Protective Edge – mit kleinem Update

Nach dem grausamen Rachemord an einem arabisch-israelischen Jungen hatten Israels Liberale eine Rassismusdebatte angestoßen. Doch nun geht die Selbstreflexion im Kriegsgetöse unter. In Sderot, einem Grenzort des Gazastreifens, sagt ein 60-Jähriger ungeniert vor seinen Freunden: „Ich habe ja nichts gegen alle 300 Millionen Araber, aber die zwei Millionen in Gaza sollten wir vernichten.“ Seine Freunde nicken. Namentlich zitieren lassen will sich keiner von ihnen.

Ich glaube dem SpON-Bericht, weil er realistisch klingt. Wer, wie David Grossmann es richtig sieht, jahrelang im inneren Ausnahmezustand lebt, entwickelt solchen Haß. Die Frage, wohin die israelische Gesellschaft treibt, und ob man da so langsam von Rassismus und Faschismus reden könne, darf nicht nur, sie muss gestellt werden – und bitte ohne pawlowsche Antisemitismus-Riecherei, dazu ist die Situation einfach zu Ernst. Kein Mensch, der für zwei Sekunden bei moralischem Trost und Verstand ist, bestreitet den Israelis das Recht, zu leben „nach dem Gesetz, nach dem sie angetreten“. Kein Mensch bestreitet Israels legitime Sicherheitsinteressen. Man hat alles durchgewunken, auch Israels klammoffene atomare Bewaffnung (die ich, soviel mal zu meinem „erwiesenen Antisemitismus“, weiterhin für richtig, weil leider notwendig, halte, denn der Haß der muslimischen Welt mag zwar Gründe haben, aber er ist real). Man hat Israel Dinge zugestanden, die man keinem anderen zugestünde. Mit Recht. Aber das geht nicht!

Ich räume klaglos ein: Auch ich habe in den Vorwürfen, Israel wolle ein „Großisrael“ schaffen, jahrelang einen antisemitischen Mythos gesehen. Wenn ich mir die strunzdumme Siedlungspolitik Israels in den letzten Jahrzehnten so ansehe – und noch ne Siedlung, und noch eine, und noch eine, immer wieder, immer wieder -, muss ich inzwischen einfach zu dem Schluß kommen, hier wolle man tatsächlich schlicht Fait Accomplies schaffen. Und wenn es nach Herrn Lieberman und Herrn Feiglin geht, soll wohl auch „ethnisch gesäubert“ werden. Man ist kein Antisemit, wenn man die Herren Lieberman und Feiglin als das bezeichnet, was sie sind: Als einzige politische Katastrophe.

Laut spricht der stellvertretende Parlamentssprecher Moshe Feiglin von der regierenden Likud-Partei seinen Plan aus: „Gaza ist Teil von unserem Land.“ Rücksichtslos solle Israel den Gazastreifen erobern und besiedeln. Die Palästinenser will er nach Ägypten in den Sinai schicken.

Wenn SpON hier korrekt zitiert – und es scheint so zu sein (Belehrung nehme ich gerne entgegen) -, dann führt kein Weg mehr vorbei: Das ist Faschismus. Sorry.

Und man komme mir nicht mit der Hamas. Dass die Hamas eine korrupte, religiös verbrämte kriminelle Vereinigung ist, weiß ich, ich bin ja nicht doof. Aber von den Palästinensern erwarten, dass sie sich, während Luftangriffe rollen, gegen die Hamas stellen, ist bestenfalls naiv. (Kleines Intellektuellen-update: ich finde den Aufsatz, den burks verlinkt, auch gut – aber neu ist die Erkenntnis natürlich nicht: Die Unfähigkeit, die Perspektive des „Gegners“ einzunehmen, als eine wesentliche Ursache von Kriegen sehen…das ist Forschungsstandard seit Jahrzehnten.)

Ich weiß selbstverständlich auch – so verquer, so verquast ist die Realität leider -, dass viele, insbesondere in Deutschland, sich vor Freude gar nicht mehr einkriegen, es den „Scheiss-Juden“ (O-Ton, selbst gehört!) jetzt mal so richtig zu besorgen. Ja-ha, da ist man wieder im alten Trott, nicht wahr? Als hätt es nie aufgehört (es hat nie aufgehört, nicht in Deutschland, diesem innerlich verwahrlosten Land, dieser Müllbude). Ihr Elenden. Ich war noch nie auf einer „israelkritischen“ Demo und werde nie dort sein: Die Gegenwart von Gesindel muss ich mir nicht auch noch freiwillig und in meiner Freizeit antun.

Dennoch, es hilft nichts: irgendwer muss Israel jetzt zur Vernunft bringen, in dessen eigenem, wohlverstandenen Interesse. Die bedingungslose Solidarität, die der christlich geprägte Westen den Israelis aus wahrlich berechtigtem schlechten Gewissen jahrzehntelang gewährt hat, muss aufgekündigt und in eine bedingte Solidarität transformiert werden. Existenz Israels „Ja“, Unterstützung der aggressiven Siedlungspolitik „Nein“. Und wenn die muslimische Welt diesen Rat zeitgleich transponiert und ihre ebenso verquaste „Solidarität“ mit den Palästinensern auch mal aufkündigte und per Geldhahnzudrehendrohung Friedensbereitschaft einforderte, wären wir schon um einiges weiter. Erst muss Frieden sein, machtgestützt von beiden Seiten, die dort ihre Stellvertreterhasen am Laufen haben. Danach kann man sich an die Arbeit machen, die nach all dem gegenseitigen Haß Generationen erfordern wird: Nämlich innere Abrüstung herstellen. Israelis sind keine „Scheiss-Juden“ und Palästinenser kein „Muselpack“ – bei beiden scheint es sich, ich tippe es, vor Kühnheit zitternd, um Menschen zu handeln.

Und wenn das jetzt Antisemitismus ist, dann bitte mehr davon!

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Kommentare

  • KL  On Juli 24, 2014 at 00:30

    Vor fünf Jahren war ich zum ersten Mal in Israel und mein Gefühl sagte mir bald: hierher nicht wieder. Die Luft ist dort nicht gut. Ein intelligenter und politisch wacher jüdischer Israeli z. B. kam im Gespräch an den Punkt, zu sagen: was wollen denn die hier, das ist doch unser Land, wir waren früher hier …

    Derselbe Israeli sprach aber auch mit Verachtung von dem damals wegen sexueller Nötigung angeklagten Präsidenten, von den Korruptionsskandalen der Regierungspolitiker, wenn er auch nichts über das Mißverhältnis dieser kleinbürgerlichen Jämmerlichkeit zu dem permanenten Kriegszustand sagte. Vermutlich dachte er es sich, im Stillen.

    Ich glaube seitdem, man müßte wagen, von dem Gedanken auszugehen: der Staat Israel ist illegitim – und notwendig; der Staat Israel ist notwendig – und illegitim.
    Dann wäre wenigstens das Gewicht der Aufgabe deutlich.

