Garcia Marquez

Er ist in Ehren alt geworden, die Nachricht war zu erwarten, er litt zuletzt an Demenz, und ein jegliches hat seine Zeit, ja, alles richtig – dennoch darf ich vielleicht ein bißchen melancholisch sein: Gabriel Garcia Marquez ist verstorben.

„Magischer Realismus“ – auch so ein Hilfswort ohne Bedeutung. Natürlich ist mir die Qualität von „Hundert Jahre Einsamkeit“ nicht entgangen. Aber mir haben seine kürzeren Romane/Novellen in ihrer Härte (hier spürt man, wie in Hemingways besten Passagen, den Journalisten) immer noch besser gefallen. „Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt“ ist einfach eine Jahrhundertnovelle, die „Chronik eines angekündigten Todes“ ebenso. Der Bericht eines Schiffbrüchigen ist schon stark, „Die Geiselnahme“ (über Nicaragua, die Sandinisten und das Somoza-Gesindel) und der Miguel Littin…mir, der ich, wie wohl die Meisten, mich in der faszinierenden Geschichte Lateinamerikas nicht auskannte, brachte vor allem Garcia Marquez diese Geschichte nahe.

Literarisch ist ihm der Spagat gelungen: Er war Sozialist, aber seine Literatur verkam nie zur gereimten Gesinnungsbekundung, sondern riskierte immer den literarischen Blick, der ja auch von der Distanz lebt. „Verwundet von den Todesspeeren eigener und fremder Sehnsüchte“ – das ist es, das ist es!

Jetzt werden seine Millionenauflagen erwähnt. Skepsis gegenüber Millionenauflagen zu haben ist legitim. Aber man sollte ab und an schon an das bekannte Foucault-Wort denken: Nie werde man ihm weismachen können, dass ein Buch schlecht sei, weil sein Autor im Fernsehen zu sehen war. Natürlich sei es ebenso wenig aus diesem Grund schon gut. Garcia Marquez war im Fernsehen zu sehen, und seine Bücher sind gut, sehr gut, zum Teil sogar überragend gut. Ich lobe nicht, ich stelle meine Dankbarkeit fest.

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Kommentare

  • Stony  On April 19, 2014 at 11:24

    Word.

    Ergänzen möchte ich noch seinen speziellen Witz, das Vermögen scheinbar triviale Dinge mit ganz besonderem Humor und feiner Feder zu beschreiben; ein Humor, der zwar nicht ‚unvergleichlich‘, aber doch alles andere als gewöhnlich war und, da uns seine Schriften bleiben, ist.

  • klausbaum  On April 19, 2014 at 12:55

    Hat dies auf Notizen aus der Unterwelt rebloggt.

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