AfD

Die AfD ist nicht schwer zu verstehen: Sie bedient den kleinbürgerlichen Mief – „werden wir demnächst zwangsverpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen?“ – mit jener Direktheit, für die die Union, zumindest die CDU, meistens noch einen letzten Rest an Schamgrenzen vorhielt. Wenn die Partei sich nicht selber zerlegt wie damals Schill, werden wir sie nicht mehr los.

Denn die Wahlerfolge der AfD bilden einfach nur ab, wie es um die Bevölkerung bestellt ist. Nicht ihr Erfolg überrascht mich, sondern ihr jahrzehntelanges Fehlen im Parteienspektrum, denn das Publikum für dieses in jeder Hinsicht widerwärtige Konglomerat absurdester Vorurteile gab es immer. Ja, müssen bekämpft werden. Tu ich auch, Indianerehrenwort. Und würde ich sogar noch etwas überzeugter tun, wenn man mir ein tragfähiges Rezept an die Hand gäbe dafür, dem innerlich verwahrlosten Kleinbürgertum einmal überzeugend und mit Chancen auf Gehör darzulegen, dass es nicht ihre Interessen sind, die verhandelt werden, wenn zB über die „faulen Griechen“ schwadroniert wird. Es gibt eine ganze Menge Leute, die in den letzten 7 Jahren an der Weltwirtschaftskrise sehr gut verdient haben – jene Griechen, die sich inzwischen nicht einmal mehr eine medizinische Grundversorgung leisten können, gehören ganz gewiss nicht dazu. Aber das erkläre mal einem AfD-Wähler…keine Chance, keine.

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Kommentare

  • Eike  On September 17, 2014 at 22:11

    Das Ständewahlrecht wird doch zu Unrecht verunglimpft. Wir haben so gute Erfahrungen damit gemacht! Andererseits können wir es auch mal wieder mit Großgrundbesitzertum versuchen. Selbst die Amis beklagen sich doch schon, ob der falschen Einwanderer. Besser wäre aber eine Art Renaissance des Mittelalters – oh verdammt, da sind wir ja schon bei der Inszenierung.

  • Manfred Peters  On September 18, 2014 at 09:55

    „Wahlen 2015; 15. Februar Hamburg Bürgerschaft“!
    Na dann lasst Euch mal überraschen, ob die AfD, wie fast in allen Medien kolportiert, nur eine von frustrierten Ossis gewählte Partei ist.
    Wie wäre es mit der Überlegung, dass den Königsmacherinnen Mohn und Springer die Bleierne im Moment zu mächtig wird und ihr mit der AfD schon mal die Folterwerkzeuge gezeigt werden sollen. Bei Bertelsmann (Mohn) wird an dem Thema schon wissenschaftlich gearbeitet und publiziert.
    Zitat: “Das stärkste integrationskritische Netzwerk hat die Alternative für Deutschland (AfD), … ”
    Na dann ist ja alles in Butter und die von beiden Damen beherrschten Medien und “Denk-Panzer” stehen für unterstützende Kampfmaßnahmen bereit.
    Im Gegenzug beruft sich die AfD bei ihren Propagandaaktivitäten schon mal gerne auf die Bertelsmann-Stiftung.

  • Hagnum  On September 18, 2014 at 09:58

    Moin Hartmut,

    ich kann die Blauen Durmels auch nicht leiden.
    Aber deine Behauptung,die AfDler würden nicht verstehen,daß die Griechen
    das Geld nicht bekommen,ist so nicht ganz richtig.

    ich kenne AfDler,die wissen ganz genau,daß das Geld an die Banken fließt,
    die öffentliche Verlautbarung also falsch ist.

    Was ich dann aber nicht verstehe,ist das Tolerieren dieser dusseligen Wahlspots,in denen ja das Gegenteil behauptet wird.

