Chomsky war (nicht) in Kambodscha


Im August 1978 reisen vier westliche Intellektuelle nach Kambodscha.
(…)
Jan Myrdal, einer der Reisenden, die mit Pol Pot Austern schlürften, während der Rest des Landes verhungerte, ist ein in Schweden bekannter Autor. Auch Birgitta Dahl, die spätere Vorsitzende des schwedischen Parlaments, verteidigte damals die Roten Khmer gegen ihre Kritiker. Ebenso der Schriftsteller Per Olov Enquist und der berühmte amerikanische Intellektuelle Noam Chomsky.

Das finde ich schon sehr grenzwertig. Denn damit suggeriert Piegsa zumindest, Chomsky sei einer der Reisenden gewesen – was nicht stimmt; Chomsky war nie in Kambodscha. Im übrigen hat Chomsky die roten Khmer nie verteidigt – eine Unterstellung, die auch durch Dauerwiederholung nicht wahr wird -, sondern die „Empörung“ ‚des Westens‘ über die roten Khymer, nicht ganz grundlos, eine Farce genannt. Man muss Chomsky und seiner Einordnung nicht zustimmen. Aber verteidigt hat er die roten Khmer nun einmal nirgends. Seine Überlegung war vielmehr diese:

One who protests barbarism or repression must consider the probable human consequences of his acts. That is why, for example, Amnesty International urges that one write politely to the most miserable tyrant. Unless the goal of protest is self-aggrandizement or service to one’s state, finite energies will be distributed in accordance with a likely impact. A Russian who condemns American behavior in Vietnam or Chile may speak the truth, but we do not admire his courage or moral integrity. Similar considerations apply here.

und er folgerte:

The central responsibility for Americans is to try to modify policies that we can influence; primarily those of the American government and its client regimes, or elsewhere, when there is a likelihood that protest can contribute to the relief of human misery.

Darum ging es ihm. Aber ich weiß, Lesen ist eine schwierig zu beherrschende Kulturtechnik, nicht jedem gelingt es auf Anhieb.

eine ganze Generation westlicher Linker, die dem Massenmörder huldigte.

Vielleicht bin ich zu jung, aber ich habe niemandem gehuldigt, Pol-Pot zu allerletzt, und mir ist auch in den Schriften diverser (noch) älterer Linker eine solche Huldigung nie aufgefallen. Piegsas Suggestion ist einfach nur niederträchtig. Aber seit 1990 ist ja jeder Griff erlaubt, wenn es nur gegen die Linke geht. Die antilinken Mythen von Leuten wie Piegsa wird man so langsam wirklich pathologisch nennen müssen.

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Kommentare

  • piet  On April 1, 2013 at 07:44

    Was Chomsky schon vor ca. 25 Jahren thematisiert hat, war u.a. die Rolle der U.S. in Kambodscha. Chomsky hat (mal wieder) die Doppelmoral und die Nichtberichterstattung aufgezeigt, die in westlichen Medien vorherrscht. Das Spiegel(***zensiert aus formalen Gründen, hf) und sein Geschmier passt da gut rein.
    Ausnahmsweise wiki :
    Von März 1969 bis August 1973 wurden rund 3.500 B-52-Flächenbombardements durch die U.S. Air Force geflogen und dabei 539.129 Tonnen Bomben mit teilweise bis zu 200 Einsätzen pro Woche abgeworfen. Dies entspricht etwa drei Tonnen Bomben pro Quadratkilometer oder der doppelten Menge der Bombenlast, die auf Japan im Zweiten Weltkrieg abgeworfen wurde, und kostete die USA etwa sieben Milliarden Dollar. Die Schätzungen der Opfer unter der kambodschanischen Zivilbevölkerung reichen dabei von 200.000 bis zu 1,1 Millionen. Der Großteil des kambodschanischen Farmlandes wurde zerstört.

    • hf99  On April 1, 2013 at 08:49

      ich weiß das. Die Chomsky-hat-Pol-pot-verteidigt-Schwätzer wissen es nicht. Oder, und das wäre noch schlimmer, sie wissen es gleichfalls.

    • hf99  On April 1, 2013 at 20:40

      ebenfalls wiki:

      Am 25. Dezember 1978 marschierten kommunistische Truppen des wiedervereinigten Vietnam nach von den Roten Khmer initiierten Grenzzwischenfällen in Kambodscha mit dem Ziel ein, das Pol-Pot-Regime zu stürzen und eine pro-vietnamesische Regierung zu installieren. Dies geschah schon im Januar 1979, indem die „Einheitsfront für nationale Rettung“ das Pol-Pot-Regime stürzte und als neuen Regierungschef Heng Samrin einsetzte, der drei Tage später die „Volksrepublik Kampuchea“ ausrief. Pol Pot zog sich in den Untergrund zurück, und Norodom Sihanouk ging neuerlich ins chinesische Exil. Verschiedene westliche Staaten, u. a. die Bundesrepublik und die USA, protestierten gegen den Einmarsch.

      Die darauf folgende Guerilla-Taktik der Roten Khmer sowie die ständige Lebensmittelknappheit führten zur Massenflucht von Kambodschanern nach Thailand. Nachdem Pol Pot im Juni 1982 mit seinen Roten Khmer und zwei nicht-kommunistischen Gruppen – der „Nationalen Front für ein unabhängiges, neutrales, friedliches und kooperatives Kambodscha“ (FUNCINPEC) von Norodom Sihanouk, sowie der antikommunistischen „Khmer People’s National Liberation Front“ des früheren Premierministers Son Sann – wieder unter der Leitung von Sihanouk im malaysischen Kuala Lumpur eine Exilregierung bildete, wurde diese von den Vereinten Nationen anerkannt. Die Staaten des Ostblocks, Indien und verschiedene Länder der Dritten Welt hingegen erkannten die neue Regierung unter Heng Samrin an.

