Ja, ich glaube an eine Verschwörung (Hamletmaschine, 2012)

Dass das LKA – bedauerlicher Weise, na klar! – bloß eine „Quelle falsch eingeschätzt hat“, während es absurde Dienstreisen bis an den Bosporus gab, weil man Mehmet Turguts ebenso klar kriminellen Hintergrund bis ins einzelnste zu beleuchten hatte… das zu glauben stellt an mich einfach etwas zu hohe Anforderungen. Ich glaube übrigens ebenso wenig, dass es hier (wobei auch das natürlich möglich wäre!) um eine mit Unterstützung der Geheimdienste im Rahmen einer Strategie der Spannung knallhart durchgezockte Aktion handelt. Ich glaube eher, dass ein paar Informanten den „Diensten“ tatsächlich ‚irgendwie aus dem Ruder liefen‘, wie man so sagt, und man sie dienstlicherseits aus purem Eigennutz, weitere Tote eiskalt in Kauf nehmend, einfach, weil sonst die eigene Karriere tot gewesen wäre, hat gewähren lassen. Nach dem Kasseler Mord scheint man ihnen ein „Kinners, nun lasset aber mal gutt sein“ signalisiert zu haben. Anders ist mir das alles nicht mehr plausibel zu machen. Es gibt übrigens ein Detail, das ich derzeit noch nicht eingeordnet bekomme. Nach dem Kölner Bombenattentat 2004 hat sich Otto Schily nicht entblödet, nach nur einem Tag ungefragt und unerbeten Rassismus und Rechts-Terror auszuschließen. Was veranlasste ihn dazu? Das wüsste ich gerne… Stellt sich mir quer. Alles andere passt in mein Szenario (mittlere Führungsebene diverser Dienste bekam die Geister, die sie riefen, nicht mehr unter Kontrolle); das hier aber sperrt sich. Schilys damaliger Handlungsakt hat übrigens auch mit einer „Strategie der Spannung“ nichts zu tun. Das war eher Strauss, der das Neonazi-Oktoberfestattentat sofort den Linken in die Schuhe schieben wollte… Ließ aber Schily bei seiner widerwärtigen Suggestion – kriminelle Elemente unter sich – bloß die eigene rassistische Anthroposophen-Sau raus, oder folgte er doch einer fürchterlichen Agenda?

Hier ist weiter zu puhlen. Kein Informierter glaubt den offiziösen Oktoberfestbekundungen, kein Informierter den Bekundungen zur Lübecker Hafenstrasse. Und ich lasse mich hier nicht psychiatrisieren, nicht zum Verschwörungsirren labeln.

Weiterhin wird das halbkritische Bürgertum die Fragen, die hier zu stellen wären, abspalten und seine „kritische“ Haltung bei Typen wie Betty Wulff (der neuen Schmerzensfrau des feminismus…dass ich nicht lache!) abarbeiten. Weiterhin wird Moral simuliert werden, anstatt sie zu leben; Simulation gibts immer kostenlos. Ich nehme mich da nicht aus – auch ich werde natürlich irgendwie weitermachen, denn ich habe Kinder. Ich werde schon nicht in die Psychiatrie gehen, und den Mut, Typen wie Schily offen ins Gesicht zu spucken – das wäre meine Privatinsolvenz – habe ich auch nicht. Aber über die NSU nachzudenken zwingt letztlich jede, zwingt jeden von uns in eine Hamlet-Position. Wir alle wissen es. Wir alle wissen auch: Es wird weitere Enthüllungen geben… Von was eigentlich? Mir graut…

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