Julikrise – 20. bis 21. Juli 1914

(Vorab: Auch diese Darstellung ist Christa Pöppelmanns großartigem Buch „Juli 1914“ aufs allerengste verpflichtet. Und…nein, ich habe weiterhin keinen Werbevertrag mit dem Scheel Verlag. ich empfehle es einfach so…bestellen kann man hier)

20. Juli – Poincare und Viviani unterwegs nach St. Petersburg. Sie haben sich gestern abend in Dünkirchen eingeschifft. Für die streng geheime, zwischen Österreich und Deutschland exakt orchestrierte Eskalation ist das zusammen mit der Ernte bekanntlich ein wichtiger Vorgang – das Ultimatum ist erst nach Poincares Abreise in St. Petersburg zu übergeben, damit er und Sasonow sich nicht etwa noch aktuell besprechen können.

Berchtold weist Giesl an, sich auf nichts einzulassen. Das Ultimatum wird ohne wenn und aber angenommen, oder Giesl fordert seinen Paß (= Krieg).

Delbrück (Innen-Staatssekretär – heute würde es Innenminister heißen) lädt zur Sitzung am 24. Juli ein – Thema: Erklärung des Kriegszustandes etcetc.

Jagow möchte Italien (formal, aber eben nur noch formal, was alle Welt weiß, Verbündeter von Österreich und Deutschland im Dreibund) noch mal ins Boot holen. Österreich solle Kompensationen anbieten.

Jagow fragt bei der Marine, Konteradmiral Behncke, an, ob man England neutral halten könne, indem man drohe, Holland „einzusacken“. Über diese dumme Augenblicksidee ist man bei der Marine schlicht fassungslos.

Bethmann schreibt „alleruntertänigst“ an „Eure Majestät“, dass er seinen Sohn („Höchstdemselben“) doch an die Kandarre nehmen möge. Kronprinz Wilhelm, wir hatten das schon, hat per Telegram zwei besonders kriegerische Alldeutsche Schreiber sehr angelegentlich gelobt. Bethmann befürchtet, der Kronprinz könne nach dem Ultimatum durch weitere Aktivitäten öffentlich eskalieren. Tatsächlich telegraphiert Kaiser Wilhelm seinem 32-jährigen Sohn ein „ab-sofort-Klappe-halten“-Telegramm, was der kronprinz mit einem „Befehle werden befolgt“ quittiert.

In Frankreich beginnt der Prozess gegen Henriette Caulliax. Das ist für die französische Öffentlichkeit, und nicht nur für sie, natürlich spannender.

Serbien deeskaliert in Berlin! Für mich ein ganz wichtiges Dokument!

Bis zum 25. Juli ist die Flotte zusammenzuziehen (=zu sammeln; derzeit ist sie zu Manövern in der Nordsee unterwegs).

21. Juli – dank Jagows Artikel in der Norddeutschen fragen die Botschafter Frankreichs, Englands und Russlands an, was es denn nun damit auf sich habe. Jagow lügt schlicht (wie sonst soll ich es ausdrücken? Berlin ist seit Beginn vollumfänglich informiert und agiert sogar als Scharfmacher!), indem er behauptet, die Pläne der kuk-Monarchie nicht zu kennen. Bronewski (Russland) erwähbnt die starken Kurseinbrüche der Berliner Börse. Ob Jagow es gutheiße, dass dier deutschen Anleger für österreichische heimliche Schritte zahlten… Jagow wiegelt ab. Bronewski und Cambon (Frankreich) glauen ihm nicht; Cambon geht sogar davon aus – zutreffend, wie wir heute wissen -, dass Deutschland längst den krieg vorbereite.

