Bersarin über Blogkrawall

In der Tat ist Bersarins Kommentar hier nur wenig hinzuzufügen. Eines noch: Vielleicht gerade weil das Netz wegen seiner virtuellen Anyonymität zur Enthemmung verleitet, habe ich nirgends so viel willentliche und wissentliche Missversteherei, soviel verbale Bösartigkeit erlebt wie dort. Das Konzept „Gegenöffentlichkeit im Netz“ ist gescheitert*. Ernst Cassirer würde analysiert haben: All dies geschieht, wenn man sich in der politischen Unterredung von der präzisen, sachlichen Analyse abwendet und politischen Mythen Raum gibt. Sprachlich gedeutet: Man gibt die semantische Funktion der Sprache fast restlos preis zugunsten ihrer magischen. Das macht sich daran fest, dass (ich nenne nur ein Beispiel) etwa critical whiteness nicht etwa ein ruhig und sachlich zu diskutierendes, antirassistisches Konzept ist…sondern der heilige antirassistische Graal selbst, unantastbar, der allein seligmachende Antirassismus**. Man kann critical whiteness problemlos durch „Israel hat immer recht“ oder „Die Hamas ist eine revolutionäre Bewegung, der unsere Solidarität gebührt“ ersetzen… (vergl Cassirer, Ernst, Der Mythus vom Staat, Frankfurt/Main 1985, insbesondere p. 360-388) Die Unterredung mit solchem Meinungsdienst werde ich ab sofort, so weit möglich, vermeiden. Bersarin nannte schon den Hauptgrund: Zeit! Mit Leuten diskutieren, die aus jedem, dem Herrn Liebermanns Politik partout nicht zusagt, quasi einen zweiten Eichmann machen (natürlich im Konjunktiv wg „hähähä“), ist schlichte Zeitverschwendung. Niemand zahlts mir; soviel Materialismus möchte schon sein.

„und kehrte gelegentlich zur Lyrik zurück“ (Gottfried Benn) – ein guter, ein lebensnaher Rat.

Ich werde mich natürlich nicht ganz von der Politik verabschieden. Obwohl ich sollte, denn ich kann nicht helfen. Aber es ist der Comble, wie Tucho gesagt haben würde. Dabei wussten und wissen wir es doch:

Verlorner Posten in dem Freiheitskriege,
Hielt ich seit dreißig Jahren treulich aus.
Ich kämpfte ohne Hoffnung, daß ich siege,
Ich wußte, nie komm ich gesund nach Haus.

Wir kommen aus dieser Sache nicht gesund nach Haus. Wenn die Mächtigen morden und ihre organisierten Gegenspieler lügen sind wir Einzelne am Ende.

Ein Bürger. He werda?
Lucile. Es lebe der König!
Bürger. Im Namen der Republik. Sie wird von der Wache umringt und weggeführt.

___________

* Die Netzbesoffenheit („Alles neu per Netz“) habe ich nie mitgemacht, wie man nachlesen kann; aber dass es so schlimm kommt, habe ich denn doch nicht vermutet.

** Und da – wir sind mitten im Problem – man die Selbstverständlichkeiten immer brav mit dazu sagen muss: nein, ich bin mitnichten absolut gegen critical whiteness. Allein schon deswegen nicht, weil Privilegien immer mitgedacht werden müssen (in Bezug auf Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Krankenstatus, sozio-ökonomische Herkunft undsoweiter). Ich bin nur dagegen, daraus eine Religion zu machen = Unantastbares herzustellen. Sows Einsichten sind wertvoll, keine Frage. Es wird aber wohl der Hinweis noch erlaubt sein, dass Sow früh Medienkarriere machte und Bertelsmann-Autorin ist…also mitnichten nur benachteiligt. Naomi Kleins „No Logo“ erschien, nebenbei, auch bei Bertelsmann… Und da haben wir sie: Die Perversion der Demokratie. Auf den Punkt gebracht: Westliche Demokratie = man darf über die Morde sogar ganz offen reden… Zurück zum Antirassismus: In meinen Augen ist critical whiteness meistens kein Antirassismus sondern Antirassismus-Ersatz per säkular-pietistischem Zerknirschungsdiskurs. Gelebter Antirassismus wäre es, die Täter mit Namen und Vornamen zu benennen, die für die grauenhaften Menschenabdeckereien im Kongo-Becken verantwortlich zeichnen. Das zu tun aber wäre zumindest karrierehindernd. Weiß man Interna, wäre es vermutlich lebensgefährlich.

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Kommentare

  • Dirk  On Dezember 15, 2014 at 23:35

    „Zurück zum Antirassismus: In meinen Augen ist critical whiteness meistens kein Antirassismus sondern Antirassismus-Ersatz per säkular-pietistischem Zerknirschungsdiskurs.“

    Ganz genau, hier besteht einer der Denkfehler, wenn nicht der Denkfehler, der radikalen Linken. Wer glaubt, dass politische ins Private zu verlagern zu müssen und das Konzept der bürgerlichen Öffentlichkeit preis gibt, gibt im Grunde den Anspruch Gesellschaft zu verändern auf.

    • hf99  On Dezember 15, 2014 at 23:57

      „Ganz genau, hier besteht einer der Denkfehler, wenn nicht der Denkfehler, der radikalen Linken. Wer glaubt, dass politische ins Private zu verlagern zu müssen und das Konzept der bürgerlichen Öffentlichkeit preis gibt, gibt im Grunde den Anspruch Gesellschaft zu verändern auf.“

      Danke!

      ich sage seit eh: Der satz „Das Politische ist privat und das Private politisch“ ist abgrundtief falsch… Es ist übrigens eine der Sätze, wenn nicht der, weswegen ich mich weigere, mich als Linken zu beschreiben. Ich bin ja bekanntlich kein Linker. Ich bin ein entgleister, versoffener Schillerianer und will nichts anderes sein.

      • altautonomer  On Dezember 16, 2014 at 09:24

        „Das Private ist politisch!“ hat seinen Ursprung in der Frauenbewegung der 80er Jahre und bezog sich auf Gewalt in Beziehungen, sexuellen Missbrauch von Familienmitgliedern und den gesellschaftlichen Konsens über die „natürliche Bestimmung der Frau“ als Hausfrau und Mutter.

        • hf99  On Dezember 16, 2014 at 10:54

          „“Das Private ist politisch!” hat seinen Ursprung in der Frauenbewegung der 80er Jahre “

          Nein.

          Aber egal.