      (…)

      Es ist davon auszugehen, dass die Khmer-Guerilla in ihrem Kampf gegen die vietnamesische Besetzung und die anschließend gewählte Regierung auch durch verdeckte Waffenlieferungen von westlicher Seite unterstützt wurden. So setzten sie beispielsweise Panzerabwehrwaffen der westdeutschen Firma MBB im Kampf gegen die Regierungstruppen ein.[10][11] Darüber hinaus ist bekannt, dass die Roten Khmer und ihre Verbündeten vom britischen Special Air Service im Umgang mit Landminen und anderen Waffen geschult wurden.[12] Die von den Guerillas verlegten Minen stellen noch Jahrzehnte später ein beträchtliches Problem für die Bevölkerung dar.
      (…)
      Dieser Prozess wird nur für Angehörige der obersten Führungsriege angestrebt, da zu viele Politiker des heutigen Kambodscha, wie z. B. der derzeitige Ministerpräsident Hun Sen, auf eine rote Vergangenheit blicken. Auch ist die Zeitspanne, die Gegenstand der Verhandlungen ist, auf die Eroberung und den Fall der Hauptstadt begrenzt, da sonst eventuell auch die USA, China, Vietnam und vielleicht sogar die Vereinten Nationen auf der Anklagebank sitzen müssten.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Khmer#Entmachtung

      Aber Chomsky ist an allem Schuld, allem Schuld, allem Schuld.

  • MondoPrinte  On April 1, 2013 at 11:29

    Ähnlich ja auch der übliche Vorwurf, Chomsky sei antisemitisch eingestellt bzw. zumindest gegen Israel.

  • R@iner  On April 1, 2013 at 12:00

    Bei fefe hatte ich neulich den Link zum folgenden Guardian-Artikel gefunden: How Noam Chomsky is discussed

  • chriwi  On April 2, 2013 at 07:33

    Wenn man keine vernünftigen Argumente gegen die Aussagen linker Aktivisten hat, dann muss man sie eben diffamieren. Nur so kann man sie unglaubwürdig machen.

  • lemmy Caution  On April 2, 2013 at 14:41

    Dieser weinerliche Ton…
    Wir „Linken“ schnüff. schnüff. schnüff.. sind immer die bösen.
    Dabei hängt der „Linke“ Himmel voller heldischer „Aktivisten“.
    Vor allem seit sie in den 60er Jahren ihre Ideologie stark globalisiert haben. Ein Vorläufer der Globalisierung in den Produktionsprozessen unserer Zeit, mit vielleicht ähnlichen Widersprüchen und Fallgruben.

    Es gibt Nord-Süd. Ich wollte, dass dem nicht so ist.
    Aber in dem Bereich, in dem ich mich vor allem auch durch eigene Erfahrungen glaube ein wenig auszukennen, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass „Unterentwicklung“ ein extrem komplexes Phänomen ist. Darunter verstehe ich die Unterversorgung mit sozialpolitischen, bildungspolitischen und materiellen Features im Vergleich zu Deutschland. Keinesfalls eine Inferiorität der Menschen in den Meeren des Südens.

    Ich hab mir häufiger längere Vorträge von Chomsky auf youtube angesehen. Der Mann sagt seit dem Vietnam-Krieg eine Menge wichtiger Dinge, die im sogenannten „Westen“ den Radar zu stark unterfliegen. Auf der anderen Seite neigt er aus meiner Sicht häufiger zu starken Simplifizierungen, aber das tut eben aus dieser meiner Sicht quasi jeder lechts wie rinks. Zumindest publiziert Chomsky nicht granit-harten Agit-Prop wie so einige andere sogenannte „Linke“ zum Thema Nord-Süd. Beeindruckender Beleg aus jüngerer Zeit ist für mich etwa der offene Brief zum Thema „Richterin Affiuni“.

    Eine genauere Untersuchung, was der Mann nun jetzt im Einzelnen und in unterschiedlichen Phasen zu den Roten Khmer gesagt hat, würde wohl eine 2-tätige Recherche in Anspruch nehmen, zu der wohl kaum einer Energie oder Lust haben wird. Typisch „links“ ist halt auch, sich diese Mühen zu sparen und einfach direkt mal gut-löwe-brüllen zur ungerechten Behandlung von Noam Chomsky.

    Nur spricht der Artikel etwas viel grundsätzlicheres an, das man vielleicht mal an sich rankommen lassen könnte: „Linke“ Analyse der Geschehen in den Meeren des Südens kann genauso daneben liegen wie die Propaganda der Johnson Regierung zu Vietnam vor der Ted-Offensive. Und Linke können genauso blind für wichtige Elemente der Realität sein wie US-amerikanische Patrioten im Jahr 1966 nach dem letzten Auftauchen von Baby Jesus auf diesem, unseren Planeten.

    Und wenn ihr ein wenig Zeit habt, kauft euch einfach mal dieses Buch zu einem kürzlichst verstorbenen Liebling der „Linken“ unserer Zeit. Ein arme-Leute Regionen erfahrener irischer Guardian Journalist hat 2006 in Caracas ein Lateinamerika-Büro eröffnet. Rory Carroll verließ das Land 2011. In der Zwischenzeit hat er ziemlich lang über das Treiben dort nachgedacht.
    http://www.amazon.de/Comandante-Chavezs-Venezuela-Rory-Carroll/dp/1594204578/ref=sr_1_2?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1364908874&sr=1-2
    Und kaufts besser nicht bei amazon sondern beim Buchhändler in der Nähe oder anderweitig. Mach ich jetzt auch so.