    • hf99  On Juli 24, 2014 at 00:44

      illegitim ist jeder Staat, zB der deutsche, der mit Hilfe der Emser Depesche und mit Hilfe von Bestechungsgeldern (Bismarck an König Ludwig von Bayern) gegründet wurde…

      Aber Ihrem Chiasmus stimme ich aus literarisch-menschlichen Gründen natürlich zu.

  • Noergler  On Juli 24, 2014 at 00:43

    Netanjahu konsequent: Tote werden selbstverteidigt

    Erinnern wir uns an den Hergang: Unter Kerry sind die Friedensverhandlungen zusammengebrochen, weil, so Kerry selbst, die Siedlungspolitik weiterging. Darauf haben sich die (finanziell und in der öffentlichen palästinensischen Reputation auf dem letzten Loch pfeifende) Hamas und die Fatah zusammengetan, was in den USA und Europa begrüßt wurde. Folgerichtig mußte Netanjahu angesichts dieser möglicherweise lösungsträchtigen Entwicklung einschreiten. Es wurden hunderte von Hamasmitgliedern verhaftet, wobei den Vorgang der Verhaftung nicht alle überlebten.

    Enttäuschenderweise verhielt die Hamas der ungeheueren Provokation zum Trotz sich ruhig, was wir als Ausdruck des gesteigerten Hamas-Interesses an der Vereinigung mit der Fatah werten dürfen – dumm gelaufen für Netanjahu, der weiterhin vor einem ungelösten Problem stand: Da tut man alles, um Unfrieden zu stiften, und die Gegenseite will partout nicht unfriedlich sein.

    Mit präzisem Timing wurden dann drei israelische Religions(!)schüler entführt und ermordet. In der Tat sieht das nach der „Strategie der Spannung“ aus, einer Spannung, an der die Hamas in dieser Situation kein Interesse hat, die israelische Regierung jedoch durchaus.

    Nunmehr mussten die drei Getöteten selbstverteidigt werden, indem man Bomben in die Sardinenbüchse Gaza wirft. Bis heute 200 abgemetzelte Palästinenser pro einem getöteten Juden lassen erkennen, was eine israelische Regierung unter Selbstverteidigung versteht.

    Jetzt möchte die Hamas ihre immerhin symbolische Kompetenz beweisen, indem sie ihre Polenkracher aus dem Baumarkt ins Nirwana schmeißt. Dass dabei kein Israeli verletzt wurde, ist äußerst erfreulich. Das bejubelte ich.

    Die Freude über die aktuellen terminatorischen Erfolge der IDF hingegen überlasse ich den klerikalfaschistischen Siedlern in Israel und den philosemitischen Schmierlappen hierzulande.

    • hf99  On Juli 24, 2014 at 00:54

      mag so gewesen sein (ich kanns nicht überprüfen). Who cares! Entscheidend bleibt die Frage Lassen sich die Betroffenen (Palis UND Israelis!) den Konflikt als in ihrem Namen geführt aufschwatzen.

  • Manfred Peters  On Juli 24, 2014 at 11:32

    Die amerikanischen Fluggesellschaften dürfen/müssen auf Druck der zionistischen Lobby wieder den Flughafen Ben Gurion anfliegen.
    Da es Laut Merkel und Peter (Grüne) zur „Deutschen Staatsräson“ gehört den Wünschen Amerikas und Israels zu folgen, würde ich erwarten, dass die deutschen Fluggesellschaften nachziehen.
    Die Frage: Was passiert, wenn aus versehen durch die Hamas oder das mehr schlecht funktionierende Abwehrsystem der Israelis ein Passagierflugzeug abgeschossen wird?

    • hf99  On Juli 24, 2014 at 13:13

      „auf Druck der zionistischen Lobby“ – genau deswegen bin ich, siehe oben, niemals auf einer „israelkritischen“ Demo.

      • Manfred Peters  On Juli 24, 2014 at 13:38

        Ich auch nicht, selbst wenn es eine solche in meinem Umkreis geben sollte!!!
        Wenn Du mir aber dieses Zitat (findest Du nicht nur bei der ARD) deuten könntest, „Der israelische Transportminister Israel Katz sprach von einer „sehr wichtigen Entscheidung“ der FAA. Man habe „auf allen Ebenen“ agiert, um die USA wieder von dem Flugverbot abzubringen. „Wir haben erklärt, wie sicher der Himmel über Israel ist, …“, können wir ja vielleicht sachlich weiter diskutieren.
        Mit genova68, der auch gerade versucht den unschuldigen Klaus Baum zum Antisemiten zu machen, geht das nicht, das hat schon eine üble Geschichte und ich möchte hier nicht den „Bersarin“ machen. 😦

        • genova68  On Juli 24, 2014 at 14:37

          „Der israelische Transportminister Israel Katz sprach von einer “sehr wichtigen Entscheidung” der FAA. Man habe “auf allen Ebenen” agiert, um die USA wieder von dem Flugverbot abzubringen. “Wir haben erklärt, wie sicher der Himmel über Israel ist,“

          Manfred Peters,
          ich erklärs dir gerne. Ich gehe davon aus, dass das Zitat stimmt und du selbst die Hervorhebung angebracht hast. Israel hat ein starkes Interesse daran, dass der Flughafen von Tel Aviv wieder angeflogen wird, das muss man nicht weiter erläutern. Also reden die mit dieser Luftfahrtbehörde. Sie erörtern vielleicht, warum sie Landungen für sicher halten, vielleicht haben sie einen weiteren Iron Dome dort hingestellt, vielleicht andere Waffen, vielleicht gab es gar indirekte Gespräche mit der Hamas, was auch immer. Man könnte also davon ausgehen, dass die FAA ihre Entscheidung gefällt hat aufgrund von Fachinformationen.

          Was macht M. Peters daraus? Eine zionistische Lobby, die sich einen Scheiß um die Sicherheit der Fluggäste kümmert und so mächtig ist, dass sie es mit der FAA aufnehmen kann, dazu auf den heimlichsten Ebenen, Mossad, operiert. Die amerikanischen Airlines gefährden ab sofort wieder ihre Fluggäste, sie wollen es nicht, aber sie können sich gegen den Juden nicht wehren. Der Jude hat die totale Macht, das will uns M. Peters offenbar sagen. Äh, entschuldigung, heute sagt man ja Zionist.

          Aus einer völlig harmlosen Meldung eine Verschwörung zusammenbasteln, darauf muss man erstmal kommen.

          Aber gut möglich, dass du, Manfred, das gar nicht intendiert hast. Antisemitismus als automatischer Ausfluss.

