Sascha Lobo ist enttäuscht

Ein bisschen musste ich denn doch kichern, als ich, via Mark (ab in die Blogroll!), auf Settembrini di Novetres Post hingewiesen wurde. Nun gut, soviel Eitelkeit darf sein unter Männern. Im übrigen war, wie ich dann erfuhr, auch ich ja mitnichten der erste, der vor der Netzbesoffenheit warnte.

Ich möchte dennoch nicht mit Einsteigen ins Hau-den-Sascha-Spiel. Und zwar deswegen:

Die Tiefe, das Ausmaß war selbst für viele (wenn auch nicht alle) Fachleute überraschend bis unfassbar, inklusive der willfährigen oder geduldeten Kooperation sehr vieler Konzerne.

Ich muss sagen (habs damals ja, glaube ich, auch gesagt): Mir ging es genau so. Natürlich wusste ich, dass überwacht wird. Aber ich habe dieses Ausmaß, allein schon wegen der finanziellen Ressourcen, die dafür ja mobilisiert werden müssen, so nicht für möglich gehalten. Irgend ein CCC-Mitglied, ich weiß nicht mehr, wer das war, drückte es ganz herrlich so aus: „Wir waren nicht paranoid genug.“

Und auch hier liegt er richtig:

Die Überwachungsmaschinerie hat sich verselbständigt, sie ist zum Selbstzweck geworden. NSA und GCHQ betrachten das Internet als ihr Eigentum. Kein Mittel erscheint ihnen falsch, um die Kontrolle über ihr Eigentum zu behalten. Snowden hat eröffnet, dass dieser Kontrollwunsch nicht bloß nachträglich ausgelebt wird. Sondern dass die Überwachungsapparate an der Ausgestaltung des Internets mitgearbeitet haben, seit vielen Jahren, wenn nicht von Anfang an.

Nur seine Schlüsse kann ich nicht nachvollziehen.

Deshalb: „Das Internet ist kaputt, nicht aber die Idee der digitalen Vernetzung.“???

Noch einmal: „Das Netz“ ist wertfrei, nichts weiter als eine Ingenieursleistung. Es gibt keine „Idee der digitalen Vernetzung“ (was soll das sein?)…was es gibt, ist menschliche Praxis. Ich kann im Netz spitzeln so, wie ich die Briefpost überwachen kann. Ich kann im Netz zensieren so, wie ich Papyrusrollen mit mir unliebsamen Inhalten verbrennen kann. Its the Machtfrage, stupid!

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Kommentare

  • Stony  On Januar 28, 2014 at 08:10

    Danke für’s verlinken des super Beitrags von Marco, der war mir bislang entgangen!

    Die Geschichte mit der ‚Idee der digitalen Vernetzung‘ (ist ja auch schon etwas älter das) verstand ich noch nie so recht – soll wohl, ganz optimistisch, meinen, wenn wir alle uns „kennen“ und zusammenarbeiten, wenn freier Zugang zu Wissen und Technologien für alle Normalität geworden ist, dann, schwupps, wird alles nur noch für’s Gute der gesamten Menschheit arbeiten und die Welt automatisch eine bessere.

    „Geheilt“ vom Optimismus, daß die Technologie es schon richten wird, kommt nun der Optimismus, sowohl bei Morozov als auch Lobo (letzterer hat hier dazu ausfürhrlich seinen Senf dazu angerührt), nun müsse die Politik es halt richten. Neuausrichtung und so. Das System an sich ist schon gut, nur hier und da ein paar Stellschrauben und es funzt alles.

    Bei mir erzeugt das nur Kopfschütteln. Das ist der gleiche gequirlte Scheiß wie der angeblich ach so tolle Unterschied zwischen Kapitalismus und ’sozialer Marktwirtschaft‘. Als könne man Systeme, nur durch ein paar Einschränkungen hier und da, ihres Wesens berauben, ohne ihnen ihre tollen Eigenschaften zu nehmen.

