31 Fragen an LeserInnen – update

Über Melusines Gleisbauarbeiten gerate ich an Kitty Komas Fragebogen zum Leseverhalten der erwachsenen Bevölkerung.

Na, dann mal ran…

1. Das Buch, das Du derzeit liest

Robert Louis Stevenson, Kidnapped (hier der Text). Und zwar schlicht deswegen, weil ich es derzeit neu übersetze. Das kam so: In den Ferien wollten meine Kinder was Tolles zum Lesen haben. Ich oller Idylliker habe mir vor längerer Zeit mal die 4 dicken DVD-Ordner mit allen ZDF-Weihnachtsvierteilern 60er, 70er, Früh80er zugelegt – die Kinder haben die natürlich sofort begeistert beschlagnahmt, den Seewolf umd Michael Strogoff etcetc geschaut, darunter dann na klar auch David Balfour. Da nun beide der Meinung sind, Buch sei eigentlich immer besser als Film, wollten sie hinterher auch noch die Bücher lesen. Und nun, hold on to your seat, bemerkte ich: Es gibt Schrott auf dem Buchmarkt ohne Ende – aber diesen Klassiker der „Jugendliteratur“ (brrrr) gibt es derzeit nicht auf deutsch. Vergriffen. Die Aufbau-Übersetzung, die alte von Ehepaar Thesing (Er „Kidnapped“, sie „Catriona“) – weg! Und so übersetze ich das Ding jetzt neu.
Ist übrigens irre, sich in allen Einzelheiten mal auf so einen Text einzulassen. Was für erzählerische Kniffe er drauf hatte – bewundernswert. Und die Details – Lilly of the valley Water, prust, bruharhar. Ich hatte beide Teile, mit scheußlich-schönem Fernsehcover (Aude Landry und Ekkehardt Belle als Catriona Drummond und David Balfour) längst in der Ravensburger Pocket-Ausgabe, 1978 anläßlich der Erstausstrahlung des Vierteilers herausgekommen; die aber ist grauenhaft gekürzt. Ach, all diese „Jugendbuch“-Klassiker, die erst durch ihr furchtbares „für die Jugend bearbeitet“ aka zensiert zu Jugendbuchklassikern werden… Das Buch ist weit mehr als nur eine spannende Geschichte (was ja schon viel wäre).

2. Das Buch, das Du als nächstes liest oder lesen willst

Robert Louis Stevenson, Catriona (hier). Sequel zu Kidnapped. Begründung unter 1.

3. Lieblingsbücher

Boah ne. Nicht heute! Immerhin Plural…

also, erster Versuch:

Killy, Walther, Herausgeber, Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart in 10 Bänden
Mann, Thomas, Der Zauberberg
Kafka, Franz, Der Proceß
Montaigne, Die Essais
Shakespeare, Die Dramen
Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung
Wittgenstein, PU
Bibel (yes, message true, in der Wirkung entsetzlich, aber zusammen mit Plato und Aristoteles unerläßlich, um zu verstehen; im übrigen immer mal wieder ganz große Literatur!)
etcetc

4 Haßbücher

Hesse, Siddharta, fand ich schon als 16jähriger entsetzlich (während ich damals den Demian und den Steppenwolf natürlich noch goutierte), Saint-Exupery, Der kleine Prinz (Flug nach Arras hingegen ist sehr gut)

5 ein Buch, das Du wieder und wieder lesen kannst

Buddenbrooks

6 Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht).

– streichen, die Frage, weil keine Ahnung. Oder, vielleicht doch: Edgar Wallace, das Gasthaus an der Themse. Im alten Goldmann-Krimi-Outfit Früh60er. Mit Adenauerwerbespruch hintendrauf (wie ging der noch? Immer, wenn er, Konrad Adenauer, verzage, greife er zu einem Wallacekrimi und sei dann „froh und mutig“…oder so ähnlich!)

7. Ein Buch, das dich an jemanden erinnert

Zwei sinds. Keri Hulme, Unter dem Tagmond – einfach, weil es 1995 das erste Geschenk meiner heutenochLiebsten für mich war. Das Buch selber war ganz okay, aber dürfte, wie ich soeben bemerke, ggfls doch auch für Rubrik 6 taugen.
Und Karl Marx, das Kapital, Band 1, an die Liebe meiner 20er Jahre. Die Geschichte reiche ich nach.

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Kommentare

  • MelusineB  On September 9, 2012 at 09:26

    Keri Hulmes „Unter dem Tagmond“ hatte ich auf Deutsch gelesen vor langer Zeit. Es hat mich sehr beschäftigt, aber wie gut es tatsächlich ist, habe ich erst bemerkt, als es mir durch Zufall im Original in die Hände fiel:
    http://gleisbauarbeiten.blogspot.de/2011/04/te-mutunga-ranei-te-take-das-ende-ist.html
    Vielleicht kannst du es ja in der Original-Version doch noch einmal lesen. Ich finde: Es lohnt sich.

    • hf99  On September 9, 2012 at 09:41

      Die gewalt des Mannes „hat mir nicht gepasst“, wie man so sagt. Die lag mir sehr quer. Weil als Anklage gelesen? Nun, man „verliest“ sich nicht, bei solchen Dingen; ich selber übe Gewalt zwar nicht aus, schäme mich absurderweise aber manchmal dafür, ein Schwächling zu sein. Mit allen Konnotationen.