          • Garfield  On Juli 26, 2014 at 01:24

            Den speziellen Vorfall & die Motivation des israelischen Transportministers mal dahingestellt –
            aber wenn jüdisch/israelische Lobbygruppen in den USA keinen *starken* Einfluß haben – sind auch die Bertelsmann-Stiftung & Springer samt ihren Vernetzungen absolut unbedeutend, alles andere nur wilde VTs…

            Bevor ich hier auf einzelne Lobbygruppen & Think Tanks eingehe, verweise ich einfach mal auf die Liste im engl. Wikipedia-Artikel; von da kann man sich ja durch einzelnen Gruppen/Think Tanks mit teils sehr „weitläufigem“ Einfluß arbeiten.

            Ansonsten – wenn auch gern von Rechtsextremen/echten Antisemiten mißbraucht – empfehle ich zum Thema mal die Doku „Defamation“ / „Diffamierung“ von Yoav Shamir. Subjektiv, MMN aber ziemllich ausgewogen; den unterstellten „Selbsthass“ konnte ich bei Shamir jedenfalls nicht finden.

            btw – auch wenn das Wort ‚zionistisch‘ inzw einen „Beigeschmack“ hat, ist es eigtl völlig wertfrei – eben die Bezeichnung für „jüdischen Nationalismus“…
            (als Begriff im Grunde ebenso wertfrei – auch wenn N. heute v.A. =National-Chauvinismus steht – die „Europ. Integration“ ist unterm Strich nicht weniger nationalistisch als annodazumal die Reichsgründung)

            • hf99  On Juli 26, 2014 at 02:03

              natürlich…

              Frage: verfolgt Israel im Rahmen der Machtspiele der Nationen knallhart eigene und nur eigene Interessen? Antwort: natürlich! So, wie jede andere Nation leider auch! Dass Israel nienichnimmermehr lügt und fälscht und schummelt, sondern in hehrer Seinseigentlichkeit jüdische Werte in die Welt hinein leuchtet, ist eine seppeldeppeldämliche Projektion des aufgeblasenen Philosemitismus. Israel jedoch gesondert und alleinig vorzuwerfen, dass es – „typisch jüdisch“ – genau das tut, was alle, wirklich alle anderen Nationen dieser Welt eben leider auch tun, nämlich knallharte Interessenpolitik zu betreiben…das ist Antisemitismus. ich trommel das seit 25 Jahren. Hilft nix, für das selten dämliche jungle world Pack bin ich vermutlich ein „erwiesener Antisemit“, für die Pali-Soli-Hirnis ein „pro-zionistischer Schuld-Deutscher, der sich aus negativ-nationalen Gründen dem waaaaahren Internationalismus verweigert“. Und für diese beiden ersichtlich durchgeknallten (und zutiefst aufeinander bezogenen) Gruppen möchte ich jeweils auch nichts anderes mehr sein. Wenn mich die Inkarnierung intellektueller Unanständigkeit namens jungle world n i c h t erwiesener Antisemit nennte, wenn mich das Pali-Soli-Pack n i c h t zum zionistischen Nationalisten labelte, müsste ich mich jeweils fragen: Was, um alles in der Welt, habe ich falsch gemacht? Womit habe ich das verdient, diese jeweiligen Ehrentitel nicht zu bekommen?

              • Garfield  On Juli 26, 2014 at 13:21

                „… zum zionistischen Nationalisten labelte, müsste ich mich jeweils fragen: Was, um alles in der Welt, habe ich falsch gemacht?“

                da sagst du was 😉

                ansonsten hast du natürlich Recht: Israel unterscheidet sich da von keinem andern Staat der Welt…
                ich seh aber schon einen Unterschied – denn wenn zur Interessens-Durchsetzung –teilweise– (!) „Antisemitismus“ benutzt wird (ist nunmal Fakt – den abzustreiten setzt schon eine sehr rosarote Brille voraus; bzw wäre genauso Realitäts-fern wie zu behaupten, „Israelkritik“ könne niemals nie nur verschleierter A. sein…), hat die Sache schon einen besonderen Beigeschmack – denn dank Shoah ist das nunmal ein spezieller Level von Rassismus…

                leider ist man aber damit schon an einem Punkt, wo man sich schnell jede Menge Spinner an Land zieht, was eine _rationale_ Diskussion dazu fast unmöglich macht.

                @Jungle World, was soll man dazu sagen… wär ungefähr so, als ob ungarische Linke ihre Unterstützung aus „Solidarität zu Europa“ ausgerechnet Repuplikanern o. dem rechten Flügel der Union zukommen lassen würden – und die linken/pazifistischen Kräften hierzulande dabei völlig(?) übersehn…

                • Garfield  On Juli 26, 2014 at 13:25

                  *edtit:
                  streiche … zum zionistischen Nationalisten labelte.

                  beim c&p Maus zuweit rüber gezogen … ging eigtl um „falsche Freunde“ allgemein

  • genova68  On Juli 24, 2014 at 11:52

    „Die amerikanischen Fluggesellschaften dürfen/müssen auf Druck der zionistischen Lobby wieder den Flughafen Ben Gurion anfliegen.“

    Klar, was auch sonst. Der Jude zwingt zivile Passagiere, sich abschießen zu lassen. Die nichtjüdischen Fluggesellschaften sehen die Gefahr, werden aber vom Juden gezwungen.

    Bei solchen Kommentaren sieht man sehr schön, wie weit verbreitet der Antisemitismus ist. Und da brauchen wir keine israelische Politik, keine Toten im Gazastreifen.

    Das hat nichts mit dem Artikel von Hartmut da oben zu tun, dem man zustimmen kann, aber man sieht, wie schnell das geht. Gerade im entfernteren Bekanntenkreis von einem eigentlich vernünftigen Menschen (75) gehört: Die Juden machen mit den Palästinensern das, was die Deutschen mit den Juden gemacht haben. Warum haben die nicht daraus gelernt?

    In der Zeit vom 17. Juli steht ein aufschlussreicher Artikel zum Thema von Tuvia Tenenbom, jüdischer Theatermann, lebt in den USA und in Deutschland, S. 40. Keine Empathie mit dem Gegner, den Palis, und eine arrogante Schreibe, die vor allem ihn selbst feiert. Dazu so eine Art israelische Dolchstoßlegende: Die Israelis sind zu selbstkritisch und gehen nicht massiv genug gegen die Palästinenser vor. Der Artikel ist zu lang, um ihn hier zu referieren, lohnt aber.

    Solche Leute sind Kriegsantreiber, und die gibt es auf beiden Seiten.

    • hf99  On Juli 24, 2014 at 13:27

      Leute wie Tenenbom sind die schlimmsten, weil sie subjektiv so ehrlich so aufrichtig sind. Die glauben wirklich, dass man den Palis „alles, alles“ angeboten habe, immer wieder, nur die pöhsen Palis hätten immer „Nein“ gesagt.

      Natürlich gibt es die Kriegstreiber auf beiden Seiten.