          • altautonomer  On Dezember 16, 2014 at 16:15

            Korrektur: Statt 80er Jahre muss es 1968 heißen. Die Politik der ersten Person wurde vor allem in der zweiten Frauenbewegung der 1970er Jahre entwickelt. Anders als noch in der ersten Frauenbewegung ging es nicht nur um Fragen wie die des Wahlrechts oder um die Einbindung und Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen. Mit der Parole „Das Private ist politisch“ oder auch „Das Persönliche ist politisch“ wurde ein neues Politikfeld geöffnet, in welchem unmittelbar gekämpft wurde.
            Weiber bildeten seit Ende der 1960er Jahre consciousness-raising-Gruppen[3] und problematisierten dort ihre persönlichen Beziehungen zu Männern, über Sexualität, Menstruation, Schwangerschaft, Kindererziehung und Gewalt. Damit begannen sie, diese Bereiche zu politisieren. So heißt es in dem Buch Sexual Politics von Kate Millett aus dem Jahr 1969.

            Gruss vom Zeitzeugen.

        • Dirk  On Dezember 16, 2014 at 13:40

          „Das Privat ist politisch“, meinte dass soziale Machtverhältnisse auch in privateten Beziehungen wirksam sind und dort reproduziert werden. Das ist jedoch nur zum Teil richtig. Herrschaftsverhältnisse, wie Sexismus oder Rassismus, werden erst wirksam weil sie Institutionalisiert sind und es Institutionen gibt die Menschen nach Rassen oder Geschlechtern kategorisieren. Genau hier muss dann auch eine Politik ansetzen, die Rassismus und Sexismus bekämpfen will.

  • summacumlaudeblog  On Dezember 16, 2014 at 09:17

    http://www.shiftingreality.wordpress.com beweist, dass Diskussionen im Netz sehr wohl jenseits des Krawalls angesiedelt werden können. So sei z.B. seine neue Reihe über die Herausbildung einer Masse hervorgehoben, durch Dresden im wahrsten Sinne des Wortes ja BRANDaktuell geworden.

    Ach ja Dresden, da fällt mir ein: Im Verlauf einer Diskussion beim alten Bolschewiken (shifting reality) wurde vor ca. 1 Jahr schon Dresden als DIE konservative Projektionsfläche für konservative Entschuldungsphantasien identifiziert, v.a. wegen des 13. Februar. Dies nur weil der Krawallomat im Großen, der Herr Jauch, sich am Sonntagabend in seiner Welterklärungsshow darüber wunderte, dass ausgemacht Dresden Zentrum von Pegida geworden ist. Ich denke, ich spreche hier auch im Sinne vom alten Bolschewiken: Wir wundern uns darüber nun gerade nicht!

    Also: Krawall gibts auch GEZ-finanziert und Qualität auch im Netz!

    http://www.shifting reality.wordpress.com lesen!!!

  • summacumlaudeblog  On Dezember 16, 2014 at 09:20

    http://www.shiftingreality.wordpress.com lautet der korrekte link.

  • mark793  On Dezember 16, 2014 at 13:19

    Lustigerweise markiert die Critical-Whiteness-Debatte auch in meinem Onlineleben einen Punkt (um nicht zu sagen: einen ganz speziellen wtf-Moment), der mich sehr demotivierte, mich in solche Diskussionen noch weiter einzuklinken. In dem Moment, ab dem mit einem solchen Konzept, so analytisch hilfreich es für viele Sachverhalte auch sein mag, irgendwelche Heilserwartungen verknüpft werden und eingefordert wird, an den entsprechenden Bußandachten mit proaktivem Lippendienst teilzunehmen, weil man ja andernfalls dem Rollback und irgendwelchen Poschardts, Fleischhauers und Martensteins in die Hände arbeite würde, da ist es irgendwie vorbei. Und überhaupt: Ich hatte vor einer Weile bei kleinerdrei einen Beitrag über mangelnde Diversity in Kinderbüchern mit der nicht bierernst gemeinten Frage kommentiert, ob es denn blackfacing wäre, wenn ich der mangenden Diversity in Bilderbüchern für Kinder mit einem Edding-Stift abhelfen würde. Der Kommentar wartet noch heute auf seine Freischaltung. Na, dann eben nicht.

    • hf99  On Dezember 16, 2014 at 13:40

      LoLoL, aber in Wahrheit ist es zu Ernst, weil man sich über solche Zankinhalte wieder und wieder selbst zerlegt.

      • mark793  On Dezember 16, 2014 at 15:29

        Ja schon, aber so viel Achtsamkeit muss man irgendwann schon aufbringen, um zu merken, dass es niemandem hilft, wenn man sich in Online-Debatten zu sehr verausgabt oder gar Magengeschwüre holt.

        • summacumlaudeblog  On Dezember 16, 2014 at 17:13

          @mark793 Ich beschließe nicht zum ersten Mal, mich nie wieder an haltlosen Kommentatorenschlachten zu beteiligen. „Beschließe nicht zum ersten Mal, keine Aufrufe mehr zu unterschreiben“ heißt es ganz äquivalent aus der Praenetz-Ära bei Max Frisch, gerade nach einer Unterschrift (ich glaube gegen Vietnam).

          Zu Deiner schönen Blackfacing-Einlage noch eine Geschichte aus dem analogen Leben: In unserem alten Kinderladen wollte ein Vater, der aus den Niederlanden stammt, einfach mal den Kindern so erzählen, wie man Weihnachten in seiner Heimat feiert. Muß ich die Geschichte zu Ende erzählen…..?

          • mark793  On Dezember 17, 2014 at 17:16

            @summacumlaudeblog: Kenne mich (obwohl nur knapp 60 km von der Grenze entfernt lebend) mit dem dortigen Brauchtum nicht so aus. Geht es um den – neuerdings recht umstrittenen – kleinen Gefährten vom Sinterklaas?

            • summacumlaudeblog  On Dezember 17, 2014 at 17:59

              Ja, und das ganze eskalierte mit Hilfe der hier ja bereits hinreichend beschriebenen Mechanismen (die es natürlich auch offline gibt) derart, dass die Mutter zuletzt dann doch die Frage der Kinder: Ist Papa ein Nazi? – verneinen musste.

              • hf99  On Dezember 18, 2014 at 04:01

                „dass die Mutter zuletzt dann doch die Frage der Kinder: Ist Papa ein Nazi? – verneinen musste.“

                ekelhaft.

                Fehlt eigentlich nur noch, dass diese schwungvollen „Antirassisten“ als Mahnwichteldoofies am Brandenburger Tor dabei waren.

