Selbstpräsenz, Selbstbewusstsein, Selbsterhaltung – Subjekt

Nach einer Standardlesart beginnt die eigentlich moderne Philosophie mit Descartes. Denn Descartes habe den Gewinn sicherer Kriterien für wahre Aussagen über Welt und Selbst als erster systematisch vom Phänomen der Selbstpräsenz, des sich-seiner-selbst-bewusst-seins abhängig gemacht. Nur im Bewusstsein seiner selbst und der Analyse dieses Phänomens könne der Mensch Sicherheiten gewinnen. Über diese philosophiegeschichtliche These sind sich zumindest im Groben sogar Hegel und Schopenhauer einig. (Hegel: „Rene Descartes ist in der Tat der wahrhafte Anfänger der modernen Philosophie, insofern sie das Denken zum Prinzip macht.“ (Hegel, GWF, Werke 20, Moldehauer/Michel-Ausgabe Frankfurt/Main, 1971, p.123). Schopenhauer: „Cartesius (Descartes, hf) gilt deshalb mit Recht für den Vater der neuern Philosophie etcetc“ (Schopenhauer, Arthur, P& P, in: Werke 4, Lütkehaus-Ausgabe, Zürich 1988/91, p. 11)). Vergleiche auch Ernesto Grassis „enzyklopädisches Stichwort“: „Descartes und das moderne Denken“ in der rde-Ausgabe des Vorländer (in: Vorländer, Karl, Philosophie der Neuzeit, bearbeitet von Hinrich Knittermeyer, Reinbek 1966). Und summarisch Steenblock in seiner kleinen Philosophiegeschichte: „War bislang „wahre Erkenntnis“ als von außersubjektiven Instanzen garantiert gedacht, so sieht man im Allgemeinen die Rückversicherung im erkennenden Subjekt als revolutionären Zug der Neuzeit an. Hierfür steht der Name Descartes. Er ist d e r Philosoph der Neuzeit“ (Steenblock, Rainer, Kleine Philosophiegeschichte, Stuttgart 2002, p. 157, dort dann allerdings auch kritisch gegen Descartes‘ Gottesbeweis, den man in der Tat als Regression deuten kann). Andere Deutungen sind möglich. Für Bartuschat ist nicht die Verankerung im Phänomen Selbstbewusstsein entscheidend, um den theoretischen Sprung auszuzeichnen, der moderne Philosophie ausmache, sondern die Suche nach zweifelsfreier Gewißheit ohne Rekurs auf theologische oder ähnliche Annahmen überhaupt – wie und wo auch immer sie gewonnen werde. Denn weder Hobbes noch Spinoza noch Leibniz verankern ihr Prinzip, welches Gewißheit verbürgen soll, im Selbstbewusstsein, obwohl auch sie solche Prinzipien suchen und aufstellen. „Es ist (vielmehr) der neu erhobene Anspruch der Philosophie, von einem Fundament aus zu philosophieren, das letzte nicht zu erschütternde Gewißheit verbürgt und das darin den Menschen gegenüber undurchschauten Weltanschauungen, in denen er, geleitet von bloßen Meinungen, agiert, zu einer Selbsständigkeit und Autonomie verhilft.“ (Bartuschat, Wolfgang, Nachwort, in der 1990er Ausgabe des Vorländer: Vorländer, Karl, Geschichte der Philosophie, Band 3, Reinbek 1990, p.85-105, hier p. 88) „Vernünftige Weltorientierung“, möglichst vorurteilsfrei und gegen alle teleologischen Deutungen, mache also einen Kern modernen Philosophierens aus. (aaO, p. 88) Wie auch immer. Ich bin kein Experte für das 17. Jahrhundert. Alle Genannten wissen sich, so lese ich es, jedenfalls einig darin, dass in der Moderne ein Philosophieren anhebt, welches wir grob unter Selbstvergewisserung, Kritik, Lösung alter Banden (insbesondere solcher religiöser Art), Voraussetzungslosigkeit zusammen fassen können. Dies gilt, in dieser Allgemeinheit, übrigens sehr wohl auch für den britischen Empirismus. Auch Locke, Berkeley, Hume und Genossen waren an einer möglichst voraussetzungslosen Antwort auf die Frage, was es mir eigentlich erlaube, das Urteil p für wahr zu halten, interessiert. Dass sie, insbesondere Hume, bei ihren Untersuchungen dann das „Einsichtsideal“ (Craig), etwa jenes Descartscher Provenienz, zu destruieren suchten, ist schon klar – nur ist ihre Kritik an Descartes sozusagen eine interne Kritik, eine Kritik innerhalb der modernen Philosophie (vergl. dazu Craig, Edward, David Hume, Frankfurt/Main, 1979, besonders Kapitel 1 passim, „Das Einsichtsideal“). Anbei: Die Debatte zwischen ‚kontinentalem Rationalismus‘ und ‚britischem Empirismus‘ ist eine der, wenn nicht d i e formierende Debatte der philosophischen Moderne überhaupt.