  • lemmy Caution  On April 2, 2013 at 17:25

    Bin ich hier im spamfilter?
    (Test)

  • lemmy Caution  On April 2, 2013 at 18:14

    ok. Das sieht normaler aus.
    Nun die Kurzversion.
    Nicht meine Stärke.
    Hab eine Menge von Noam Chomsky auf youtube gesehen. Der Mann bringt ganz bestimmt ein paar sehr wichtige Punkte, die hier im Norden klar unter dem Radar fliegen. Bezüglich den Roten Khmer sollte man sich genauer anschauen, was er denn da wann genau zu gesagt hat. Würd vielleicht 2 Tage in Anspruch nehmen, das halbwegs brauchbar rauszufinden. Die Zeit hat vermutlich keiner. Typisch für sogenannte „Linke“ ist übrigens, dass man sich die Arbeit spart und lieber gut-löwe-brüllt, dass gegen Linke Aktivisten diffamiert wird.
    Linke Aktivisten diffamieren selbstverständlich nie. Da wird jede Diskussion nach den Regeln der Wissenschaft geführt. Schließlich sind Aussagen wie: ‚Die gesamte venezolanische Opposition bekanntlich eine Horde von mordlüsternen Faschisten, die ihre Befehle direkt aus Washington erhalten‘ völlig selbsterklärend.
    Linke Theorien stellen eine Art frühe Globalisierung dar. Was die in den 60ern mit ihrer Theoriebildung gemacht haben, wurde von Unternehmen eigentlich erst richtig in den 90ern und 00ern nachvollzogen. Die ganze sehr unterschiedliche Welt wurde vernetzt. Ich denke, dass beide unter ganz ähnlichen Widersprüchen und Missverständnissen leiden. Auf den ersten kursorischen Blick durchs Fernrohr lassen die sich prima ins Modell der Fertigung oder der Theorie einpassen, aber dann gibts immer wieder Probleme.

    Jene andere Kulturen sind aber komplex. Und der Respekt vor dieser Komplexität opfert man da gerne für einen Erkläransatz, der nett, plausibel und völlig falsch ist. Und genau das spricht offenbar das Buch an, dass in jenen Artikel rezensiert wurde.
    Dabei ist es nichts ungewöhnliches, dass sich die Meere des Südens als psychedelische Wundertüte für die Nachrichten-Konsumenten herausstellen. Nach der Ted-Offensive. Nach dem Sturz Saddams, nach dem „kurzfrustigen“ Putsch von Pin8 weiland in Shile. Warum solls da Linken anders gehen.

    Interessant werden Linke für mich vor allem dann, wenn sie eben nicht mehr nur in eine Richtung schiessen, sondern beginnen zu verstehen. Wie George Orwell im Spanischen Bürgerkrieg. Oder der langjährige irische Leiter des Lateinamerika-Büros besagter Publikation in Caracas. Rory Carroll. Eine Art Orwell unserer Zeit. Sein Buch Comandante.
    Und das haben die kritisierte Protagonisten eben nicht geliefert. Es tut denen heute leid. Das ist kein Linkes Phänomen sondern sozusagen der Normal-Zustand in den Nord-Süd Beziehungen. Man braucht sich nur mal so Stiftungen der Friedrich Naumann/Konrad Adenauer/Friedrich Ebert Stiftungen durchzulesen. Rookies. Dumm.

    • hf99  On April 2, 2013 at 23:11

      daru,m geht es hier aber nicht. Es geht um unverfrorene Unwahrheiten, bis hin zur offen falschen Tatsachenbehauptung, die dem Ziel dienen, eine Person (die man mögen mag oder nicht) moralisch zu zerstören. ich nenne so etwas schäbig. Any objections?

      • lemmy Caution  On April 3, 2013 at 10:07

        Du greifst oben einen Satz aus einer Rezension eines Buches und stellst dem Äußerungen von Noam Chomsky gegenüber. Du weisst nicht mal, auf welche problematischen Äußerungen Chomskys sich das Buch bezieht. Vor allem auch aus welcher Periode. Die Einstellungen von Intelektuellen zu fernen Ländern tendieren dazu, sich über die Zeit zu ändern, was einen völlig normalen dialektischen Prozess darstellt.
        Dieser Beitrag legt nahe, dass Chomsky 1978 einen frühen Bericht über das Schreckens-Regime der Roten Khmer scharf kritisiert hat. Er warf den Autoren vor, dass sie naiv den Aussagen von Flüchtlingen geglaubt haben:

        — quote —
        Even before this book was translated it was sharply criticized by Mr Noam Chomsky and Mr Gareth Porter. These two “experts” on Asia claim that I am mistakenly trying to convince people that Cambodia is drowning in a sea of blood after the departure of the last American diplomats. They say there have been no massacres, and they lay the blame for the tragedy of the Khmer people on the American bombings. They accuse me of being insufficiently critical in my approach to the refugees’ accounts. [5]
        — quote —

        Später stellte sich allerdings heraus, dass diese Flüchtlinge sehr wohl die Wahrheit ausdrückten. Noam Chomsky kann sich halt auch irren. Für mich wird damit das Gesamt-Werk Chomskys in keiner Form entwertet. Wir leben in einer komplexen Welt.

