Fussball und Doping

Für die, die noch Illusionen hegen…

Sehr gute Site.

Wie ich über Doping im Hochleistungssport denken sollte, weiß ich gar nicht so genau. Wer sportliche Erfolge ’seines‘ Landes (also hochbezahlter Professionells, die zufällig den gleichen Paß haben wie man selbst) nötig hat, ist ne arme Wurst, sicher, aber das sei hiermit geschenkt.

Und dass man die Tour de France geopfert hat, um sich ein sauberes Image zuzulegen (als ob lediglich im Radsport systematisch gedopt wurde und wird) – trivial.

Sollte man Doping einfach freigeben? ich tendiere zu „ja“, denn gedopt wird eh, in allen Sportarten, allerdings darf das getrost als Resignation verstanden werden. Ein offen kommuniziertes Doping, bei dem man die Sportler auch über die Risiken aufklärt, die sie eingehen, ist Fällen wie dem von Birgit Dressel jedenfalls deutlich vorzuziehen. Ich weiß, der ehrenwerte Werner Franke* würde mir jetzt links und rechts eine zimmern. Vielleicht hat er recht. Aber zu glauben, dass es dopingfreien Leistungssport in diesem System geben könne ist einfach nur naiv.

Was ich erst durch diese Site erfahren habe: dass drei deutsche Spieler bei der Fussball-WM 66 positiv getestet worden sind. Dass die Helden von Bern ggfls auch nicht sauber waren, war mir hingegen bekannt, will hierzulande aber natürlich keiner hören. Auch für deutsche Spieler dürfte die Einsicht Guariniellos gelten:

„Es ist einfacher, einen geständigen Mafioso zu finden, als einen geständigen Fußballer.“ Das sagt Raffaele Guariniello, der Staatsanwalt, der Doping bei Juventus Turin aufgedeckt hat. Doping im Fußball gibt es von der Kreisliga bis zur Champions League.

_____________________

*

Der Todesfall Birgit Dressel sollte als erstes lehren, dass man sich endlich zu all diesen Dokumenten, zu all diesen Taten bekennt. Esist ja nicht glaubhaft, dass
man sich geändert hätte, wenn man heute noch herumschweigt und Ausreden
findet. Was heute gefordert wird, ist eine absolut saubere, naturwissen-
schaftliche, absolut transparente Haltung dem Sportgegenüber. Und wenn es
eben mal weniger Medaillen gibt, dann gibt es eben mal weniger Medaillen.
Birgit Dressel wäre heute eine 47jährige Frau mit Familie, Kindern usw. Wer will
denn das verantworten? Diese Schweinereien. Man muss sagen: Junge
Mädchen, junge Frauen werden hier vermännlicht, damit das Volk ein paar
Medaillen kriegt! Und manche verrecken eben dabei.
So ist es doch! Es ist bis heute so geblieben. Es wird nicht geahndet, es wird
nicht aufgeklärt. Da wird nicht dran gerührt.

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Kommentare

  • Stony  On Juli 8, 2014 at 22:01

    Resignation in welcher Hinsicht?

    Vor etlichen Jahren hatte ich mit einem Kommilitonen die Diskussion und beide waren wir uns einig, daß eine Freigabe wohl das beste wäre (auch im Sinne der Sportler – vergleichbar mit sonstigen ’sauberen‘ Drogen vs. gepanschter Kram aus Hinterhoflaboren etc. – reichlich naiv, wenn man sich die Professionalität des Dopings betrachtet, aber wir waren jung).

    Angekotzt hatte uns vor allem die ständige Mähr vom ’sauberen Sport‘, die erzählten Heldengeschichten und die Funktionalisierung im Sinne eines allumfassenden Kommerzes (und tlw. Nationalismus).

    Ob dieses Narrativ heute noch so greifen würde, angesichts der alles durchdringenden ‚Leistungsgesellschaft‘, frage ich mich gerade. Paßt doch eigentlich ganz gut: Überlegenheit eben nicht ’nur‘ durch eigene Leistung (aka Trainingseifer und -methodik), sondern ebenso unter Einbeziehung der Wissenschaft – Technik im Sinne von Gerätschaft war ja auch schon immer ein Thema (siehe ‚Stollen‘ bei den ‚Berner Jungs‘ etc.pp.) – somit nur die Ausweitung der Hilfsmittel aus den Grauzonen ins Legale hinaus.

    Dem steht wohl nur noch die Legende des ‚aus eigener Kraft zum Erfolg kommen‘ gegenüber, ein Mem, daß noch geglaubt wird…

  • altautonomer  On Juli 9, 2014 at 08:17

    Um einmal am Testosteron aufzuzeigen, wie Dopingmittel wirken, erinnere ich an die Geschlechtsumwandlung der Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum, jetzt Balian B im Jahre 2007. Im Interview sagte er nach den ersten Injektionen: „Ich kam mir vor wie ein Pitbull“. „Früher war ich nach zwei Trainings-Einheiten am Tag platt. Heute kann ich fast das Doppelte trainieren und fühle mich noch immer frisch wie nach einem Dauerlauf.“

    Als nicht nachweisbares Dopingmittel ist neuerdings seit „Sotschi“ Xenon-Gas in der Diskussion. Der Fussballsport eignent sich unter anderem dafür. Im Tierversuch zeige sich, dass innerhalb eines Tages, innerhalb von 24 Stunden die körpereigene EPO-Produktion um den Faktor 1.6, auf 160 Prozent, gesteigert wurde. Das ist eine eine deutliche Erhöhung. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es im Menschen die gleiche Wirkung ausübt.”

    Ausführliches hier:http://www.jensweinreich.de/2014/02/25/dokumente-zum-russischen-sauerstoff-cocktail-mit-xenon-im-hochleistungssport-doping-sochi2014/

    PS: Und jetzt schalten wir um zu Dirk Niebel, der unseren Zuschauern etwas über die Möglichkeiten des Versorgungspöstchendopings von Regierungmsitgliedern erzählt.

  • philgeland  On Juli 11, 2014 at 22:36

    Sollte man Doping einfach freigeben? Ich tendiere zu “ja”, denn gedopt wird eh, in allen Sportarten, allerdings darf das getrost als Resignation verstanden werden.

    Dem ist (leider) nichts hinzu zu fügen …

  • altautonomer  On Juli 12, 2014 at 08:10

    philgeland: Bei der Tour de France ist das bereits geschehen, nur noch nicht offiziell.

    Dieses Thema scheint (seit Tagen) trotz seiner Brisanz nur wenig Kommentatoren auf das KuK-Spielfeld zu locken. Ein mögliches Indiz, dass viele linke Fussballenthusiasten sich angepisst fühlen und verbittert nur mitlesen.

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