Dieter Henrichs Deutung der Moderne unterscheidet sich nicht unwesentlich von der angerissenen Standarddeutung. Nicht Selbstbewusstsein, nicht Selbstvergewißerung…Selbsterhaltung, so erklärt Dieter Henrich, mache ein wesentliches Moment der Anthropolgie der Moderne seit Hobbes aus. „Das Wesen des Menschen ist es (jetzt, 1650, im Gegensatz zur Antike und zum Mittelalter, hf), sich der Gefahr der Zerstörung zu widersetzen – es ist Selbsterhaltung“ (Henrich, Dieter, Die Grundstruktur der modernen Philosophie, in: Henrich, Dieter, Selbstverhältnisse, Stuttgart 1982, p. 84). Noch Aristoteles habe vertreten, ein jegliches Seiende strebe danach, die ihm eigene Wesensvollkommenheit zu erreichen. Erst seit Hobbes deute der Mensch sich wesentlich aus sich selbst heraus.

Das ist geistesgeschichtlich, soweit ich es als Laie überblicke, nicht falsch. Tatsächlich darf man Hobbes These als „Aufstand“ gegen eine „machtvolle Tradition“ (aaO p. 86) verstehen. Nur übersieht der Konservative Henrich, dass Hobbes – dies darf man gut dialektisch, gut marxistisch als das emanzipatorische Element seiner Philosophie verstehen – sich hier als Realist, als rücksichtsloser Diagnostiker geäußert hat und der längst insolventen Tradition den Spiegel vorhält. Denn natürlich war es de facto nie anders – auch die Tradition und gerade sie folgte Macht-, also Selbsterhaltungsinteressen. Zugleich hat Hobbes das teleologische Prinzip der machtvollen Tradition mitnichten abgewiesen, sondern erst modern, fast sage ich gut achtundsechsziersch: frühkapitalistisch!, auf den Punkt gebracht. Sein moralischer Egoismus weist alle vorgeschobenen Ziele ab und erklärt – als habe er es für ein Managementseminar per 2013 verfasst! – schlankerhand und BILD-kompatibel das Selbst und die Befriedigung seiner Bedürfnisse zum einzigen, eigentlichen Ziel. Hobbes ist somit so gut oder schlecht Teleologe wie Aristoteles und Thomas von Aquin. Indem Henrich die „Tradition“ gegen die „Selbsterhaltung und Steigerung der Macht“ (aaO, p. 94) ausspielt, betreibt er nichts anderes – wenn auch, wie von ihm zu erwarten, auf allerhöchstem Niveau – als jenes konservative Spiel, das jüngst von Ratzinger lautstark und schlecht begründet wieder eröffnet wurde: Hüben die egoistische Moderne mit der Aufklärung als negativer Kulminationspunkt, drüben die wertebezogene Tradition in fast aussichtslosem Kampfe gegen die Seinsvergessenheit der Moderne. Ganz konsequent begreift er Schopenhauer, Nietzsche, Marx, Darwin und Freud als Denker, die die Selbsterhaltung von der Tradition abspalteten (was sicherlich in gewisser Weise stimmt!), während Hegel „auf der Grundlage des Paradigmas von der Selbsterhaltung eine neue Einheit von Vernunft und Wirklichkeit zu konstruieren“ sich angeschickt habe (aaO, p.94). Rechtshegelianismus in Reinkultur.