    „Haben sie sich schon mal gefragt,warum unsere Straßen kaputt sind,und die Griechen unser ganzes Geld bekommen?“

    Meine Ahnung ist,wenn die CDU nicht ein ganzes Stück nach rechts gleitet,
    dann ist die AfD dauerhaft präsent.

    lg

  • Juza46  On September 18, 2014 at 10:26

    Einerseits weiss ich, was die AfD will. Andererseits bin ich zufrieden mit den von denen erzielten Wahlergebnissen, denn – Ich habe lange auf eine Änderung in unserem politischen (Beton)System gehofft. Es gibt keine andere Partei, die das erreichen kann und will.
    Juza46

    • neumondschein  On September 18, 2014 at 18:36

      Manche finden es schön, wenn sich etwas ändert. Ich hingegen finde es schön, wenn etwas besser wird. Die AfD ist eine ehrliche Arschlochpartei. Andere Parteien sind auch Arschlochparteien, aber unehrlich. Das sind Parteien, die HartzIV einführen, wenn sie an der Macht sind, und „Igitt, Nazi“ schreien, wenn sie der AfD oder Sarrazin ansichtig werden, obwohl ihr Programm ungefähr dem entspricht, was öffentlich-rechtliches Fernsehen und seriöse Presse dem Volk als der Weisheit letzter Schluß verkündet wurde.

      Interessanterweise halten dieselben Presseorgane das Problem AfD für eines von Linken: Das ist natürlich Quatsch:

      http://dudelsack.blogger.de/stories/2435807

  • Markus  On September 18, 2014 at 14:59

    „Sie bedient den kleinbürgerlichen Mief“. Sind Sie sicher? Was vermuten Sie, wo die 14% der FDP hingewandert sind? Sie sollten nochmal genau das Bundestagswahlprogramm der AfD unter die Lupe nehmen. Kirchhoff sagt Ihnen vielleicht noch etwas? Wer wuerde davon besonders profitieren? Kleinbuerger? Oder doch eher etwas…groessere?

  • neumondschein  On September 18, 2014 at 18:37

    Offenbar frißt WordPress wieder Kommentare.

  • El_Mocho  On September 18, 2014 at 19:13

    Interessant ist ja, dass die AfD bei den Wahlen in Ostdeutschland mehr Stimmen von SPD und Linken gewonnen hat, als von der CDU. Wie ist das zu erklären?

  • hf99  On September 18, 2014 at 19:22

    @Markus @hagnum – es hängt nämlich zusammen. Solche populistischen Parteien spielen immer die Karte „kleinbürgerliche Vorurteile“ aus, haben de facto aber anderes im Sinn: Dem Kleinbürger das Symbol (endlich besorgts einer mal den faulen Griechen!), den Höhergestellten im Hintergrund die Gewinne…ist doch ein alter Hut. Und der Michel fällt natürlich wieder einmal darauf rein. Und dazu passt auch, hagnum, dass solche Parteien difus sehr wohl auch die „anti“kapitalistische Karte zücken, auf der Symbolebene natürlich nur- Und die Karte „wir hier unten gegen die Etablierten da oben“. Zusamt, na klar, der Ebola-Virenträger, die es abzuwehren gilt. Ein übles, inkonsistentes Gemengelage. Für jeden was dabei!

    @El Mocho: nein, unter den Etablierten (!!!) primär von der Linken und der Union (von der Union unter den Etablierten am meisten).
    http://www.sueddeutsche.de/politik/waehlerwanderung-in-thueringen-und-brandenburg-dann-geh-ich-halt-zur-afd-1.2129805
    Das difuse ich-wähl-jetzt-mal-Protest ist natürlich auch bei einem teil der Wähler der Linkspartei vporhanden. Solche Wähler können extrem floaten. Die Analyse der ASüddeutschen deckt sich mit meiner: rechts wie links anbieten. Eben gegen Ebola-Viren-Träger (ekelhaft!), aber auch gegen „die da oben“.

    Am meisten hat die AFD übrigens von „anderen“ bekommen. Insbesondere die NPD ist es wohl gewesen…

  • P.M.  On September 18, 2014 at 23:44

    >Wenn die Partei sich nicht selber zerlegt wie damals Schill, werden wir sie nicht mehr los.

    Glaube ich nicht. Schau mal, woher die den Großteil ihrer Wählerschaft bekommen haben; typisches Protestwählermilieu.
    Wenn sich die erste Aufregung gelegt hat und die AfD erstmal halbwegs etabliert ist, werden sie dieses Wählermilieu auch wieder verlieren. Und wer soll sie dann wählen? Inhaltlich unterscheiden sie sich ja nicht großartig von CDU und CSU – da kann man ja gleich die wählen.
    Die Unionsparteien waren außerdem schon immer sehr gut darin, rechte Protestparteien wieder aufzusaugen (GB/BHE, FVP, DP).

