belanglose individuelle Erlebnisse

„Das frühere Feuilleton hat im neuen Deutschland keine Daseinsberechtigung mehr. Es war eine Errichtung der liberalistischen Zeit.(…)

Es ist natürlich, daß auch das, was man bisher die Unterhaltung nannte, unter den neuen Stil fällt. Wenn man heute das Bestreben hat, auch den unterhaltenden Teil unter die Gesetze der Volkswerdung zu stellen, stößt man auf zahllose Mißverständnisse, wohl mehr der Schreibenden, als der Lesenden. Die Unterhaltung war ein ganz allgemeiner Begriff. Das belanglose individuelle Erlebnis gehörte ebenso dahin wie die Dartsellung eines Volksbrauchs. Nun gehören Volksbräuche heute in die direkte Kulturpolitik. Belanglose individuelle Eerlebnisse mögen vielleicht noch Leser finden, innerlich haben sie keine Daseinsberechtigung mehr. Hier gilt es, solche geschmäcklerischen oder reißerischen oder sprachlich illuminierten Subjektivismen durch Proben echten Humors, durch Beispiele vorbildlicher Haltung in allen Lebenslagen, durch Geschichten mit echten Gefühlen und richtigen Taten zu ersetzen, damit die Leser nicht mehr die abgezogene Welt des sogenannten Feuilleton, sondern die echte deutsche Wirklichkeit erleben, nicht nur individuelle Stimmungen und abstrakte Gedanken, sondern das wirkliche deutsche Volk.“ (Westecker, Wilhelm, Vom Feuilleton zur Volkskultur, in: Deutsche Presse, Zeitschrift des Reichsverbands der deutschen Presse, Berlin, April 1935, p. 161ff)

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Kommentare

  • summacumlaudeblog  On März 24, 2014 at 20:10

    Wenn ich mich recht entsinne, schrieb Hesse im Glasperlenspiel einige Zeilen über das von ihm sog. feuilletonistische Zeitalter, durchaus mit negativem Zungenschlag, da diese hingeschlagerte Zeitungswelt das durchgeistigte Spiel des magister ludi nachhaltig störte. Hesse schrieb dieses fragwürdige Buch in den 30er – 40er Jahren. Zufall?

  • hllizi  On März 31, 2014 at 13:11

    „Es war eine Errichtung der liberalistischen Zeit.“

    Wah, erster Gedanke beim Lesen: Überhöht das dieses Blatt nicht etwas über Gebühr?

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