Die partiell positive Einschätzung von Heideggers Kritik an der modernen Subjektphilosophie (aaO p. 95ff) nimmt da nicht wunder. Nur die Heidegger unterstellte Reduzierung von Selbsterhaltung auf Selbstbewußtsein macht Henrich nicht mit (aaO, p.99). Heidegger behauptete, vergröbert gesagt, Moderne vollziehe sich wesentlich im Modus des Selbstbewusstseins (was eben auch Selbsterhaltung beinhalte). Tatsächlich sei es genau umgekehrt. „Dann ergibt sich ein Sinn von Selbstbewußtsein, der Heideggers Analyse und Verdikt entzogen ist, eine vergeßliche Anmaßung unbegrenzter Macht zu sein“ (aaO, p. 100) Was Henrich im Sinn hat, ist schon klar: eine sozusagen traditionell gehegte Selbstbewusstseinsphilosophie, „die dem modernen Bewußtsein nicht mehr nur durch Verweigerung und hastige Kritik eskapistisch antwortet“ (aaO, p. 105). Spätestens an dieser Stelle wäre politisch zu fragen, ob man ggfls doch über eine kritische Rehabiliterung der Subjektphilosophie nachdenken sollte. Eine Philosophie der Selbstbehauptung – gegen real spürbare Anmaßung realer, zwar nicht unbegrenzter, aber immer vorhandener Macht. Das würde, auf seine Art, zwar auch Henrich unterschreiben: „Die Philosophen müssen wissen, daß ohne sie die Hoffnung auf ein befreites Leben vergeblich bleiben wird. Denn es gehört zum Wesen des Bewußtseins selbst, nicht ohne einen Begriff seiner existieren zu können.“ (aaO, p. 106) Ich persönlich würde eine Subjektphilosophie jedoch nicht durch Traditionen hegen, sondern dadurch, dass das selbst be- und ergriffene Leben auf die Spitze getrieben, also radikalisiert, also verwirklicht wird. Nämlich als radikales Leben, welches den Anderen radikal offen gegenüber tritt.

Die Deutung moderner Subjektphilosophie als Machtanmaßung, als ‚Machtergreifung‘ war mir immer unklar. Wem wird hier etwas zugemutet? In der Nachschrift „Über Selbstbewußtsein und Selbsterhaltung“ (aaO 109 – 130) zu seinem Aufsatz notiert Henrich (leider muss ich sagen: Allen Ernstes): „Er (der Vorgang der Modernität) löst Lebensformen auf, die sich nur über komplizierte Systeme der Weltdeutung und Verhaltensnormierung reproduzieren konnten. Die subtilen Möglichkeiten der Lebenssteigerung und Selbsterfahrung, welche diese Kulturen nicht nur für Privilegierte anboten, schiebt er beiseite.“ (aaO, p. 109) Das ist, Verzeihung, schon sehr ranzig. Traditionswahrung als Privilegienwahrung – jeder konservative Dorfpastor würde das, wenn auch weniger elaboriert, genau so sehen. Keine Subjektphilosophie will indessen Traditionen abräumen – sie will sie verstehen und einordnen. Ist es böse, wenn ich mich hier an Martin Heideggers widerwärtiges Kurzgutachten gegen Hönigswald erinnert fühle? Ich zitiere:

Sehr geehrter Herr Einhauser, ich entspreche gerne Ihrem Wunsche und gebe Ihnen im Folgenden mein Urteil. (1) Hönigswald kommt aus der Schule des Neukantianismus, der eine Philosophie vertreten hat, die dem Liberalismus auf den Leib zugeschnitten ist. Das Wesen des Menschen wurde da aufgelöst in ein freischwebendes Bewusstsein überhaupt und dieses schließlich verdünnt zu einer allgemein logischen Weltvernunft. Auf diesem Wege wurde unter scheinbar streng wissenschaftlicher philosophischer Begründung der Blick abgelenkt vom Menschen in seiner geschichtlichen Verwurzelung und in seiner volkhaften Überlieferung seiner Herkunft aus Blut und Boden. Damit zusammen ging die bewusste Zurückdrängung jeden metaphysischen Fragens, und der Mensch galt nur noch als Diener einer indifferenten, allgemeinen Weltkultur. Aus dieser Grundeinstellung sind die Schriften Hönigwalds erwachsen. (2) Es kommt aber noch hinzu, dass nun gerade Hönigswald die Gedanken des Neukantianismus mit einem besonders gefährlichen Scharfsinn und einer leerlaufenden Dialektik verficht. Die Gefahr besteht vor allem darin, dass dieses Treiben den Eindruck höchster Sachlichkeit und strenger Wissenschaftlichkeit erweckt und bereits viele junge Menschen getäuscht und irregeführt hat. (3) Ich muss auch heute noch die Berufung dieses Mannes an die Universität München als einen Skandal bezeichnen, der nur darin seine Erklärung findet, dass das katholische System solche Leute, die scheinbar weltanschaulich indifferent sind, mit Vorliebe bevorzugt, weil sie gegenüber den eigenen Bestrebungen ungefährlich und in der bekannten Weise ‚objektiv-liberal’ sind. Zur Beantwortung weiterer Fragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung. Mit ausgezeichneter Hochschätzung! Heil Hitler! Ihr ergebener Heidegger.