  • che2001  On Dezember 16, 2014 at 16:52

    Ich bestehe darauf, dass das Private politisch und das Politische privat ist. Die Crux liegt woanders: In der Gleichsetzung von Politik und Moral und der Aufladung moralischen Handelns mit einer säkularisierten religiösen Weihe. Die glühenden CW-Total-Vertreterinnen im Web, denen ich mal unterstelle, dass sie mit konkreter Antirassismus-Arbeit eher weniger zu tun haben sind so etwas wie neue Evangelikale mit neuen Bibeln.

    • Dirk  On Dezember 17, 2014 at 17:24

      Das müsstest Du dann etwas genauer erklären.

  • che2001  On Dezember 17, 2014 at 00:38

    Wo ist mein Kommemtar? Scheint wohl noch in der Moderationsschleife zu schweben, die es bei mir aus guten Gründen nicht gibt.

    • hf99  On Dezember 17, 2014 at 01:14

      weil du keinerlei Posts zu penisverlängerung, Viagra und Faceliftuing bekommst vermutlich, oder? Zum gefühlten tausendsten mal: ich muss den Spamfilter so hart einstellen…

  • ziggev  On Dezember 17, 2014 at 01:06

    sorry, ein etwas langer Kommentar, aber ich verstehe mich halt nicht in solchen Kontexten auf das zugespitzte Argument (sehe auch keinerlei dergleichen Erfordernis):

    zum Glück habe ich mich ja (angeekelt von linker Selbstgefälligkeit) früh davon abgewendet, mich mit Politik zu beschäftigen, mit dem Vorteil, bei und nach der Wende mich auf die Gewinnerseite mogeln zu können und ohne Probleme des Renegatentums. als ich mich ins Netz begab, war ich dann doch recht dankbar, dass die „Linken“ doch irgendwie überlebt hatten – jedenfalls im Netz. All das einfach mal nachlesen zu können, das tat ich gern, aus sentimentalischen Gründen: schau an, all das hat es mal gegeben! Und als Reminiszenz an eine einst ach so heldenhaft sich gebärdet habenden linken Intelligenz. Was du ererbt hast von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen! (Goethe)

    und nun, welch Wunder, habe ich mit nur sehr geringer Intervention auch noch das „“Gegenöffentlichkeit im Netz” ist gescheitert“ überlebt, jedenfalls fast. seltsame Gestalten waren heraufgekommen (ich meine nicht ideologische Radaumacher-Wichtigtuer und abscheuliche Hetzer), Leute, die sich allen Ernstes darüber stritten, ob die Gesellschaft das Geschlecht bewirke. Entweder ließ sich das definitorisch klären (als Musterbeispiel schwebte mir dazu das definitorische Vorgehen, wie wir es vom Naturalismus her kennen, vor; ich habe es aber nie erlebt, dass jemand sich für einen solchen Reduktionismus, der ja nur als Vorstufe oder Vergleichsgegenstand fungieren sollte, damit wir mal vernünftig miteinander reden, eingelassen hätte, offenbar zuwenig der „intellektuellen“ Eitelkeit schmeichelnd), oder J. Butler oder J. Butler-Leser verstanden sich selber (und einander!) nicht.

    also eigentlich ein ganz simples Programm: einfach einmal des Status von Sätzen überprüfen, auf die immer nur links-blöd (also intellektualistisch mit Terminologie aus der Phrasendrehmaschine) mit „Sozialkonstruktivistisch“ gekontert wurde (was absolut albern ist, da so ein Begriff lediglich eine bestimmte Position in einem Diskurs markiert, in welchem eben die Positionen und deren entsprechenden Rollen bereits vorfestelegt sind; ohne diese Rollenverteilung gäbe es diesen Diskurs nicht). welche Rolle spielen sie in wie gearteten Theorien, Kontexten, epistemologisch, von welcher Semantik reden wir hier überhaupt? Dann sich über die betreffenden Theorien unterhalten. damit wäre eigentlich alles erledigt. alle würden etwas theoriegestylter daraus hervorgehen.

    aber nein. rechtes Denken ist vielleicht eher wertegeleitet und weniger auf das brillante Argument ausgerichtet; links, das ist durchgängig zu beobachten, führt Kritik zu persönlichem Beleidigt-Sein. Ach, wie mich das schon immer angeödet hat !

    und wie wenig Witz, Charme und Stil bei all diesen Verwerfungen, Zerwürfnissen und Anfeindungen ! anstelle einmal zu würdigen, dass Sow eine brillante Selbstdarstellerin ist, wurde ihr eben dies zum Vorwurf gemacht, was für mich sehr schwer verständlich ist. ich mag Selbstdarsteller, ohne Selbstreferenz geht nun mal gar nichts, Dieter Bohlen, Frau Sow, den Nörgler (er hat nun mal sich diese an Karl Krauss geschulte bissige Polemik angeeignet, also bitte, sagt ziggev, lass hören! denn ich werde in meinen feuchtesten Träumen vom Nögler so richtig vermöbelt, ich lasse es also geschehen und genieße seine Texte, nur schien es zuletzt manchmal so, dass er all das wirklich so meint und auch mal gekränkt sein kann. ich hatte selbstverständlich gedacht, er handele nach dem Prinzip „Er kann, sie kann Nissan!“. Ohne Kaffee, ohne Selbstreferenz, die als Phänomen ich der Ästhetik zurechne, ohne Musik – wäre die Welt bekanntlich ein Irrtum. (Ooops, schon die zweite Nietzsche-Referenz.)

    wenn also Sow oder Porno-okay-Neufiministinnen mit medialen Mitteln ein bisschen eine sich intellektuell dünkende Szene aufmischt – alles okay! es handelt sich um eine Szene, die ohnehin vollkommen bedeutungslos und wirkungslos ist. jedenfalls für den, der sich für wirkliche Probleme interessiert und sofern, so sympathisch ja, auch als Altlinke. wenn es denn nun einmal so sein soll, dass bereits in Grundschulen den Kindern irgendeine Gender-Ideologie („Mainstreaming“) eingetrichtert werden soll – Momo sagt, man könne nachrecherchieren, was da geplant oder angedacht ist, und das wäre ok., ich bin nun mal so wertkonservativ, dass ich ihn als Mensch schätze und ihm also vertraue, ihm geht es ja hauptsächlich darum, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass da Leute tatsächlich übel mitgespielt wird/wurde – wenn dem also so ist, dann soll dem halt so sein! ein weiteres Mal wird irgendeine Theorie an den (zum Teil wenigstens) hilflosen Kindern ausprobiert. Beispiele: „Mengenlehre“ – beigebracht von Lehrern, die den wissenschaftstheoretischen Status derselben (Logik, Mathematik, Informatik) gar nicht verstanden hatten, warn halt so viele bunte Symbole dabei und passt dergestalt so schön in die 70ger); oder „Sexualkunde“: – diese Tortur habe ich dreimal in meinem Schulleben über mich ergehen lassen müssen und hat mich mit Sicherheit Jahre davon abgehalten, einmal empiristisch vorzugehen und eigene Erfahrungen zu sammeln.

    solche Dinge passieren eben. aber sowas passiert halt, – aufgrund eines Mangels an Bildung !!! Nein! hier spiegeln sich nicht „wirkliche Machtverhältnisse“ ab und hier muss nicht die eine gesellschaftliche Formation gegen die andere ausgespielt werden. wenn aber doch: ist denn wirklich „der Feind“ identifiziert worden? typisch links: hauptsache Feind. ich behaupte nicht, dass es keine Feinde einer demokratisch verfassten Gesellschaft und wissens- und bildungszersetzende Tendenzen gibt.