Grey (Außenminister England) geht ebenfalls davon aus, dass Berlin über die Wiener Schritte informiert ist (womit er völlig Recht hat!). Crowe, Mitarbeiter Greys, geht sogar den Verdacht, Deutschland stachele Österreich an – was ebenfalls, wie wir heute wissen, den Tatsachen entspricht. Grex sagt Lichnowsky dennoch: London werde sich für Annahme des Ultimatums einsetzen. Nur müssten die Anklagen gegen Serbien bewiesen sein, Serbiens Souveränität gerwährleistet sein und Deutschland mäßigend auf Wien Einfluß nehmen. Alle drei Punkte lehnt Berlin, wie wir bereits wissen, kategroisch an, da es ja aben nicht mehr um diplomatische Lösungen geht, sondern nur noch darum, die Krise vorsätzlich zum Krieg eskalieren zu lassen. Bloß keine Vermittlung mehr, bloß kein „Flaumachen“…Kaiser Wilhelms Randbemerkungen an dem ihm per Funk übermittelten Grey-Vorschlag (vom 23., weil es an die „SMY Hohenzollern“ in Norwegen zu übermitteln war) sprechen denn auch Bände, in jeder Hinsicht…

Die deutsche Marine übersendet, wie gestern erbeten, Jagow ihre Einschätzung des Zeitplans der Russlandreise Poincares. Das ist wichtig, da das Ultimatum an Belgrad erst überreicht werden „darf“, wenn sicher gestellt ist, dass sich Frankreich und Russland hierzu nicht mehr besprechen. Tatsächlich wird dank der deutschen Infos, für die Wien sich auch sehr bedankt, das Ultimatum verzögert überreicht – Poincare soll keine Chance mehr haben, sich persönlich mit Sasonow zu besprechen.

In St. Petersburg wird das Bündniss Frankreich-Russland bekräftigt. Poincare fordert festes Auftreten. Zeitgleich Streiks in Russland (nicht wg Krieg). Poincare trifft in St. Petersburg auch die Botschafter anderer Länder. Dem kuk-Botschafter Szápáry sagt er, er hoffe, Österreichs Forderungen seien maßvoll, ansonsten könne eine friedensgefährdende Aktion entstehen. Das wird in Berlin wie Wien als unverschämt verstanden. Poincares massive Zusagen an Russland werden hie und da als „zweiter Blanko-Scheck“ verstanden. ME zu Recht. Das darf man jedoch nicht als Vorwurf missverstehen. In moralischer Hinsicht ist reactio, trotz Newton, eben gerade nicht gleich actio. Allerspätestens mit diesem zweiten Blanko-Scheck war der Krieg, nach damaliger politischer Logik, unvermeidlich. Ausgelöst wurde er aber durch das wochenlang klandestin betriebene Eskalieren der Krise durch Wien und Berlin. Wer diesen zweiten Blanko-Scheck dem ersten, dem durch Berlin an Wien (ohne den hätte Wien im Leben nicht agieren können!) moralisch/politisch gleich stellt, sollte vielleicht doch noch einmal nachdenken… Frankreich hat in der Julikrise in der Tat „nach Maßgabe seiner Interessen“ gehandelt, und wir wissen heute, dass es auch einen französischen Plan gegeben hat, die belgische Neutralität zu verletzen (aber, um Himmels willen, erst als Zweiter weil wg England!). (Belege hierzu in: Mombauer, Annika, Die Julikrise, München 2014, p. 17 – das Buch ist sowieso empfehlenswert und wird im Folgenden als Mombauer zitiert) Nehmen wir doch einfach mal just for the argument an, Frankreich sei fast von vorneherein informiert gewesen und hätte Deutschland hämisch genießend reinrasseln lassen – wie wäre dann Frankreichs Verhalten zu bewerten? Täter ist immer der Agierende, das Opfer der Reagierende. Frankreich hatte 1914 keinen Plan, Deutschland präventiv anzugreifen. Das deutsche Kaiserreich aber dachte seit Jahren über einen sog. „Präventivkrieg“ nach. Diese Gelegenheit wollte man – so meine Deutung Stand jetzt – 1914 ergreifen. Entweder – bloß – ein fulminanter diplomatischer Erfolg für die Mittelmächte auf dem Balkan – oder, viel besser, unter, wier man dachte, günstigen Bedingungen – der sowieso a la lounge unvermeidbare Krieg. Und dann gleich alles in einem Aufwasch. Übrigens: Über den Schlieffen-Plan haben wir bis dato noch gar nicht geredet (ich wollte streng chronologisch vorgehen). Aber wir müssen natürlich eines immer, immer im Hinterkopf behalten: Berlin hat eskaliert und wusste zu jeder Zeit (minus Kaiser Wilhelm, der sich, einseitig begabt, wie dieser zugleich kluge und extrem dumme Monarch eben war, um solche Dinge im Detail gar nicht kümmerte), dass Krieg, wg Schlieffenplan und fehlender Alternativpläne, eben spätestens seit 1913 immer bedeutete: Krieg gegen Frankreich und Russland, France first. Das wird mir, besonders bei Neitzel, Clark und Münkler, bei der Bewertung der Julikrise zu wenig gewichtet. Berlin wusste doch: Wenn es zum Krieg kommt, dann gleich zum ganz großen, zu einem großen Aufwasch, zum großen Kladderadatsch. Fast vier Wochen hat die heimliche Eskalierung gedauert, Berlin hat niemals deeskaliert, sondern immer getrieben, und dies beim klaren Wissen: Ich habe nur einen Kriegsplan, den einen großen, den, der alle Probleme „löst“. Einen anderen Plan habe ich nicht. Haben die Falken im Generalstab die Politiker überspielt, oder herrschte Einigkeit? Ich weiß es nicht. Aber genau darum geht es…