        Um diese Behauptung zu überprüfen müsste man sich genau anschauen, was der Autor zu Chomskys Aussagen bezüglich der Roten Khmer ausführt. Noam Chomsky wird übrigens in unseren Medien durchaus ernstgenommen. Chomsky gab etwa kürzlich ein 1-stündiges Interview in Sternstunden im Schweizer Fernsehen.

        Gerade in den Betrachtungen zum Süden – und in dem Kontext steht die Wahrnehmung zu Chomskys – gibts eine Menge schlecht informierter Austritte gegen lechts wie rinks. Heute etwa die Aggression von links gegen die vom CIA angeblich mit Gold und Edelsteinen überschütteter Yoani Sanchez, die extrem einseitige Darstellungen zur venezolanischer Opposition, etc.

        • hf99  On April 3, 2013 at 22:09

          Ich greife eine Tatsachenbehauptung über Chomsky auf. Chomsky, so behauptet Piegsa ohne jede Einschränkung, habe die roten Khmer verteidigt. Dies wiederlege ich mit einem Zitat. Piegsa lügt, oder er ist zu dumm, um Texte zu verstehen, oder er kann kein englisch. So einfach ist das. ich finde das, was Piegsa hier betreibt, schon ziemlich übel – falsch Zeugnis wider seinen Nächsten geben nannte man das mal. Am Ende dann auch noch im weltmännisch-liberalen Gestus des milden Alles-Verstehens. Wenn ich verkünden würde, Lemmy begänne den Tag immer damit, fröhlich „Bomben auf Engelland“ zu schmettern, dann wäre ich einfach ein Schweinehund, der das Ziel hätte, Dich moralisch zu vernichten. Geh doch bitte mal hierauf ein.

          PS: ich finde Chomskys Text (der, den ich zitiert habe) problematisch, weil man Verbrecher immer ohne wenn-und-aber Verbrecher nennen sollte. Chomsky scheint hier den pawlowschen Reflexen erlegen zu sein, denen schon Sartre in seiner Auseinandersetzung mit Camus erlag (ich habe in dem Streit bekanntlich immer Camus die Stange gehalten!). Nur: Sartre hat mit keinem Wort Stalins GuLaG verteidigt, er hat nur davor gewarnt, das Spiel der kalten Krieger mitzuspielen, und Chomsky ebenso mit keinem Wort Pol-Pot. Und wenn ich mir die Kampagne gegen Chomsky so anschaue, frage ich mich, ob Sartre und Chomsky mit ihren Warnungen davor, sich nicht mit den falschen zu solidarisieren, nicht doch Recht hatten. Degenhardt schrieb 1968 – Prager Frühling – mal sinngemäß: „Mit Euch teilen wir nicht unsere Wut über den Sieg der Panzer zu Prag“ (aus dem Gedächtnis zitiert; für sinngemäße Richtigkeit möchte ich eigentlich bürgen). Darum ging es Chomsky, und das ist legitim. Man muss diese haltung nicht teilen, aber sie ist legitim, und sie ist keine Verteidigung Pol-Pots oder Stalins.

  • Robert Michel  On April 4, 2013 at 17:03

    „Denn damit suggeriert Piegsa zumindest, Chomsky sei einer der Reisenden gewesen“

    Meines Erachtens suggeriert der Text nicht, dass Chomsky zur Reisegruppe gehörte. Bei Jan Myrdal wird explizit darauf hingewiesen, dass er dazugehört hat. Bei Birgitta Dahl, Olov Enquist und Chomsky fehlt der Hinweis. Ich lese den Satz also so, dass nur Myrdal einer der Reisenden war und die anderen nicht.

    Wer, wie Chomsky, die Flüchtlinge eines Regimes für unglaubwürdig erklärt, verteidigt das Regime. Mit “Mit Euch teilen wir nicht unsere Wut über den Sieg der Panzer zu Prag” hat das nichts zu tun. Der Text von Oskar Piegsa verdreht also keine Tatsachen.

    • hf99  On April 5, 2013 at 04:30

      Okay, Einführung in die Textanalyse, Proseminar 1. Zwischen Suggestion und offener Tatsachenbehauptung bestehen Unterschiede. „Auch“ und „Ebenso“ sind hier die entscheidenden Wörter. Es war von vier Reisenden die Rede, Piegsa erwähnt vier. Das ist alles schon sehr hinterfotzig von Piegsa, und das wissen Sie auch!

      Wer – übrigens völlig zu Recht – Teile der zaristischen russischen Emigranten aus den 20er Jahren für unglaubwürdig und verlogen erklärt, verteidigt damit nicht Stalin. Man nennt ihren „Schluß“ einen Fehlschluß aus der Verwechslung von konträrem und kontradiktorischem Widerspruch. Eine der beliebtesten und infamsten Spin-Doktoreien. Da Sie ganz offenkundig nicht wissen, was das ist: Scheuen Sie die Nachfrage nicht!

      edit: Politisch-militärisch unterstützt wurde Herr Pol-Pot nicht von Chomsky, sondern, siehe mein wiki-Link dazu weiter oben, von ganz anderen Herrschaften. Nimmt man das noch hinzu, ist dire Dauerkampagne gegen Chomsky einfach nur noch widerlich.

      • Robert Michel  On April 5, 2013 at 17:40

        „Auch“ und „ebenso“ beziehen sich erkennbar auf die Verteidigung der Roten Khmer und nicht auf das ein Reisender sein. Andernfall hätte Piegsa „Auch Birgitta Dahl war eine der Reisenden.“ schreiben müssen.