  • summacumlaudeblog  On September 19, 2014 at 12:26

    @P.M. Die genannten Beispiele passierten vor der Auflösung der FDP. Nun mit dem Verschwinden dieser in der Tat überflüssigen Partei könnte das Vakuum von der AfD aufgefüllt werden. Das sollte man nicht vergessen: Es sp(r)ießt nicht nur eine neue Partei aus dem Kleinbürgerboden hervor, es verschwindet in diesem auch gerade eine.

    Ich fürchte auch, dass die AfD die geheimen Sehnsüchte und die gar nicht so geheimen Ängste der Kleinbürger artikuliert und genau deswegen so schwer wieder los zu werden ist. Die bösen Südmenschen verzocken unsere so hart erknuffte Kohle – nur deswegen sind sie auf der Welt. Dass die realen Verhältnisse diesen Ängsten nicht entspricht, ist keine Widerspruch. Man muß diese Ängste nur bedienen und dem angeblichen Abgezocke des Südens Härte entgegen setzen, schon wird man gewählt.
    Dass die Politik der AfD real dahin führen würde, dass Staatsgelder in private Groß-Konten hineinfließen (und nicht in die Konten der kleinbürgerlichen Wähler), ist natürlich evident.

  • Dirk  On September 19, 2014 at 13:10

    Die AfD hat kein ausformuliertes Parteiprogramm. Das ist auch gar nicht nötig, da sich die Wählerklientel rechter Parteien normalerweise wenig für Politik interessiert. Hier werden die Ressentiments der Angehörigen traditioneller Milieus bedient, die einen sozialen Abstieg und die Delegitimierung ihrer Lebensweise befürchten. Gegen wen sich der Wahlkampf der AfD richtet dürfte deren Wählern egal sein. Wichtig ist nur dass es nicht die Leute des eigenen Milieus sind.

    Ich glaube mittlerweile auch nicht mehr, dass man die AfD so schnell wieder los wird. Zum einen aggiert Lucke taktisch geschickter als andere rechte Parteien und verfügt über halbwegs respektables Personal, was wichtig ist um Spenden zu sammeln. Zum anderen muss die CDU nachdem die FDP als Koalitionspartner wegfällt stärker auf die Grünen und die SPD zugehen. Dadurch wird es der CDU schwerer fallen ihre rechte Wählerklientel an die Partei zu binden. Das CDU und AfD koalieren halte ich vorerst für schwierig. Denke die CDU wird versuchen die AfD zu isolieren und hofft sich so der rechten Konkurrenz zu entledigen.

  • Manfred Peters  On September 23, 2014 at 17:12

    Nur mal so, die AfD kommt bei Forsa inzwischen auf 10%
    http://www.wahlrecht.de/umfragen/forsa.htm
    Die CDU/CSU ist stabil, während besonders die SPD und die Grünen verlieren. Siehe auch meine These oben, die Gefahr lauert eher bei den gewöhnlich egoistischen Wählern in den abgenutzten Bundesländern.

  • P.M.  On Oktober 11, 2014 at 13:56

    Ich habe mir nochmal zu dem Thema Gedanken gemacht: http://propagandatheorie.wordpress.com/2014/10/11/alternativlosigkeit-fur-deutschland/

  • Manfred Peters  On Oktober 27, 2014 at 00:39

    @ ”Sie bedient den kleinbürgerlichen Mief …”
    Wenn es das nur wäre, denn der stellvertretende AfD-Vorsitzende “Hinkel” befürchtet Schaden für seine Partei, aber nicht von Seiten der Holocaustleugner und Rechtsextremen*, sondern u.a. durch die TTIP-Gegner.
    *Da wird es wohl eine Distanzierung von der Distanzierung geben. 😦

    • hf99  On Oktober 27, 2014 at 03:50

      Naja aber ich schreib es doch! Parteien wie die AfD leben davon, ihrer Klientel das Gefühl zu geben, dabei zu sein, es „denen da oben“ mal so richtig zu besorgen – während man in Wahrheit eben selber „da oben“ ist! Denen unten muss man Wohlfühlpolitik liefern („Härte gegen Kinderficker“ und so n Zeugs, also Peter-Hahne-Niveau). Ansonsten haben die Geschaftl zu laufen. Das IST die AfD in nuce! genau dafür existiert sie!

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