    Don Quijote – Kämpfe, bei denen jede Selbstachtung dieses Ritters der traurigen Gestalt verloren geht, eine Selbstachtung, ein Stolz, der auch etwas damit zu tun hat, wie jener Ritter kämpft, nobel geht die Welt zugrunde. so aber, in der Tat, ist „“Gegenöffentlichkeit im Netz” ist gescheitert“ ein eher zu bedauerndes und mitleidig stimmendes Phänomen.

    ich weiß nicht, ich dachte immer, erst kommt die Analyse, dann das Argument. habe ich aber in all den „Blogdiskussionen“ nie erlebt.

    Aber, hf99, ein oder zwei Fragen: die Diagnose „Antirassismus-Ersatz per säkular-pietistischem Zerknirschungsdiskurs“ mag als Denkrichtungshinweis, wo die beste Analogie zu finden ist, hinhauen. es wird aber zugleich eine Kausalthese wie auch eine Verortung auf der von uns allen geliebten Landkarte der Werte transportiert. D.h., dass wir wieder in der Wertediskussion sind. die ganze Sache könnte wieder von vorne losgehen. so sehr ich im Ergebnis mit Dir übereinstimme, sehe ich nicht ganz, wie hier argumentativ überbrückt werden sollte, von dem bedauerlichen Phänomen von Verwechslung von Stammtischgerede verschönert mit Terminologie aus der Polit-Phrasendreschmachine anstelle der Abklärung von Argumenten, deren vorausgeheneder Analyse, mit einem wichtigen gesellschaftlichen Diskurs.

    (abgesehen davon, dass der Pietismus immer nur negativ konnotiert ist, denn schließlich stamme ich (seit ein paar Generationen freilich davon entfremdet) aus einer Familie mit 250jähriger Pietismus-Tradition. Wäre Goethe schließlich denkbar ohne einen solchen Einfluss? Nein. Tübinger Stift, Hölderlin usw.? Mein Wissen ist zu begrenzt, um das zu entscheiden.)

    Krawallmacherei geht oft in Händen mit sprachlicher Unschönheit (ich selber bewerkstellige es, auch ohne Krawall eine gehöriges Maß an solcher hervorzubringen), wenn aber nicht, dort wird es verdächtig. Z.B. vergessen netbitch und che immerzu, an syntaktisch exakt derselben Stelle das Komma zu setzen. Man kann also schon am Sprachstil ablesen, um welche Richtung es sich handelt. All dies bestätigt mich in meiner Vermutung, dass es sich nicht um „die Sache“ dreht. denn wäre ich überzeugt von, würde ich unendlich an meinem Stil feilen. (Nachahmung gilt nicht.)

    Und was wäre das für ein Kommentar, der da besagte: „ich mag aber deinen Stil nicht“? es würde als gegen die Person und nicht auf das (hoffentlich zuvor formulierte) Argument aufgefasst werden.

    dabei kann es doch nur um das Eine gehen: zuerst die Sprache analysieren und deren Potenzial, etwas zu bedeuten. Dann einigen wir uns auf eine bestimmte Sprache, in der bestimmte Theorien formuliert werden können. passiert irgendwie nicht.

    Ich freue mich also darüber, dass Du zu den wirklichen Problemen zurückzukehren Dir vorgenommen hast. Wann und in welchen Kontexten ist welche Wortkombination angemessen, kann sie vielleicht sogar etwas bedeuten?

    Du wirst also Deine Shelley-Übersetzung zur Diskussion stellen? das wäre ja ganz wunderbar, denn wir würden uns, wenn, dann nur noch über Wort- und Buchstabenkonstellationen unterhalten, und kein Kommentar, ohne zuvor diverse Lexika konsultiert zu haben, selbstverständlich nichts ohne Quelle!

  • ziggev  On Dezember 17, 2014 at 03:13

    es geht ins Sprachliche, nicht nur darum, niemanden zu beleidigen, sondern darum, das Medium selbst nicht, nämlich als ein solches, das immerhin, etwas zu bedeuten vermag, zu verkennen, so hoffen wir jedenfalls optimistisch, Es ist eine Beleidigung des intellektuellen Anspruch itself.

  • che2001  On Dezember 17, 2014 at 12:37

    @“weil du keinerlei Posts zu penisverlängerung, Viagra und Faceliftuing bekommst vermutlich, oder?“ — richtig, die bekomme ich tatsächlich nicht, höchstens seltsame Online-Poker-Einladungen oder Links zu chinesischen Blogs, die ich händisch lösche. Zitterwölfisches lasse ich mal stehen und mal lösche ich es. Es gibt rein technisch bei mir keinen Spamfilter. Im Übrigen hatte ich einfach nachgefragt, ganz vorwursfrei.

    @ziggev: Wenn ich dazu Stellung nähme müsste ich sehr persönlich werden, ich weiß nicht, ob das Sinn macht oder angemessen wäre…

    • ziggev  On Dezember 17, 2014 at 13:39

      nun ja, wenn „persönlich werden“ nicht bedeutet, dass Du durch die Links, die ich Dir mal sendete, meinen Klarnamen recherchierbar machst, ist das wohl ok. ich weiß ja, dass nichts näher „an die Nieren“ gehen kann, als Kritik am Stil von jemandem, aus leidvoller Erfahrung mit meiner Autorin, die ich mal übersetzte. eine Freundschaft, die auf Lebenszeit angelegt war, die ganze Familie mit eingeschlossen, und die seitdem im Urvertrauen, das Voraussetzung für solche Freundschaften ist, zerstört ist.

      gerne also, mach mich fertig, das ist ja klar, ziggev, der Analphabet, viel zu lange Kommentare, Gelaber ohne Ende, unendliches Geschwafel usw. … Was der Inhalt seiner Aussagen sein könnte, lässt sich nur durch unzumutbares Hindurchwursteln durch sein Satzgewirr vielleicht herausdestililsieren. Unzumutbar. Bei mir ist es allerdings so, dass ich, bevor ich die ohnehin manchmal nicht leicht zu verstehende Aussage von jemandem begreife, den Kommafehler sehe, der sich auf Ewigkeit in mein Gedächtnis eingräbt.