Hier, unkommentiert, das „Hamburger Echo“ und de „Hamburger Nachrichten“ im fraglichen Zeitraum. Fast unkommentiert. Die HN (das den Alldeutschen nahestehende Blatt) vom 20. Juli ist hochinteressant: Es suggeriert (freiwillig oder gesteuert?), dass Österreich, indem es vorderhand schweigt, seine Schritte „die sogar zu einem Krieg führen können“ (sic!), besonders sorgfältig vorbereite. Die HN verfahren hier massiv regierungsnah. Und natürlich auch wieder, fast pawlowsch: Lokalisierung! Aber wie kann ich für eine Lokalisierung sein, wenn mein einziger Kriegsplan „Weltkrieg“ heißt und ich genau weiß: Russland wird Serbien nicht fallen lassen?

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Kommentare

  • KL  On August 1, 2014 at 14:17

    „Haben die Falken im Generalstab die Politiker überspielt, oder herrschte Einigkeit? Ich weiß es nicht. Aber genau darum geht es…“

    Dazu scheint mir Sebastian Haffner sehr klar und vollkommen überzeugend („Von Bismarck zu Hitler“, Kindler 1987, S. 113-122): die zivilen Instanzen sind von den militärischen vorgeführt worden. Bethmann Hollweg wollte nur gegen Rußland marschieren, hat auch den Kaiser davon überzeugt – aber die Militärs hatten nur noch den Schlieffen-Plan (zuerst mit Übermacht Frankreich ausschalten, dann alles gegen Rußland, von dem angenommen wurde, daß es lange zur Mobilmachung braucht). Bethmann Hollweg wollte aber unbedingt Rußland als Aggressor erscheinen lassen und hat darum erst die Nachricht von der russischen Mobilmachung abgewartet; und obendrein ist durch den Angriff auf Frankreich unter Verletzung der Neutralität Belgiens Englands Kriegserklärung unumgänglich geworden. Der ganze Plan Bethmanns brauchte die englische Neutralität als Schlußstein, der ihm also von der starren Planung der Militärs weggenommen wurde. Ganz abgesehen vom Scheitern des Frankreichfeldzugs selbst, der dann auch noch Truppen band, die im Osten gebraucht wurden.

