Was ist Wahrheit… (update)

Mit Dank an burks. Vergl insbesondere ab Min 9:21. Selber Lügen, also das Begriffsparr Wahrheit/Lüge macht- und profitbewusst vernutzen, und dann verkünden, Lüge und Wahrheit verwischten sich ohnehin – das hab ich so richtig gerne. Darüber sollten unsere Damen und Herren Strukturalisten und Subjektdekonstruierer mal nachdenken. Aber das trommel ich seit mehr als 25 Jahren… Ceterum censeo: Ich bin entgleister, versoffener Schillerianer und möchte nichts anderes sein.

Ab Min 14:00 wirds noch besser: Der Medienmanager hat zweifellos ein Hochschulstudium hinter sich. Hält er es wie der Werbefritze, den ich mal kennen lernte, der früher auch mal Adorno lesen durfte und der sich besoff, um mir zuzulallen „Eigenlich weissich, dassich von Lügn läbä – scheisse“?

update: Einziger Einwand gegen den Bericht: Allzu hurtig wird das Spiel „böse private versus gute öffentlich-rechtliche“ gespielt. Zumindest in den Histotainment-„Dokumentationen“ auf Phoenix haben sich längst auch die öffentlich-rechtlichen Sender auf scripted reality eingelassen.

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Kommentare

  • epikur  On August 27, 2014 at 10:28

    Interessante Dokumentation! Auch wenn, wie Du selbst schon geschrieben hast, die Öffentlich-Rechtlichen hier als Saubermänner inszeniert werden. Wenn man die Berichterstattung über die Ukraine-Krise nimmt, bekleckert sich die Tagesschau auch nicht gerade mit Ruhm, sondern trickst und lügt, dass sich die Balken biegen. Von ZDF „Heute“ mit Klaus Cleber ganz zu schweigen.

    Ich empfinde diese scheinbaren Action-Aufklärer-Dokus, indem sich die Redakteure auch ständig selbst zeigen, nicht besonders ansprechend. Anja Reschke inszeniert sich hier als knallharte Super-Duper-Aufklärer-Journalistin. Was soll das? Es sollte ums Thema gehen und nicht um sie. ich wünsche mir die Dokus zurück, in denen man die Redakteure nicht sieht, sondern nur hört.

    • Hagnum  On August 27, 2014 at 11:31

      Claus Kleber.

      Die Lügenbalken des ÖR zur Ukraine sind mittlerweile schon kreisrund.

      Kann man als Wagenräder für Kutschen nehmen,die die Wahrheit ganz weit ins Nirgenwo transportieren.

      lg

  • Wolf-Dieter  On August 27, 2014 at 11:41

    Ich zitiere meinen eigenen Kommentar bei Burks:

    Der Film zeigt eingangs Michael Born, der mit gefälschten Dokumentarberichten Zuschauer und Auftraggeber betrog, z. B. Ku-Klux-Klan-Treffen in der Schnee-Eifel.

    Im weiteren Verlauf zeigt der Film Reality-Shows, bei denen unbedarfte Laiendarsteller mit Aussicht auf wirtschaftliche Hilfe geködert werden.

    Das ist ein thematischer Schwenk. Ich hätte es begrüßt, wenn der Fernsehbeitrag nach Born übergegangen wäre auf die Putin- und Ukraine-Berichterstattung.

    Ich bin dann doch etwas enttäuscht.

  • Wolfgang  On August 27, 2014 at 12:42

    Ich kann mit solchen TV-Beiträgen nichts anfangen. Tut mir leid.

  • Wolfgang  On August 27, 2014 at 12:43

    Im Bezug auf Wahrheit meine ich natürlich.

  • genova68  On August 28, 2014 at 10:52

    Der Born ist doch ein cooler Hund. Einen Bericht über die PKK in Griechenland mit Griechen und Albanern zu drehen, hat was. Das Problem ist nicht Born, sondern dass sowas als Realität durchkommt.

