Jeffrey Miron über „Drogen“

Sehr sympathisch, der Mann. Natürlich hat er Recht. Klassischer Fall, in dem das Gesetz das „Verbrechen“ überhaupt erst erschafft. Ähnlich wie diverse Blasphemieparagraphen. Aber sobald das Thema aufkommt, knallt bei der Mehrheit irgendeine Sicherung durch.

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Kommentare

  • Dirk  On Februar 21, 2013 at 19:49

    Volle Zustimmung. Vielleicht sollte der gute Mann noch erwähnen, dass der War on Drugs dazu gführt hat, dass hundertausende Afroamerikaner wegen geringfügiger Drogendelikte inhaftiert sind oder sämtliche Ansprüche auf Sozialleistungen verloren haben.

  • EL  On Februar 22, 2013 at 00:21

    Es ist in der Tat gut, dass der Mann von spon eine Plattform erhält. Folgende Frage lässt dann aber doch wieder sehr, sehr tief blicken:

    SPIEGEL ONLINE: Haben wir als Demokratie nicht eine Pflicht, die Menschen vor sich selbst zu schützen?

    • hf99  On Februar 22, 2013 at 01:07

      Lieber EL: Siehe zunächst einmal Dirks Kommentar, dem schließe ich mich im allerherrlichsten Juristendeutsch vollinhaltlich an. Sodann: Was heißt Menschen vor sich selbst schützen? Wir können darüber reden. Aber wen muss ich vor wem schützen? Kleine Kinder, die von Besuffkies totgefahren werden, vor eben diesen? das wird TAG verhindern (TAG = „tödlich, aber gut“ http://de.wikipedia.org/wiki/Thank_You_for_Smoking ) Wen sonst? Den mittelalten Schriftsteller, der sich Freitag abend von seinem anstrengenden Job bei einem Joint entspannt? Und vor wem? SpON-Journalisten müssen diese Fragen stellen; es ist ihr Einstellungskriterium, seit das Sturmgeschütz der Demokratie (was es nie war…oder zu gut war, denn „Sturmgeschütz“ war eine der wirkmächtigsten Waffen der Nazis) zum Sturmgeschütz des Neoliberalismus mutierte… 😉

  • Yevgenij  On Februar 23, 2013 at 06:04

    Lieber Hartmut, liebe Freunde! Vom polit. Hintergrund abgesehen, bin ich bestürzt über euer „fundiertes Halbwissen“ (wie das der Spiegel-Journalisten auch).

    Aus ärztlicher Sicht – und ohne Detailsargumente: die größten Befürworter der Drogen-Legalisierung sind Anästhesisten bzw. Intensiv- u. Notfallmedizner, die größten Gegner sind Hausärzte, Internisten und v.a. Kinderärzte (und natürlich -innen). Ich kenne beide Seiten.

    Denkt ihr evtl. nach warum !? 🙂

  • chriwi  On Februar 26, 2013 at 07:53

    Laut Joseph Reichholf waren Drogen, im Speziellen Alkohol, die Ursache dafür, dass wir sesshaft wurden.

    http://wissen.dradio.de/arbeit-und-evolution-wer-einen-sitzen-hat-bleibt.88.de.html?dram:article_id=235865

  • hf99  On Februar 26, 2013 at 08:11

    Lieber yewgenij, kein Mensch hält Drogen – „legale“ oder „illegale“ – für einen Beitrag zur allgemeinen Volksgesundheit. Da die Menschheit aber seit jahrtausenden Drogen konsumiert (ob nun Wein oder Mescal, Zigaretten oder Koks, egal), ist es an der Zeit, Realitäten zu akzeptieren. Aber die Drogenindustrie will nicht – die legale wie die illegale, beide, die Drogenboße, aber auch die, die in der „Drogenberatung“ arbeiten (was beraten die eigentlich? Welche Droge die beste für mich ist?).

    • Yevgenij  On Februar 26, 2013 at 09:21

      Vielen Dank für Deine Antwort, aber das ist eben das Problem, daß alles in einem Topf serviert wird – ob Wein od. Koks, das ist so, als wäre z.B. jeder Sportart gleich gefährlich- ob Tennis od. Kickboxen – chronische Knieschäden sind bei Tennis übrigens dtl. häufiger und schlimmer!

      wIE ICH BEREITS ERWÄHNTE, sind v.a. Notfallärzte für die Legalisierung – sie erhoffen sich weniger Arbeit, da Drogenrausch dem Alkoholrausch gleichgesetzt wäre und die PAtienten nicht auf die Intensivstation müßten- so ist die Logik.

      Die Haus- u. Kinderärzte befürchten hingegen mehr Arbeit und daß sie auf sich alleine gestellt sind.

      Ich kann Dir nur sagen: einmal habe ich in der Chirurgie ein 12jähriges Mädchen mit einer heftigen Alkoholvergiftung betreut, sie schlief auf der Intensivstation war aber ZU KEINEM ZEITPUNKT in Lebensgefahr.

