Schnug versucht es mit Lesen

Helmut Schnug hat versucht, Hannah Arendt zu lesen, die er spassigerweise auch noch mit Albert Einstein verwechselt – kann ja passieren. (Verfasserin des offenen Briefes ist mit Sicherheit Arendt gewesen; wenigstens das sollte man doch problemlos herausrecherchieren können.) Abgedruckt in: Arendt, Hannah, Israel, Palästina und der Antisemitismus, Berlin 1991, p.117 ff; die dortige Übersetzung von Eike Geisel scheint mir besser zu sein als die, die Schnug verwendet. Egal, er publiziert diesen Brief sogar und sinnenststellende Übersetzungsfehler lese ich in Ellen Rohlfs Übersetzung nicht! Dennoch schreibt Schnug allen Ernstes:

In diesem grundlegenden Brief an die New York Times in 1948 erklärten Einstein (es war Arendt, hf) und die Unterzeichner sehr eindeutig und aufrichtig, warum der Regierung Israels nicht vertraut werden kann und diese weder Geld noch Unterstützung durch die Amerikaner erhalten dürfe.

Durch den Brief sollen Amerikaner und die Welt vor den Gefahren gewarnt werden, welche durch die Emergenz von Rassismus, Faschismus, Terrorismus und religiösem Fanatismus besteht, die innerhalb der Regierung des neu gegründeten Staates Israel repräsentiert wird.

Eine unbefangene Lektüre ergibt ein anderes Bild: Arendt und mit ihr die Mitunterzeichner (wie zB Einstein, Sidney Hook und andere) warnen, wie problemlos nachgelesen werden kann, mitnichten vor der israelischen Regierung (und allemal nicht vor Israel überhaupt), sondern allein vor dem Irgun und der daraus entstandenen „Freiheitspartei“, Begins damaliger politischer Bewegung – die damals und für Jahrzehnte nicht an der Regierung beteiligt war. Warum Schnug Frau Arendt-Einstein – offenkundig faktenwidrig – unterstellt, sie warne vor „der israelischen Regierung“, das lasse ich seine elende Sache sein. Auf genau diesem Niveau wird in der deutschen Linken über Nah-Ost debattiert, und genau deswegen möchte ich meine Energien nicht mehr an diese Debatte verschwenden. Es ist schon einige Zeit her, dass ich mir von einem damaligen Linksruckler anhören musste, Arendt habe in ihrem Buch „bewiesen“, dass Eichmann mit den Zionisten Hand in Hand gearbeitet habe…

Das Sozialamt oder die Arbeitsagentur bezahlen m.W. auch heute noch Alphabetisierungskurse.

Für dieses Mal „Danke“ an Herrn Karl; mir wäre das Zeugs sonst gar nicht aufgefallen.

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Kommentare

  • Herr Karl  On April 14, 2014 at 21:41

    Dass Helmut Schnug als Autor des Blogs „Kritisches-Netzwerk.de“ mit Israel-Kritik nicht zurückhält und Briefe von Hannah Arendt etwas „kreativer“ auslegt, erstaunt mich nicht, bietet doch dieses Blog dem Journalisten Ken Jebsen immer wieder eine Plattform mit eigenen Artikel. Aber dass Helmut Schnug Leiter eines NachDenkSeiten-Regionalgesprächskreises ist, das bereitet mit schon mehr Sorgen.

    Auch ein Leiter eines NachDenkSeiten-Regionalgesprächskreises ist Peter A. Weber. Auch er ist Autor beim „Kritischen-Netzwerk.de“. Am 11. März 2014 veröffentlichte es einen Artikel über das Youtube-Video „Konkurrenz ist gut für das GAS-Geschäft“ von Ken Jebsen. Ich hatte mir das Video angehört:

    „Die Gründung Israels 48 hat mit Adolf Hitlers Verbrechen an den europäischen Juden kaum etwas zu tun.“ (Min. 4,50)

    „Die Nazi-Vernichtungslager wurden von den Zionisten vor der durch Hitlers Taten zu recht geschockten Weltgemeinschaft nur als vielerlei Hebel benutzt, um einen Staat, den man systematisch herbeibombte, vor dieser Gemeinschaft als legitim erscheinen zu lassen. Eine perfide Verwertung der ungeheuren Verbrechen der Nazis – und der Plan ging auf.“ (Min. 5,10)

    „Die israelischen Bulldozer – importiert aus den Vereinigten Staaten – kennen keine Gnade“ (Min 6,50)