        „Wer – übrigens völlig zu Recht – Teile der zaristischen russischen Emigranten aus den 20er Jahren für unglaubwürdig und verlogen erklärt, verteidigt damit nicht Stalin.“

        Natürlich verteidigt so jemand Stalin, wenn auch möglicherweise zu Recht. Man kann auch jemanden verteidigen ohne mit jemanden zu sympathisieren. Ich gehe davon aus dass Chomsky nicht mit Pol-Pot sympathisierte, obwohl er ihn wohl verteidigt hat. Es ist meines Erachtens krankhaft jedes Statement auf seine politischen Implikationen abzuklopfen. Es gibt auch vorpolitisch Realitäten.

  • Robert Michel  On April 5, 2013 at 17:49

    Natürlich verteidigt so jemand Stalin, wenn auch möglicherweise zu Recht. Man kann auch jemanden verteidigen ohne mit jemanden zu sympathisieren. Ich gehe davon aus dass Chomsky nicht mit Pol-Pot sympathisierte, obwohl er ihn wohl verteidigt hat. Es ist meines Erachtens krankhaft jedes Statement auf seine politischen Implikationen abzuklopfen. Es gibt auch vorpolitisch Realitäten.

    • hf99  On April 5, 2013 at 19:48

      Nein. Nach allen Standards basaler rationalität haben Sie Unrecht.

      Der Widersinn Ihres Ansatzes wird sogleich klarwerden.

      Wenn Ihr Denkfehler (der allerdings in der Tat fürcherlich weit verbreitet ist) gälte, so müsste man sagen: „Du darfst Hitler(ersatzweise Stalin) nicht kritisieren, denn Hitler (ersatzweise Stalin) wurde ja auch von Stalin (ersatzweise Hitler) kritisiert, und damit, dass Du Hitler (Stalin) kritisierst, würdest Du Dich mit Stalin (Hitler) handgemein machen“ Message understood?

      Nach meiner Erfahrung ist es allerdings aussichtslos, jemanden, der diesem Denkfehler erlegen ist, eben diesen Denkfehler ausreden zu wollen.

      Und ich verteidige den 2fachen Mörder X auch nicht, wenn ich kühl und sachlich feststelle, dass für Mord 3 und 4 aber wirklich jemand anderes verantwortlich ist. Pol-Pot war ein Mörder. Ihm aber auch noch die Toten zuzuschreiben, die als Folge des US-Bombardements von kambodscha zu gelten haben, und das alles, nachdem eben jener Westen eben jenen Pol-Pot as a bullwark against Vietnam also the Sovjet Union vom Westen bewaffnet wurde…und jetzt auch noch so zu tun, als hätten viele Linke Pol-Pot gehuldigt…das finde ich schon schofel. Das muss man erst mal bringen.

      • Robert Michel  On April 6, 2013 at 16:09

        Das ist doch das gleiche, was ich auch behaupte mit dem Unterschied, das sich zwischen verteidigen und sympathisieren trenne. Wenn jemanden verteidigen immer auch bedeuten würde mit jemanden zu sympathisieren, hätten sie Recht. Allerdings ist die deutsche Sprache etwas ausdrucksstärker.

        • hf99  On April 6, 2013 at 18:28

          Ich sprach von handgemein machen, nicht von sympathisieren. Das ist ihnen entgangen. Tja, das Lesen, diese herrliche alte Kulturtechnik…

          Ist schon ziemlich peinlich für Sie:

          Andere wegen angeblich fehlender Differenzieren im Gestus des Überlegenen abkanzeln, selber sich aber in actu als Leseunfähig demaskieren…solche Leute habe ich gerne. Ich kannte mal einen, der wollte mich großkotzig über Literatur belehren, verwechselte dann aber blöderweise Terzinum und Sonett.

          Vielleicht ist dieser Blog etwas zu hoch für Sie. Sie können hier nur Frusterlebnisse haben. Wollen Sie es nicht erst einmal woanders versuchen?

  • summacumlaude  On April 6, 2013 at 05:11

    Es ist die alte Diskussion, die jeden sozialistisch orientierten Menschen gleich in die DKP abschieben will. Daran ist zunächst einmal nichts wirklich schlimm: Umgekehrt war ja so manchem Linken (v.a. so manchem DKPler) gleich jeder Konservative sofort ein Fascho.

    Fast schon unheimlich wird dieser Mechanismus, wenn wie seit 1990 geschehen, einfach überprüfbare Fakten verfälscht werden. Da soll dann Christa Wolf die Unterschrift unter der Biermann-Petition wieder „zurückgenommen“ haben, weil ihr „Jugendfreund“ E. Honecker das so wollte. Offenbar wollte man mit dieser Falschbehauptung Wolfs Charakterschwäche „beweisen“. Da wird dann angedeutet, Wolf sei erst im November 1989 aus der SED ausgetreten, dann als „es nichts mehr kostete“ (stimmt nicht: Es war im Juni, also VOR den Massenprotesten!). Man merkt schon: Dieselben Mechanismen, dieselben Andeutungen, um eine Person in die Charakterschwäche hinein zu s-pinnen. Und immer wieder trifft es die Vernünftigen auf Seiten der politischen Linken. Nicht Hermann Kant war diesem Spindoctorterror ausgesetzt (was ja verständlich gewesen wäre) sondern Christa Wolf. Hierüber hat seinerzeit Kant sich am meisten gewundert. Und nun auch Chomsky.
    Sinn dieses Blödsinns: Wenn Wolf und Chomsky so einen Charakter zeigen, na dann doch alle Linken, nicht wahr? Spindoctor-Arbeit erfolgreich!!!