    Wieviele „Einsichten“ brauchen solche Leute eigentlich, bis sie vor der Systemfrage stehen?

  • hf99  On Januar 28, 2014 at 10:35

    Muss es die Systemfrage sein? Muss wohl. Aber sie zu stellen heißt natürlich, die Machtfrage stellen. Wessen Welt ist diese Welt und so…

    Marco in Ehren, aber meinen Wink mit dem Zaunpfahl haste, glaube ich, nicht mitgekriegt. Also:
    http://transprivacy.com/der-blog/blog-post/2011/11/18/alles-neu-per-netz/
    Publikationsdatum beachten…ähem 😉

  • Stony  On Januar 28, 2014 at 12:53

    Verdammt, nun steh ich dumm da. Asche auf mein Haupt und so. Ehrlich! Nur ein Klick, und dann noch ein weiterer – naja, so läuft das halt manchmal.
    Den bekicherten Beitrag habe ich dabei noch als das Beste empfunden, was ich die Tage zu lesen bekam – bezeichnend, so oder so – ob es nun nichts besseres gab, oder meine Wenigkeit nur nichts fand. Großartig gesucht hatte ich nicht.

    Im Angesicht dessen, was ich nun endlich (warum nicht schon damals?!) gelesen habe, verkriecht sich das kleine Superlativ von oben reumütig in sein Loch.

    Gesagt zu dem Thema ist durch dich eigentlich schon alles, sowohl was die Analyse angeht, als auch die Prognose (zumindest soweit ich die zu verstehen meine). Als Ausgangspunkt für Einsicht und Umdenken hätte es schon vor zwei Jahren dienen können, selbst die Frage warum es dazu nicht kam, läßt sich durchaus in den Ausführungen finden.

    Erfreulicher Weise hat es meinen Blick ein wenig geschärft; einige lose Fäden, die wirr in den Bahnen meines Denkens waberten, verknüpfen sich mehr und mehr, laden mich geradezu ein einen Spaziergang über alte und neue Pfade zu machen.

    Dafür meinen Dank und Chapeau!

    • hf99  On Januar 28, 2014 at 13:15

      no need to excuse. Und ich war wahrlich nicht der erste, der vor der Netzbesoffenheit gewarnt hat.

      Inzwischen möchte ich die Netzbesoffenheit fast schon wieder ein bisschen verteidigen. Natürlich sind die technischen Mittel, die das Netz offeriert – man vergl mit dem hesssischen Landboten Büchners – der brauchte einen verschwiegenen Drucker, musste die Druckschrift verteilen (lassen) etc – superb. jetzt, jetzt, jetzt haben wir die Infos…da muss doch jetzt was gehen… kann ich schon verstehen, dass man diesem Irrglauben erlag. Und drauf gehofft habe ich auch. Etwa 2007/08, Finanzkrise. ich war nicht naiv – man kann das nachlesen im alten Blog. ich habe damals schon gesagt: Wer jetzt glaube, es sei eine revolutionäre Situation gegeben, der solle die Drogen absetzen. Aber, jetzt darf ichs ja sagen…so ein klitzekleines bisschen habe ich schon gehofft: „Verdammich, jetzt muss es doch KLICK machen bei den Leuten“…

      hG

      • Stony  On Januar 28, 2014 at 14:19

        Nachdem ich ’89 live erleben mußte, wie, getrieben von einer (meist friedlich) revolutionären Stimmung, in der DDR, die Chance zu Umbruch und Neubeginn für ein paar lauwarme Worte in den Wind geschlagen wurden, verlor ich fast jeden Optimismus. Mittlerweile ist der Rest sowas wie Einsicht gewichen. Aber ich habe das Kribbeln gespürt und die Erinnerung daran ist eingebrannt und nach-fühlbar, treibt auch bei mir manchmal an die Oberfläche. Insofern d’accord. Die Ernüchterung ist derweil immer wieder herb.