      Ein anderes mal mußte ich einer Infarktpatientin Morphium in die Vene geben – wie es nach Leitlicnien vorgeschriben ist, die Schmerzen waren so stark, also handelte ich legal! Nach ca. 1 minute war sie bewußtlos und verbrachte ebenfalls eine Nacht auf der Intensivstation – mit Erstickungsgefahr, so daß der diensthabende Anästhesist die ganze Zeid daneben stand!

      Daher regt mich die ganze Diskussion auf – BEIDE Seiten, aber v.a. die Befürworter der Legalisierung, wissen nicht was sie tun!

  • summacumlaude  On Februar 26, 2013 at 09:21

    Tja, da bin ich natürlich nach Yevgenijs Einteilung „Partei“ (auf Seiten der Befürworter nämlich! und das gleich in allen genannten Kategorien) und denke aber auch gerade medizinisch: Es ist platterdings unbestreitbar, dass die schlimmsten gesundheitlichen Folgen des Drogenkonsums die Verkonsumierung einer L E G A L E N Droge zur Grundlage hat. Rate mal, Yevgenij, welche Droge das wohl ist!
    Gegen diese flüssige Droge ist THC ein Lutschbonbon! Dennoch wäre ich der schärfste Gegner einer neuen Prohibition.
    Suchtverhalten ist übrigens nicht stoffgebunden. Rasantes Autofahren z.B. hat ebenso Suchtcharakter. Dieses ist übrigens häufig fremdgefährdend (wie der Notfallmediziner in mir weiß). Hier wäre für mich das Kriterium für gesetzliche Eingriffe: Zu Tode saufen, spritzen darf – ob mit oder ohne familliären Ko-Alkoholismus – sich jeder, wie er lustig ist. Wenn völlig Unbeteiligte wie beim fahrlässigen Aggressiv-Fahren gefährdet werden, ist einzugreifen. Natürlich auch dann, wenn Stoffkonsum die Fahrzeugkontrolle unmöglich werden ließ. Aber auch diese unkontrollierbaren Straßengeschosse haben häufig Steuermänner, denen der Alkohol (und nicht irgendwelche „illegalen“ Drogen) die Sinne nahm….

    Auf die anthropologische Grundkonstante des Rausches ist schon hingewiesen worden. Und: Nicht selten erlebten Getränke/Dämpfe kultische Verehrung, wenn nach ihrem Genuss illusionäre Verkennungen zu religiösen Visionen sich weiteten. Das Orakel in Delphi soll durch Erdgase in Trance versetzt worden sein: Volative Erbauung!

    Allen Prost und gute Träume!

  • summacumlaude  On Februar 26, 2013 at 10:15

    Lieber Yevgenij, unsere Postings haben sich überschnitten: Als Intensivmediziner nur die eine Frage: Wie kommst Du darauf, den Alkoholrausch als harmloser darzustellen, als den Opiatrausch? Das ist intensivmedizinisch gesehen mehr als abenteuerlich! Die akute Vitalbedrohung bei Opiaten erschöpft sich in dem mangelnden Atemantrieb. Überwachung, gegebenenfalls O2-Gabe schaffen schnell Abhilfe. Alkohol ist hingegen ein starkes Zellgift! Die akute Vergiftung bei Untrainierten – im Boulevard Komasaufen genannt – ist das Eine; das Andere ist das gefährliche Entzugsdelir beim Alkoholkranken, ein hoch akuter Zustand, an dem z.B. Edgar Allen Poe starb.
    Patienten mit akuter Alkoholvergiftung, respektive Entzugsdelir sind selbstverständlich INTENSIVPFLICHTIG! Und die Behandlung dieser Patienten auf der ITS ist deutlich anstrengender, komplikationsreicher als die Überwachung eines Fixers. Wie Du auf die Hoffnung auf „weniger Arbeit“ kommst, ist mir schleierhaft.
    Übrigens gibt es mittlerweile die reinen Fixer kaum noch, meistens liegt eine Mischintoxikation vor. Und unglücklicherweise ist auch immer Alkohol im Spiel.
    Darüber hinaus hat Alkohol deutlich höheres Schädigungspotential an den parenchymatösen Organen (Leber, Herz, Gehirn) als andere Suchtstoffe.

    Also noch einmal: Prost!

  • summacumlaude  On Februar 26, 2013 at 12:50

    Zusammengefasst nur noch das: Der Zustand des Patienten und nicht das StGB definiert die Intensivpflicht!

  • Dirk  On Februar 26, 2013 at 21:57

    Lieber Yevgenij,
    der War on Drugs konnte bis heute nicht verhindern, dass in amerikanischen Ghettos alle Sorten von Drogen offen gehandelt werden und die Bewohner dieser Stadtviertel von bis an die Zähne bewaffneten Gangs terrorisiert werden. Im Gegenteil gibt es durch den War on Drugs in den USA heute mehr Strafgefangene als in jedem anderen Staat. Ganz abgesehen davon, dass der Drogenkrieg in Mexiko und Kolumbien in dem die DEA kräftig mitmischt tausende Menschenleben gefordert hat. Da stellt sich nun doch die Frage ob es sinnvoller wäre Drogen zu legalisieren um dem Illegalen Drogenhandel die Geschäftsgrundlage zu entziehen.

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