    Komisch nur: Nicht bei FJ Strauss machte Alexander Solzschenizin 1974 Zwischenstation, sondern bei Heinrich Böll (Äh, wie geht das denn, bei einem Westlinken?). Ja, so war es.
    Nicht der böse Günter Grass hat dem Hermann Kant in den 80er Jahren den zinslosen Überziehungkredit gewährt, der der DDR noch ein paar Jahre agonales Überleben sicherte;
    das Geld hat der FJ Strauss dem Erich H. gegeben.

    Der real existierende Sozialismus war ein Gesamtversagen der Gesellschaft, also aller; nach völkischer Lesart: Des Volkes. Damit können völkisch orientierte Politclowns aber nicht leben, denn das geliebte Volk ist niemals Schuld. Bleiben nur noch die Westlinken übrig….

  • Bersarin  On April 6, 2013 at 06:49

    „Wenn du den Feind vernichten willst, dann musst du den Feind in dir vernichten!“, liest man da und fragt sich: Konnte ein denkender Mensch im Jahr 1978 solche Sprüche lesen, ohne das Grauen zu ahnen, das sie begründeten? So heißt es im Spiegel-Text

    Sehr lustig, diese Passage, Solche Feind-in-dir-Sätze könnten ebenfalls in Wirtschaftsseminaren mit dem Titel „Optimiere Dein Selbst – fit für den Arbeitsplatz“ oder für den Kursus „Dein Gehalt ist nicht zu niedrig – du hast bloß falsch verhandelt“ vorkommen. Konnte ein denkender Mensch im Jahr 2013 solche Sprüche lesen, ohne das Grauen zu ahnen, das diese Wirtschaftsordnung begründetet?

  • Bersarin  On April 6, 2013 at 06:52

    Natürlich reiste Chomsky in der Diktion dieses Berichtes von Piegsa nach Kambotscha:

    „Im August 1978 reisen vier westliche Intellektuelle nach Kambodscha. Aus dem kriegszerrütteten Land in Südostasien gibt es kaum verlässliche Informationen, deshalb wollen sie mit eigenen Augen sehen, was dort passiert. Zwei Wochen lassen sie sich durchs Land führen. Sie schauen sich Staudämme und Speisehallen an, sie sprechen mit Bauern und Beamten und schreiben dann einen Reisebericht.

    Jan Myrdal, einer der Reisenden, die mit Pol Pot Austern schlürften, während der Rest des Landes verhungerte, ist ein in Schweden bekannter Autor. Auch Birgitta Dahl, die spätere Vorsitzende des schwedischen Parlaments, verteidigte damals die Roten Khmer gegen ihre Kritiker. Ebenso der Schriftsteller Per Olov Enquist und der berühmte amerikanische Intellektuelle Noam Chomsky.

    Vier Reisende, vier Personen: Myrdal, Dahl, Enquist, Chomsky. Oder wer sollten die anderen drei neben Myrdal gewesen sein? Die Pfadfinder vom Fähnlein Fähnlein Fieselschweif: Tick, Trick und Track?

    In diesem Text wird so gearbeitet, wie heute auch die PR-Agenturen oder die INSM sich betätigen. Es beginnen in der Öffentlichkeit Debatten über die Ungleichverteilung von Vermögen in der Gesellschaft: da kommt dann flugs die PR-Agentur: jetzt müssen wir einen Kampfbegriff finden, der gegensteuert. Nehmen wir doch mal „Neiddebatte.“ Das linke Unterschichtsgesocks ist doch bloß neidisch.

    Weshalb Robert Michels diese Argumentationsstruktur gutheißt, darüber kann nur spekuliert werden. In der Logik dieses Spiegel-Textes könnten wir jetzt insinuieren, Michels rechtfertige (bewußt oder unbewußt) dieses oder jenes.

    • Robert Michel  On April 6, 2013 at 16:19

      „Weshalb Robert Michels [Sic] diese Argumentationsstruktur gutheißt,“

      Tue ich das? Du setzt verteidigen und sympathisieren gleich, was wie ich oben erläuterte nicht das gleiche ist. Natürlich ist die Argumentation sehr schwach, man erfährt nicht was genau die genannten Personen gesagt haben und in welchen Kontext sie es gesagt haben. Der Leser muss dem Urteil des Autors vertrauen und bei politischen Texten verschenke ich kein Vertrauen. Nichtsdestotrotz sind die Vorwürfe, der Text sei Tatsachenverdrehung und suggestiv, falsch und dagegen verteidige ich ihn trotz seiner sonstigen Schwächen. Für Linke ist das wohl schon zu differenziert.

      • Bersarin  On April 6, 2013 at 19:22

        Wenn Chomsky nach Kambodscha reiste, Robert Michel, dann ist der Text keine Tatsachenverdrehung, da hast Du recht. Reiste er jedoch nicht, dann verdreht der Text nicht nur eine Tatsache, sondern er lügt. Nach meinem Post vom 6.4. um 6:52 gibt es in diesem Text nur die Lesart, daß Chomsky in Kambodscha war. Nun müssen wir nur noch prüfen, ob er da war.

        • hf99  On April 7, 2013 at 02:46

          Hi bersarin,

          der Text suggeriert es in hohem Maße (auch…ebenso…), ist aber, und gerade das macht ihn so infam, formaljuristisch einwandfrei formuliert. Jeder weiß, was Piegsa suggerieren will: Chomsky war dabei! (Vier Reisende, vier Namen, Du nanntest die Argumente) Aber ganz wortwörtlich sagt er es nicht. So arbeiten Spin-Doctors. Goebbels hatte braunes Haar. Auch Hartmut, ebenso Bersarin… so die Tour. Einfach ekelhaft.

