Überwachung

Burks verlinkt ein treffendes Heise-Forumsposting. Unterschreibe ich. Auch ich war nicht naiv, dennoch hat auch mich das Ausmaß der Überwachung (natürlich nicht die Tatsache als solche) deutlich geschockt. Es ist ja wirklich so schlimm, wie das allerkleinste Verschwörungsfritzchen es sich vorgestellt hat. Nebenbei: Wer glaubt, es seien ploss die pöhsen Amis und die noch pöhseren Briten, darf gerne weiter rauchen. (Er darf aber ebenso gerne die Drogen absetzen, zumindest den Dealer wechseln… „Deutsche Soldaten foltern nicht Deutsche Dienste überwachen nicht…“ Tschawolll)

Allerdings unterschreibe ich, was burks betrifft, nicht bedingungslos.

Seit Jahren, inzwischen wohl Jahrzehnten wettert burks gegen die DAUs, die es – sei es per Javascript, sei es per social hacking (Sicherheitshahahafrage: „Geburtsname meiner Mutter“) – den Überwachern so einfach machen. Ja, gut, richtig, und seine Tips, die technischen und die zum Sozialverhalten, sind primig, primig… Nur: Am Computer sitzen und arbeiten, sich vergnügen, Unsinn treiben, virtuellen Sex treiben (nur saufen muss man noch real!)…das sind, mit Verlaub, inzwischen, seit Jahren, seit Jahrzehnten, ganz alltägliche Vorgänge geworden. Wie radfahren, wie spazieren gehen. Die (Achtung, jetzt kommt ein Philosophiestudie-Spät-80er-Modewort!) Lebenswelt eines jeden kann auf das www und Anverwandtes (ja, burks, sogar ich habs halbwegs gerafft: da gibt es Unterschiede) nicht mehr verzichten. Wo leben wir eigentlich, wenn jeder Wasserkonsument Verwaltungsjurist, jeder Autofahrer Ingenieur, jeder Fahrradfahrer Soziologe oder Kriminologe sein muss?

Wenn ich mein Fahrrad nicht gut abschließe, bin ich ein Blödian, richtig. Dennoch darf man es nicht klauen, punkt. Wenn ich mich auf facebook reidentifizierbar und angreifbar mache, bin ich ein Blödian, richtig. Dennoch darf man mich weder mobben/stalken, noch per facebook ins Rattenficken einsteigen. Wenn ich 2013 auf Spam-mails hereinfalle („Sie müssen Ihren Visa-Account verifizieren“), bin ich ein Blödian und Schlimmeres, doppelt und dreifach richtig. Dennoch darf man mein Konto nicht knacken. Punkt! Darum geht es. Und das, tausend chinesische Verbeugungen, begreift der hoch gewertschätzte burks m.E. manchmal nicht.

Hausmitteilung nebenbei: Uns sind in den letzten Wochen zwei Fahrräder geklaut worden. Es waren Markenräder (Kalkhoff und Hercules), aber ältere Modelle, 21er-Shimano, Standard, z.B. keine Scheibenbremsen, den Flohmarktwiederverkaufswert schätze ich bestenfalls auf 80-100 Euro ein, wenn überhaupt: beim Kalkhoff (falls der Dieb hier mitliest) steht ein Ritzelaustausch ins Haus. (Viel Spaß beim sich auf die Nase legen, wenn Du in den Stand gehst, Du Arsch!) Beide waren Kategorie 7 gesichert, in durchaus bewohnter Gegend… Noch Fragen? Fahrraddiebe sind übrigens asozial. Lumpenproletariat, wie sie mein Lieblingskorrespondent zu nennen pflegt.

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Kommentare

  • Garfield  On Juni 23, 2013 at 00:17

    Die (Achtung, jetzt kommt ein Philosophiestudie-Spät-80er-Modewort!) Lebenswelt eines jeden kann auf das www und Anverwandtes (ja, burks, sogar ich habs halbwegs gerafft: da gibt es Unterschiede) nicht mehr verzichten.

    jetzt bitte nicht als Angriff verstehn – aber ich muß hier mal generell was loswerden:
    wenn man selbst im Netz ist, kommt es einem leicht so vor, als sei die ganze Welt online,,, nur, könnte das evtl mit der eigenen Perspektive zusammenhängen? Auf der Autobahn sieht man schließlich auch keine Fußgänger…

    ich habe in meinem Bekanntenkreis z.B. kaum Leute mit Internetzugang, geschweige denn PC… und ich selbst kann auch nur ins Netz, weil ich diesen PC netterweise für lau bekam. Sobald der seinen Geist aufgibt, wird sich das I-Net aber auch für mich erstmal erledigt haben. Als Hartz-4-Empfänger hat man halt selten ein, zwei Hundert Euro über.
    Klar, online-fähige Handys sind noch ne Möglichkeit, gibt’s inzw auch mit relativ billigen Tarifen; die sind aber aus versch. Gründen nicht mein Fall.

    wie auch immer, ich wollte hier nur mal anmerken: Internet ist keine Selbstverständlichkeit; gerade was die sogenannte (wachsende…?) Unterschicht betrifft.

    • chriwi  On Juni 23, 2013 at 09:06

      „wie auch immer, ich wollte hier nur mal anmerken: Internet ist keine Selbstverständlichkeit; gerade was die sogenannte (wachsende…?) Unterschicht betrifft.“

      Vielleicht gibt es dann irgendwann eine Internet“pflicht“ für Arme. D.h. sie kriegen einen Anschluss, um sich bewerben zu können. So kann man sie dann besser überwachen. Man weiß gar nicht mehr, ob das ein Scherz oder Realität ist.

  • Dirk  On Juni 23, 2013 at 11:55

    Schöner Beitrag. Mir stößt die Arroganz einiger Digital-Natives ziemlich unangenehm auf. Es gibt durchaus Leute die, das Netz nutzen ohne die technischen Details zu kennen und auch nicht die Möglichkeit haben sich dieses Wissen anzueignen. Letztendlich entsprechen Argumente wie wer ausgespäht wird ist selber Schuld, dem Niveau der Sprüche wie Arme sind faul und sollen lieber arbeiten gehen.

    • hf99  On Juni 23, 2013 at 23:15

      ein bißchen hinkt der Vergleich aber. Natürlich hat burks schon recht, wenn er für Datendisziplin und das Recht auf Anonymität etcetc votiert. Die DAUs machens denen schon zu leicht, von Stasi-freiwillig wie Fratzenbuch mal sowieso abgesehen (allerdings befindet sich Fratzenbuch wohl im Niedergang; gut so). Aber nicht der DAU ist verantwortlich für das Schnüffeln, verantwortlich dafür ist allein und ausschließlich das Schnüffler-Gesindel selber. Darum ging es mir.

  • Lol  On Juni 25, 2013 at 15:13

    Es gibt ein Machtgefälle zwischen den Entwicklern und den Benutzern: Sogar Grundschulkinder sind beim Fratzenbuch angemeldet.

    Aber hinter den Kulissen der Interfaces werden längst mehr Daten abgeschöpft, als ein IT-Laie durchschauen kann.

    Es ist wie beim kritischen Konsum: Das Konsummuster ändert sich, aber der Konsument verbleibt in der Konsumentenrolle.

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