        Was die technischen Mittel angeht: nun ja, letztlich ist es doch ein Wettrüsten, bestenfalls, und wenn es so weitergeht wie gehabt, dann sorgen die Hacks des Systems nur dafür, daß eben jenes System immer feiner oder eben konsequenter zu Werke geht. Was die Telecomixer im ‚Arabischen Frühling‘ machten war so toll wie (im Nachhinein betrachtet) nutzlos. Nicht sinnlos! Aber doch immer wieder das alte ‚Spiel‘, mit variierten Regeln, anderen Mitteln und Protagonisten.

        • hf99  On Januar 28, 2014 at 14:51

          jetzt muss ich mir ersma n Grappa einschenken.

          Nie, nie, nie werde ich die Jahre 88-91 vergessen. Und nicht bloß wg Jugendliebe. Naja, first-Twenliebe. Ich damals = Hamburg. die liebste damals 1988 = DDR. Kurzum: ich war Fluchthelfer (NICHTkommerzieller, auf diese Feststellung lege ich gesteigerten Wert!)

          1990: Sie und ich, erst in Paris, dann in Amsterdam, ua wg van Gogh 100ster Todestag… tolle Ausstellung.

          Als der Golfkrieg immer näher kam, die neue, freiheitliche Welt immer ferner rückte…

          ich stottere gerade, verzeihung. Aber es kommt alles wieder hoch.

          Nie werde ich den Barkeeper, toller Kerl, vergessen, der damals, 17. Januar 91, im „Schweinske“ Lübecker Str. verkündete: „Alle Neune! Die Amis bombardieren gerade Bagdad!“ Am vormittag, ich zog gerade um, es war kalt, ich musste aber tapezieren, hörte ich auf NDR2 noch, B 52 Bomber seien vo Diego Garcia aufgestiegen… hä? Die machen das wirklich?

          Wir waren tagelang auf der Strasse. Das irgendwo aufgegriffene und dann von mir hochgehaltene „Peace“-Transparent ist immer noch im Keller…

          Okay, ich hör mal auf mit Stottern…

          • Stony  On Januar 28, 2014 at 21:05

            Für mich war die damalige Zeit vor allem vom Gefühl der Ohnmacht gekennzeichnet, die Welt passierte einem einfach, Wiederstand zwecklos, Borgs überall sozusagen. Zum Teil liegt das natürlich an meinem Alter: als ’75er hatte ich damals zwar die Chuzpe zu denken ich verstünde die Welt und wüßte wie es besser geht, aber so ist sie halt, die Jugend – idealistisch, dummdreist und voller Romantik.

            Ich schrieb grad anderswo, das uns die neue Technik (Computer, Netz etc.) zufiel, wie einem Kind die Geschenke zu Weihnachen. Auspacken, stauenen und mit leuchtenden Augen spielen. Diese kindliche Neugier und Freude ist etwas ungenommen Gutes und Wertvolles, der Optimismus in weiten Teilen der Nerdgemeinde mag daher rühren, bedenklich wird es imo dann, wenn er zum Zweckoptimismus mutiert, was das ist, was ich bei Lobo und ähnlichen Leuten zu sehen meine.

            Schönen Abend noch!

  • kultgenosse  On Januar 28, 2014 at 13:35

    Was die Vermachtung des Internets angeht, sehe ich es ähnlich wie du (falls du Zeit und Lust hast (http://wp.me/p3Rn9S-c5). Viel interessanter finde ich aber, die Frage, wie man Ansätz, diesen Mythos Netz weiter zu spinnen, beeinflussen kann. Die Forderung dem „Netz“ eine Geschichte und eine eigene Identität zu geben, steht ja nun mal an den Mauern des virtuellen Raums.

