Mundlos im NSU-Prozess – update

Deutlicher hat sich mir die Voreingenommenheit der Presse noch nicht offenbart als in diesem Stern-Online-Bericht der Qualitätsjournalistin Lena Kampf. Unverholen spielt sie zunächst die Verschwörungsparanoia-Karte, ganz unterdrücken kann sie die unstreitigen Fakten aber auch nicht:

Er wüsste heute, warum es so schwierig war, seinen Sohn aus dem braunen Sumpf herauszuholen. Schließlich sei das Gegenüber der Verfassungsschutz gewesen, mit 200.000 Mark, sagte er den Abgeordneten. Soviel hat der V-Mann Tino Brandt für seine Informationen bekommen. Brandt hatte auch nach dem Untertauchen von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe 1998 noch mittelbar Kontakt zu den dreien.

Nicht ganz zu Unrecht sagt Vater Mundlos heute: „Man hätte die in den ersten vier Wochen unbedingt fassen können. Alles andere ist Unfug.“ Er bezieht sich dabei auch auf die Kontaktliste seines Sohnes, die in der Bombenbau-Garage in Jena gefunden wurde. Die Fahnder hatten sie damals nicht ausgewertet, doch darauf stand auch Thomas S., ein Chemnitzer Kontakt und V-Mann des LKA Berlin – in Chemnitz hatten die drei zunächst Unterschlupf gefunden. Für Siegfried Mundlos ist es ebenfalls bezeichnend, dass auch Juliane W., die damalige Freundin von Ralf Wohlleben, der mit Beate Zschäpe auf der Anklagebank in München sitzt, Informantin des Verfassungsschutz war – und laut Mundlos’ Aussage in Erfurt zentrale Fluchthelferin. Ausgerechnet über sie, so hatten es die Zielfahnder der Polizei ihm sogar vorgeschlagen, sollte er seine Kreditkarte an die drei Flüchtigen weitergeben. Mundlos habe das abgelehnt, um später nicht als Unterstützer zu gelten.

Eben. Man kann sich, wenn man sich das Unterstützernetzwerk anschaut, ja kaum retten vor Leuten, die auf der Payroll des Inlandgeheimdienstes standen. Die scheinen ja jeden rekrutiert und durchfinanziert zu haben, der nicht bei „drei“ auf den Bäumen war. Und das soll nicht relevant sein? Angesichts dieser tristen Fakten jedem, der es wagt, hier genauere Auskünfte einzufordern, zum Verschwörungsirren labeln – das geht nicht gut an. Dass der NSU enge Verbindungen zum Inlandgeheimdienst hatte, ist völlig unstreitig, auch bei den drei Hauptakteuren ist der Verdacht nicht ausgeräumt, sie seien selber vom Verfassungsschutz akquiriert worden; streitig ist allein Qualität, Art und Funktion dieser Kontakte. Betrüger? Aus dem Ruder gelaufene verdeckte Operation? Betrogene Betrüger? Agierten gar beide Seiten als betrogene Betrüger – wie es ja eigentlich immer ist, wenn sinistre Dienste obskure Gruppen die Schmuddelarbeit tun lassen?

Alles unklar. Klar scheint mir aber eines: Der Prozess wird diese Fragen nicht beantworten. Das indessen wird ja im Ernst auch nicht erwartet worden sein.

update: Hier SpON:

Wie schon bei seiner Aussage vor dem Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss gab der frühere Informatikprofessor dem Verfassungsschutz eine Mitschuld daran, dass sein Sohn in die rechte Szene abgeglitten ist. Erst die Geldzahlungen von V-Leuten hätten die Rechtsextremisten stark gemacht.

„Wenn die jungen Leute mit ihrem eigenen Geld hätten auskommen müssen, wäre gar nicht die Illusion entstanden“, sagte Siegfried Mundlos in der Verhandlung vor dem Münchner Oberlandesgericht. Sein Sohn sei aber nicht misstrauisch geworden. Mundlos wandte sich direkt an die Vertreter der Bundesanwaltschaft im Saal: „Sie können den Verfassungsschutz nicht aus diesem Verfahren ausgliedern.“

Und was ist daran falsch?

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Kommentare

  • rainer  On Dezember 21, 2013 at 15:00

    ..Gericht und Staatsanwaltschaft stecken doch unter einer Decke und sind nicht im Gerinsten an einer tatsächlichen Aufklärung interessiert….

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