein Fake. Aber wenn sich das bewahrheitet, zeigt einem das immerhin, mit welchem „Aufwand“ unsere Qualitätsjournalisten recherchieren. Ich darf ja zumindest erwarten, dass man recherchiert, wann wo wie vorliegendes Bildmaterial zum ersten Mal publiziert wurde und was es mit den Hintergründen auf sich hat. Böhmermann aber hat in jedem Fall ein Coup gelandet. Egal, was er gefaket hat. das Video…oder den Fake. update: Docma sieht es ähnlich. Übrigens kann es sich auch um einen wirklichen Fake (von X) handeln, zu dem der witzige und geniale Böhmermann sich bloß ‚bekannt‘ hat. Denn interessanterweise leugnet Varoufakis ja weiterhin…was er gar nicht mötig hätte. Eine etwas flapsige Äußerung in einem Vortrag von 2012 (zu einem Vorgang 2010) dürfte ja kaum geeignet sein, ihn per heute zu delegitimieren; und Jauch hat allemal die Unwahrheit suggeriert, als er suggerierte, dieser Vortrag sei aktuell.

Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentare

  • Wolfgang  On März 19, 2015 at 10:01

    1. Ich kuk das nich!(abends, bei Jauch) Mir ist die gesammte Sendung zu blöde. Will heissen, dass ich selbige natürlich lange gesehen habe. Aber allerspätestens nach Erich Böhme war bei mir Schulss. Die beiden Damen waren schon „Spitze“. Der Jaucher ist stinkiger. So einfach ist das. Alles nur auf Krawall gebürstet.

  • fk  On März 20, 2015 at 11:32

    jan böhmermann hat gestern mal eben so die wahrheit abgeschafft. das ist schon eine tolle leistung.
    klar, gibt es dazu bereits seit jahren natürlich umfangreiches und gutes denken. die gebildeten leser dieses blogs kennen das wohl und werden eventuell müde lächeln wollen, man wissen das alles schon lange. und zu orgiginal, kopie, fälschung, fake, autorschaft und authentiztät ist ja ind er tat vieles geschrieben und erdacht worden.
    das ganze aber aus dem kontext der kunst- bzw medientheorien und der philosphien so auf den punkt in den mainstream, mitten ins spektakel zu implementieren, dass ist schon eine beachtliche leistung.
    die hilflosen kommentare zb in der faz oder auch den anderen evidenzbasierten medieninstitutionen sind bemerkenswert.
    hier wurde gestern eine verschiebung sichtbar und spürbar die sich zwar wie gsagt in den intellektuellen kanälen lange angekündigt und im bodensatz durch begriffe wie lügenpresse weiter gedacht wurde, aber dennoch epochal und nun zunehmend deutlich ist.
    es gibt keine wahrheit im digitalen vermittelten. das ist echtes #NON, das ist die metamoderne.
    es wird nicht einfach werden hier wieder vertrauen zu entwickeln. da fällt mir dann auch der beitrag von bernd ternes zum transprivacy projekt ein.
    und im übrigen auch deiner hartmut.
    denn es gibt da eventuell doch einen unterschied zwischen den tontafeln der antike und den digitalen botschaften von heute.

    vor diesem hintergrund muss man offene digitale systeme und die zugehörigen tools eigentlich noch einmal neu denken. zumindest aber muss man klar mitdenken, wie denn eine gesellschaft funktionieren kann, die:
    a) sich zunehmend digital vermittelt
    b) gerade lernt, dass man dieser digital vermttelten welt nicht vertrauen kann, weil alles modifizierbar ist

    wunderbare freiheit rufen da die einen in bester dada-tradition. ‚führer hilf mir bitte‘ aber eventuell die anderen, die da nicht ganz so lässit mit umgehen wollen.

    hgfk

  • fk  On März 20, 2015 at 12:57

    oh. damnit. *facepalm*
    du willst doch nicht etwa sagen, die leute hätten schon vor dem internet gelogen????!1!!!????
    shit. das wusste ich nicht.

    sorry hatte ich total übersehen & danke dir für diesen erhellenden hinweis!
    den kommentar oben bitte einfach von der tontafel löschen.
    danke!

    hgfk

    • hf99  On März 20, 2015 at 13:16

      Ironie? Dass Du weißt, dass schon in der Antike gelogen wurde, weiß ich 😉

      ich denke intuitiv, dass Du dennoch irgendwie recht hast, und versuche gerade, zu sehen, worin. Vielleicht hierin:

      ich kann zB eine angeblich zweihundert Jahre alte Urkunde fälschen. oder…nehmen wir ein Bild. Han van Meegeren. Der hat das schon sehr geschickt gemacht…aber zu einhundert Prozent geht es nicht, weil er Hardware fälschen musste sozusagen. Hätte man damals kritischer hingeblickt, wäre man ihm sofort auf die Schliche gekommen, auch mit damaligen Mitteln.

      heute werden Virtualitäten gefaked. Und das geht im Zweifelsfall „fälschungssicher“, wenn ich mich so cynisch ausdrücken darf. Wenn man Docma glauben darf, wurde das Video tatsächlich verfälscht (nur eben nicht von Böhmermann). Allerdings schlecht gefaked. Warten wir es ab.