      Wer wirklich manipulativ vorgehen will, vermeidet solche Fehler.

  • che2001  On Dezember 17, 2014 at 13:48

    Ich meinte damit Real Life-Erfahrungen mit hier erwähnten Leuten, nicht mit Dir.

  • che2001  On Dezember 17, 2014 at 23:45

    @Dirk „Das müsstest Du dann etwas genauer erklären.“ — Dazu kommt demnächst bei mir ein Grundsatzartikel, denn das ist in der Tat äußerst komplex.

    • Dirk  On Dezember 18, 2014 at 00:10

      Alles klar, würde mich mal interessieren, Deine Postion zu dem Thema zu lesen.

  • georgi  On Dezember 18, 2014 at 18:09

    Seht einmal: Der Spiegelfechter schreibt interessante Dinge. Jetzt zum Beispiel über den Rubelsturz. Wie genova drüben festgestellt hat, ist er jedoch manchmal ein Arschloch, das sich einem anderen Arschloch gegenüber wie ein Arschloch verhält. Was soll ich machen? Auf der anderen Seite sind Diskussionen darüber, ob er oder dieser oder jener etwas darf, sagen darf oder wogegen oder wofür protestieren darf, oder, ob es andere gibt, die es einem verböten, das zu sagen oder zu tun, was ich gerne möchte, ziemlich uninteressant. Mich interessiert, ob derjenige recht hat oder ich recht habe oder ob ich bislang Dinge übersehen habe, die ich bisher noch nicht gesehen habe. So etwas gibt es in der Blogosphäre durchaus. Alles andere ist im Prinzip moralisierendes rufmordendes Denunziantentum. Die Strategie von Trollen wie Herrn Karl, genova, Henryk Broder, den Gendertröten, Zionisten oder regierungsamtlichen Provokateuren ist es, darüber zu befinden, ob man dieses oder jenes sagen oder machen darf oder sich beschweren, daß dieser oder jener es mir verbietet. Das sind die fruchtlosen Blogkrawalle, Shitstorms etc., über die sich alle Seiten derart beklagen.

    Schließt Gendertröten, Zionisten und unkritische Parteigänger aus, und ihr werdet eine ruhige Diskussion in den Blogs haben, an der sich Antisemiten, Maskus, Zinskritiker und weiß der Geier was, beteiligen. Selbst ein russischer Antisemit bringt interessanteres zu Protokoll, als es jeder bersarin je könnte, und sei es auch nur, daß er demonstriert, wie russischer Antisemitismus geht.

    • hf99  On Dezember 18, 2014 at 23:05

      Schreiben Sie diese Sätze in Hexametern, so dass deren Logik jedermann heimleuchtet. So kann ich mit diesem Konglomerat leider nichts anfangen…

  • Bersarin  On Dezember 18, 2014 at 23:35

    Wenn es dazu führt, daß das Private in orwellscher, NSA-hafter oder anderen überwachungsmodalen Szenarien politisiert wird, plädiere ich für die bedingungslose Privatheit. Gleiches gilt für Redeweisen: Wenn jeder in einem nicht-öffentlichen Raum (also privat) gesprochene oder geschriebene Satz in irgend einer Weise in die Öffentlichkeit gezerrt wird, zeugt dies von einer perversen Form von Öffentlichkeit, die mehr mit Voyeurismus zu tun hat, denn mit politischer Debatte. (Die Kantische Unterscheidung von privat und öffentlich wäre in diesem Zusammenhang ebenfalls einen Exkurs wert.)

    Wenn es heißt, daß unsere (vermeintlich) privaten Handlungen nun einmal von gesellschaftlichen Diskursen und Praktiken durchzogen sind, dann ist das Private natürlich politisch. Sex in der Ehe ist nicht bloß Sex in der Ehe. (Konkrete, an Person X oder Y gebundene Sexakte, Sprech- oder Schreibakte jedoch für einfach so öffentlich zu machen, zeugt von einem schlimmen Hang zur Indiskretion.) Doch es gibt eben diese andere Seite: Unsere Körper, unsre Handlungen und unsere Sprechweisen unterliegen Regeln und Dispositiven, Formierungen, die sich bis in unsere (vermeintlich intimsten) Regungen eingenistet haben. Es gibt keine Begriffe oder Handlungen, die unschuldig, rein und ohne Kontext im Raum schweben. Liebe in der Antike und lieben heute sind zwei Paar Schuhe. Allenfalls das biologische Kindermachen geht immer gleich. Doch selbst da variieren die Posen. (Posen ist gut.) Womit ich zur Politik übergleite: All diese läppischen Debatten im Augenblick und die Beleidigten, die Beleidiger und die, die sich beleidigt fühlen: das ist nicht meine Welt. Ich lese Polit-Blogs eh nicht mehr. Und an die Kommunikation knüpft sich interativ und kumulativ bis ins Nichts und zur Wirkungslosigkeit gesteigert, wie im Falle Spielgefechter oder wie der heißen mag, die Anschlußkommunikation. Luhmann hat diese Form von alarmistischer Kommunikation ganz gut auf den Punkt gebracht. Polit-Blogs interessieren mich allenfalls dann, wenn es um theoretischen Hintergrund geht, der en detail entfaltet wird. Die unidirektionalen politischen Statements der Weltverbesserungsblogger gehen eh am Ziel vorbei. Sie geben Gesinnung kund, mehr nicht. Allenfalls fungieren sie – vielleicht – als eine Form von Aufklärung, die jedoch derartig zerfasert, zerfranst, individualisiert ist, daß die Schreiberinnen und Schreiber am Ende der Prozesse zu jenen kalten Monaden erstarren, die sie ursprünglich zu bekämpfen vorgaben. Und so wurden sie zu Stein.

    Ich hingegen warte als Ästhetiker auf die blonde Bestie, die die Welt verschlingt. Ich hoffe, ich komme, wenn es dann ans Untergehen geht, noch rechtzeitig zum Photographieren vorbei und manch kurz mal Klick-klick. Das Projekt der Aufklärung können wir als gescheitert betrachten. Es bleibt Nietzsches Nihilismus und die unendliche Destruktion. Seine Sätze im „Ecce homo“ – einem seiner genialsten und rauschhaftesten Texte und deshalb diese Welt umso tiefer in eine Metapher bringend – treffen es immer noch: „Ich kenne mein Loos. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen, – an eine Krisis, wie es keine auf Erden gab, an die tiefste GewissensCollision, an eine Entscheidung heraufbeschworen gegen Alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war. Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ Die Sprengkraft dieser Philosophie ist lange nicht abgegolten. Das interessiert mich. (Ich halte es da weniger mit Schiller.) Nicht die Moral oder die Partialmoralen, die je nach Spiel und persönlicher Lage sowieso austauschbar sind.

