Jene Teufel

Jene Teufel in Menschengestalt, die Sklavenhalter und Sklavenhändler in den Nordamerikanischen Freistaaten (sollte heißen Sklavenhalterstaaten) sind in der Regel orthodoxe und fromme Anglikaner, die es für schwere Sünde halten würden, am Sonntag zu arbeiten, und im Vertrauen hierauf und auf ihren pünktlichen Kirchenbesuch u.s.w. ihre ewige Säligkeit hoffen. – Der demoralisirende Einfluß der Religionen ist also weniger problematisch, als der moralisirende. Wie groß und gewiß müßte hingegen nicht dieser seyen, um einen Ersatz zu bieten für die Gräuel, welche die Religionen, namentlich die Christliche und Mohammedanische, hervorgerufen und den Jammer, welchen sie über die Welt gebracht haben! Denke an den Fanatismus, an die endlosen Verfolgungen, zunächst an die Religionskriege, diesen blutigen Wahnsinn, von dem die Alten keinen Begriff hatten (Schopenhauer meint die griechisch-römische Antike, die er hier deutich idealisiert überzeichnet, hf); dann an die Kreuzzüge, die ein zweihundertjähriges, ganz unverantwortliches Gemetzel, mit dem Feldgeschrei „Gott will es“ waren, um das Grab dessen, der Liebe und Duldung gepredigt hat, zu erobern…(Schopenhauer, Arthur, Über Religion, in: P&P II, Werke Zürcher Ausgabe X Arthur Hübscher, Zürich 1977, p. 392-393).

Groß posten werde ich nicht mehr; lohnenswerte Hinweise aber werde ich weiterhin bringen. Stremingers Kommentar ist ebenfalls lesens- und bedenkenswert. Ein kleiner Einwand. Er schreibt:

Natürlich wäre es ungerecht, wollte man übersehen, dass es heutzutage manche Pastoren und Priester gibt, die sich für Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit engagieren. Aber andere tun es eben nicht, und diese würden in ihren Ressentiments triumphieren, hätten sie nur die Macht dazu. Der immer wieder vorgebrachte Einwand, die Hochkirchen seien ‚doch so tolerant geworden‘, ist zum einen ziemlich unrichtig und zum anderen ziemlich kurzsichtig. Denn diese Toleranz hängt von äußeren Umständen ab, und zwar von einer säkularisierten, aufgeklärten und humanen Umgebung. Existiert diese nicht, wie etwa zur Zeit der Inquisition und der Religionskriege, oder existiert sie bloß in eingeschränktem Maße (wie etwa im Iran, aber auch im amerikanischen Bibel Belt, in Polen oder Irland), dann zeigt die Religion sogleich ihr weniger anziehendes Gesicht. Es ist nicht überraschend, dass heute viele Intellektuelle den Buddhismus für attraktiver als etwa das Christentum halten, scheint doch die Geschichte des Buddhismus um einiges friedlicher zu sein.

Nun, zunächst ist das mit der Friedfertigkeit „des“ Buddhismus (aber wer oder was ist schon „der“ Buddhismus) ziemlich relativ, wie ja auch Streminger weiß. Viel wichtiger: ich trenne extrem zwischen individuellen Menschen, die ein religiöses Bedürfnis haben – das ‚ozeanische Gefühl‘, von dem Freud einmal sagte, er verspüre es nicht, er koinzidiere es aber jedem! – und institutionalisierter Religion. Was letztere betrifft, sind Streminger und ich uns selbstverständlich einig. Ja, es geht um die Machtfrage! Die römkath und die evluth sowie die evref Kirchen sind jeweils Privatorgas, deren staatliche Privilegien längst abgeschafft gehörten. Sei es so, dass 1803 die Kirchen ‚enteignet‘ wurden (als ob den Kirchen ihr sog. Eigentum vorher legitimerweise gehört habe, und außerdem wurden sie 1803 gar nicht ‚enteignet‘)…sei es so… denen ist das, was ihnen meinethalben zustand, per 2015 mit ichweißnichtwievielen Zinsen ausgezahlt worden. Die derzeit immer noch existierenden, massiven Privilegien der christlichen Kirchen, gerade auch solche arbeitsrechtlicher Natur, sind einfach ein Skandal und weiter gar nichts. Religion, da es sie ja nur im Plural gibt, muss ihrer Natur nach Privatsache sein und bleiben. Jede staatliche Privilegierung einer Religion(/ aka einiger weniger Religionen gleicher Stoßrichtung), und sei sie noch so milde, ist, weil staatlich=sanktionsbewehrt, abzulehnen. Entweder werden die steuerlichen und anderen Privilegien jeder Religion, auch der allerobskuresten neiheidnischen, und jeder Weltanschauung, auch der Vereinigung der Atheisten, der Marxisten und der der Agnostiker, eingeräumt…oder sie werden ersatzlos gestrichen. Ich bin für letzteres…allerdings mir einer Ausgleichszahlung, die die in den letzten Jahrzehnten verfassungswidrig fett gefütterten christlichen sog. Kirchen an ihre Konkurrenten im Sinnmarkt zu leisten haben. Nicht zuletzt an die Agnostiker und Atheisten. Wir haben für die ja auch gezahlt, jahrzehnte-, jahrhundertelang, und nicht zu knapp.