      Im Prinzip wollte ich nix mehr sagen zum Thema (weil öde, immer das gleiche), aber wenn inzwischen verantwortliche Politiker ziemlich unverholen über ethnische Säuberungen schwadronieren (freiwillig ganz seffaständlich…aber wenn die nicht wollen, was macht Feiglin dann?), wenn in der israelischen Gesellschaft inzwischen unverholen, in ihrer Mitte, nicht bloß bei ein paar Durchgeknallten (die es überall gibt) Tod-den-Arabern als Lösung gilt, dann muss man sich schwere Sorgen machen. Wo soll das enden?

      • genova68  On Juli 25, 2014 at 09:26

        „weil sie subjektiv so ehrlich so aufrichtig sind.“

        Genau. Könnte aber auch am Lektor der Zeit liegen, die Texte lesen sich stilistisch eh alle gleich.

        Die beste Stelle ist die, wo er einen Hamas-Raketenangriff auf Jerusalem beschreibt. Er geht aber nicht in den Luftschutzkeller, sondern auf seinen Balkon und guckt zu, wie das Abwehrsystem die Rakete zerstört. Für ihn ist das real ein interessantes Feuerwerk, da kann er noch so viel von Bedrohung schreiben.

  • Bersarin  On Juli 24, 2014 at 14:30

    Die Richtung der Diskussion zeigt sich immer an solchen Bilder, wenn dann Dumpfdrosseln wie Julia Schramm solche Bilder auf Twitter posten:

    https://twitter.com/laprintemps/status/491992671121321984

    Ja, was haben wir denn da? Atomwaffen? Chemische Waffen? Präzisionsraketen? Nein, schlichte AK 47 oder irgend etwas vom deutschen Waffenlieferer Heckler & Koch, wie sie in der BRD in jeder Polizeistation herumliegen, um sie wildgewordenen Piraten:innen unter die Nase zu halten.

    Don Alphonso schrieb es sehr schön: „Ich bin nur angewidert von den Schramms dieser Welt, die auf dem Grauen versuchen, ihre arisch-ideologischen Kriege auszuführen.“ Etwas polemisch zwar, aber doch in der Sache zumindest treffend.

    Nein, es geht nicht um die Verteidigung der Hamas. Das ist ein klerikaler Verein. Und es geht auch nicht darum, daß es in Berlin, in der BRD Menschen gibt, die nun unverhohlen ihrem Antisemitismus freien Lauf lassen. Genauso schlimm wie diese sind die vom Nörgler zu Recht genannten Philosemiten. Das schlimmste in dieser Situation ist der einseitige Blick, der weder nach der einen noch zur anderen Seite hin zu den nötigen Differenzierungen fähig ist.

    Die israelische Siedlungspolitik, dabei bleibt es, ist ein Grauen und verantwortlich für diese Eskalation. Die Sturheit der Hamas, die die Palästinenser als Faustpfand nimmt, auf ihre Weise freilich auch. Aber im Moment haben die Palästinenser nun einmal niemand anderen als die Hamas. Die USA sind seit langer Zeit ein eher nicht geeigneter Partner.

    • hf99  On Juli 24, 2014 at 16:00

      Über das philosemitische Gesindel habe ich mich hier ja auch jahrelang ausgelassen – das ist für mich auch ganz präpolitisch schlicht unanständiges Pack mit seiner elenden Antisemitismusriecherei. „Wer Antisemit ist bestimme ich“ herrmanngöringt es aus ihnen.

  • Dirk  On Juli 24, 2014 at 14:35

    Wenn man die revolutionstheoretische Schlagseite weglässt eine brauchbare Analyse: http://che2001.blogger.de/stories/2420547/#comments

    • Bersarin  On Juli 24, 2014 at 14:52

      Die revolutionäre Komponente kann man aber in diesem Falle nicht einfach so beiseite lassen. Ansonsten kommt man nämlich bei einer Nationalstaatenlösung an. Zwei Staaten mögen einerseits ganz schön sein. Aber sie perpetuieren nur die Probleme. Das entscheidende Wort heißt hier – wie immer im Kapitalismus: Konkurrenz. Auch bei zwei Staaten, einem israelischen (mit vornehmlich Juden) und einem palästinensischen im Westjordanland (ohne Siedlungsverhackstückelung: also Abzug sämtlicher Siedler) wird es Kämpfe um die wichtigste Ressource dort geben: Wasser. (Schon jetzt graben übrigens die Israelis den Palästinensern massiv das Wasser ab. Wie es bei zwei Staaten wäre und wo der nächste Krieg liegt, kann man sich ausrechnen.)

      [Im übrigen bin ich der Meinung, daß einer meiner Kommentare im Spam-Filter hängt.]

      • Dirk  On Juli 24, 2014 at 19:40

        Natürlich bringt der Nationalstaat viele Probleme mit sich, wie die Politisierung von Ethnizität und die soziale Schließung entlang nationaler Grenzen. Nur welche Alternative gibt es zu einer Nationalstaatenlösung. Es muß ja nicht zwangsläufig auf eine Zweistaatenlösung hinaus laufen. Letztendlich sind unsere Konzepte von Gleichheit, Demokratie und Mitbestimmung an den Nationalstaat gekoppelt, daher sehen ich momentan keine Alternative die es zum Nationalstaat gibt.

  • summacumlaudeblog  On Juli 26, 2014 at 16:52

    Ein wenig simpel aber für den Alltag sehr brauchbar ist diese Formel: Kritik Israels mittels einer Spezialkategorie, die an kein anderes Land/keine andere Gesellschaft angelegt wird (in diesem Fall: Zionismus), ist eine argumentative Sonderbehandlung, für die es keine Rechtfertigung gibt. Dagegen ist eine Kritik von unbestreitbar unguten Phänomenen der israelischen Gesellschaft selbstredend erlaubt. Gemeint ist natürlich das Siedlerphänomen, also religiöser Fundamentalismus.
    Wer diese erlaubte und notwendige Kritik im vorrauseilenden Philosemitismus unterbinden will, hat Hintergedanken. Anders ausgedrückt: Wenn Kritik am Siedlerwesen Antisemitismus wäre (Konjunktiv!), dann hätte (erneut Konjunktiv!) Walser mit seiner Paulskirchenrede doch noch Recht gehabt. Aber seien wir getrost: Er hatte ja nicht Recht. Und es sollte doch aller Ziel sein, dass Walser nie Recht bekommen wird.
    Oder ist genau das das geheime Ziel des philosemitischen Springer-Verlages? Walser zu rehabilitieren?

