5. Juli 1914

Hoyos in Berlin. Während Hoyos mit Zimmermann redet, übergibt der kuk-Botschafter einen Brief Kaiser Franz-Josefs an Kaiser Wilhelm. Wilhelm reagiert zunächst zurückhaltend. Erst später am Tag hat er sich überzeugen lassen, Österreich-ungarn mit allen Mitteln zu stützen – allerdings setzt er dabei voraus (in Gesprächen mit Militärs und am Abend mit dem Reichskanzler), dass der Konflikt sich lokalisieren lasse. Militärische Maßnahmen werden nicht erwogen; niemand wird aus dem Urlaub zurückbeordert.

Wie immer man die Hoyos-Mission im Einzelnen bewertet: Der Blankoscheck wurde erteilt; ohne Vorgaben an den Verbündeten, also wirklich als Blankoscheck. Dass dieser Blankoscheck nicht die eine, aber eine der wesentlichen Ursachen für den Kriegsausbruch darstellt, kann m.E. nicht streitig sein. Zumal man sich in Berlin über die brüchige Lage des Verbündeten im Klaren war. Einer tief verunsicherten Macht stelle ich, Bündnispflicht hin, Bündnispflicht her, keine solche Blankovollmacht aus.

Nachtrag: seit dem 29. Juni steht Rosa Luxemburg erneut vor Gericht. Sie hatte dargelegt, dass Soldatenmißhandlungen gang und gäbe seien. Falkenhayn (Kriegsminister) hatte Strafantrag gestellt. Der Prozess verläuft im Sande, als sich herausstellt, dass die Beklagte sehr wohl Belegmaterial in Hülle und Fülle präsentieren kann. Zur Sozialdemokratischen Sicht auf das Attentat zu Beginn des Juli exemplarisch hier.

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