  • ziggev  On August 29, 2014 at 01:12

    hab mal in ner Agentur ein Praktikum (bezahlt, genannt Taschengeld, TG: 15,00/h), die hauptsächlich die Yellow-Press belieferte, gemacht, bekam ne Fotostrecke von den Darstellern einer TV-Serie, die !tatsächlich! in der Freizeit dasselbe machten wie in der Serie. „Schreib das, was die ebensogut auch gemacht haben könnten, Du musst nicht lügen.“ Also: Auf Sylt sitzt man eben abends nach dem Strandspaziergang am Kamin und trinkt Rotwein …

    Die ganze Sache mit der Fake-Reality ging in meiner Wahrnehmung mit der Übersetzung dieses Prinzips in (private) TV-Formate los. Heute nennt man das wohl hoax. Irgendwann zur Techno-Zeit waren Guaraná, „natural Ecstasy“ usw. durch, was lag da nicht näher, da schon einmal in Südamerika, als sich Dschungelbewohner zum Vorbild zu nehmen. Frösche sondern Gift ab, warum nicht auch Kröten (vielleicht nicht immer gleich Gift, aber zumindest Gällstoffe)? Also halten sich jetzt Leute spezielle (unbekannte) Kröten, an denen sie lecken, um „drauf“ zu kommen. (Bild, wie das geht, wird gleich mitgeliefert.) Das ist kein hox, Hartmut, das ist Logik! Und wenn bisher noch keiner drauf gekommen ist, dann wird´s langsam Zeit!

    Heute kann man, meine ich, getrost von einer Art hoax-Kultur im Internet sprechen. VTs just for fun. Die Angelsachsen sind uns im TV schon lange voraus: „X-Factor, das Unfassbare“, „Einfach überirdisch“.
    Zeitungsenten, für die die SZ berüchtigt war/(ist?), gelten als harmlose und sportlich aufzufassende Scherze. Z.B. ein „seltsamer“ Fund eines „außerirdischen?“ Fisches (ein kranker Fisch, oder der hatte Missbildungen). Das SZ-Mgazin machte allen Ernstes? mal ne Foto-Serie über Chiromantik. „Der spatelfingerige gute, ehrliche Handwerker, ein Typ, der bedauerlicherweise ausgestorben zu sein scheint“ usw. Gib mir mein täglich Quantum Irrationalität! (Ich merke gerade, ich muss noch ein paar Bemerkungen von mir zu Baghwan/Osho bei mir richtig stellen.)

    In diesem Bereich in den privaten Sendern was zu machen, lag einfach auf der Straße. Einfach Trivial-Trash; hin und wieder in der Bild-Zeitung (jedenfalls früher). Glaubt ja sowieso keiner (oder?). Ein bisschen gruseln, ein bisschen am eigenen Verstand zweifeln, obwohl man ja weiß, dass … Feierlich-lustvoll sich der Regression hingeben, das Gehirn abschalten (als Schlaf-Ersatz nicht zu unterschätzen). Früher gab es solche Grusel-Comics. Jeweils am Ende jeder Geschichte hieß es in etwa: „Seltsam, unglaublich. Aber so steht es geschrieben.“ Dürfen wir Karl May in dieselbe Kategorie einordnen?

    Diese „hoax-Kultur“ existierte einfach nicht im TV, eine unbeackerte Marktlücke (obwohl man ja weiß, dass …), die förmlich danach schrie, ausgefüllt zu werden. Irgendwie musste da einfach mal jemand ran. Gewissermaßen ein pädagogisch-didaktisches Programm in Sachen Medienkompetenz. Ich will nichts von dem, was dann folgte, beschönigen, und dann kamen Leute mit Trickster-Persönlichkeiten zum Zug, deren Gewissen etwa dem von Kriminellen vergleichbar ist, mit einem Verhältnis zur Wahrheit von gewohnheitsmäßigen Lügnern – nur harmloser. Nur harmloser (Klu-Klux-Klan-Kappen)? Du hast natürlich recht, hier mal genauer nachzufragen, auch ich will keine Beschönigung.

    So jedenfalls ging das m.E. los. Inwiefern wir es dann mit einer systembedingten Bewusstseinsverzerrung zu tun haben, stünde auf einem anderen Blatt. Die Marktlücke, der Markt, war da, und musstegefüllt werden. Die These einer Kontinuität von hier aus hin zur systematischen Lüge in den Öffentlich-Rechtlichen (Tagesschau u. „heute“ schaue ich ohnehin nicht) sehe ich noch nicht so recht bestätigt. Aber: Klar: Was aufgeweichte Hirne glauben, ist ja eh´ egal; also bringen wir das, was wir immer bringen, was allen am wenigsten Arbeit macht …

    BTW, wer glaubt, sich selbst belügen zu können, unterliegt einer Selbsttäuschung; die Tussi ab 9:21 unterliegt ganz offenbar einer solchen. Insofern bringt diese Sendung den ebenselben Grusel-Regressions-Effekt: glaubt die das wirklich? Natürlich nein. Solche Leute mit ihrem pathologisch deformierten Bewusstsein ansehen zu müssen, ebenso wie die (ich glaube, die war´s) Bayrische Justizministerin im Fall Gustl Mollath, ist aber mehr als gruselig. Ich verlange eine Triggerwarnung!