    • Manfred Peters  On Juli 26, 2014 at 17:18

      Könntest Du einem noch simpler gestrickten Geist wie mich am praktischen Beispiel erklären, wie diese Meldung einzuordnen ist: „Angesichts der hohen Opferzahlen beschloss der UN-Menschenrechtsrat eine Untersuchung der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen. „Es scheint eine starke Möglichkeit zu geben, dass das humanitäre Völkerrecht in einer Weise gebrochen wurde, die Kriegsverbrechen darstellen könnte“, sagte Menschenrechtskommissarin Navi Pillay.“?
      Ist das nun Antizionismus, Antisemitismus oder …?
      Auf mich brauchst Du keine Rücksicht zu nehmen, denn ich bin laut genova68 und seines antideutschen Freundes „NKB“ ein „„Israelfeind der anderen Art, der auch noch die europäische Integration gefährdet“  😦

      • summacumlaudeblog  On Juli 26, 2014 at 17:42

        Du hast die Antwortfunktion genutzt, um Deinen Text zu schreiben, will sagen: Irgendwie scheint Dein Text etwas mit meinen bescheidenen Anmerkungen zu tun zu haben. Ehrlich gesagt, wüßte nur zu gerne: Was?

        • Manfred Peters  On Juli 26, 2014 at 18:08

          „Kritik Israels mittels einer Spezialkategorie,… ist eine argumentative Sonderbehandlung, für die es keine Rechtfertigung gibt.“
          Die Kritik der UN-Menschenrechtskommissarin ist doch relativ singulär und wurde von den Offiziellen Israels vehement zurückgewiesen.
          Also noch einmal, wie ist diese „Impertinenz“ der Kommissarin laut Deiner Formel einzuordnen?
          Wenn die Formel dafür unbrauchbar ist, lass es und denk an Spinoza.
          Ich habe doch schon auf meinen beschränkten Verstand hingewiesen. 😦

          • summacumlaudeblog  On Juli 26, 2014 at 20:00

            Dann versuche ich es noch einmal: Es war von einer Spezialkategorie die Rede, die nur auf ein Land angewendet wird, nämlich auf Israel. Diese Spezialkategorie heißt Zionismus. Kein anderes Land dieser Welt wird für seinen (angeblichen) Zionismus kritisiert.
            Menschenrechtsverletzungen hingegen sind universele Kategorien. Mitnichten ist eine solche Kritik singulär. Der Einbau in meine Formel gelingt spielend: Sollten Kriegsverbrechen vorliegen, handelt es sich um kritisierbare „ungute Phänomene“ der israelischen Gesellschaft.
            Ich wollte klar stellen, dass beim Vorliegen kritisierbarer Phänomene in der israelischen Gesellschaft sich sehr schnell jener undialektische, irationale Spin einstellt, der auf den Namen Zionismus hört.

            • hf99  On Juli 27, 2014 at 10:47

              Und, ergänzend: Antisemitismus ist es, allgemeine menschliche Fehler/Vergehen als eben typisch jüdisch zu markieren. Sicher gibt es jüdische Eifersuchtsmörder, wie einem die Kripo in Tel Aviv problemlos sagen kann. Dann aber zu sagen (oder zu suggerieren) „typisch jüdisch: Mord!“ wäre antisemitisch, denn ein Eifersuchtsmord ist nun einmal ein Ereignis, welches wir in allen menschlichen Gesellschaften vorfinden. Es soll, ich will es verraten, hie und da sogar w i r k l i c h Börsenspekulanten geben, die dann auch noch Juden sind. How interessting! Erst durch die (auf der schlichten Faktenebene falsche und problemlos als falsch erkennbare) Suggestion/Behauptung, Börsenspekulationen seien „typisch jüdisch“, wird aus einer harmlosen Tatsachenbehauptung Antisemitimus. Psychologisch gedeutet handelt es sich um eine einfache Abspaltung: Allgemein menschliche Aggressionspotenziale, die allen (natürlich auch Juden!) eignen/eignen können, werden allein „beim Juden“ deponiert und somit innerlich entsorgt. Das ist, in meinen Augen, der schäbige psychische Hintergrund allen Gruppenhasses: Die Ethnisierung des Nicht-Ethnisierbaren und somit die Naturalisierung des Nicht-Naturalisierbaren („Gewalt ist dem Juden eigen, ist seine Natur“). Übrigens: Es gibt sogar wirklich hie und da, neben den weißen, auch schwarze Vergewaltiger. Und nun?

              Aber da redet man nach meinen jahrzehntelangen Erfahrungen gegen Wände.

              Gummiwände.

    • Garfield  On Juli 28, 2014 at 00:07

      Spezialkategorie […] die nur auf ein Land angewendet wird, nämlich auf Israel. Diese Spezialkategorie heißt Zionismus. Kein anderes Land dieser Welt wird für seinen (angeblichen) Zionismus kritisiert.

      zwar wird tatsächlich kaum ein anderes Land mithilfe v. Zionismus kritisiert – dafür aber i.d. Kategorie Nationalismus.
      Und Z. bedeutet im Grund nunmal nichts anders… die Schaffung dieser Kategorie hat ja auch nichts antisemitisches an sich, sondern liegt halt i.d. Geschichte. Als der Staat noch nicht existierte, bot sich eine neue Bezeichnung für dessen Gründungs-Bewegung ja auch an…
      (btw gibt’s solche „Spezialkategorien“ auch anderswo, ob als „Pan-Arabismus“ oder (-mal weit ausgeholt-) „Rangzen“</a – allein aus der Verwendung innerhalb von Kritik würde ich in den Fällen jedenfalls nicht auf Rassismus schließen…)

      in meinen Augen könnte man statt „Zionismus“ auch ebenso „israelischer Nationalismus“ verwenden –
      aber die Situation betr. Israel ist in vielen Bereichen nun mal eine einmalige… nicht nur durch den Holocaust – schon allein durch die über die ganze Welt verstreute „Diaspora“; die inzw nicht mal mehr mit der palästinischen vergleichbar ist, weil man „Israel“ nach Jahrtausenden Exil/Vermischung kaum noch ernsthaft als „Mutterland“ bezeichnen kann

      Ob die dt. Gemeinde in Südamerika; oder auch nur die Türken in D – beide halten ihre Traditionen und Kultur (bzw was sie noch dafür halten) hoch –
      aber durch den Holocaust gibt es wohl nicht eine Ethnie dieser Welt, die sich „ihrem“ Staat (…auch wenn sie dort [nicht/niemals] leb(t)en) derart verbunden / verpflichtet fühlt, wie die jüdischen Gemeinden.

      Deshalb kann die Bezeichnung „Zionismus“ für mich schon ihre Berechtigung haben, ganz ohne jede Polemik.

      zuletzt – daß es DIE Juden nicht gibt / die Aunahme die Regel bestätigt braucht mir jetzt keiner zu sagen – das gesagte wird aber kaum jmd ernsthaft abstreiten…

      • summacumlaudeblog  On Juli 28, 2014 at 08:15

        Dann versuch ich es halt zum aller letzten Mal: Man kann an Israel alles kritisieren, was in dessen Machtlogik betrieben wird. Hartmut weist ja zu Recht immer wieder darauf hin, dass die Waffe der Kritik von Macht- und Interessenpolitik völlig hinreicht, um Israel zu kritisieren. Von Vernünftigen habe ich in der letzten Zeit DESWEGEN auch nie den Vorwurf des Antisemitismus gehört. Man kritisiert halt kritisierbare Phänomene der israelischen Gesellschaft.