Es bedarf keiner Erörterung – auch Henrich widerspricht natürlich nicht – , dass Heideggers völkische, also rassistische Denunziation in dieser Form völlig inakzeptabel ist – aber das philosophische Problem hat er bemerkenswert klar herausgearbeitet. Die Subjektphilosophie sieht in der Tat seit Kant, seit Descartes von allen materiellen Bestimmungen des Menschen ab, und zwar vorsätzlich. Das meint nicht, materielle Bestimmungen hätten keine Bedeutung. Die Subjektphilosophie bestreitet nur ihre Relevanz für bestimmte Fragen, etwa: Was ist Realität? Wie sollen wir uns verhalten? Das gilt, in meinen Augen, übrigens auch für Cassirer; um an die berühmte Davoser Disputation an dieser Stelle anzuspielen. Die in meinen Augen zutreffende These vom Menschen, der „in der Vielfalt von symbolischen Weisen der Welterzeugung die Wirklichkeit schafft“ (Birgit Recki), ist selber eben gerade nicht materiell, nicht symbolisch, sondern abstrakt, also reflexiv; gleichsam transsymbolisch. Dass wir ihrer gewahr werden können, verweist auf einen Tatbestand, dessen sich schon Kant und Schopenhauer (und vor allem auch Schiller in seinem fantastischen 11ten Brief) bewusst waren: dass wir offenkundig über eine gewisse Fähigkeit zur Selbstpräsenz, zur Selbstreflexion verfügen (mag sie konkret durch noch so viele Hemnisse mutiert sein), eine Fähigkeit, die wir letzten Endes nur konstatieren, nicht mehr erklären können. Das abstrakte, „kalte“ Subjekt bin nicht ich, bist nicht Du, und das ist auch gut so und richtig so. Das Subjekt ist nirgends, und es fängt mit einer Leerstelle an. Wäre es anders, dann hätte Heidegger Recht. Aber das Subjekt ist in der Tat dasjenige – ein schöner Zug der deutschen Sprache: Das Subjekt, Neutrum – , welches alles erkennt, und von keinem erkannt wird. Das Subjekt ist eben gerade nicht das konkrete Individuum. (Lemma: Dieses in der Alltagssprache fest verankerte Mißverständnis – das Subjektive sei das Persönliche, Individuelle – korrespondiert natürlich mit zwei ebenso berüchtigten anderen sprachlichen Mißverständnissen: Idealismus sei die Haltung, Dinge um ihrer selbst willen zu tun, und Romantik käme im candle-light-Dinner zu Zweien zum Ausdruck.) Das bewusste Absehen vom Konkreten, Individuellen, Materiellen, das dem Subjektbegriff eignet, erweist, so sehe ich es, den konkreten, individuellen, materiellen Menschen in Wahrheit die größte Ehre, indem es nämlich sagt: Ihr seid es, jeder von Euch, die aus Euch das macht, was ihr dann konkret seid.

edit: Sozialphilosophisch und politisch-philosophisch folgt aus diesen Überlegungen: man müsse jeden konkreten Menschen überhaupt erst einmal in die Lage versetzen, (abstraktes, kaltes) Subjekt sein zu können. Das hat natürlich mit Schillers Briefen zu tun. Hierzu ein andern mal.

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Kommentare

  • flatter  On April 11, 2013 at 11:02

    Ich finde da nicht ganz die Differenz zwischen Subjektivität/Bewusstseinsphilosophie und Moderne. Der Idealismus und seine Spielarten haben sich in den Hegelschen Kopfstand zwangsläufig verrannt, weil er nichts anderes denken wollte als Subjekt/Geist/Willen und den Rest der Welt, dabei ist ihm noch entgangen, dass mitten hindurch sich ein Epistemenwechsel vollzog, an dessen Ende Foucault erst die Moderne sich entfalten sieht: Von der „Repräsentation“ zur Historizität. Diese Moderne war zwar noch immer dem Subjekt/Objekt-Schema verbunden, was die ausdrücklich „postmoderne“ Philosophie dann zu zerstören versuchte.
    Die aussichtsreichsten Ansätze, unter diesen Bedingungen noch Subjektivität zu denken (was ich wichtig finde, denn in der Tat verhalten sich noch ‚Individuen‘ zu ihrer Umwelt) sind folgerichtig psychologische. Freuds Modell des ‚Ich‘ ist schon ein angemessen trauriges Rest-Subjekt, daran anschließend kann die Instanz, die andere Glieder der Wirklichkeitsgrammatik auf sich bezieht, weitere Selbsterkenntnisse gewinnen. Der Glanz eines Weltgeistes wird dabei allerdings nicht mehr scheinen.

