Antje Schrupp paukt Marktwirtschaft ein

Hat irgend einer eine Ahnung, was sie sich dabei gedacht haben könnte? Ich meine, das kann sie doch nicht Ernst meinen:

Wer Kapitalismus nicht will, so wird behauptet, darf auch die „Marktwirtschaft“ nicht wollen, und für manche ist sogar schon der Tausch als solcher verdächtig.

Eine antikapitalistische Marktwirtschaft also? Weil es auf Wochenmärkten so menschelt? Vielleicht meint sie auch den Ölmarkt…auf dem es zweifellos „Empathie und Großzügigkeit“ gibt.

Ist es ein Wunder, dass sich Wochenmärkte unter saturierten Großstadtmenschen so großer Beliebtheit erfreuen, dass es für viele Touristen nichts Schöneres gibt, als im Urlaub über Märkte oder durch Supermärkte zu streifen und über das Andere und Fremde zu staunen, dass Freundinnen zusammen Shoppen gehen, um die Fülle in den Schaufenstern zu genießen und rein zum Spaß die unwahrscheinlichsten Kleidungsstücke anzuprobieren? Märkte regen uns dazu an, uns nicht mit dem Effizienten und dem Nützlichen zufrieden zu geben, sondern uns ein Leben in Luxus vorzustellen. Märkte führen uns vor Augen, dass es noch „viel mehr“ gibt, das volle, pralle Leben eben.

Auch für Frau Schrupp ist die Lösung des Hungerproblems vermutlich kein Problem: Einfach mehr spachteln…natürlich lustvoll und mit Niveau. Warum nicht mal die unwahrscheinlichsten Lebensmittel ausprobieren, rein zum Spaß? Vielleicht, weil einem schlecht wird bei so viel HerrenFrauenmenschengebahren…

Frau Schrupp mag beruhigt sein. Der nächste Weihnachtsmarkt kommt bestimmt. Mit echter Volkskunst ausm Ächzgebirg. Das dürfte so in etwa ihrem Niveau entsprechen. Das volle, pralle Leben halt.

Und damit wollen wir den belanglosen menschlichen Wirklichkeitsfall Antje Schrupp auch ganz schnell wieder vergessen.

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Kommentare

  • wolfdieter  On Februar 21, 2015 at 00:08

    Habe bei Antje Schrupp mehrfach Verständnisschwierigkeiten gehabt … und schließlich aufgegeben. (Gönnen wir ihr den Spaß, aber haushalten wir mit unserer Zeit.)

  • altautonomer  On Februar 21, 2015 at 09:14

    Vulgärmarxismus für Shoppingqueens, oder wie Marx sagen würde, die Faszination des Warenfetisch.

    Marktgesetze, die Frau Schrupp nicht zu kennen scheint, sind z. B. das Konkurrenzprinzip und das von Angebot und Nachfrage, die den Preis bestimmen.

  • Siewurdengelesen  On Februar 21, 2015 at 11:48

    Vielleicht ist der guten Frau nur noch nicht aufgefallen, daß es noch die anderen „Märkte“ gibt, auf welchen nur noch Algorhythmen gehandelt wird…

    …geht alles so in die Ecke, wer als kleiner afrikanischer Bauer gegenüber den grossen Agrarfirmen keinen Preis macht, war nur zu doof zum Handeln und dabei seine Marktmacht zu ge- (miß-)brauchen. Denn am Ende trifft man sich doch immer in der Mitte; oder etwa nicht?

  • JürgenF  On Februar 21, 2015 at 17:31

    Danke, das ist sehr instruktiv über die Person Schrupp hinaus….

  • Mechthild Mühlstein  On Februar 23, 2015 at 01:58

    Frau Schrupp hat sich das selbe gedacht, was sie auch sonst immer denkt: daß, wenn man sich vom schlechten das schlechte wegdenkt, nur gutes übrig bleiben würde.

    Wie viele marktwirtschaftsbefürworter ist sie felsenfest davon überzeugt, man könne sozusagen auch eine schöne diarrhö auch mal ohne durchfall haben. Schließlich hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun.

  • genova68  On Februar 23, 2015 at 10:37

    Der Schrupp-Artikel ist daneben, sicher. Aber sie macht, wie bewusst oder unbewusst auch immer, auf das Begriffsproblem „Markt“ aufmerksam. Marktwirtschaft ist ein verharmlosender Begriff für Kapitalismus, insofern finde ich es in Ordnung, den für etwas anderes zu beanspruchen. Ein Markt an sich, so wie er seit Jahrtausenden existiert, ist harmlos und nicht kapitalistisch, das könnte man als Anregung aufnehmen.

    Kapitalismus hat wenig mit Markt zu tun, wenig mit Konkurrenz, sondern mit Monopolen und Oligopolen. Es ist auch nur sehr begrenzt das Konkurrenzprinzip, das den Preis bestimmt, weil das Kapital über alles bestrebt ist, die Konkurrenz auszuschalten und eben nicht mit ihr zu konkurrieren.