        Ganz anders wird die Lage, wenn ein antizionistischer Spin in den Laden rollt; Zionismus ist ja die Bewegung, die aus der Diaspora geboren wurde. Wieso hat diese alte Lehre etwas mit schlechter, falscher israelischer Politik zu tun (die natürlich genauso korrupt ist, wie die Politik anderer westlicher Demokratien auch, vorne weg die Politik einer Pastorentochter aus Hamburg)?
        Ich fürchte, dass hier eine atavistische Blutsschuld etabliert werden soll. Zwar ist zunächst der Staat Israel im Visier, dann aber sollen im eben zionistischen Sinn ALLE JUDEN mittenmal für schlechte israelische Politik verantwortlich sein. Ein negatives ju(if)s sanguis gewissermaßen!!! Und das läuft eben nicht. Viele Juden aus aller Herren Länder beklagen ja genau das: Dass sie für jede israelische Granate zur Verantwortung gezogen werden, obwohl sie gar kein Wahlrecht in Israel haben, für das Zustandekommen der Regierung also einen Verantwortungsfaktor von minus 80 haben. Genau diese unterstellte Schuld, definiert allein über „das Blut“, ist Antsemitismus. Tut mir Leid; da kann mich keiner vom Gegenteil überzeugen.

        • Garfield  On Juli 28, 2014 at 20:24

          dann aber sollen im eben zionistischen Sinn ALLE JUDEN mittenmal …

          vllt liegt das Mißverständnis einfach hierdrin: daß „Zionismus“ ausnahmslos alle Juden einschließen würde.

          Mag ja sein, daß einige daran glauben – aber ein Jude ist ebensowenig =Zionist, wie jeder Araber Anhänger des Pan-Arabismus; ganz im Gegenteil.
          Noch ist es ja auch nicht soweit, daß Zionismus eine sprachliche Wertung ähnlich „Neger“ hätte…

          wenn sich z.B. ein jüdischer Staatsbürger der USA mit Leib & Leben den Interessen des jüdischen Staates verschreibt – was wäre hier das passende Adjektiv zur Beschreibung des Lobbyismus – „nationalistisch“…? (ok, im engl. gibt’s mittlerweile auch „israelophil“)

          und das macht ja gerade den Unterschied – die US-, französischen, deutschen, … Lobbyisten, die im Ausland die Interessen des jeweiligen Staats vertreten, sind meist auch dessen Staatsbürger – was im Fall Israels eben oft anders ist.

        • Manfred Peters  On Juli 28, 2014 at 21:27

          1. „Post-Zionismus“ – der darf das!
          Bitte vor neuer Hyperventilation in aller Ruhe zu Ende lesen.
          2. Fast wäre ich auf eine neue Miene getreten.
          3. Weis noch jemand, was ich zu Beginn des hier vom Zaune gebrochen Streits gefragt habe? Eine Antwort sehen ich nirgendwo.
          4.. Beim Spiegelfechter ist das Thema auch im „irationalen Spin“.
          5. Gibt es eigentlich auch eine Formel, wie das Morden in Gaza beendet werden kann?

          • hf99  On Juli 28, 2014 at 21:55

            da verzweifelt man…

            „Die amerikanischen Fluggesellschaften dürfen/müssen auf Druck der zionistischen Lobby wieder den Flughafen Ben Gurion anfliegen.“ (O-Ton Manfred Peters)

            Darum ging es. Um nichts anderes.

            • summacumlaudeblog  On Juli 28, 2014 at 23:14

              Mein Gott was passiert hier?

              Also es geht um Folgendes: Wenn ein USAmerikaner, dessen Vorfahren vor vier Generationen aus Deutschland (Italien Irland, setze bitte ein) gekommen sind, mit den Verfehlungen seiner Herkunftsländer konfrontiert würde („Ey Mr- Mueller,sag mal was zu den massiven deutschen Rüstungsexporten“) dieser Mr. Mueller würde den vorwürflichen Hanseln zu Recht einen Vogel zeigen. Wieso sollte er, Mr. Mueller, etwas zu deutschen Rüstungsexporten sagen müssen.
              Nur bei Schmul Meyer ist das anders! Wiewohl seit 2000 Jahren familiär nicht mehr im Kernland gewesen, hat Schmul Meyer natürlich jede israelische Granate zu kommentieren, zu rechtfertigen, muß sich für sie schämen. Wieso? Das sehe ich nicht ein.
              Und genau das ist: Antisemitismus! Und nichts anderes. Ein doppelter Standard für Juden und die Anderen.

              • Garfield  On Juli 28, 2014 at 23:27

                es geht ja darum, daß „Schmul Meyer“ eben nicht den Vogel gezeigt hat, sondern sich gerade aktiv für die Rüstungsexporte/Landeerlaubnis/… eingesetzt hat.

                um mal ganz konkret zu werden: geht’s hier eigtl noch um die Aussage, oder nur das innerhalb benutzte Wort „zionistisch[en]“…?

                • summacumlaudeblog  On Juli 29, 2014 at 06:13

                  Erzähl mir was du willst: Die (west)deutsche Antiufa-Linke hat seit Jahrzehnten mit ihrem Antizionismus nicht nur die zweieinhalb Lobbyisten aus Washington D.C. gemeint, sondern eben alle Juden. Dieses Phänomen begann mit der Selektion in Entebbe. Auch dort wurde nicht nach dem Beruf und möglichen Verstrickungen gefragt, sondern nur nach dem einen: Jude oder keiner! Diese Fakten sind von dir anzuerkennen.

                  Wer sich gegen Lobbyisten wenden will, bitte gerne. Der nenne dann Lobbyisten aber auch so. Und der beschreibe den widerlichen Lobbyismus als das, was er wirklich ist: Als eine interessendestützte Spindoctorei. Dass es auch proisraelische Spindoctorei gibt, ist ja unbestritten. Nur der Zionismus ist keine solche.

                  • genova68  On Juli 29, 2014 at 11:18

                    Schön ausgedrückt, summacumlaude. Du schreibst alles Wesentliche, Manfred Peters müsste nur mal lesen.

                    Weiter unten ist das typisch: Israel betreibt Interessenpolitik so wie jeder andere Staat auch. Bei den Juden ist es aber eine zionistische Lobby, die die Welt im Würgegriff hält. Das muss dann auch noch fett gedruckt werden, damit auch der Trägeste kapiert, was es mit dem Juden auf sich hat.

                    Beim Spiegelfechter findet man neben vielen vernünftigen postings auch solche, die geradezu reflexhaft Israel vorwerfen, sie würden „die Endlösung der Palästinenserfrage“ betreiben, dem israelischen Staat eine Apartheid wie in Südafrika vorwerfen, die Hamas von jeglicher Schuld freisprechen etc.

                    Das ist Antisemitismus, denn so blöd kann man nicht sein, das für bare Münze zu nehmen. Das ist vermutlich nur psychologisch zu erklären, vielleicht so, dass die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen werden.