    • hf99  On Dezember 18, 2014 at 23:52

      Ich suche und suche nach Gründen, die Schopenhauers neminem laede gegen seinen ungezogen-genialen Schüler Nietzsche rehabilitieren. Vorderhand finde ich sie nicht. Zwar hat Schopenhauer Recht. Doch will das nicht begriffen werden inmitten einer „can-canierenden Gemütlichkeit“…

      • Bersarin  On Dezember 19, 2014 at 00:05

        Ich denke, daß Schopenhauers Ethik ästhetisch grundiert ist – ein Aspekt, der sich nicht rein diskursiv oder im Habermaschen Prozedere einer Diskursethik irgendwie ermitteln läßt. Bei Adorno heißen diese Aspekte, die auf Moralphilosophie weisen, Takt, Impuls sowie das Somatische. Es ist eine Moral, die sich im Handeln selber zeigt. Verkitscht könnte man schreiben: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Na ja, tut tut machen die Schiffe im Hafen. Aber es stimmt schon: all das Gerede über Moral widert mich an, weil dem keine Handlungen folgen. Das eben schreibt ja auch Schopenhauer: Wir können uns unendlich über Ethik austauschen und schreiben darüber und lehren sie am Katheder. Aber das sind nichts als Wörter. Denn Ethik ist nicht lehrbar. Insofern hege ich große Skepsis gegen Begriffe wie Ethik und Moral. Sie gehen so schön und leicht von den Lippen wie abends dem Knecht das Freiheitslied in der Schenke. Es stärket die Verdauungskraft und würzet die Getränke.

        • hf99  On Dezember 19, 2014 at 00:12

          Deine und anderer guter Leute Skepsis gegen Moral und Moralphilosophie halte ich in Ehren. Mein Ansatz war indes immer folgender: Nehmen wir die bürgerliche Moral doch einfach mal Ernst! Was dann?

      • Bersarin  On Dezember 19, 2014 at 00:10

        Ungezogen-genialer Schüler ist gut und gefällt mir. Ich kann den Impuls Schopenhauer zu rehabilitieren, gut verstehen. Es steckt in seiner Mitleidsethik ein Moment, das man rehabilitieren könnte und von seinen buddhistisch-metaphysischen Fesseln befreien müßte. (Oder aber dieses Buddhistisch-Metaphysische beim Wort nehmen – da bin ich mir nicht ganz klar drüber.)

        • hf99  On Dezember 19, 2014 at 00:14

          Meine Faustregel als 18jähriger: die grundlegende Moral müsse sitzen, und jetzt wünschte ich bitte zu fruchtbareren Diskussionen überzugehen…

    • ziggev  On Dezember 20, 2014 at 14:10

      bersarin:

      „Wenn jeder in einem nicht-öffentlichen Raum (also privat) gesprochene oder geschriebene Satz in irgend einer Weise in die Öffentlichkeit gezerrt wird, zeugt dies von einer perversen Form von Öffentlichkeit, die mehr mit Voyeurismus zu tun hat, denn mit politischer Debatte.“

      – Aber ich bin mir nicht sicher. auch wenn wir meiner Meinung nach die Diskussion zu Aquino noch nicht Zuende geführt haben, so dachte ich doch, dass die Internet-Möglichkeit, sich immer freiweg von der Leber zu äußern, eben diesen Exibitionismus befördert. manchmal kommen unschöne Ergebnisse bei heraus (siehe mein Blog, wo ich gerade mein Unterbewusstsein erforsche), aber das ist halt die ur-alte Diskussion um die Privatheit im Nez.

      („… Und so wurden sie zu Stein.“ bersarin, schön gesagt !! ) Nebenbei:
      heisst es bei Nietzsche wirklich „GewissensCollision“, oder war es ein copy ´n´ paste-Fehler Deinerseits (Leerzeichen vergessen)?

      Sowas muss ich als Lektor von Eso-Literatur einfach wissen!

      (vielleicht doppelter Kommentar)

      • Bersarin  On Dezember 20, 2014 at 19:52

        In der (maßgeblichen) Ausgabe Colli/Montinari heißt es „Gewissens-Collision“. Da nach der Worttrennung die Großschreibung erfolgt, so muß dieser Begriff vermutlich mit einem Bindestrich geschrieben werden.

        Wer Privates von sich selber öffentlich macht, wie das manche tun, der oder die mögen es schreiben und online stellen. Wieweit es Fiktion und wieweit es real ist, mögen die himmlischen Herrscharen der Forschergemeinden am Ende herausfinden, sofern es sich bei Schreiberin/Schreiber um eine relevante Person handeln sollte, die nicht in 10 Jahren vergessen ist.

        Wem es guttut oder wem es Spaß macht im Netz zu schreiben, der soll es in Gottes Namen tun. Ob es nun relevant sei oder nicht. In den Zeitungen steht ja ebenfalls vieles, was völlig irrelevant ist.

        Das Internet eignet sich für vieles und es wird zugleich nirgendwo soviel gequasselt wie dort. Aber wie beim Fernseher gibt es das Ausschaltknöpfchen. Insofern: es wird niemand gezwungen zu lesen. Dennoch ändert das Internet unser Rezeptionsgewohnheiten und unsere Aufmerksamkeitsökonomie, treibt teils seltsame Blüten hervor.

  • Bersarin  On Dezember 18, 2014 at 23:42

    Bitte einen Blick in den Spamfilter werfen! (Ich weiß um die Einstellung. Es ist eh alles eine Sache derselben.)

  • philgeland  On Dezember 19, 2014 at 01:01

    „Netzbesoffenheit“?

    Danke für die Anregung!
    Muss ich aber erst mal sacken lassen.

  • philgeland  On Dezember 19, 2014 at 01:03

    Bevor ich … Sie wissen schon …

  • che2001  On Dezember 19, 2014 at 23:22

    Mit Schopenhauer und Nietzsche kann ich jar nüscht anfangen, stehe ja selbst eher in der Denktradition Bauer-Feuerbach-Marx-Engels, und wenn es um provozierende, schillernde Denker des 19. Jahrhunderts geht: Bakunin, Kropotkin, Reclus und durchaus auch Krishnamurti, Emma Goldmann.