          Entscheidend: Es gibt ja das Wort von Chomsky nicht, dieses eine Wort, das Herr Permaneder sich hatte entschlüpfen lassen. Keiner aus der Anti-Chomsky-Brigade kann dieses Wort Chomskys pro Pol-Pot auftreiben – einfach deshalb nicht, weil dieses Wort nicht existiert. Das wissen Typen wie Piegsa oder Michel natürlich auch ganz genau. Und also muss das nicht-existente Votum Chomskys pro Pol-Pot konstruiert werden. Das ist ein hochgradig interessanter Vorgang.

          Interessant auch: Im Gegensatz zu Chomsky hat es – ich nannte die Belege – sehr wohl Typen gegeben, die Pol-Pot politisch (Anerkennung) und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit übrigens auch durch Waffenlieferungen unterstützt haben. Die heißen leider nur nicht Chomsky. Sondern im Zweifelsfall: Helmut Schmidt, Carter, Reagan, Thatcher… Darauf wollen Piegsa und Michel (oder wie diese austauschbaren Nullen sich schreiben) natürlich nicht eingehen. Werden sich schön hüten.

          • summacumlaude  On April 7, 2013 at 10:54

            Entscheidend finde ich Piesgas Behauptung, eine „ganze Generation von Linken“ habe dem Massenmörder gehuldigt. Für diese Behauptung muß man den Beweis antreten. Das kann er nicht, im Gegenteil: Seine assoziativ geführte „Beweiskette“ nennt vier Namen, ohne dass klare Bezüge zu den Unterstellungen hergestellt werden. Alles bleibt im Irgendwie. Ein journalistischer Anfängerfehler.

  • summacumlaude  On April 6, 2013 at 07:42

    Da fällt mir ein: Wurde N. Bersarin nicht auch nach 1990 wahrheitswidrig vorgeworfen, für irgendwelche Deportationen verantwortlich zu sein? Und begründete man nicht damit die zwischenzeitliche Aberkennung der Ehrenbürgerwürde? Ich frage hiermit den Ehrenbürger direkt.

  • Bersarin  On April 6, 2013 at 08:34

    Ja, es gab genau solche Spin-Doctor-Drehungen. Kann ja auch nicht sein, daß es ausgerechnet die Russkis waren, die gleich 1945 Berlin wieder zum Leben brachten und sogar Formen von Kultur in die Stadt trugen.

  • summacumlaude  On April 6, 2013 at 20:25

    Tja es ist zum Verzweifeln; es geht um das Spin-Doctoren gegen Privatpersonen und Herr Michel antwortet allgemein. Das ist schade. Solchen Menschen wünscht man nur, einmal selbst in solch eine Lage zu kommen: Irgendwer spinnt irgend etwas und – so schnell kann keiner gucken – schon ist man in der Lage, faklsche Tatsachenbehauptungen widerlegen zu müssen.

    Spin-doctors gibt es in jeder Liga und selbstredend auch linke. Nur fällt seit 1990 auf, dass es gerade gegen zur Differenz fähige Linke geht, denen die Gesamtlage angelastet wird (deswegen mein Hinweis auf den weitestgehend unbehelligt gebliebenen Herman Kant).
    Weiterhin wird suggeriert, „die Linke“ hätte das öffentliche Sprechen und Denken kontrolliert. Piegsas Beispiel ist der sog. KBW. Den kannte ich vorher gar nicht. Wer oder was stellt dieses Gremium dar? Wie kommt Piegsa dazu, diesen Bund als representativ für „die Linke“ zu nehmen, einen Bund, den heute schon niemand mehr kennt? Wie kommt es zu der Fehldiagnose, „die Linke“ hätte seit 1968 das öffentliche Sprechen und die öffentlichen Debatten bestimmt, also die politische Kultur, die Stimmung, den Trend? Eine solche Behauptung ist durch die überprüfbaren Tatsachen doch gar nicht gedeckt. Wie ist dann Helmut Kohls sechzehnjährige Kanzlerschaft zu erklären? Mit „linker“ Debattenhegomonie? Das kann ja nun nicht sein und genau hier sind wir am Kern der merkwürdigen Piegsaschen Fehldiagnosen angelangt; wer hier schon danebenliegt, wird möglicherweise auch in der Analyse einzelner „linker“ öffentlicher Personen einen unscharfen, weil ideologisch zuzementierten Blick haben.
    Sei es drum. Piegsas Fehldiagnose ist typisch für die unterstellende Art, mit der seit 1990 über dieses Thema geredet wird. Vielleicht musste das so sein, denn ein Teil „der Linken“ hat es zuvor ja kaum anders getrieben. Wir tun aber niemandem einen Gefallen, wenn wir Piesgas Linkenparanoia verschweigen.

  • summacumlaude  On April 6, 2013 at 23:24

    Oje vertippt: WeN oder was stellt dieses Gremium dar? muß es heißen. Und man reprÄsentiert natürlich. Gruß an alle.