                    Es liegt aber meines Erachtens tiefer, weil der Jude schon immer als liberaler und heimatloser Geselle betrachtet wurde, der keine Werte hat, außer das Geld. Ich vermute, dass die Antisemiten überdurchschnittlich oft homophob usw. sind.

                  • Garfield  On Juli 29, 2014 at 21:14

                    >> Erzähl mir was du willst: Die (west)deutsche Antiufa-Linke hat seit Jahrzehnten mit ihrem Antizionismus nicht nur die zweieinhalb Lobbyisten aus Washington D.C. gemeint, sondern eben alle Juden

                    das ist das Problem bei Verallgemeinerungen… jetzt müssen wir nämlich nur noch klären,
                    wer die „Westdeutsche Linke ist (soweit ich weiß, saß die nämlich nicht in ihrer Gesamtheit im Flugzeug & so einige Linke haben sich genau deshalb von der milit. Szene abgewandt)
                    – wie’s um die ost-deutschen bestellt ist
                    – und ob die Sowjets ist den Geschehnissen vorm 6 Tage Krieg nur den israel. Atomreaktior auslöschen wollten, oder alle Juden „ins Meer treiben“?

                    ich hab das Gefühl, wir alle 4 reden hier vollkommen aneinander vorbei.

                    >> Ich vermute, dass die Antisemiten überdurchschnittlich oft homophob usw. sind.

                    …was dann auf orthodoxe Juden damit ebenso zutrifft…?

                    • hf99  On Juli 29, 2014 at 22:29

                      okay. ich werde, und zwar als eigenständiges Posting, hierauf nochmals antworten. Ein hoffentlich letztes Mal (ach, es wird ja nicht so sein…). Bitte aktualisieren Sie ihr kritikundkunst-bookmarking stündlich…

                    • summacumlaudeblog  On Juli 30, 2014 at 08:06

                      Also alles auf Anfang und noch einmal sortiert. Niemand „unterstützt“ hier einseitig Israel, die Lage ist verworren und wer mit simplen Vorstellungen daran geht, kann nur scheitern. Zweitens ist Kritik an kritisierbaren Phänomenen immer erlaubt und wer mit vorrauseilendem Philosemitismus Kritik unterbinden will, hat offenkundig was zu verbergen und weiterhin ein Problem mit der Demokratie, die ja von Kritik lebt (oder leben sollte). Soviel zu dem Konflikt selbst, der übrigens – auch das sei einmal gesagt – älter ist, als die Siedlerproblematik. Als Hinweis darauf, dass die Siedlerproblematik ALLEIN nicht die Ursache sein kann.

                      Ganz anders sehe ich aber die Reaktionen auf den Nah-Ost-Konflikt HIER, Reaktionen der Antifa-Linken, die seit Jahrzehnten stereotyp ablaufen und die auch jetzt wieder wie die Pawlowsche Speicheldrüse Zionismus schreien. Diese alte Lehre aus der Diaspora mußte und muß immer noch für alles herhalten und nahm in der zweiten Hälfte des 20. Jhd. schleichend die Rolle der „Protokolle der Weisen von Zion“ ein. Sich jetzt hinzustellen und zu erklären, man habe damit lediglich Lobbyisten gemeint, ist schon ziemlich unverfroren, nachdem wir jahrzehntelang die antizionistischen Demoparolen hören und die haltlosen Diskussionen mit den Antifas von der „fortschrittlichen“ Sortierung führen mussten, von Entebbe ganz zu schweigen. Das Pali-Tuch als Fortschrittssymbol, jeder Jude unter Mossad-Verdacht, auch wenn er lediglich Gemüsehändler um die Ecke ist und seinen Enkeln beim Großwerden zusehen will; als ob es das nie gegeben hat…

                      Wer von den Ursachen des Konfliktes etwas wissen möchte, muß – na das passt ja gerade – zum ersten Weltkrieg zurückgehen, zum arabischen Freiheitskampf und zu den falschen Versprechungen der Engländer während des Kampfes gegen das osmanische Reich. Das versuchte ich einst einem Palästinenser wortreich zu erklären: Nicht „die Juden“ haben Euch betrogen, sondern die Europäer! Aber er war so weit weg von einer aufnehmbaren Stimmung…..

                    • hf99  On Juli 30, 2014 at 09:43

                      Und „die Europäer“ haben ihren Antisemitismus in nah-Ost entsorgt…das ganze ist so widerwärtig. Und beide, Juden wie Araber (wer immmer das jetzt sei), dreschen aufeinander ein, anstatt zu merken, w e r hier in Haftung zu nehmen ist: Das ach so humane christliche Abendland. Äh, verzeihung: Inzwischen ists ja die jüdisch-christliche Wertegemeinschaft. Die „jüdisch-christliche Wertegemeinschaft“…Und niemand bricht in schallendes Gelächter aus.

                      ist mir schlecht…

            • Manfred Peters  On Juli 29, 2014 at 00:08

              „Die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit hat die Freigabe des Flughafens Tel Aviv in Israel durch die EASA schwer kritisiert. …„Verkehrsflugzeuge haben in Kriegs- und Krisengebieten nichts verloren.“ …
              „Israel ist immer ein Politikum“, sagte Handwerg. Es würden offenbar hier andere Maßstäbe angelegt als in anderen Ländern. „Wenn so etwas in Ägypten passiert wäre, hätte man sich sicher ganz anders verhalten.“

              &
              „Somit könne es nur zwei Gründe geben, warum die Lufthansa die Flüge nun wieder aufnehme: „Entweder wurde sie durch Druck dazu gezwungen, den Betrieb wieder aufzunehmen. Dies ginge über Druck aus Israel, politischen Druck aus Berlin – oder Profitinteressen stehen im Vordergrund.““
              Eine ganze Vereinigung in D voller potentieller Antisemiten?
              Versus
              „Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich mit der Entscheidung der US-Behörde das Flugverbot aufzuheben zufrieden: „Ich bin froh, dass der Druck, den wir ausgeübt haben,…dazu geführt haben, dass die Flüge wieder aufgenommen werden.“
              Da einige wohl den Aufsatz von Uri Avnery nicht lesen/verstehen wollen und leider sonst auch ne Menge Realitätsverweigerung an den Tag legen, melde ich mich hier zu dem Thema ab, es sei denn es kommt mal eine substanzielle Antwort.
              Möge Euch „Mein Gott“, „Dein Teufel“ oder genova68 helfen. 😦

              • hf99  On Juli 29, 2014 at 00:19

                “Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich mit der Entscheidung der US-Behörde das Flugverbot aufzuheben zufrieden: „Ich bin froh, dass der Druck, den wir ausgeübt haben,…dazu geführt haben, dass die Flüge wieder aufgenommen werden.“

                Zum Schlapplachen: ein Politiker tut aus innenpolitischen Gründen so, als sei er der Geile, der als Schwanz in Washington mit dem Hund wedeln kann, und das wird ihm geglaubt? Warum? Weil es Fantasien bedient? Schröder glaubt heute noch, seine geile Agenda 2010 habe einen Boom bewirkt… Die ganze SPD glaubt das.

