CW reloaded – edit

Dean (warum nicht in der Blogroll?) notiert bei Che:

Vielleicht lässt sich sagen, dass die Ethnifizierung die dunkle Seite von bestimmten Diskursen ist, wie sie aus angelsächsischen Ländern (imho allzu unreflektiert) übernommen werden. Ich halte den angelsächsischen Begriff von „race“ jedenfalls für hochproblematisch – und kann meine Bedenken nicht davon eleminiert sehen, dass es deutliche Differenzen zum deutschen Begriff von „Menschenrassen“ gibt, in Kontext und Inhalt. Der Begriff selbst ist falsch. Auch „race“ taugt nichts. Am Ende sind wir alle vor allem eines: Menschen.

Welchselbiges von mir im allerherrlichsten Juristendeutsch vollinhaltlich unterschrieben wird. Ferner:

Es wäre vermutlich hilfreich, wenn mehr Beteiligten klar wäre, erstens, dass CW vor allem dazu dienen soll Selbstkritik bzw. die Reflektion der eigenen Lage zu leisten, sowie dazu, das Verständnis füreinander zu verbessern, gerade auch in Bezug auf die dreidimensionale Struktur von Diskriminierungen und Privilegierungen, die bei einem konkreten Menschen selten nur in eine einzige Richtung weisen.

Auch das ist völlig richtig. Wenn es der CW darum geht, eine sehr wesentliche ‚Unterdrückungskategorie‘ (nämlich die der tatsächlich gar nicht existenten „Rasse“) zu kritisieren: Voll d’accord! Sobald aber naturalisiert wird ( Du bist Weißer, also Täter, also hast Du…), schalte ich in den Kontra-Modus: ich habe gar nichts! Denn niemand hat! Jede und jeder muss als Mensch wahrgenommen werden. Ohne dass Tribute entrichtet werden. Antirassismus = Mensch-Sein ohne Tribute! Täter sind nicht Weiße. Täter sind die, die dieses System voller Menschenabdeckereien vorsätzlich am Laufen halten. Derzeit de facto also in der Tat viele Weiße (und, edit, einige wenige Schwarze und Juden und Lesben und Schwule; Onkel und Tante Toms also) – denn das System Rassismus funktioniert, und Rassismus, das ist der Apell an den inneren Schweinehund im Menschen. Aber nicht „Die“ Weißen. Mit diesem Schritt hin zum Naturalismus transformiert sich die CW in die Lüge; übrigens auch in den ‚Gegenrassismus‘: Auf einmal soll also doch wieder die Hautfarbe über menschliche Qualitäten urteilen?

(…)

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Kommentare

  • summacumlaude  On Mai 15, 2013 at 14:45

    Naja, Diskursfass geöffnet, aber bitte schnell wieder zu. Die hier in Frage stehenden Phänomene gibt es unter anderen inhaltlichen Vorzeichen schon sehr lange. In den 20er Jahren kam eine Welle der Literaturkritik auf, die von der Literatur Engagement verlangte und ein Schreiben im Sinne des revolutionären Proletariats. Zwei schreibende Mediziner haben hierzu gleichlautende Anmerkungen gemacht, in der Folge dann aber haben sie sehr unterschiedlich gehandelt. Hören wir zunächst den Einen, es ist der Kassenarzt von der Frankfurter Allee, der zum nämlichen Zeitpunkt gerade an einem Großstadtroman schrieb. Er sagte: „Wie kommt das Proletariat dazu, Forderungen an mich zu stellen!“ Darum gehts; geforderte, herbeigezwängerte Einsicht ist keine, ebenso wenig wie herbeigezwängertes Engagement.
    Der andere Mediziner, ein Pfarrerssohn, mokierte sich ähnlich über die Revolutionsschreiber, die von ihren Etagenwohnungen „die Anfeuerung besorgten“ während das Risiko andere tragen. „Und dann gehts ab ins PiPaPo“, höhnte Benn noch über die Hobbyrevoluzzer.
    Auch damals wurde also mit vermeintlich moralischer Überlegenheit – Überheblichkeit wollte ich sagen – dem Engagementverweigerer Übles unterstellt. Dabei weiß jeder, der in menschlichen Belangen einigermaßen bewandert ist, dass verbale Absichtserklärungen noch lange nicht sinnvolle Taten folgen lassen, dass am „Reden und Rodomontieren“ nichts aber auch „nichts gelegen“ ist (Thomas Mann).
    Nun, trotzdem ging Döblin 1933 ins Exil, während Benn leider dem „neuen Staat“ huldigte, zumindest zwischenzeitlich. Hier liegt der Hase begraben: Alle richtige Analyse von diesem CW-Unfug die Finger zu lassen (damals: Von der 1 zu 1 Engagementliteratur die Finger zu lassen), sollte nicht dazu verführen, das Geschäft der Gegenseit zu betreiben. Genau das hatte Benn getan, und es war ein geflügeltes Wort in der damaligen Emigrantenszene: Der Benn hat sich doch nur über die kommunistische Literaturkritik geärgert und ist deswegen Nazi geworden (siehe auch den Brief Klaus Manns an Benn, der mir gerade nicht vorliegt). Übertragen auf uns: CW zum Trotz nicht das Geschäft des Herrn Fleischhauer betreiben. Aber da sind wir uns ja einig.

    • hf99  On Mai 15, 2013 at 16:28

      ach ja, Hegemann und Benn und Becher und Benn – wie glauben Sie eigentlich bewegt sich Geschichte und so und überhaupt.

      am Sein und Tun sei dann alles gelegen ihn nationalen Dingen…ja, na gut, Manns Antwort an die Nachtausgabe 1928: Zu dumm. zui dumm. Nacht-K ist bei weitem zu dumm, um auch nur einen Deut hiervon zu begreifen… ein herrlicher Essay. Die Fliegertröpfe spielen auch noch mit rein.

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