      Mal schauen. Derzeit liegt zuviel auf dem Schreibtsich; ggfls besorge ich mir das original wirklich mal und lese es noch einmal.

  • Bersarin  On September 10, 2012 at 20:51

    Bevor ich hier einen Beitrag abschicke, weise ich vorsorglich darauf hin, daß der dann im Spam-Filter landet. Wir können wetten!

  • Bersarin  On September 10, 2012 at 20:53

    In bezug auf die hetero-normative maskuline Gewalt, übertriebene Männlichkeit sowie die Gewaltherrschaft männlicher Gewaltwahrheitsherrschaftsdiskurse möchte ich auf meinen in diesen Bezugspunkten doch maßgeblichen und gewaltigen Beitrag „Gilles Deleuze, Félix Guattari, Jürgen Habermas, Kant und Liebficken“ http://bersarin.wordpress.com/2012/09/08/die-tonspur-zum-sonntag-gilles-deleuze-felix-guattari-und-liebficken/ hinweisen, der auf alle diese Aspekte patriarchal-ubiquitärer Gewalt ein Licht des Schlages wirft. (Ich glaube, selbst Nadine Lantzsch, eine der führenden Vertreterinnen des Lantzschismus, wäre von diesem Text angetan.) Dieser Beitrag dürfte eine Menge Verwirrungen hinsichtlich des Diskurses der Geschlechtlichkeit beseitigen und viel zur dialektisch-verschlungenen Aufklärung beitragen, denn sonst hieße er ja auch nicht Beitrag.

    Ansonsten zu Frage 1 gerade gelesene Bücher: Juli Zeh „Schilf“, wobei ich da auch gleich auf meinen Lektüretext in meinem Blog „Aisthesis“ hinweise, http://bersarin.wordpress.com/2012/09/07/faltungen-der-zeit-juli-zehs-schilf-1/. Dann: Maurice Blanchot, Warten, Vergessen, dann Momme Brodersen, Klassenbild mit Walter Benjamin, (wobei ich da auf meine Benjaminlektüren in meinem Blog verweise unter anderem http://bersarin.wordpress.com/2010/09/26/walter-benjamin-–-26-september-1940-spanien-port-bou/ weitere Links dazu, die ich anzubieten habe, würden diesen Kommentar sprengen), dann G. Agamben, Stanzen (wozu ich eine Serie in bezug auf die Melancholie auf meinem Blog verfaßte). Und wenn mich jemand nun fragt, wie ich das alles gleichzeitig lese, so kann ich nur antworten: ich weiß auch nicht. „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ so ließ es Nietzsche seinen Zarathustra sagen. Was mich daran erinnert auf meine Nietzsche-Lektüren hinzuweisen (http://bersarin.wordpress.com/2009/10/25/erste-bestimmungen-einer-philosophischen-postmoderne-5/)

    Ad 2, Was folgt: Juli Zeh, Spieltrieb und dann Nullzeit. Und dann Jean-Luc Nancy, Noli me tangere.

    Ad 3: Frage gestrichen, weil unliterarisch. Es gibt bei mir keine Lieblingsbücher. Aber ich nennen mal einen Schriftsteller, von dem ich mir noch einiges erwarte: Clemens Meyer, der mit seinem Roman „Als wir träumten“ im Jahre 2006 ein furioses Debüt hinlegte.

    Ad 4: Siehe Ad 3. Überschätzter, aber kein sooo schlechter Autor: Rainald Goetz. Überschätzte Autorin: Judith Herrmann. Überschätzter Autor: Daniel Kehlmann, Jack Keruac.

    Ad 5, aus der Rubrik gerne wieder: F. Kafka, Der Prozess, F. Kafka, Die Erzählungen, F. Kafka, Das Schloß, F. Kafka, Der Verschollene, Th. Mann, Der Zauberberg, Thomas Bernhard, Alte Meister sowie Die Auslöschung, Gustave Flaubert, L‘éducation sentimentale (Titel ins Deutsche nicht übersetzbar), Beckett, Endspiel und damit in Verbindung Aristoteles, Die Poetik, weil jenes die Antwort auf diese ist und die Poetik in nuce, eingefroren und eingedampft zeigt, Paul Auster, Die Musik des Zufalls sowie die New York-Trilogie, weil ich schöner eine Stadt nicht schwarz und auf Kafka geschrieben las, Siri Hustvedt, Die Verzauberung der Lily Dahl, weil ich verzauberte Frauen so gerne mag. Die Reihe ließe sich fortsetzen

    Ad 6, nur einmal: Peter Handke, Der Große Fall und H. Hesse, Der Steppenwolf, Goethe Wilhelm Meisters Lehrjahre, („Goethes Prosa ist eine Rumpelkiste!“ Arno Schmidt), die Romane von Fontane und Tolstoi. Aber wenn ich die Bibliothek abschritte fielen mir noch viele ein, und das wäre dann mal ein Grund zum Ausmisten, wenn ich nicht so faul wäre

    Ad 7: Mich erinnern Bücher an niemanden, und ich verstehe die Frage auch nicht ganz. Aber vielleicht komme ich durch „Unendlicher Spaß“ ja doch auf die eine oder andere Person: an eine wilde ungestüme Nächte mit einer wilden ungestümen blonden Frau. Wobei sich da ein dialektisch-gepolter Kreis zum Beginn schließt: http://bersarin.wordpress.com/2012/09/08/die-tonspur-zum-sonntag-gilles-deleuze-felix-guattari-und-liebficken/

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