      Wovor man echte Angst haben muss: Dass digitale Fakes so gut werden, dass man sie nicht mehr als solche nachweisen kann. Etwa wenn ich, und sei es per social hacking, deine Passöwrter habe…und auf einmal auf Deinen Namen Kinderpornos buche… Du könntest Dir die Kugel geben! Das wärs gewesen für Dich! Was ist, wenn man irgendwann, ohne Nachweismöglichkeit, Menschen eben zB Kinderpornos aufspielen kann auch ohne Passworthacking? Versucht hat man das schon – bei jenem HSH-Nordbank-Mitarbeiter -, ging allerdings so dumm vor, dass der Mann, gottseidank, seine Unschuld beweisen konnte.

    • hf99  On März 20, 2015 at 13:22

      ergänzend: Nimm mal die Schlacht von kadesch. Selbst heute können Archäologen und Historikerinnen nachweisen, dass ranses schamlos geflunkert hat – weil es selbst heute genug dingliche facts gibt.

      Was aber, wenn es keine Dinglichkeit mehr gibt? Wird Hitler irgendwann zur „Fiktion“? Man muss sich da schon Sorgen machen.

      Natürlich gibt es Übergänge. Auch im harte-Fakten-zeitalter wurde erfolgreich gefaked – siehe etwa Hufeisenplan. http://de.wikipedia.org/wiki/Hufeisenplan Bis heute nicht restlos geklärt.

  • klausbaum  On März 20, 2015 at 13:28

    für mich ist die frage, stinkefinger oder kein stinkefinger nicht von belang, entscheidet ist, wie man das stinkefingerproblem zum ausweichen benutzt hat: man diskutierte dann ja nicht sachlich über das für und wider verschiedener politiken: wirtschaftspolitik, sozialpolitik usw. man hätte eventuell über die berechtigung so mancher aspekte von tsipras reden müssen.

    war da bei ypsilanti nicht etwas ähnliches? irgendein fliegenschiss, mit dem man sie ins abseits gestellt hat?

    jedenfalls erinnere ich mich an einen auftritt jauchs bei gottschalks wetten daß?

    dort fragte der millionär gottschalk den millionär jauch wen er in der politik abscheulich fände, und jauch sinngemäß: die lügnerin ypsilanti.

    • hf99  On März 20, 2015 at 13:44

      Moin, ich hoffe, es geht Dir gut?

      Klar, mir ist das auch egal, und wer sich davon „beleidigt“ fühlt, muss schon reichlich Ich-schwach sein, ums mal in terms of the 80ies zu sagen.

  • fk  On März 20, 2015 at 15:55

    ich glaube es hat etwas mit spuren und dem hinterlassen von spuren zu tun.
    darüber hinaus auch mit den subtexten und den möglichkeiten dinge wahrzunehmen. das thema der prothesen dürfte eine rolle spielen. einen text auf papier lese ich mit den augen. aber womit lese ich denn diesen text?

    es ist ein qualitativer unterschied ob ich etwas auf ein blatt papier schreibe, das an einen ort legen und dort verwahren kann oder ob die gleiche information digital gespeichert, reproduzierbar und spurlos manipulierbar in der cloud hängt. der inhalt mag der gleiche sein, aber die kontexte (wer? wann? wie?) sind unterschiedlich – und unterschiedlich schwierig bzw leicht manipulierbar.
    auch später dann. und das ist ja die qualität des hacks von boehermann, dass da auch noch diese eigentümliche zeitliche komponente mit reinspielt.

    wer garantiert denn, dass diese 1 auch morgen noch eine 1 ist und keine 0?
    im kontext von vds und nsa sind das ja durchaus komplexe und relevante fragestellungen, wie du auch schon anmerktest. und obwohl ich immer ein kritiker der institutionen war, stellt sich hier dann doch die frage, wie das funktionieren soll, wenn man diesen hier nicht mehr vertrauen kann. wie soll denn eine gesellschaft funktionieren, die wiederum nur auf den persönlichen vertrauensbindungen funktioniert?

    nein nein. lieber hartmut. was wir hier erleben, das hat eine neue qualität und die sache mit dem computer ist komplexer. das wird zunehmend deutlich, wenn auch eventuell noch nicht ganz sichtbar. die welt wird deswegen auch diesmal nicht untergehen, aber die kategorien werden sich wandeln, bzw sind im wandel.
    es lohnt sich imho darüber nach zu denken, gerade dann wenn man so gerüstet ist wie du.
    und ypsilanti und die millionäre hatten wir doch jetzt wirklich zu genüge.

    hgfk

  • summacumlaudeblog  On März 21, 2015 at 12:55

    Im Zweifelsfall könnte es so kommen: Das, was man nicht widerlegen kann, kann man genau genommen auch nicht beweisen.
    Konkret gesprochen: Wenn die Festplattenmanipulation so einfach werden sollte, wie es den Anschein hat, kann eine solche Festplatte eben kein Beweismittel mehr sein.

    Es geht dann nur noch um die Frage der Beweislast. Wer muß die Herkunft der Kinderpornos beweisen? Der Beschuldigte oder der Ankläger? Kann der Beschuldigte einfach sagen: Das Zuschmutzen meiner Festplatte ist problemlos mgl. also beweist mir, dass ich es war? In einem funktionierenden Rechtsstaat müsste es der Ankläger sein; wenn es nach solchen Birnen wie Till Schweiger geht, ist es der Beschuldigte. Hier findet dann die Aufklärung statt! Zu sagen: Neenee Freund Ankläger, Du mußt es beweisen! Nicht der Beschuldigte ist in der Beweislast, sondern Du! Das wird der dumme Till aber nie begreifen, und mit ihm leider so viele nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: