Badehose für Michelangelos David

Bersarin hats vorhergesagt. Dass die Tugendesel derart schnell Vollzug melden, hätte ich jetzt aber doch nicht gedacht…

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Kommentare

  • altautonomer  On Februar 6, 2013 at 16:52

    Ob die alte Buxe jetzt noch passt?
    http://swiss-lupe.blogspot.de/2008/10/michelangelos-david-returns-to-italy.html

    • Uena  On Februar 6, 2013 at 18:05

      *prust* Au weia! Wobei wir in D ja nicht mehr weit davon entfernt sind.

  • Uena  On Februar 6, 2013 at 18:26

    Klar kommt einem das extrem bizarr vor. Ich glaube aber, dass diese bigotte Haltung in Bezug auf alles Sexuelle eine der merkwürdigsten Blüten ist, die moderne Gesellschaften so hervorbringen können. In Japan werden die schrägsten Pornos gedreht (und schräg ist hier nicht im Sinne von sonderlich kreativ gemeint), gibt es jede Menge Bordelle, in denen die bizarrsten Wünsche bedient werden. Aber eine alte Statue in nackt kriegen die nicht verpackt. Außer in einer Badehose.

    Kann ich zwar versuchen, mir auf verschiedene Arten zu erläutern, aber nachempfinden kann unsereiner das sicherlich nicht. Ebenso wenig wie die komische Einstellung vieler US-Amerikaner zu Waffen, Gewalt und Sex. Größte Pornoindustrie, ein Film, in dem nicht mindestens 10 Menschen zerlegt werden taugt nix, aber immer noch jede Menge Gesetze, die Stellungen beim Sex oder manche Praktiken unter Strafe stellen.

    Ich frag mich dann, was wir so für Merkwürdigkeiten haben, die von außen betrachtet ähnlich anmuten könnten.

  • Bersarin  On Februar 6, 2013 at 21:16

    Das ist, weil die Japaner auf Höschen stehen, besonders auf benutzte, die der geneigte Käufer z.B. aus Automaten erwerben kann.

    Nichts geht über den Fetisch!

  • Michael Bartmann  On Februar 7, 2013 at 07:31

    Das erinnert mich doch sehr an die „Simpsons“-Folge, bei der die David-Statue auf Betreiben von Marge Simpson bedeckt werden musste…

  • hf99  On Februar 7, 2013 at 07:47

    http://www.spiegel.de/kultur/musik/maedchenband-akb48-in-japan-saengerin-rasiert-sich-aus-reue-den-kopf-a-881867.html

    dürfte auch hierher gehören. Öffentlich inszenierte Moral und Geschäft – das passt schon.

  • eb  On Februar 7, 2013 at 21:40

    Was erwartet ihr? 5 Jahrhunderte der Doppelmoral, die als Intellekt verkauft wurde? Da kann man sich noch so lustig drüber machen und darüber stehen. An den Realtitäten, ändert es nichts.

  • ziggev  On Februar 8, 2013 at 22:10

    der arme! eh schon total disproportioniert, ein kindsgroßer Kopf ohne kindliche Formen, woh, weil man den sich immer von unten angucken, dazu eigentlich fast schmalbrüstig, für die kindliche Gesamtproportion aber mit zu langen Armen und Beinen, auf die Hände machte mich neulich dieser wundervoll schnellsprechende französische Kunsthistoriker auf Arte aufmerksam, das käme selbst bei der perspektivischen Verkürzung nicht mehr hin, die sind nun echt übergroß. – UND DANN NOCH MIT NER SOCKE IN DER BADEHOSE – das ist einfach erniedrigend !!!

  • genova68  On Februar 20, 2013 at 10:05

    Dass ihr euch, nur um recht zu behalten, auf solch lustigen und für uns hier sicher wahnsinnig bedeutenden Vorgänge in Japan stützen müsst, zeigt nur die Absurdität eures Argumentierens.

  • T. Albert  On Februar 23, 2013 at 12:13

    Genitalien zeigen darfst du als Künstler wie im Kunstwerk hierzulande auch nicht mehr; in Wettbewerbsausschreibungen wird das zusammen mit Frauendiskriminierung und Rassismus im Kunstwerk verboten. Kürzlich habe ich eine Ausschreibung in der Hand gehabt, die darüber hinaus ausdrücklich darauf verwies, dass sich Kinder am vorgesehenen Ort des Kunstwerks aufhalten, genitalisierte Arbeiten also im Verfahren nicht berücksichtigt würden.
    Das hatte mit Kirche und so nichts zu tun.

    Ich kenne auch immer mehr Leute, die auch mit Kirchen und so nichts am Hute haben, die niemals Malerei oder Zeichnung kaufen würden, auf denen irgendeine Geschlechtszugehörigkeit dargestellter Menschenkörper deutlich wird.
    Das sind ernsthafte Kriterien, nicht mehr, ob eine Arbeit eine gute ist.

  • Bersarin  On Februar 25, 2013 at 21:51

    @ T. Albert
    Dazu fällt einem dann in der Tat nüscht mehr ein. Da kann unsereiner dann noch so lange auf die immanente Qualität eines Werkes pochen; darauf zu beharren, auf Gemachtsein eines Kunstwerkes zu blicken, reichte im Diskurs der Ästhetik anscheinend nie aus.

    Deshalb mein beständiges Plädoyer für Adorno. Aber was sich gegenwärtig in den Räumen der Kunstrezeption abspielt, ist leider erschütternd zu nennen.

  • genova68  On Februar 26, 2013 at 09:18

    T.Albert: Endlich mal einer aus der Innenwelt, der Ahnung hat. Gibt es diese Prüderieentwicklung wirklich? Ist das ein Phänomen? Dann nehme ich alles zurück, was ich bislang zum Thema gesagt habe.

  • T. Albert  On Februar 27, 2013 at 18:08

    genova:
    Ja, dieser Wettbewerb findet an exponiertem Platz in Zürich statt. Ich erinnere mich auch an andere Ausschreibungen für öffentliche Bereiche, wo sofort mit Ausschluss auf Grund ideologischer Unterstellung gearbeitet wird.
    Und bei Verkäufen an Privatleute kannst du wirklich die lustigsten traurigen Argumente gegen Nacktheit hören, auch von Schülern, denen das Zeichnen beigebracht werden soll, die überhaupt nicht damit klarkommen, dass der menschliche Körper, auch nur das Gesicht, ein doch recht normales ist; die finden das alles „hässlich“, ob von Michelangelo oder von Polyklet.
    Allerdings glaube ich, dass das eher mit einem bestimmten, medial vermittelten Verhältnis zu Oberflächen zu tun hat, also, die Körper sollten fotografisch aussehen, das Bild eben nicht zeigen, dass es gemacht ist, mithin erotisch „unrein“.
    Das ist es ja auch, was wir auf sogenannten Kunstmessen oder in grossen Ausstellungshäusern zu sehen kriegen. Dort kann man ja das scheinbar Gegenteilige sehen. Interessanterweise sieht „ungegenständliche“ Kunst gerade auch so aus wie die, wo Figuren sichtbar sind, nur halt ohne Figur. Aber das Verhältnis zur Oberfläche des Dargestellten wie des Bildes selbst ist dasselbe.
    Es gibt auch lebensweltlich eine Angst vor Material, meine ich, wenn ich so durch Ateliers und Architekturbüros gehe.
    Also, fragt sich, ob das nur mit Prüderie zu tun hat.

    • genova68  On Februar 28, 2013 at 08:31

      Danke für den Bericht. Soll man also deswegen den „Neger“ bei Astrid Lindgren und Otfried Preussler drinlassen? Darum ging es ja eigentlich.

      • hf99  On Februar 28, 2013 at 08:54

        Nein, soll man nicht, meines Erachtens, jedenfalls nicht automatisch. Aber es muss schon erlaubt sein, die Hintergründe der Sauberkeitserzieher einmal zu beleuchten. Das ist schon trübe, was sich da auftut.

  • ziggev  On Februar 27, 2013 at 18:51

    hab mal als junger Mensch an nem Aktzeichnug-Kurs teilgenommen und hatte teilweise Probleme, die Formen nicht zu übertreiben (obwohl ich gerade die Sublimation reizvoll fand – bekam es aber nicht immer ganz hin, ungerührt zu versuchen, das aufs Papier zu brinegn, was ich sah), war dann aber froh, als das männliche Modell da war, wobei mir nun alles zur Karikatur geriet, mit sp(r)itzer Feder, ein super schlanker Adonis war der ja nicht, nicht immer zu dessen Freude … dann war er mal mit seiner Freundin da, sie standen zusammen als Modell, und irgendwie rückten die immer mehr zusammen und schienen sich irgendwie zu schämen vor den ganzen Hausfrauen, die neben mir teilnahmen; er hatte offenbar eine Errektion bekommen ! (konnte ich nicht sehen, saß hinter ihm, weiß auch nicht, was ich gemacht hätte;-))

  • T. Albert  On Februar 28, 2013 at 11:32

    Wir sollten wieder damit aufhören, physische Kunstwerke wie geschriebene Literatur zu behandeln und nur mit literaturwissenschaftlichen Mitteln zu kritisieren, anstatt mit denen des reflektierten Sehens, über das wir uns sekundär sprachlich verständigen können.
    Wenn jemand eine rassistische Skulptur macht, wie Breker oder Sarotti, dann bedient er von sich aus und bewusst Kriterien, die rein sprachlich funktionieren und nur so funktionieren sollen, die Skulptur, die Form, wird eben selbst zur Trägerin von Ideologie funktionalisiert, als gemachter Gegenstand soll sie nicht interessieren, kann sie auch nicht.
    Schlimm, wenn Kritik sich dies zu eigen macht und behauptet, Skulptur sei genau so. Da hat Bersarin schon recht, wenn er mit Adorno kommt.
    Zur Zeit dürfte ein so toller Bildhauer wie Marino Marini dann keine Skulptur mit ironisch angeschraubtem erigiertem Penis wie in Venedig machen, weil das auf einer Ebene wäre wie Lindgren oder ein Preussler-Text? (Lindgren habe ich eben mit meinem Sohn wieder gehört und beschlossen, ihn davon mal etwas fernzuhalten, weil mir diese Pipi wieder als überhaupt schauriges, mittelschichtiges Erziehungswerk erschien, das gut in wiederkehrende Zeiten vorgeschriebener Instant-Träume für Kinder passt. Da gehört das Bezeichnen anderer Menschen als irgendwas dazu, und es hilft nicht viel, ein Wort rauszunehmen, wenn man das Erziehungswerk ansonsten für tolle Literatur hält, das wegen der lieben Kinder und ihrer Eltern, die den eigentlich autoritären Mist super finden, nicht kritisiert wird. – Von Preussler versteh ich nix.)

  • ziggev  On März 1, 2013 at 18:20

    dabei wären es doch Egon Schiele, Auguste Rodin (ich glaube, es sind seine späten Zeichnugen und Aquarelle, bin mir aber nicht sicher, ob es derselbe war), die uns von einer internetbasierten Ponographie heilen könnten. Warum ist eigentlich Schiele nicht mittlerweile Kultfigur um Porno-Chic ?

  • T. Albert  On März 2, 2013 at 01:10

    Porno ist naturalistisch, Schiele aber realistisch in seinen Mitteln. Das funktioniert nicht. Wer sich plastische Künste nur naturalistisch denken kann, der hat „natürlich“ dann ein Problem mit Porno. Oder auch nicht – wenn alles naturalistisch ist.

  • genova68  On März 2, 2013 at 12:05

    Vielen Dank für die Ausführungen, T.Albert. Ich finde, du solltest dich zu Fragen der Kunst (und noch mehr zu Fragen der Architektur) viel öfter äußern. Es wäre ein Gewinn.

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