    Dass sich Tontäfelchen und Netzkommunikation von konkreten Vorgängen (z.B. „arabischer Frühling“) oder kapitalistischen Strukturen und Verwertung nicht trennen lassen, muss wohl immer erst nach hundert Schritten mühsam gelernt werden.
    Gleichzeitig habe ich für mich festgestellt, dass ich gerne auf die Funktion von Ideen verweise und Mythen knacke, wie es so schön heißt, aber nur schlecht darauf vorbereitet wäre, wenn der ganze Geistesbalast tatsächlich keine Rolle mehr spielen sollte. Und du?

    • hf99  On Januar 28, 2014 at 13:40

      Ich will n icht bös sein, aber:

      „Die Forderung dem “Netz” eine Geschichte und eine eigene Identität zu geben, steht ja nun mal an den Mauern des virtuellen Raums.“

      ???

      • kultgenosse  On Januar 28, 2014 at 13:49

        „Aber diese Medien-Orientierung förderte leider nur das oberflächliche Lanz’sche „Herumlabern“ und hinderte die Protagonisten an der Ausbildung einer tragfähigen und diskussionswürdigen „Theorie des digitalen Kapitalismus“. „(http://www.carta.info/64986/netzpolitik-das-ende-der-kindheit/)

        und siehe die Kommentare auf http://www.carta.info/69329/fruher-war-das-internet-spannender/#comments

        • hf99  On Januar 28, 2014 at 14:12

          Danke für die Links.

          Meine Antwort lautet nach wie vor: Its the Machtfrage, stupid. Bitte nicht böse sein. Aber ob sich Macht in Armbrusttechnologie niederschlägt, in Musketen-, Zündnadelgewehr- oder in Onlinetechnologie…uninteressant. HIER bin ich, ehrlich, Wurzelmarxist bis auf die Knochen: Wer macht die Durchsage, wer hat die Produktionsmittel in der Hand, warum eben gerade diese Produktionsmittel…

  • mark793  On Januar 28, 2014 at 14:09

    Ich schätze, Lobos Diktum „das Internet ist kaputt“ war weniger als ernsthafte Zustandsbeschreibung gedacht, sondern mehr als memetischer Köder konzipiert, nach dem viele in ihren Repliken ja auch dankbar geschnappt haben. Entsprechend witzlos schien es mir, darauf noch groß einzusteigen (zumal ja schon ein paar Tage ins Land gegangen waren).

    Interessanterweise gab es einzelne Versuche, meinen Beitrag als rollback oder einer reaktionären Agenda verpflichtet zu verstehen. Vielleicht hätte ich in der Diskussion klarer machen müssen, dass ich das weltverbessernde Potenzial des Netzes ja gar nicht in Abrede stelle, sondern nur die Vorstellung naiv finde, allein die Existenz des Netzes und einer kritischen Anzahl von Zugängen/Anschlüssen garantiere schon für irgendwas.

    Zu guter Letzt: Wer wann zuerst diesen Gaul geritten hat, ist letztlich nicht so wichtig. Wenngleich ich gestehen muss, dass es mich anno 2000 schon etwas gepiekst hat, als ich las, wie Enzensberger die Dichotomie im digitalen Diskurs schön auf den Punkt brachte. Mir war diese Lagerbildung in Heilsgläubige und Weltuntergangswarner Ende der 90er auch schon aufgestoßen, aber ich hatte dunnemals weder den Anlass noch den passenden Kanal, um diese Gedanken in die Welt zu schicken. So gesehen hat das Web 2,0 für mich persönlich ja schon einen Fortschritt gebracht.

    • hf99  On Januar 28, 2014 at 14:16

      Hallop mark

      “ Vielleicht hätte ich in der Diskussion klarer machen müssen, dass ich das weltverbessernde Potenzial des Netzes ja gar nicht in Abrede stelle, sondern nur die Vorstellung naiv finde, allein die Existenz des Netzes und einer kritischen Anzahl von Zugängen/Anschlüssen garantiere schon für irgendwas. “

      Bitte in Stein meisseln (wg Medienverfallszeit 😉 ) und an jeder Ecke des Landes aufstellen.