    • ziggev  On August 29, 2014 at 01:48

      PS als ich dann beim Praktikum zu Dieter Bohlen „recherchiert“ hatte, ohne Peilung, 1. dass es auf sowas überhaupt nicht ankam, und 2., dass es in diesem Job tatsächlich etwas wie Konkurrenz gibt, dass also Leute allen Ernstes ihn wirklich ausüben wollen und ihre Kollegen z.T. zumindest als Konkurrenten sehen, und deshalb nicht jeden Tag da war, so auch den vorigen, kam die Chefin herein und sagte zu meinem „Kollegen“: „Aber das meinst Du doch diesmal nicht wirklich ernst?!“ Aber klar: Dieter Bohlen hat beim Ficken einen Schwellkörperbruch erlitten!

  • HUF  On September 8, 2014 at 23:25

    Natürlich ist Reality TV nicht gleich Reality TV. Der deutlichste Unterschied ist hier zw. den rein „scripted reality“ Formaten und denen, die in einen inszenierten Rahmen gesetzt werden (bspw. speziell Big Brother), aber innerhalb diesem es doch weitgehend authentisch und echt zugeht. (Sofern man mit kalkuliert, dass man sich als Rezipient generell unsicher sein muss, welche gesellschaftliche Maske da einer trägt oder welche Selbstdarstellungen der Akteure da aus eigenen Vermarktungsabsichten mit rein bringt: letzteres Verhalten aber wiederum schohnungslos authentisch festgehalten werden kann, ganz zu schweigen von der heute üblichen Geste vieler Akteure, die sich einfach echt zu ihren wirklichen Absichten stellen). Allerdings liegt das wiederum nur an der Möglichkeit, dass Show-Formate wie Big Brother, selbst im Gegensatz zu Dschungelcamp, ein 24 Stunden (na gut, 23 Std. weil eine muss aus juristisch-rechtlichen Gründen, Intimität gewährend, kamerafrei sein) Live-Stream haben.

    @ziggev, Ja, bei den Engländern, da ist Reality TV viel länger auch schon gesellschaftsfähig und gesellschaftsfähiger als bei uns auch noch. Bei uns z.B. kommt es immer mehr auf die Comedy in diesen
    Formaten an, wer nur mal einige wenige Ausschnitte aus dem ersten „Promi Big Brother“ (Moderatoren: Oliver Pocher u. Cindy aus Marzahn) sah, weiß was ich meine. Was übrigens besonders in Deutschland so ist, in England z.B ist der Comedy Aspekt sehr gering. Zudem, feierlich-lustvoll mit Gehirn abschalten ist bei einigen Reality Sendungen nicht der Fall. Denn trotz ihrer Wegbereiterfunktion – vielleicht sogar gerade deshalb – entziehen sich gewisse Real-Life-Soaps traditionellen Beschreibungskategorien. Big Brother ist so ein Fall. Denn dieses Genre verwischt nicht nur wirklich die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, sondern ist zudem eine Ansammlung aus verschiedenen Elementen und Konventionen bewährter fiktionalem und non-fiktionalem Genre des Fernsehns. Big Brother gilt heute als wissenschaftlich schwer greifbar und daher als Hybridform. Im Rahmen dieses Spiels Big Brother finden ja weitere Spiele, gewissermaßen als Spiele im Spiel statt. Und in diesem Sinn ist es keine schlichte Docu- oder Real-Life-Soap, sondern ein um die Inszenierung von Authentizität bemühtes, auf die Alltagswelt von Zuschauern und Kandidaten Bezug nehmendes Format, das zum Realitätsfernsehen gezählt werden kann.

  • HUF  On September 10, 2014 at 21:33

    Warum wird mein Beitrag vom 8.9. eigentlich nicht freigeschaltet? Ist jetzt ja kein so wichtiger Beitrag, aber interessieren würde es mich schon…

    • hf99  On September 11, 2014 at 12:22

      Weil ich einen Beruf habe? 😉

      • HUF  On September 12, 2014 at 11:34

        @hf99, ok, vielen Dank. Fragte auch nur, weil ich andere Beiträge hier sah, die später geschriebenf wurden und früher freigeschaltet waren… aber gut, ich verstehe…zudem war mein Text ja auch etwas länger für ein Kommentar…

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