    In dem Brief Stolbergs an v. Jagow, der in dem o. a. Archiv der serbischen Erklärung folgt, ist doch übrigens sehr klar zu sehen, daß von einigen in Österreich-Ungarn hier wirklich eine Politik des kalkulierten Risikos betrieben wurde. Wie sehr das zusammenging mit der Kriegspartei in Berlin (v. Jagow, Stumm und Militär) zeigt mir die kurze Darstellung von Fritz Fischer völlig eindeutig und überzeugend („Die Außenpolitik des kaiserlichen Deutschland und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs“, in: „Hitler war kein Betriebsunfall“, Beck 1992, S. 29-65; dort S. 43-54).

    • hf99  On August 1, 2014 at 20:51

      In den Grundzügen war Bethmann der Schlieffenplan bekannt, auch wußte er (im Gegensatz vermutlich zu Kaiser Wilhelm, der ja in der berühmten Szene mit Moltke völlig fassungslos war, dass nicht einfach nach osten geschwenkt werden kann), das es keine Alternative „Aufmarsch primär im Osten“ mehr gab; seit 1912 nicht mehr. Die vollständige Fokussierung auf Krieg mit Frankreich zuerst, diese restlose Horizontverengung auf einen Plan, das völlige Fehlen von Alternativen macht einen auch heute noch fassungslos.

      Zu bethmanns widersprüchlichem Verhalten Ende Juli – flaues, halbes Weiterleiten der englischen Vermittlung – komme ich noch. ich glaube, dass bethmann den krieg wollte (weil er ihn als unausweichlich sah) und sein „Zögern“ Ende Juli eher für die Archive gedacht war. Wenn Berlin gewollt hätte, hätte es den Weltkrieg – der Ende Juli als solcher erkennbar war – vermeiden können. Berlin wollte nicht.

      • KL  On August 2, 2014 at 12:25

        Ich lese in den beiden o. a. Texten allerdings, daß Bethmann zwar schon den Krieg mit Rußland wollte, aber doch gern zugleich die Neutralität Englands gesichert hätte. Fischer zitiert die Mitteilung des englischen Botschafters Goschen, dem gegenüber Bethmann am 4. August, beim Abschied nach der engl. Kriegserklärung, ausgerufen haben solle, daß mit England Kriegseintritt seine ganze Strategie „wie ein Kartenhaus“ zusammenfalle (S. 54, Fn. 66). Das kann natürlich eine taktische Finte gewesen sein, um England in dieser Frage Unschuld vorzuspiegeln. Mir scheint es aber echte Verzweiflung gewesen zu sein, da er nach der Ablehnung des vierten englischen Vermittlungsvorschlags am 27. Juli dem Kaiser schließlich doch erklärte, daß Deutschland diese Verweigerung nicht unendlich lange durchhalten dürfe, wenn es nicht als eigentlicher Kriegstreiber dastehen wolle (S. 50) – also langsam ahnte, daß er mit dem wichtigsten Element seiner Strategie va banque zu spielen begonnen hatte. Haffner schreibt im selben Sinne, Bethmann habe noch „nach dem Einmarsch in Belgien und nach der Kriegserklärung an Frankreich verzweifelt versucht, die Engländer zu überreden, nicht für einen ‚Fetzen Papier‘, wie er die Garantie der belgischen Neutratlität nannte, in einen Krieg zu ziehen, der alles in Europa durcheinanderbringen müßte.“ (Haffner, S. 121)
        Fischer schreibt durchaus, daß die „Weltbrand“-Warnungen an Wien vom 29. Juli zwar „nur halbherzig“ vertreten wurden, aber weil ihn zu dieser Zeit nur das Abwarten der russischen Mobilmachung „wirklich beschäftigte“ (Fischer, S. 51). Das klingt so, als habe Bethmann gehofft, das englische Problem löse sich von selbst, weil diese Mobilmachung schließlich auch die Engländer überzeugen würde, daß die Deutschen nicht nur als „die Angegriffenen“ erscheinen, wie ein deutscher Admiral von Müller am 1. August befriedigt notiert (Fischer, S. 50, Fn. 61) – sondern es auch tatsächlich seien. Dazu paßt seine Reichstagsrede vom 4. August, die Thronrede Wilhelms vom gleichen Tag und alle offiziellen Verlautbarungen vom 1. und 2. August, die aller Welt zu erklären suchen, Deutschland sei ein Krieg „mit Rußland und Frankreich“ aufgezwungen worden – von England ist nie die Rede (Fischer, S. 54, Fn. 65).