    • ziggev  On Dezember 20, 2014 at 18:27

      aber bitte, che, Krischnamurti, warum reicht es nicht ganz normal mit ner typisch deutsch-spießigen osho–verehrung hin, wie es für einen Normalbürger aus einem pietisitischen-protestantischen Haushalt sich gehört ?!

    • ziggev  On Dezember 20, 2014 at 18:40

      nee, che, Krischnamurti geht gar nicht, wer aus nem anständigen protestantisch-pietstischen Haushalt stammt, verehrt heutzutage den Lehrer, und das ist Osho. Eso-Kram und dergleichen kommt nicht in die Tüte.

  • che2001  On Dezember 21, 2014 at 20:21

    Nun ja, ich komme aus keinem protestantisch-pietistischen Haushalt, sondern aus einem, wo es, was Glaubensfragen angeht heißt „Ich glaube, dass drei Erbsen eine leckere Suppe ergeben, nur satt wird man nicht davon“, „Unsere Suppe reicht aber für 6 Leute, und sie dampft schön“ „Pferdescheiße dampft auch“. Das Bedeutende an Krishnamurti war aber, dass er sich über die Eso-Spinner, die ihn verehrten lustig machte.

    • Bersarin  On Dezember 21, 2014 at 23:52

      Auch mit Nietzsche kann man the whole fucking backery sich holen, damit alle satt werden. Ereignisakte lassen sich nicht rein diskursiv bestimmen.

  • che2001  On Dezember 22, 2014 at 01:11

    Jim Morrison verband Nietzsche mit Marx. Wenn die Kritische Theorie als Freudomarxismus bezeichnet wird wäre es interessant, wie denn ein Reichobakunismus aussähe,also die Verbindung aus hedonistisch-sexualbefreiungstheoretischer Anwendung der Psychoanalyse mit Anarchismus.

    • Bersarin  On Dezember 22, 2014 at 09:22

      Bei Adorno steht Nietzsche ja durchaus hoch im Kurs und dieses Moment einer Befreiung tritt bei ihm ebenso in der Kunst auf, sozusagen ein reglementiert-unreglementierter Bereich. Freilich sollte man bei all dem Schwirren der Intensitäten nicht außer acht lassen, daß auch in diesem vermeintlich unmittelbaren Bezirk Vermittlungsleistungen herrschen. Nietzsche-Eso-Lebensphilosophie-Kitsch ist mit Adorno – zum Glück – nicht zu haben. Kollektives Om-Murmeln ist nun das Gegenstück zur Befreiung. Und all die von Managern und deren Fußvolk praktizierten Zen-Versenkungen und Geistbefreiungen sprechen für sich und weisen – ganz gegen den Sinn von Zen – auf einen ekelhaften Funktionalismus.

      Die Verbindung von wildem sowie ästhetischem Denken, Unreglementiertem, Unbewußtem, Dialektik und Diskurs findet sich dann insbesondere in der Verquickung von Kritischer Theorie (damit meine ich rein Adorno, Marcuse, Horkheimer, Benjamin, jedoch nicht Habermas) und französischem Poststrukturalismus (so als Schlagwort genommen).

      Nietzsche bleibt allerdings eine schillernde Gestalt. Denn aus seinem Denken ist – über den Umweg klagescher Lebensphilosophie – ebensowenig der aufkeimende Faschismus wegzudenken. Jene Individualperspektive verbindet Nietzsche sicherlich mit Motiven Bakunins, wobei ich den zu wenig kenne. Ich war immer und bin, sofern man das über sich so sagen kann, Hegelianer mit negativitätstheoretischem Einschlag.

    • philgeland  On Januar 11, 2015 at 00:47

      Marx und Freud sind „farinha do mesmo saco“ („Mehl aus dem selben Sack“, brasilianische Redensart). Und ob der Freud bei Nietzsche geklaut hat? Of course. Das aber „Klauen“ zu nennen, greift zu kurz. wie ich meine. Von Adorno und so. Oder Habermuss. Mit eszet. Scheiss-Rechtschreibreform …

    • philgeland  On Januar 11, 2015 at 00:49

      P. S. Che, Jim Morrison war ein Poet, er war aber auch ein Spinner. Face it.

    • philgeland  On Januar 11, 2015 at 01:01

      P. S. 2
      Gewagte These: Adorno wird überbewertet. Nix für ungut aber ich vermute, es geht auch ohne. Zumindest heute.

      Adorno war so was wie eine Nachkriegslupe, so eine Art grosser Zusammenfasser.

  • ziggev  On Dezember 23, 2014 at 23:26

    Krishnamurti ist soo undialektisch, vielleicht paradox, es ist aber immer dieselbe

    Paradoxie: ihr seid im Dunklen, Erleuchtete im Licht (oder sind Licht, wie auch immer), Dunkelheit existiert aber nicht, also kann man einfach nichts tun, um bewusst zu werden, der Dunkelheit zu entrinnen. Daher kann euch auch nichts gelehrt werden, dann gibt es aber auch keinen Lehrer und erst recht keine Lehre. Besonders ihr Anthroposophen hier in der ersten Reihe, setzt euch gleich mal in die letzte oder geht am besten gleich nach Hause, wie mir mal jeman erzählte, der malbei dem war Ich soll also alles alleine machen (weil es keinen Lehrer geben kann) ? – das aber ja auch nicht (weil ich ja nicht „machen“ soll) ? – was ich auch nicht „soll“ (weil ich überhaupt nicht soll) – … ? Die Maximen, die mich zum Krishnamurti-Verehrer machen,
    kann ich mir also gleich vollkommen aus dem Kopf schlagen. Die Krishnamurti-Paradoxie finde ich aber vielleicht gerade deshalb so anziehend, weil sie so glasklar vorgetragen ist und mein Intellekt mühelos folgen kann. Das ist einfach Zen, eins zu eins. Darüber aber, dass da niemandem auffällt, dass es womöglich bloß meine eigenen Maximen und Urteile sind, um die es mir geht und denen ich geschmeichelt sehen will, wundere ich mich schon ein wenig. Und, dabei geht es natürlich um gesellschaftlich präformierte Affekte und Characktermischungen und das, was die Leute für ihre „Meinung“ halten, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden, wie unaufgeklärt sie über ihre Einstellungen, die Weisen ihrer Gemüter, Urteile und Maximen sind. Da aber all diese Characktermischungen (Idiosynkrasien – die engl. Bedeutung nach Fowler) natürlich nicht anders als durch gesellschaftliche Strukturen bestimmt sein können – es sind Leute, die noch nie reflektiert sich einsam gefühlt und so die Ansprüche ihres Egos infrage zu stellen gelernt haben -, können auch deren Bewusstseine prima manipuliert werden, sie bilden dann unterschiedliche Zielgruppen, z.B. für das Produkt „Esoterik“. Anthroposophie würde ich aber nicht unbedingt der „Esoterik“ zurechnen – obwohl es sich bei beiden bloß um gottlose Zivilisationsflüchtlinge handelt. Es fehlt einfach irgendwie an Kultur und Selbstgenügsamkeit, man will sich aber dennoch irgendwie besonders fühlen, am Besten irgendwas mit „Geist“ oder so.

