Neues Altes vom NSU

Mit dem, was dieser V-Mann ablieferte, hätte das Neonazi-Terror-Trio schon früh gestoppt und deren Mordserie verhindert werden können. Nun soll der frühere Neonazi Carsten Sz., der als V-Mann des brandenburgischen Verfassungsschutzes mit dem Decknamen „Piatto“ geführt wurde, im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München als Zeuge gehört werden – doch das brandenburgische Innenministerium wehrt sich mit einem Sperrvermerk.
(…)
„Piatto“ hatte Brandenburgs Verfassungsschutz 1998 über das untergetauchte Terror-Trio informiert – dass die Neonazis sich Waffen besorgen und Banken überfallen wollen. Die Hinweise waren nicht in ihrer Tragweite erkannt worden oder versickert

Da ist gar nichts versickert – da kann nichts versickert sein, und Missverständnisse hinsichtlich der Tragweite scheiden auch aus. Der Hinweis, man werde sich bewaffnen und Banken überfallen, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Das läßt sich beim besten Willen nicht mehr auf „Idiot“ oder „dumm gelaufen“ herunterbrechen. Übrigens: Beamte können ihre Pensionen verlieren – zum Beispiel, wenn sie wegen Gefährdung der demokratischen Rechtsordnung zu mehr als einem halben Jahr rechtskräftig verurteilt wurden.

Vielleicht hat er aber auch selber wenig Lust, auszusagen. Nicht, dass auch er auf einmal aus Liebeskummer Selbstmord begeht, unerkannter Diabetes unerbittlich sein Opfer fordert oder was es da sonst noch für Möglichkeiten gibt.

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Kommentare

  • Klaus Augenzeuger  On Oktober 31, 2014 at 17:17

    Ganz interessant auch dazu Alexander Horn: „Die Logik der Tat – Erkenntnisse eines Profilers“. Besagter Autor beriet wohl 2006 die Soko Bosporus mit dem Hinweis, 2 Nazis zu suchen. Der Rest ist bekannt.

    • hf99  On Oktober 31, 2014 at 23:19

      Ja, war er. Verwunderlich, dass er jetzt darüber schreiben darf. Ob er alles geschrieben hat? Buch ist jedenfalls vorgemerkt.

    • hf99  On Oktober 31, 2014 at 23:28

      Wir hatten hier im Blog ja eine Rassismusdebatte. Ich bin und bleibe in der Tat dagegen, allüberall gleich Rassismus zu riechen…aber d i e s e Borniertheit der Ermittler – darunter der famose Wilfling, der sich, peinlich genug, noch heute zum Mr. 100% ausrufen läßt – ist ohne rassistische Prädisposition in der Tat nur schwer erklärbar. War denen, zumindest einigen, vermutlich nicht mal bewusst.

      Anders sieht es bei den sinistren Diensten aus. Dort muss man einfach eine gewisse ideologische Nähe zu den Tätern unterstellen dürfen. Anders kann ich das nicht mehr verstehen…

      • Klaus Augenzeuger  On November 1, 2014 at 11:35

        A. Horn unterstellt den Ermittlern ja auch keine rassistische Haltung, vielmehr Faulheit und mangelndes Denkvermögen. Da ich in Sachen NSU nur beiläufig informiert bin, dachte ich beim Hören des Radiofeatures, „na schau an, kann keiner sagen, daß nichts auf Nazis hindeutete“.

  • Wolfgang  On November 1, 2014 at 12:08

    Lieber Hartmut, ich bin nicht bereit Deine Schussfolgerungen zu Ende zu denken, weder akademisch noch juristisch, noch sonst wie. Es wäre zu schrecklich – und Hoffnungslos?

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