      • KL  On August 2, 2014 at 13:00

        Nach Rekapitulation der bisherigen Posts, zur präventiven Klarstellung: ich vermute nicht, daß Bethmann Frieden wollte und die Militärs den Krieg, sondern daß beide Krieg wollten – aber verschieden arrangierte. (Haffner, S. 118: „Mithin verfolgte Bethmann einen Kriegsausbruchsplan, der ihm schon im voraus von der deutschen Generalstabsplanung aus der Hand geschlagen war.“)
        Meine nächste Frage wäre also nicht: warum ein friedenswilliger Bethmann überspielt worden ist, sondern: warum er in der ‚berüchtigten Szene mit Moltke‘ nicht richtig reagiert hat ? Hat er nicht erkennen wollen, daß sein eigener Kriegsplan damit erledigt war ? Und sich in die Illusion geflüchtet, es ließe sich den Engländern schon irgendwie glaubwürdig einreden, daß Deutschland angegriffen sei ? Dann hätte er natürlich selbst noch Öl in das Feuerchen gegossen, das mit dem Beharren der Militärs auf dem Schlieffen-Plan schon unter seiner Stratgie brannte – indem er dessen sowieso schon schwache Erfolgsaussicht erst recht ruinierte, mit dem Abwarten der russischen Mobilmachung.

        • hf99  On August 2, 2014 at 21:04

          bitte den extrem wichtigen innenpolitischen Aspekt nicht vergessen: Plan war es, unter allen Umständen insbesondere auch vor den Sozialdemokraten als der von Russland angegriffene zu gelten. Man gewichtet dasBemühen um englische neutralität heute etwas anders: Englands Landmacht wurde unterschätzt. Englische Neutralität wäre nice to have, aber den Krieg wollte man so oder so. Tatsächlich waren die englischen ressourcen dann in der Marneschlacht der entscheidende Surplus. Allein hätte Frankreich Marneschlacht und Krieg vermutlich verloren. Dazu, dass Deutsxchland in jedem fall Krieg wollte, eine rechtzeitige Warjnung Greys gar nichts gebracht hätte, Mombauer p. 85ff, dort auch eine kluge und gute Verteidigung Greys, der zB von Clark extrem unfair behandelt wird.

          • KL  On August 2, 2014 at 21:45

            Ich sehe jetzt nicht recht, wo wir eigentlich Dissens haben und muß das Gesagte erst einmal überschlafen, mir fehlt wohl Kontext. (Denn der Satz, ich glaube bei Fischer, die Darstellung der russischen Mobilmachung als eindeutiges Zeugnis für die Unschuld Deutschlands habe wohl die deutschen Sozialdemokraten, nicht aber England überzeugt, ist mir ganz und gar einleuchtend. — Daß die englische Streitmacht an der Marne bedeutend für den Ausgang war, wußte ich nicht; ich hatte bisher eh angenommen, Bethmann habe gewußt, daß Englands Neutralität entscheidend für das Gelingen seiner Kalkulation sei, daß er also eine .gewisse Potenz vermutet hatte. — Daß Clark vieles nicht richtig sehen kann, ist meine feste, wenn auch nicht verteidigte Überzeugung: ich habe ihn, außer stehend im Buchladen, nicht gelesen. Aber alles, was ich höre, läßt mich die Augenbrauen heben; gut, daß er wohl wenigstens selbst öffentlich einigen allzu deutschfreundlichen Deutungen entgegentritt, wie ich meine gehört zu haben …)