  • hf99  On April 12, 2013 at 03:32

    „zwangsläufig verrannt“ nein, Kants Grenzen wurden nicht zwangsläufig aufgelöst.

    „sind folgerichtig psychologische“ der Subjekt-begriff hat vorsätzlich mit Psychologie nichts zu tun (wie Du natürlich weißt; siehe die einschlägigen Stellen in der KrV). Er ist begrifflich gemeint und soll einfach klarmachen, was die Voraussetzungen sind dafür, von „Erkenntnis“ und einem „Erkennenden“ zu sprechen. Ansonsten ist es völlig richtig: Für das Verstehen dessen, was in einer Gesellschaft vor sich geht, ist zB der Ich-Begriff Freuds sicherlich relevanter als der Subjektbegriff (Beispiel: Warum war die Lüge von den faulen Griechen, die uns die Haare vom Kopp fressen, so attraktiv?) Vergl aber Freuds wohl berühmtestes Diktum, welches vielleicht so umformuliert werden könnte: wo das schwache, neurotische, ständig beeinflußte Ich war, soll Subjekt werden.

  • flatter  On April 12, 2013 at 22:20

    Kant hat das Plateau ausgeschöpft, aber nicht verlassen (wie Königsberg). Mag stimmen, dass das Plataeu nicht erweitert wurde, aber in der Tat hat Hegel dem Ganzen geschichtliche Dynamik verliehen.
    Das Problem mit dem Erkennenden ist, dass es sich konstruieren muss, um Struktur zu gewinnen (die Alternative wäre quasi Psychose), aber eben konstruiert bleibt. Wo es versucht, sich zu fassen, entgleitet es sich zwangsläufig und wird Objekt. Es muss diese Paradoxie aushalten, sonst werden die Konstruktionen seines Selbst absurd.

    p.s.: Ich hoffe, diese Fetzen taugen zu etwas, das ist eigentlich nix für im Blog drin, oder?

  • hf99  On April 12, 2013 at 22:29

    alles ist für „im blog drin“ 😉

    mein persönlicher Glaube: Wir müssen einfach hinnehmen, dass wir Wesen sind, die (in Grenzen) zur Selbstreflexion/Selbstpräsenz fähig sind. Woher diese Fähigkeit kommt? Nobody knows. Aber wir haben, in diversen Grenzen, diese Fähigkeiten. Fakt. dies zu konstatieren ist kein Konstrukt, in meinen Augen. Kant nennt das vermögen zur Synthesis „blind“, es ist vielleicht sein größter satz, und er hat viele große Sätze notiert… Ohne unsere Fähigkeit zur Verknüpfung ginge das alles nicht, was wir intellektuell so treiben…und der ach so rationale, systematische kant sagt: blind! Großartig!

    Doch, Hegel hat das Plateau erweitert, meines Erachtens nach, und nicht immer zum Vorteil. Wobei ich gleich hinzufüge: sein Herrschaft-Knechtschaft-Kapitel ist natürlich ein jahrtausendtext. Henrich sieht es schon nicht falsch: hegel will die (damalige) Moderne mit der Tradition aussöhnen. das aber scheint mir zum Scheitern verurteilt.

  • El_Mocho  On April 15, 2013 at 20:14

    Warum taucht eigentlich Spinoza nicht in deinem Abriss der neueren Philosophiegeschichte auf? Weil das Subjekt in seiner Philosophie keine Rolle spielt? Weil bei ihm die Welt das primäre ist und das Subjekt sekundär?

    Ich möchte nochmals wärmstens die Bücher von Jonathan israel empfehlen, besonders dieses:

    http://www.amazon.de/Radical-Enlightenment-Philosophy-Modernity-1650-1750/dp/0199254567

  • hf99  On April 15, 2013 at 20:29

    äh, Spinoza taucht auf, und zwar in Folge des Bartuschat-Zitats, unter Hinweis darauf, dass Spinoza seine Philosophie nicht im Subjekt verankert (ich bin kein 17. jhdt und kein Spinoza-Experte, Wolfgang Bartuschat ist beides. Sein Nachwort im 1990er-Vorländer ist empfehlenswert).

    • David  On April 15, 2013 at 22:31

      El_Mochos Art, Kommentare zu schreiben, ist höchst effizient: Es reicht in 99% der Fälle das Lesen der Überschrift, damit er korrekt im Bilde ist und weiß, was zu tun ist. Ätzende weitere Lektüre kann er sich dann sparen.

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