WW 1 und heutiges

Da hier die Frage aufgekommen ist: Was denn die Debatte um die Ursachen des ersten Weltkriegs mit heutigen Problem zu tun habe? Vielleicht dies:

Die inneren Gegensätze als Ursache oder Motiv für eine „Flucht in den Krieg“ geltend zu machen, wie es die Historiographie der Bundesrepublik zeitweilig getan hat, heißt, die „nivellierte Mittelstandsgesellsvchaft“ der frühen Bundesrepublik zum Parameter der Friedensfähigkeit zu erklären. (Münkler, Herfried, Der große Krieg, Berlin 2013, p. 22)

Ganz abgesehen davon, dass er gerne präzise hätte sagen dürfen, wen er meinte (Es ist primär Wehler, ich will es verraten)…hat man noch ein Gespür für das hintergründig Infame, das solchen Zeilen eignet?

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Kommentare

  • R@iner  On September 4, 2014 at 13:36

    Ich dachte, die Vorstellung einer „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ (Schelsky) als Antithese zum Begriff der Klassengesellschaft wäre schon seit vier Jahrzehnten tot.

  • Marcus  On September 4, 2014 at 23:25

    Die wirkliche Berechtigung der Frage inwieweit das traurige Jubiläum dieses Kriegs bzw. der Debatte um diesen Abschnitt der Geschichte eine aktuelle Bedeutung hat sehe ich andernorts.

    Wir leben in Kriegsfragen in einer amerikanischen Zeit. Die Bevölkerung der USA und die Kriege der USA werden nicht nur durch Ozeane getrennt. Noch in der Zeit des kalten Krieges waren Debatten um den Krieg hierzulande meinem Eindruck nach von einer anderen Natur als heute. Das hat sich aber wohl geändert, denn hier und heute sind die Kriege in Serbien, Afghanistan oder sonstwo fast so wenig präsent und bewusstseinsbildend wie für die US Amerikaner die neueste Bombardierung irgendeines jenseitigen Landes. Auch die Kriegsschuldfrage für den Weltkrieg – wie der Krieg überhaupt – hat geringste öffentliche Präsenz, was für mich an dieser Stelle das deutlichste tatsächliche Zeichen einer Militarisierung ist. Die Kriege werden vergessen bzw. als für das eigene Leben bedeutungslose Hintergrundgeräusch ignoriert. DAS ist deren aktuelle Bedeutung.

    Irgendwann ist dann auch uninteressant, wer an einem vergessenem Krieg denn Schuld ist oder nicht (siehe die folgenlosen Lügen zum Serbienkrieg). Das Revival der Entschuldungshistorien kann dabei, wenn man das Ganze rein intellektuell als Verteidigung gegen Lügen und Geschichtsklittung betrachtet, zu einer Nebelkerze werden. Dann kämpfe ich darum das in den Geschichtsbüchern die Wahrheit steht, während sie Stück für Stück eingemottet werden und tatsächliche Politik mehr und mehr in einem geschichtslosen Floskelraum betrieben wird.

  • Fk  On September 5, 2014 at 03:11

    Lieber Hartmut,

    Da ich den Kontext dieses Blogs und die damit verbundenen Positionen so einigermaßen kenne, kann ich wohl so in etwa erahnen wohin deine Frage bezüglich des infamen hin abzielt.

    Würdest du aber dennoch einmal eventuell für diejenigen die nicht ganz so tief in diesen spezifischen, historischen Diskursen stecken auflösen?

    Mehr So Proforma. Um aus der rhetorisch angelegten eine – hm wie sagt man? – wirkliche Frage zu machen, also.

    Danke dir übrigens für die ganze Arbeit zur julikrise. Das war und ist ein kluges Stück, das du da abgeliefert hast!

    Und ich habe den ostseeripper zu meiner Schande und wohl zu meinem Schaden immer noch nicht gelesen. Eventuell im nächsten Urlaub…
    Gibt es ein neues buch?

    Wie immer,
    Herzlichst
    F

    • hf99  On September 5, 2014 at 09:03

      Stimmt. Also: Eine von Münklers Lieblings-Topoi ist die von der alten bequemen Bundesrepublik, die sich ihrer Verantwortung nicht stellt, will sagen: Unfähig ist, auch mal so richtig Krieg zu führen.

      Die ganze Debatte – siehe auch diesen merkwürdigen Apell des Herrn Neitzel – läuft vor diesem Hintergrund ab. Motto: Die alten G’schichten dürfen Deutschland jetzt nicht mehr daran hindern, auch mal orrntlich zuzuschlaggn. Nehm se Krieg, dett hebt Ihnen! Es ist ganz ganz ekelhaft.

  • fk  On September 5, 2014 at 12:11

    ja, das ist es. da lassen jetzt langsam alle mal so richtig die sau raus, die sich immer am riemen reissen musste. man wird zunehmend sprachlos und weiß auch nicht mehr wie man dem begegnen soll.
    von daher nochmals: das stück mit der juli-krise war und ist ein gutes!

    hgfk

  • Manfred Peters  On September 8, 2014 at 09:21

    Ein paar Ergänzungen
    Parallelen zum Verhalten der Politiker heute, besonders der SPD, sind sicher rein zufällig. 😦

  • Wolfgang  On September 10, 2014 at 09:49

    Natürlich ist das rein zufällig, wohin kämen wir sonst, Manfred Peters?

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