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Kommentare

  • Die Katze aus dem Sack  On Januar 11, 2015 at 02:50

    Die wahrhaft Gläubigen lieben es geradezu, mit ‚ihrer‘ Religion herum zu protzen. Sollen ja schliesslich alle sichtbar mitbekommen, dass es doch Gläubige (ganz besondere Menschen), Andersgläubige (Feinde) und Ungläubige (Dreck) gibt. Toll, diese ganzen Unterscheidungsmöglichkeiten, an denen man sich bestens orientieren kann. Was täte man bloss ohne sie?

    • hf99  On Januar 11, 2015 at 12:39

      Ich habe mehrfach Menschen kennen gelernt, die dieses „ozeanische gefühl“ in sich haben und es ganz ruhig und ohne Missionseifer ausleben – soll mir recht sein. Meine Religionskritik beschränkt sich auf die Machtfrage.

      • Die Katze aus dem Sack  On Januar 11, 2015 at 16:21

        Die Macht kommt von selbst, wenn Menschen meinen, sie seien etwas Besonderes, indem sie sich unter einen Gott stellen und damit über Jeden und Alles.

        Woran ich Gläubige erkenne? Ausschliesslich an ihren lauthalsen Bekenntnissen sowie an ihren albernen Trachten. Nicht jedoch an ihrem Handeln als friedvolles Wesen. Aber das ist ganz sicher auch nur eine von vielen Interpretationen. Oft sind sie auch nichts weiter als Müllmänner, die meinen, sie hätten von Gott den Auftrag erhalten, den ungläubigen Dreck zu (be)kehren.

    • Garfield  On Januar 12, 2015 at 09:01

      da geb ich dir vollkommen Recht.

      solche Gläubige findet man allerdings bei Religionen jeder Art; ob sie sich auf (in alphabetischer Reihenfolge) Christus, Buddha, Darwinismus, den Markt, Marx, oder Mohammed berufen

  • Publicviewer  On Januar 11, 2015 at 05:35

    Hört hört…;-)

  • Wolfgang  On Januar 11, 2015 at 11:30

    Kein Widerspruch zu Hartmuts Text!

  • hANNES wURST  On Januar 11, 2015 at 11:43

    Als praktizierender Katholizist stimme ich dem Text voll zu, mit Ausnahme der letzten drei Sätze. Die Berechnung der Reparationszahlungen wäre sehr schwierig und schwerlich mit dem Gesetz vereinbar. Aber ich nehme an, dieser Vorschlag ist nur ein lustiger Mummenschanz.

    • hf99  On Januar 11, 2015 at 12:36

      Nee, völlig ernst. I want my money back!

    • genova68  On Januar 11, 2015 at 13:38

      Was ist denn ein praktizierender Katholizist? Jeden Sonntag in die Kirche? Verkehr nur zum Kindserwerb? Täglich den Leib von Christus essen? Wein trinken? Auf Knien um die Welt rutschen? Einen Platz in der Arche ergattern? Hexen verbrennen?

      • hANNES wURST  On Januar 11, 2015 at 14:37

        Kirchensteuern zahlen, Wein trinken und Verkehr nur zum Kindserwerb.

        Platz in der Arche? Also das ist ja wohl Quatsch.

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