      So, genau so, aber auch ganz genau so ist es…

      • mark793  On Januar 28, 2014 at 15:46

        Die nächste netz-zentristische Erlösungsvorstellung, die es zu dekonstruieren gälte: Staaten werden durch Plattformen abgelöst.

        Dass der Urheber dieser steilen These bisher nicht mal den geringsten Versuch zur ihrer Verteidigung unternimmt, enttäuscht mich fast ein bisschen. Aber andernorts verplattformt der Diskurs weiterhin, und der Begriff verschleiert die eigentlichen Machtverhältnisse mehr als dass er Ross und Reiter nennt.

  • che2001  On Januar 28, 2014 at 15:46

    Wir blockierten damals eine Kreuzung, wochenlang. Kurdische Genossen aus dem Irak wohnten da in einem Zelt“. Als es in den kurdischen Bergen schneite und die Geflüchteten dort massenhaft verreckten meinte einer der Kurden, es schneie, weil Saddam an der Pipeline Kirkuk-Istanbul ein Geheimventil angebracht habe, von dem Allah sich schwarz Öl abzapfen kann. Das war meine erste Bekanntschaft mit dem speziellen Kurdenhumor (zwei irakische Bullen führen einen Oppositionellen ab. Auf die Frage „Wohin zum Henker bringt ihr mich?“ heißt es „In deiner Frage liegt auch schon die Antwort“. Über sowas lachen die.)

    Aus dem Kontakt daraus wurde einer meiner langjährigen politischen Zusammenhänge gegründet, die Antifa Südkurdistan.

  • che2001  On Januar 28, 2014 at 16:06

    Kleiner manueller Trackback:

    http://che2001.blogger.de/stories/2369898/

  • ziggev  On Januar 28, 2014 at 17:24

    ein paar Rückblicke: als es ermöglicht worden war, über Uni-Server ins Netz zu gehen (wenn eins eine Webseite machen wollte, musste man umständliche Anträge ausstellen), Netscape war neu, Yahoo gabs noch nicht(!), wurde einem, zum einrichten einer eMail-Adresse, ein Bogen ausgehändigt, auf welchem einem umständlich erklärt wurde, dass die Mails im Prinzip von jedermann mitgelesen werden könnten.

    An die Euphorie zu der Zeit kann ich mich noch gaut erinnern. Ich erinnere mich z.B an einen Artikel in Lettre International (habe ich, glaub´ich, sogar aufgehoben) mit dem Titel „Alter Wein in neuen Schläuchen“. Ganz großes Thema war etwas später: „Digitale Nomaden“. Und es gab in der Tat eine große Euphorie: Jedem und jeder würde nun an jedem Ort auf der Welt umsonst jede Information zur Verfügung stehen. Als absolut uncool galt es (so sah ich es jedenfalls damals), zu bezahlen, z.B. bei Compuserve.

    Es gab wirklich etwas wie eine Utopie. Idealisten, die die Sache vorantrieben. Ich war mal auf einer Veranstaltung im „Psycholoegenturm“, wo an der HH-Uni auch die BWLer ansässig sind, eine Veranstaltung Anf. d. 90er, wo abgemagerte, überarbeitete Banker, die Hörerschaft anflehte, ob nicht jemand qualifiziert sei, weil sie jetzt (zwischen den Zeilen) unbedingt Leute brauchten; geflüstert wurde „AOL“. Ein paar Jahre später war Boris B. endlich auch „drin“. Mist, wenn ich damals das Kleingeld gehabt hätte, würde ich jetzt hier nicht sitzen.

    Ich war notgedrungen Purist, denn Bilder zu laden dauerte einfach zu lange mit meinem langsamen Rechner. Gerhard Schröder, der den Schuss mal wieder nicht gehört hatte, verlangte heldenhaft vorpreschend, an jeder Schule solle es Internetzugänge geben. Dabei zeichnete sich deprimierender Wese ab, dass die Utopisten verlieren würden. Es würde die Kommerzmacht das Heft in die Hand nehmen. Jetzt erst begann es mit dem E-Commerz-Hype.