    Markt als vom Kapital zu unrecht besetzter Begriff: Das würde ich aus dem Schrupp-Artikel ziehen. Und dahinter steht das Riesenphänomen, dass das Kapital es hervorragend beherrscht, Begriffe zu besetzen und zu kreieren. Vielleicht das Erfolgsgeheimnis des Kapitalismus überhaupt.

    • wolfdieter  On Februar 25, 2015 at 15:32

      Der Begriff Markt ist ebenso un- oder doch-problematisch wie jeder andere Begriff, der sich zum Euphemismus operationalisieren lässt.

      Aus Schrupps Artikel einen Sinn zu ziehen ähnelt dem Versuch, aus der Distanz Fahrradlenker-zu-Schlauchventil die Distanz Erde-zu-Sonne herzuleiten. Falls es gelingt, war es Zufall.

    • wolfdieter  On Februar 25, 2015 at 16:58

      Der Begriff Markt ist nicht generisch problematisch, sondern ein Fachwort für BWL und Volkswirtschaft. Insbesondere ist er kein Euphemismus.

      Aus Antje Schrupps Text einen Sinn zu ziehen ähnelt dem Versuch, aus der Distanz Fahrradlenker zu Schlauchventil die Distanz Sonne zu Erde herzuleiten.

      • genova68  On Februar 26, 2015 at 19:22

        Der Begriff Markt wurde vielleicht irgendwann von BWL und VWL zum Fachwort gemacht, ist aber viel älter als der Kapitalismus und hat die meiste Zeit seiner Existenz nicht mit diesem zu tun gehabt.

        Wir sind vermutlich nicht weit auseinander, ich weise nur darauf hin, dass der Begriff besetzt wurde und ich das nicht hinnehmen würde. Ich habe nichts gegen einen Markt im eigentlichen Sinn, ohne den ist wohl menschliches Leben kaum möglich. Oder wir wollen wieder eine Planwirtschaft, die uns ein Führer aufdrückt.

        Etwas weniger oberflächliche Ideologie, bitte.

        • wolfdieter  On Februar 27, 2015 at 09:08

          Ist hier jemand verschnupft?

          • altautonomer  On Februar 28, 2015 at 10:03

            So wie Antje Schrupp stellt sich klein Erna den Markt vor. Nostalgisches Flanieren, Schoppen, wählen können und „es ist ja alles so schön bunt hier“.

            Das kann man wirklich nicht unter kapitalistischen Bedingungen duskitieren.

            Mir fällt auch auf, dass in Kleinbloggerdorf das kapitalistiscvhe Wachstum imme wieder gern gegeißelt , dass notwendige linke Wachstum in Griechenland dagegen abgefeiert oder verschwiegen wird.

  • altautonomer  On Februar 24, 2015 at 15:47

    Jetzt bin ich aufgeklärt. Klassiker wie Rohstoffmärkte, Arbeitsmarkt, Büchermarkt, Börse, Dax, Finanz“märkte“ gehören also nicht zum Kapitalismus .

    Und den Wettbewerb zwischen General Motors, Ford, Daimler, Audi und BMW nennt man jetzt Kooperation, nicht Konkurrenz.

    Frau Schrupp schwärmt von der Fülle des Warenangebots in den Schaufenstern und einem Leben in Luxus, für das ich mich genau so wenig begeistern kann, wie die von einigen Ökolinken gepredigte Verzichtsethik.
    Ihre Vorstellungen vom Luxusleben durch ungezügelten Konsum läßt sich leider nicht auf alle Weltenbürger übertragen. Denn er (der Konsum als Freizeitgetsaltung – Shoppen) hat immer das Wachstum und die Ressourcenverschwendung im Gepäck. Mittlerweile werden in den USA 40 Prozent und in Europa 30 Prozent der Nahrungsmittel als Dreck entsorgt, weil sie nur noch gekauft, aber nicht mehr gegessen werden.

    Dazu hat der Soziologe Harald Welzer einen interessanten Aufsatz geschrieben:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79408637.html

    Auszug:
    „Das gefühlte Menschenrecht auf einen Lebensstandard, der vier Urlaubsreisen pro Jahr, drei Autos pro Familie und das tägliche Wegwerfen von Nahrungsmitteln in aller Selbstverständlichkeit voraussetzt, hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 jedenfalls nicht im Sinn, als sie Artikel 25 verabschiedete. Tatsächlich besteht das „Höchstmaß an Opferbereitschaft“ unter Deutschlands Eliten heute wohl vor allem darin, bis zu zwölf Monate auf die Auslieferung des bestellten Porsche Cayenne warten zu müssen.“

    Wir wissen z. B., dass das Klima dermaßen schnell kollabieren würde, wenn auch jeder Chinese einen Pkw hätte. Dann dürften wir alle einmal im Kreis fahren und Schluss wäre es für immer.

    Eine alte Parole der Frauenbewegung war mal: „Wir wollen keine Krümel, sondern den ganzen Kuchen!“ Vielleicht hat sie das missverstanden.

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