                • Garfield  On Juli 30, 2014 at 01:58

                  wer hier Hund oder Schwanz ist, ist doch völlig egal…

                  hier war man sich bisher doch über 2 Punkte einig (?) :
                  • sowas passiert i.d Tat
                  • und Israel unterscheidet sich i.d. Punkt von keinem andern Land

                  wenn zukünftig der BDI i-welche Arbeitgebervorteile zu lasten der Arbeiter durchdrückt; oder die Rüstungslobby dafür sorgt, daß Waffenexporte in Krisenregionen freigegeben werden –
                  würde das nach derselben Logik dann auch allein Merkel & Co betreffen; Existenz/“Übergewicht“ genannter Interessenvertretungen kein Problem… i-was anzulasten wär denen auch nicht, weil ja bloß der „Schwanz“.

                  So is das halt, im Kapitalismus – Fressen oder Gefressen werden. Wenn nicht wir […sie, du, ich], machen’s die andern…

                  PS: die „2½ Lobbyisten“ i.d. USA sind auch für Ironie extrem untertrieben…

                  PPS: zwar wiederhole ich mich jetzt: warum unterstützen Linke ausgerechnet Aktionen der / bzw die Ultra- bis Konservative Regierung, statt die israel. Linke (die schon selbst drum bitten musste)…?
                  …auch ein interesantes Zitat:
                  If you are pro-Palestinian or pro-Israel you are not helping us. You are just feeling good about yourself.

  • che2001  On Juli 28, 2014 at 00:42

    Was heißt denn hier „revolutionstheoretische Schlagseite“? Ich hatte 2008, als die Immobilienblase platzte vorausgesehen, dass es erst in Griechenland und dann rund um das Mittelmeer soziale Aufstände geben würde, die mindestens mit den Brotpreisrevolten der Achtziger vergleichbar wären. Von den Bissigen Liberalen über Antibürokratieteam bis hin zu gemäßigt-linksliberalen Bloggern wie Dr.Dean oder Momorulez und Somlu war mir gesagt worden, das seien lächerliche Fantasien eines linken Revolutionsromantikers. Dummerweise ist das alles eingetroffen. Nur, weil saturierte deutsche Altlinke oder exlinke Wirtschaftsliberale sich soziale Aufstände nicht mehr vorstellen können finden die jedoch trotzdem statt.

  • Dirk  On Juli 28, 2014 at 15:45

    Ich fand den Beitrag durchaus gelungen und treffend. Natürlich hat es in Griechenland und Spanien Proteste gegen die Sparprogramme der EU gegeben. Ich würde das aber alles etwas pessimistischer beurteilen. Letztendlich hat sich trotz sozialer Proteste, an der Politik in Griechenland und Spanien nichts grundsätzlich verändert. Gleiches gilt für die arabischen Staaten. Wenn ich richtig informiert bin, hat sich dort wenig verbessert.

  • Herr Karl  On Juli 29, 2014 at 14:19

    Sehr wahrscheinlich wird es deswegen keinen Aufschrei unter Linken geben: „Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Chamenei, rief Muslime weltweit dazu auf, die Einwohner im Gaza-Streifen gegen Israel zu unterstützen. Da sich die USA für eine Demilitarisierung einsetzten, sei es die Plicht der islamischen Welt, die Palästinenser zu bewaffnen.“
    http://www.deutschlandfunk.de/nachrichten.353.de.html

  • Garfield  On Juli 31, 2014 at 06:26

    @all (als Aw auf summacumlaude)

    >> Also alles auf Anfang
    nochmal: der Stein des Anstoßes ist…
    – die Aussage
    – oder das innerhalb verwendete Wort „zionistisch“…?

    >> Ganz anders sehe ich aber die Reaktionen auf den Nah-Ost-Konflikt HIER
    lasse ich mal außen vor, ich geh nicht davon aus daß du diese Disk. meinst.

    wie auch immer – die Aussage, um die sich alles dreht[e] (s. hf99: da verzweifelt man…) passt MMN zum Thema (ein Flughafen im Krisengebiet wird doch wieder angeflogen); ich finde an der Aussage auch nichts anstößiges o. antisemitisches, weil ich die Nationalität völlig außer acht zum selben Urteil gekommen wäre (jaja, das Unterbewußte… bin mir aber sehr sicher). Bleibt die Verwendung des Wortes „zionistisch“…

    Dessen Benutzung ausgenommen, komme ich beim Schluß der Argumentation – nicht nur von dir – aber nicht mit…
    nach derselben Logik dürften sich nur Deutsche über z.B. deutsche Waffenlobbyisten beschweren, nur Franzosen über französische, nur Russen über die russ. Exporte – alles andere wäre Rassismus; Kritik an Aktionen [deutscher/französischer/…] Lobbyisten gleichzeitig ein über den Kamm scheren aller [Deutschen/Franzosen/…].

    zur Verwendung von „zionistisch“ –
    „jüdische Lobby“ wäre vllt was anderes (obwohl man auch die Aussage „islamische Lobby in Berlin“ MMN schlecht auf alle islam. Organisationen, alle Islamisten und erst recht nicht alle Moslems oder den Islam beziehen kann; auch bei „katholischer“ oder „evangelischer Lobby“ würde wohl kaum jmd Ressentiments o.Ä. vermuten)…
    „zionistisch“ ist MMN aber nicht mal so falsch, denn wie schon hier gesagt:
    wie sollte man Lobbyisten bezeichnen, die in nationalistischer Mission für einen Staat unterwegs sind, der weder Mutter- noch Vaterland ist?
    …natürlich könnte man auch „israelophil“ sagen; wenn m.W.n. auch erst im engl. Wortschatz; würde es aber auch nicht ganz treffen.

    wird langsam zwar absolut OT, aber zur Vollständigkeit:
    >> Nicht “die Juden” haben Euch betrogen, sondern die Europäer!

    absolute Zustimmung… nur: das ist inzw einige Generationen her, und wird zur Lösung des Konflikts also wenig beitragen (wie Schuldfragen oder -zuweisungen überhaupt).

    so, das war’s dann auch von mir zum Thema. Wenn ich mich hiermit nicht verständlich machen konnte, reden wir wirklich völlig aneinander vorbei.

    • Garfield  On Juli 31, 2014 at 06:45

      ach ja, der von dir angesprochene geschichtl. Kontext mag ja stimmen…
      ich bin auch der Meinung, daß der „ganz alltägliche“ Antisemitismus _extrem_ zugenommen hat…

      i.d. Form war das MMN aber eine Generalisierung.
      btw ging der ganze „Spaß“ hier los mit der Aussage eines wie du vllt weißt in Ost-D sozialisierten

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