    Damit will ich sagen: die Machtfrage im Netz war damals bereits entschieden. Wie gesagt, ich war notgedrungen Purist. Und ich war alles andere als ein Nerd. „The medium is the message“ war ganz groß; was aber war die „Message“ im Zeichen von E-Commerz? Es gab Netzkunst, die eben „das Medium“ thematisierte … Heute gibt es immernoch ein paar Überbleibsel. Marshall McLuhan – es ging, wenn ich mich einmal so dilettantisch ausdrücken darf, um gewisse „selbstbezügliche“ Aspekte.

    Dann kam irgendwann „Contend“ – das Medium verschwand. Oder differenzierte sich aus zu lauter Submedien, die, wie WordPress, die Form bereitstellten, in der sich auszudrücken sei. Das waren dann die sog. sozialen Netzwerke. Gibt natürlich auch ästhetisch ansprechende Blogs. Tauschbörsen hatten ihre erste große Zeit. Contend, Tauschbörsen, soziale Netzwerke. Stelarc hatte noch ein System zum laufen gebracht, durch das über das Netz körperliche Reaktionen bei ihm hervorgerufen werden konnten. Es setzte eine gewisse „Medienvergessenheit“ ein. Aber die Selbstbezüglichkeit blieb. Medien sind nur noch „Nutzer“. Der „Contend“: ich,ich,ich,ich.

    ich verschlief dann aufkommen der Blogs und soz. Netzwerke. Dass da aber jetzt insbesondere gleichgelagerte Ich-ich-ich-ich-Contennts sich gegenseitig „hochjazzen“ würden, schien mir eine klare Angelegenheit zu sein. „Globalisierungskritiker“, G8-Proteste schienen mir sich wesentlich auch diesem Phänomen zu verdanken.

    Die „Netzbesoffenheit“ war also in wesentlichen Teilen auch ein Phänomen, wenn es sie denn gegeben hat, das der Sphäre der des Kommerzes zuzuordnen wäre.

    BTW: das Internet ist nicht „kaputt“ sondern „voll“.

  • che2001  On Januar 28, 2014 at 23:56

    Tja, und zu dieser Zeit arbeitete ich für eine Firma, die EProcurement betrieb: Die Versorgung von Lieferketten in der industriellen Fertigung mit ständig benötigten Gütern über das Internet. Die Utopistenphase fand bei mir gar nicht erst statt, die kannte ich nur vom Hörensagen aus dem Silicon Valley so um 1980.

  • ziggev  On Januar 29, 2014 at 00:18

    ja, aber das wäre dann ja doch eine Bestätigung meiner These, die ich versucht habe, vorsichtig zu formulieren. – Nur eben aus einer Perspektive ein paar Jahre zuvor gesehen und gesagt. Und „vom Hörensagen“ – das bei mir viel später stattfand – – natürlich war ich nicht „aufgeklärt“, wie gesagt, keinNerd, war natürlich auch eine Art Mythenbildung.

  • ziggev  On Januar 29, 2014 at 00:18

    ja, aber das wäre dann ja doch eine Bestätigung meiner These, die ich versucht habe, vorsichtig zu formulieren. – Nur eben aus einer Perspektive ein paar Jahre zuvor gesehen und gesagt. Und „vom Hörensagen“ – das bei mir viel später stattfand – – natürlich war ich nicht „aufgeklärt“, wie gesagt, kein Nerd, war natürlich auch eine Art Mythenbildung.

  • drevenseal  On Mai 14, 2014 at 11:49

    Hat dies auf DrevenSeal rebloggt und kommentierte:
    Ein Kleiner Teil von Sascha Lobo der nicht einmal ansatzweise zur Thematk passt.

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