    „Sex mit einer Nicht-Jüdin wäre nichts anderes, als auf das Grab der Grosseltern zu spucken“, sollen die „unmittelbaren Verwandten“ Netanjahus gemäss KenFM gesagt haben, weil sich der Sohn von Netanjahu in ein christliches Mädchen verknallt habe. (Min. 21,50)

    „Dass man Freiheit nach einem soliden Bombenteppich erst so richtig zu schätzen weiss, können Oma und Opa auch in der BRD bestätigen; erst die Detonation – dann die Demokratie.“ (Min. 36,35)

  • Herr Karl  On April 15, 2014 at 13:44

    Präzisierung:
    Helmut Schnug und Peter A. Weber sind nicht „nur“ Autoren beim Kritischen-Netzwerk.de, sondern deren Hauptverantwortliche und Gründer:

    „Als Initiator und Administrator des KRITISCHEN NETZWERKS heißt Euch HELMUT SCHNUG herzlich willkommen. Seit dem 1. Juni 2013 ist der geschätzte QPress.de – Kollege WILFRIED KAHRS Co-Admin. Neben diversen Gastautoren besteht die Redaktion aus den folgenden Mitgliedern: Peter A. Weber (KN-Mitbegründer), René W. und Wolfgang Blaschka. Wir hoffen auf positive Resonanz, kreative Anregungen und aktives Mitwirken seitens unserer stetig wachsenden Lesergemeinde.“ (Rubrik „Wir über uns“)

    Somit sind also die beiden Herren direkt für die Auswahl der Artikel von Paul Craig Roberts und Ken Jebsen verantwortlich.
    Und ausgerechnet diese beiden Herren – Schnug und Weber – sind Leiter eines NachDenkSeiten-Regional-Gesprächskreises…

    • genova68  On April 15, 2014 at 21:49

      Um welchen Nachdenkseiten-Regionalgesprächskreis handelt es sich denn und wo steht das? ich finde bei flottem googlen nichts.

      • Herr Karl  On April 16, 2014 at 10:09

        Leiter der NDS-Regionalgesprächskreise:
        http://www.nachdenkseiten.de/?page_id=3921

      • genova68  On April 17, 2014 at 10:01

        Danke. Ich würde das aber nicht zu hoch hängen. Müller wird keinen Aufstand machen wegen dieser beiden Leute. Von seiner Haltung her gibt es da eh keine Verbindung, das gleiche gilt für den Spiegelfechter.

        Herr Karl, zu der Geschichte gehört auch, dass du dich mit dem Spiegelfechter ordentlich verkracht hast, oder? Ich kriege das alles nicht mit, sondern nur, dass über dich dort eher schlecht geredet wird im Forum.

        Verschwende nicht deine Energie. Sie ist zu wertvoll.

        Im übrigen kann man zu Jebsen sagen, dass er schon ein paar interessante, sehenswerte Interviews gemacht hat. Ein kleiner Teil von ihm ist ernstzunehmen.

        • hf99  On April 17, 2014 at 10:04

          Schließe mich an (bis auf das mit den Interviews: kenn ich nicht, interessiert mich auch nicht – der Mann ist inzwischen einfach eine Katastrophe. Elsässer hat früher übrigens auch ein paar ganz interessante Essays geschrieben. War damals Kommunist. Die wechseln ja gerne mal. Nur wir linksliberalen Scheißer bleiben LiLis ein Leben lang 😉 )

        • Herr Karl  On April 17, 2014 at 11:40

          @genova68
          Ich hatte mich nur entschlossen, beim Spiegelfechter nicht mehr zu kommentieren, da ich mit der Qualität der Artikel von Jörg Wellbrock und seiner Kommentarführung nicht einverstanden war. Von Jens Berger habe ich nach wie vor eine hohe Meinung. Ich bedaure, dass er Jörg Wellbrock zum Spiegelfechter geholt hatte (mir wäre Stefan Sasse lieber gewesen) – aber es ist sein Blog…
          Ich kritisierte im Speziellen den Umgang mit der OpenPetition zu Hoehnes und nun die Sache mit Ken Jebsen. Aber dank Jens Berger war ich von meiner früheren zins- und wachstumskritischen Meinung „geheilt“ worden.

          „Ich kriege das alles nicht mit, sondern nur, dass über dich dort eher schlecht geredet wird im Forum.“
          Das war schon immer so, das ist nichts Neues. Die Pöbeleien des SF-Kommentariates hatte mich nie sehr gestört.

  • hf99  On April 15, 2014 at 15:15

    Bloße Ungeschicklichkeit oder Quergefronte? Oder was sonst? ich weiß es nicht… Aber über „die israelische Regierung“ – wo der Originaltext doch folgt – kichere ich jetzt noch.

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