    Da lese ich lieber mit campigen Genuss an der Regression Kayserlingk. Bei Krischnamurti ist es allerdings so, dass er so genervt von solchen Leuten ist, weil diese Leute nicht verstehen, dass es, wenn es keinen Meister gibt, es natürlich auch keine Schüler geben kann. Dabei legt er es doch andauernd in den klarsten Worten dar. Wenn es Schüler gebe, dann würde es darum gehen, zuerst ihnen beizubringen,ihr kleinliches Ego, mit seinen unfassbar großen Ansprüchen etwas zähmen. Aber Krischnapurti mit seinen ach so intellektualistischen Paradoxien!

    „daß auch in diesem vermeintlich unmittelbaren Bezirk Vermittlungsleistungen herrschen“ – „daß auch in diesem vermeintlich apollinischem Bezirk der Vermittlungsleistungen Tod und Zerrüttung herrscht“, wäre ungefähr genauso falsch.

    „Jim Morrison verband Nietzsche mit Marx.“ Eines der größten egomanischen Arschlöcher und Egoisten, immer vollgedröhnt erbarmungslos Egotripping, verband Nietzsche mit Marx, würde ich sagen. Wieder, die Theorie (oder wenigstens ein Sich-Lustigmachen über bestimmte intellektualistischen Jargons oder verbale Versatzstücke) steht immer im Vordergrund.

    Ich las „Ereignishaftes lässt sich nicht rein diskursiv bestimmen.“ Endlich mal ein echter Gegensatz: Etwas – was auch immer – ist ereignishaft vs. etwas ist rein diskursiv bestimmbar, nämlich ein Akt. Aber Nein! Ereignisaktelassen sich nicht rein diskursiv bestimmen.“ Guter Witz !! Denn ein Witz ist bekanntlich nicht bestimmbar und Freuds Theorie des Witzes ist selber eine ziemliche Schelmerei; und selbstverständlich ist ein Witz ein Akt, der im weiteren Sinn „gesprochen“ werden muss.

    Das Ereignis ist aber nur bedingt bestimmbar, wenn. Ich glaube, wir brauchen hier keine Angst vor heideggerischem Mystizismus haben; es wäre der Kairos (als erfüllte Dauer); es wäre Berson, demzufolge die räumliche Zeitmessung die Wirklichkeit in Trugbilder verwandelt, wie ich gerade bei Paz lese, der auch einen gewissen Juan Ramón Jimenez anführt, für den mehr Zeit nicht mehr Ewigkeit bedeutet.

    solch ein Intellektualismus scheint mir manchmal selber einer gewissen selbsthynotischen Sprachmagie zu verfallen, die eine ähnliche Funktion haben könnte, wie bei sogenannten „Primitiven“ die Rituale. (Als Witz aber manchmal nicht so schlecht.)

  • che2001  On Dezember 29, 2014 at 10:21

    @Dirk: Es ist vollbracht, hier ist der Beitrag:

    http://che2001.blogger.de/stories/2463354/

  • Dirk  On Dezember 29, 2014 at 20:17

    Dann erstmal vielen Dank für den Beitrag. Das was Du gerade geschrieben hast spricht doch gerade dafür Politisches und voneinander zu trennen. Es ist ja gerade die Taktik der Broders und irgendwelche Antideutschen Spinner politische Konflikte auf einer privaten Ebene auszutragen oder private Konflikte auf politischer Ebene auszutragen.

  • che2001  On Dezember 30, 2014 at 11:30

    Die ganze Begrifflichkeit „Das Private ist politisch und das Politische privat“ ist doch aber in einem völlig anderen Kontext entstanden. Das war 1967 ff. und bezog sich darauf, dass von linken Menschen ein glaubwürdiges Alltagsverhalten erwartet wurde, z.B., dass linke Männer sich partnerschaftlich und nicht als patriarchale Despoten („Genossen auf der Straße, Faschisten im Bett“, wie das damals pointisiert wurde) verhalten sollten oder dass bei einer Rolle als Vorgesetzter oder Lehrer die eigene Position und das Interesse an emanzipatorischen Umgangsformen reflektiert werden sollten. Letztlich fließt da selbst noch eine Kritik an dem bedingungslosen Gehorsam der NS-Täter, nach bisherigem Verständnis unpolitisch mit ein.

  • che2001  On Dezember 30, 2014 at 13:26

    Das Diktum „Das Politische ist privat und das Private ist politisch“ meint doch aber etwas völlig Anderes und entstand im Zuge der 67er-Bewegung. Gemeint war da ursprünglich, dass z.B. linke Männer völlig unglaubwürdig sind, wenn sie in klassisch patriarchalem Verhalten „ihre“ Frauen oder Freundinnen ausbeuten („Genossen auf der Straße, Faschisten im Bett“, wie das damals genannt wurde) oder dass, wie das damals noch hieß, sogenannte „soldatische Tugenden“ im Widerspruch zu emanzipativem Verhalten stehen.

  • Dirk  On Dezember 30, 2014 at 14:17

    Ich weiß schon, was unter dem Spruch „Das private ist politisch zu verstehen ist“. Ich halte diese Position einfach für falsch, das Politische befasst sich schon per Definition mit den Angelegenheiten, die alle Mitglieder eines Gemeinwesens betreffen. Private Angelegenheiten fallen gerade nicht hierunter. Die moderene Gesellschaft zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass ein Amt von den persönlichen Interessen des Amtsträgers getrennt sein muss. Auch wenn jemand als Privatmann das Gegenteil von dem macht was man sagt, heißt das ja noch nicht, dass die politischen Forderungen desjenigen falsch sind. Problematisch wird es meines Erachtens nach wenn politische und private Konflikte miteinander vermischt werden. Da es sich dann kaum vermeiden läßt, dass politische Mandate für private Zwecke missbraucht werden.

  • che2001  On Dezember 30, 2014 at 15:28

    Im Sinne der Begriffsunterscheidung res privata und res publica hast Du rein sprachhistorisch und semantisch Recht. Ich finde diese Begrifflichkeit in dem oben definierten Sinne dennoch für richtig und angemessen.

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