unverbindlich und todschick

Vorzüglich formuliert von Seeßlen. Das Problem als solches ist natürlich seit einigen Jahrzehnten, Jahrhunderten, Jahrtausenden bekannt – was Seeßlen ebenso natürlich nicht entgangen ist. Einen Aus- oder gar Seitenweg weiß auch ich nicht. Ich habe es immer als heilloses Seeabenteuer empfunden, als Meeresenge, in der Scylla und Charybdis lauern: Hie die (nicht nur nerv)tötende Schmallippigkeit des moralischen Rollkommandos, das mit Hilfe erlauchter Deckmäntel die eigene Gewaltbereitschaft hemmungslos auslebt, dort der Gestus der Unverbindlichkeit, ein selbstverliebtes Suhlen in der Virtualität, das sich – ich darf mal 20 Jahre alte Scripts von mir zitieren – „seine Unterwerfung unter katastrophale Verhältnisse in Souveränität und Gelassenheit umlügt“. Und wehe übrigens, dies gilt für Beide, der Gehalts-Scheck bleibt aus.

Also: ich weiß da auch keine Strategie. Ich glaube allerdings an so etwas Konservatives wie Haltung. Das hier wäre der Ansatz zu einer:

Dabei wissen wir doch:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.

Dass ich die Haltung, die ich empfehle, so unoriginell begründe, muss nicht gegen sie sprechen. Lebt, genießt, spielt..aber wißt auch, wo wir leben. Es gibt kein schönes Leben im Häßlichen; und Virtualität hat im Heckler-und-Koch-Land keine Bedeutung. Denn die Toten sind dort, also hier, nicht virtuell tot, sondern real. Sämtliche Versuche, der Schönheit eine wie auch immer verstandene gesellschaftliche Funktion zuzuweisen – und sei die noch so indirekt – sind gescheitert. (Nebenbei: All diese Versuche, auch derjenige Adornos, gehen auf Schiller zurück, ob man das nun hören mag oder nicht!) Das aber bedeutet: Es gibt gar keine Schönheit. Vielleicht sollte es sie geben? Wenn „ja“, was könnte das bedeuten?

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Kommentare

  • genova68  On November 18, 2013 at 23:18

    „Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
    Verzerrt die Züge.“

    Ist das nicht von Wecker? Oder hat der es geklaut?

    • hf99  On November 18, 2013 at 23:22

      Ahoi mein Lieber,

      Bert Brecht, An die Nachgeborenen. ich erinnere mich, dass Du mir mal sagtest, Lyrik bedeute Dir so gar nichts…

  • genova68  On November 18, 2013 at 23:26

    Ahoi, hf 🙂 Freut mich, mal wieder von dir zu lesen.

    Das mit der Lyrik kann man so nicht sagen. Ich lese nur keine, es sei denn, sie wird vertont.

    Jedenfalls ein schönes Beispiel für meine Halbbildung. Immerhin kenne ich den Spruch, seit ich 13 bin und die Wecker-Live-Platte von 1979 aus dem Plattenschrank meiner Mutter klaute. Es bleibt halt hängen, was man in jungen Jahren lernt.

  • Bersarin  On November 19, 2013 at 01:16

    Tja, Kulturindustrie.

  • genova68  On November 19, 2013 at 21:12

    Wer jetzt: Brecht, Wecker oder ich?

    • hf99  On November 19, 2013 at 23:40

      Ganz unironische Antwort: Sehr gute Frage!

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