  • lemmy Caution  On April 7, 2013 at 19:52

    Ich les Hartmuts Haltung so ein wenig paranoid, eine Geisteshaltung, die mir persönlich nicht fremd ist, aber die nicht gut ist.
    Nur weil jemand sagt, dass Chomsky da und dann ziemlichen Unsinn erzählt hat, schliesst ja nicht die Überzeugung ein, dass Chomsky das gewohnheitsmässig tut. Jeder erzählt in seinem Leben eine Menge Unsinn.
    Vielleicht tun sich Linke schwerer, sich von in die falsche Richtung laufende Experimente loszusagen, weils einfach weniger linke Regime gibt. Geht aber übrigens vermutlich politisch denkenden Menschen aller Formen und Farben so, die irgendwo in fernen Ländern eine sympathische Regierung erblicken. So Kulturen unterscheiden sich halt in vielen Details und da interpretiert man leichter daneben.
    Ist linke Paranoia vielleicht berechtigt?
    Werden Leute mit einem explizit Linken Auffassung eher nicht für voll genommen? Das kann übrigens sein. Wobei sich das für mich als nicht-Linker in den letzten 3 Jahren relativiert hat. Neoliberalismus ist als Theorie fürn Arsch. Leute, die an irgendeine mystische kosmische Ausgewogenheit glauben wie ich, machen sich auch die seltsamsten Ilusionen. Je nach Situation kann es gut sein, das Schiff mit einer meinetwegen letztlich beknackten Ideologie entschlossen in eine bestimmte Richtung zu lenken.
    Wenn man sich schon auf den eitlen Wahnsinn einlässt, über die „Politik der Welt“ nachzudenken, dann ist es besser, wenn man das paranoia-kritisch macht. Red jetzt v.a. auch zu mir selber: Also Äusserungen anderer Gedankenwelten nicht direkt als Angriff auf die Grundfesten seines Verständnisses von Zivilisation oder meinetwegen buen vivir zu begreifen, sondern zu verstehen, mit welchen Einschränkungen und in welchem Kontext der „Gegner“ eigentlich diesen Satz geschrieben hat, der einen gerade quer im Magen liegt.

    Das Wort zum Sonntag.
    Weiss jetzt nicht, was ich damit genau sagen wollte, aber es ist lieb gemeint 😉

  • Bersarin  On April 7, 2013 at 22:37

    @ Lemmy Caution
    Es ging in diesem Beitrag von hartmut aber gar nicht um Paranoia, also um etwas, das neben der Vernunft steht. Sondern – ganz im Gegenteil – waren die Aussagen sowie die logischen Bezüge des zusammengeschmierten, ja nachgerade hingewichsten SpOn-Artikel des Aushilfsschreiberlings Oskar Piegsa das Thema. In diesem Artikel wird nicht nur bloß insinuiert, sondern ausgesagt, Chomsky sei in Kambodscha gewesen: nicht als Mußmaßung, sondern die logische Abfolge der Sätze Piegsas läßt keinen anderen Schluß als diesen zu. Nur um diese spin-doctorei des Herrn Piegsa ging es: die Schäbigkeit jemandem etwas unterzujubeln, das er nie getan hat. Man mag Chomsky nun mögen oder nicht.

    Die Linke: was bitte ist das? Dieses Kollektiv-Singular scheint mir doch ziemlich plural in seinen Streitereien und in seinem Zank. Über den KBW, die DKP, die Spontis bis hin zum Arbeitermarxismus, den Evangelischen Akademien oder den Lila-Latzhosen-TrägerInnen gab es derart viele Strömungen, daß die sich nicht auf einen Nenner bringen ließen.

    Thema ist nicht die linke Paranoia, sondern Kritik an dem was ist. Und diese Kritik geht relativ einfach: Man fange nur mit dem Faselbegriff Freiheit an und betrachte, wessen Freiheit das ist und wer diesen Begriff beständig im Munde führt und weshalb. Eine solche kritische Sicht auf verwendete Begriffe hat nichts mit links oder nicht-links zu tun, sondern leitet aus einem Gespür für Sprache und dem, was unter Sprache befaßt ist, sich her.

    • hf99  On April 8, 2013 at 06:53

      Jetzt hat muir Bersarin fast alles von den Lippen genommen…

      Ergänzend noch: Es ist ganz vorpolitisch, ganz (Man kann es nicht anders als knarrend aussprechen; ich weiß) ‚menschlich‘ einfach nur mies, jemandem wahrheitswidrig Dinge, Einstellungen, Haltungen unterzujubeln mit dem offenkundigen Ziel, ihn in Misskredit zu bringen. Dagegen werde ich mich immer verwahren. das ist eine abstrakte Konstante in meinem Denken, die ich mir ganz undialektisch bewahren will. Ich würde mich sogar für einen NPD-Mann verwenden, wenn man dem wahrheitswidrig Kinderfickerei unterjubeln würde. (Ist jetzt nicht unser Thema, aber beim Starrhalten gewisser Konstanten – etwa: es wird nicht gefoltert, auch nicht für das vermeintlich ‚gute‘ – begänne meine Kritik an Hegels Dialektik)

      Übrigens: Nehmen wir einmal an – Größenwahnmodus ON! – ich wäre prominent, dann wäre es eine typische Spin-Docterei, wenn man mir jetzt nachsagen würde, ich würde mich für NPD-leute verwenden. Mit genau dieser Tour kommt man Chomsky seit Jahren. Herrje, Chomsky stehen viele Gazetten offen, er hat die Puiblikationsressourcen, sich zu swehren…dennoch. Das geht nicht. Anderen wahrheitswidrig Dinge unterzujubeln, das macht man nicht, das gehört sich nicht! Ganz vorpolitisch. Hinterher mag man Chomskys Position mit aller Heftigkeit kritisieren. Aber das geht nicht, und meine Haltung mit Paranoia in Verbindung zu bringen, finde ich schon überraschend.

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