Ernährungswahn

Ungeheuer sympathisches Interview mit Hanni Rützler zum Ernährungswahn.

SPIEGEL ONLINE: Ist das der Ratschlag der Ernährungswissenschaftlerin: ‚Sündigt häufiger‘?

Rützler: Warum nicht? Mein Rat ist es, sich nicht verrückt machen zu lassen,

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Kommentare

  • qdoktor  On März 21, 2015 at 18:10

    „Sündigt häufiger“ – Um das nicht so eindeutig hier zurückzulassen:

    Die Dame sollte als Beruf eher Unterstützerin der Lebensmittelgroßkonzerne angeben. Die wenigen „militanten“ Vegetarier oder Veganer fallen überhaupt nicht ins Gewicht. Sie erinnern einen nur hin und wieder an den Dreck, der von der tierquälerischen Massentierhaltung her kommt. Kein Wort zur ständig vermehrten Resistenz gegen Antibiotika, die durch diese Art der Produktion einmal Folgen haben wird, gegen die die Pest so harmlos wie eine Schnupfenepidemie aussehen wird.

    Dieses Gerede von „reflektiertem Genießen“ und „sensorischer Kompezenz“ ist doch nichts anderes als eine Manufactuisierung der Essgewohnheiten. “ Also mein Sattelschwein wird nur mit Eicheln gefüttert.“ „Sind die denn auch aus kontrolliert biologischem Anbau?“ Dabei geht es doch noch viel mehr um Abgrenzung gegenüber dem Ernaehrungsproletariat als bei den von ihr so kritisierten Ernaehrungsfundamentalisten, die ja ach so einen schlimmen Druck erzeugen, weil sie fuer sich individuelle Entscheidungen treffen. Aber irgendeine Nische muss man ja noch besetzen um selbst die ueberfluessigsten Buecher noch an die verunsicherte Kundschaft loszuwerden.

    „Der Geschmack kommt viel zu kurz in all unseren Ernährungs-Debatten.“ Seit wann sind Debatten was zu essen? Mit Sicherheit aber kommt Geschmack zu kurz im typischen Industriefrass. „Gestus moralischer Ueberlegenheit“: begegnet uns auf Schritt und Tritt. Wer Essenswahl als „Gestus moralischer Ueberlegenheit“ interpretiert, fuehlt sich was wohl? Na: moralisch ueberlegen!

    Also auch wieder nur ein Versuch, Menschen die das richtige tun in die Ecke zu stellen. ich vermute, dass das ein natürlicher Reflex ist, um sich eine Entschuldigung dafür zu verschaffen, dass man selbst nicht die Konsequenz aufbringt, die einem der eigene Verstand eigentlich gebieten würde. Es ist doch keine Frage, dass unser Fleischkonsum, wenn man ihn auf die ganze Weltbevölkerung hochrechnen würde, die Ressourcen der Erde bei weitem überfordern würde. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen: entweder man ist chauvinistisch genug zu sagen „mir doch egal, sollen die anderen doch weiter hungern“ oder man ist bereit den eigenen Konsum zu beschränken. Das Erste will man nicht, das Zweite schafft man nicht. Also greift die kognitive Dissonanz und man erfindet Gründe, um diejenigen, die es schaffen schlecht zu machen. Da kommen dann die ganzen Schlagworte von wegen „Öko-Fundamentalist“, „Veganfaschismus“, „Gutmensch“ usw. usw. Was wäre so schlimm daran zu sagen „ja, eigentlich müssten wir zum wohle unserer Kinder und Enkel auf Fleisch u. weitgehend Zucker verzichten und zum wohle unserer Gesundheit auf Alkohol. Aber wir schaffen es eben nicht so gut, wie andere“. Aber nein. Stattdessen müssen diese anderen schlecht gemacht werden. Ich behaupte die psychischen Probleme entstehen nicht aus dem „Verzicht auf Genuss“, sondern sie entstehen aus dem unterdrückten schlechten Gewissen. Nämlich: zu wissen, was richtig wäre, aber zu schwach zu sein, sich entsprechend zu verhalten.

    • hf99  On März 21, 2015 at 18:58

      Worum es mir geht ist die falsche Privatisierung politischer Zustände. In short: Wenn im Gestus der Betroffenheit beim Wegwerfen von privaten Lebensmitteln, weil Klein-Phillip und Kleim-Imke heut nun mal nicht aufgegessen haben, gesagt wird „Und in Afrika hungern sie!“, dann bin ich kurz vor der Wiedereinführung der Prügelstrafe! In Afrika hungern sie nicht, weil Phillip und Imke heute keinen Appetit hatten. In Afrika wird aus ganz anderen Gründen gehungert. Und das weiß man auch oder kann es wissen, wenn man will. Dies mal zu Bewusstsein bringen halte ich für richtig.

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