31 Fragen an LeserInnen II

Meine Story zu 7 folgt demnächst.

8. Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert

mein altes Fischer-TB Kafka, Der Prozeß, Brod-Ausgabe, an Oberwesel. Geriet Anfang Dezember 1981 an Franz Kafka und stornierte daraufhin alle Weihnachtsbestellungen; man möge mir bitte alles Greifbare von Herrn Kafka kredenzen; und was immer man gegen meine Eltern sagen mag – das taten sie denn auch (ob sie es getan hätten, wenn ihnen die Folgen klar gewesen wären?). Also: An Oberwesel wg Klassenfahrt 1982 und so, wo ich Kafkas Prozeß dabei hatte und las.
Interessanterweise haben wir damals von „Werner von Oberwesel“ nichts gehört, obwohl beide LehrerInnen der bildungsoffensiven Willy-Willy-Generation angehörten; von Peter Br.* wurde ich sogar in meiner kafka-manie bestärkt.
Peter Br.* war unser Deutsch-lehrer; er kam wenige Tage vor Weihnachten 1981 – wir waren 9-Klässer – mit seinem Abi-Kurs in den Deutsch-Unterricht, und ließ Handkes Publikumsbeschimpfung vorsprechen. Man muss Handke nicht kritiklos lieben (ich bin der allerletzte, der solches täte), aber in einem Provinzgymnasium 1981 war das schon stark! Und wohin auch immer Handke sich später entwickelt haben mag…in den Publikumsbeschimpfungen ging es auch um das, worum es wenige Jahrzehnte nach dem 20. Januar 1942 gehen musste: Um Nazideutschland, also um Teilhabe. Ich finde das (Anti)Stück bis heute eher interessant, würde mir mal ne Neuaufführung wünschen. Also, des langen Gestammels kurzer Sinn: Kafkas Prozeß und Handkes Publikumsbeschimpfung erinnern mich an Oberwesel. Passt doch!

9. Das erste Buch, das du je gelesen hast (für 3-10jährige)

Tja, ist eher ne Sache für Neuro- oder Psychologen, Hirnforscher etc, denn wie ist das mit der Erinnerung? Also, wenn man mich so fragt: ’n Pixi-Buch Aristocats, wenns ums erste „lesen“ (fühlen etc) geht. Eine mir vom Titel her nicht mehr bekannte Lesefibel, in der es unter anderem wortwörtlich hieß: „Waschen, waschen, das ist fein!“, wenn es um erste Erfahrungen in der Kulturtechnik namens ‚Lesen‘ geht (wer glaubt, zu Beginn der 70er habe in Deutschland auf einmal der Antiautoritarismus die Herrschaft ausgeübt, darf gerne weiter ratzen…). Und Stevensons Schatzinsel (leider in einer für die Jugend gekürzten Version) sowie der Bunte Kinder-Kosmos „Tiere der Ur- Und Vorzeit“, wenn es um die ersten freiwillig-freudig gelesenen Bücher geht. Stevensons Treasury Island – im Original wie in Friedhelm Rathjens großartiger Übersetzung – behält seinen Status bei mir bis heute… Und an mein Dino-Kosmos-Buch, noch heute in meinem Besitz (habs meinem Sohn zurückabgeschwatzt, harhar) werde ich mich halten bis dorthinaus. Siehe hier:

edit: Später dann, das Geständnis liegt den Blogbesucherinnen und Besuchern bereits vor, leider auch Enid Blyton und Anverwandtes. Wobei man Blyton eines zugute halten muss: In George („Five“) und etwas schwächer in Dina („Adventures“) hat sie zwei interessante Mädchengestalten kreiert, die zumindest für die 40er Jahre in merry old England ungewöhnlich waren.

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Kommentare

  • summacumlaude  On September 10, 2012 at 12:38

    – In George (“Five”) und etwas schwächer in Dina (“Adventures”) hat sie zwei interessante Mädchengestalten kreiert, –
    und die Susie aus den „secret seven“, die immer klüger und STÄRKER war, als die Jungen („Susie war zu schnell für Jack“). Herrlich wie Blyton ihre Muskelweiber posieren ließ- da hat Lucy Angst vor der „stämmigen Dina“, die überdies ständig ihren Bruder prügelt. Da zieht Georg einen Jungen, über den sie sich geärgert hat, einfach mal so unter Wasser („Aber Georg hatte Kraft und hielt ihn recht lange unter Wasser. Krebsrot im Gesicht tauchte er wieder auf.“) Für mich ganz evident: Da bricht bei Blyton, die sonst nur wohlerzogene Kinder geschildert hat, etwas auf. Gerade Georg – eigentlich Georgina – stellt wohl ihre Wunschvorstellung eines tatsächlich nicht gelebten Lebens dar (statt dessen Alkohol?).

    Schlußbemerkung: Es ist mit Sicherheit zu bemerken, welche Bücher ich gerade unserem Jüngsten vorzulesen habe.

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