            • hf99  On August 2, 2014 at 22:02

              ich sehe auch gar keinen Dissenz, wollte nur ergänzen. Aber stört mich doch nicht in meiner Chronologie 😉

          • KL  On August 3, 2014 at 10:57

            Daß die englischen Ressourcen entscheidend waren, überzeugt mich nicht sofort. Ich muß zwar Genaueres dazu erst noch lernen, ich kenne zu wenig Details – aber wenn ich mich auf wikipedia verlassen kann, hatten die Engländer „bis zum Herbst 1914“ nur vier Infanterie- und eine Kavalleriedivision an der Front. Das wären kaum mehr als 70.000-80.000 Mann (wenn ich hier behelfsmäßig die Truppenstärke einer englischen I.division aus dem 2. WK annehme, da ich sonst keine Daten habe) und das sind weniger als 10% der (bei wikipedia) angegebenen Gesamtstärke der Alliierten an der Marne. Auch das dort angegebene Verhältnis der Verluste (97% Franzosen, 3% Engländer) bekräftigt meine vorläufige Vermutung: die Franzosen hätten es durchaus allein geschafft. Aber das nur nebenbei. (Wie wenig sich übrigens die Schlacht letztlich als Symbol eignete, außer, daß mit ihr der erste deutsche ‚Blitzkriegsplan‘ gescheitert war, zeigt mir z. B. diese Schilderung: http://preview.tinyurl.com/nlztu4d. Sorry for messing up the chronological order.)

            • hf99  On August 3, 2014 at 20:17

              sie waren für den deutschen Entsckluß zum Rückzug (die berühmte Lücke zweischen erster und zweiter Armee, in der sich das BEF aufhielt) entscheidend. Ob es Deutschlabnd auf einen Melee-Kampf hätte ankommen lassen sollen? Naja, Deutschland hätte nie Krieg führen sollen, aber davon ab: Vermutlich hätten die Deutschen gewonnen. Wir werden es nie wissen…

              • KL  On August 4, 2014 at 00:09

                Ja, aber ich meine, das war Zufall: wenn die Engländer nicht dagewesen wären, hätten es eine Handvoll französischer Divisionen übernehmen müssen – und genau so gut erledigt. Dann hörten wir heute von den großartigen Leistungen der x-ten Division der y-ten frz. Armee. Nur an den Zahlen geurteilt. (Allerdings durchaus im Wissen darum, daß French, der Befehlshaber der BEF bald abgelöst wurde – wegen zu großer Zögerlichkeit. Also daß die Engländer so recht entscheidend gewesen seien, weil sie die Engländer waren, geht mir nicht so recht ein. – Aber es ist auch nicht so wichtig. Nur für die Deutschen war es eine erstaunliche Schlacht. Die Alliierten wußten denn wohl doch zu gut, daß sie glimpflich davongekommen waren, aber keine napoleonische oder wellingtonsche Brillanz bewiesen hatten. Der deutsche Größenwahn hatte halt noch nicht genug Mittel, zu tun, was er 1940 tun konnte.)

  • summacumlaudeblog  On August 2, 2014 at 21:59

    @hf „Tatsächlich waren die englischen ressourcen dann in der Marneschlacht der entscheidende Surplus.“ der „Bajonett-Stoß“ in die Leber soll Chruchill gesagt haben. Haffner bestreitet das ein wenig.

    @KL“gut, daß er wohl wenigstens selbst öffentlich einigen allzu deutschfreundlichen Deutungen entgegentritt, wie ich meine gehört zu haben“ ist mir neu, aber würde es treffen. SOOOO viel Unschuld, wie so einige Deutsche es gerne hätten, kann kein Historiker verteilen…

    • hf99  On August 2, 2014 at 22:03

      es geht mir um die puren Ressourcen, die zusätzlich da waren. Dass Winnie daraus gleich wieder n britisches Heldending macht…naja.

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