Nietzsche-Steinbruch VIII

Werfen wir einen Blick ein Jahrhundert voraus, setzen wir den Fall, dass mein Attentat auf zwei Jahrtausende Widernatur und Menschenschändung gelingt. Jene neue Partei des Lebens, welche die grösste aller Aufgaben, die Höherzüchtung der Menschheit in die Hände nimmt, eingerechnet die schonungslose Vernichtung alles Entartenden und Parasitischen, wird jenes Zuviel von Leben auf Erden wieder möglich machen, aus dem auch der dionysische Zustand wieder erwachsen muss. Ich verspreche ein tragisches Zeitalter: die höchste Kunst im Jasagen zum Leben, die Tragödie, wird wiedergeboren werden, wenn die Menschheit das Bewusstsein der härtesten, aber nothwendigsten Kriege hinter sich hat, ohne daran zu leiden

Und

Es bedarf einer Lehre, stark genug, um züchtend zu wirken: stärkend für die Starken, lähmend und zerbrechend für die Weltmüden.

Die Vernichtung der verfallenden Rassen. Verfall Europas. – Die Vernichtung der sklavenhaften Wertschätzungen. – Die Herrschaft über die Erde, als Mittel zur Erzeugung eines höheren Typus.

Ich nenne diese Sätze ohne jede Einschränkung furchtbar. Da ist auch nichts mehr zu retten. Die Bejahung des Lebens, das amor fati, die Möglichkeit, dass dionysische Zustände wieder erwachen erfordern es also, „Entartete“, „Parasitäre“ zu „vernichten“. Per Gewalt, per Krieg. Nietzsche sagt es, wortwörtlich, und er sagt es vielfach. Es gibt keinen Grund für mildernde Umstände: Diese Sätze sind die Posener Reden. Und das möchte ich jetzt einfach mal so stehen lassen. Es ist intellektuell schlicht unredlich, diese Passagen zu verschweigen, oder sie wohlfeil für unerheblich zu erklären. Ich weiß nicht, ob Nietzsche das wortwörtlich meinte. Aber ich weiß, dass man all das im Rahmen eines Zeitalters, welches seine Selbst- und Weltbeschreibung positivistisch-sozialdarwinistisch organisierte, sehr gut wortwörtlich lesen konnte. Und dann bekanntlich in weitem Umfang auch genau so gelesen hat.

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Kommentare

  • KL  On August 26, 2012 at 08:10

    Ich muß bei solchen Sätzen N.’s immer an ein bonmot denken, dessen Quelle ich mir vor vielen Jahren leider nicht notiert habe: Es sei doch merkwürdig, daß die wildesten Forderungen zu Kampf und Härte von Männern kämen, die keine zehn Kniebeugen konnten.(Der Autor bezog sich meiner Erinnerung nach außer auf Nietzsche noch auf Donoso Cortes.)
    Nach Deinem vorigen Zitat habe ich einmal im Ecce Homo nachgelsen, „Warum ich so weise bin“, und kann mir nicht helfen: dort steht doch geradezu überdeutlich, daß diese Tiraden als hysterische Überreaktionen eines armen Burschen gelesen werden müssen, der so gern etwas robustere Vitalität besessen hätte, um seinen Vorstellungen eines Aristokraten zu entsprechen.
    Es gibt übrigens ein erhellendes Buch von Domenico Losurdo über die politische Grundlage der Haltung Nietzsches (von Kurt Flasch in der FAZ lobend besprochen).

  • MelusineB  On August 27, 2012 at 19:41

    Diese Quelle wüsste ich auch gern. Denn das deckt sich zu fast 100% mit meinen Erfahrungen 😉 (Die ärgsten Muttertier-Propagandistinnen sind umgekehrt die Frauen, denen man immer nur frisch gewindelte Kinder auf den Schoß setzen darf fürs Foto, aber dann muss das Kind wieder weg, sonst könnte es ja in die Betonfrisur spucken).
    Bei Nietzsche ist der Fall offensichtlich. Dennoch kann ihm ja niemand die Unterhaltsamkeit absprechen. Wie Heidegger übrigens, der sich besonders gut in sanft bekifftem Zustand und mit einer Gemarkungskarte von Todtnauberg auf dem Schoß lesen lässt.

    Ich sag´s ja: JEDER kann eine Frau sein! http://gleisbauarbeiten.blogspot.de/2012/07/jeder-kann-eine-frau-sein-uber.html

  • hf99  On August 27, 2012 at 20:49

    Thomas Manns Tristan??? Herr Detlef Spinell?

    Im Ernst: Klingt nach Tucho. hat er jedenfalls mal sinngemäß so gesagt.

  • hf99  On August 27, 2012 at 21:06

    Scherze beiseite (aber das wißt Ihr ja auch und sagt es ja auch, versteckterweise): Mich hat dieser Spannungsbogen von Ästhetik und Inhumanität immer interessiert. Woher dieser Hang zur Gewalt, der sich logisch zumindest nicht aus Perspektivismus und Stil-ist-der-wahrheit-überlegen herleiten läßt…im gegenteil, denn indem Nietzsche letztlich doch alles auf den willen zur macht reduziert/naturalisiert, widerlegt er seinen libertären Ansatz ja wieder… Nun gut, die Kraftmeier – meistens ja wohl doch Männer, muss man so sagen – , denen man irgend wann einmal erlaubt hat, 2 Seiten Nietzsche zu lesen, sind sicherlich keine Diskussion Wert. Die Frage, wie Nietzsche selber diese Passagen gemeint hat, welche Rolle sie spielen, aber sehr wohl. Kunst der Moderne und Gewalt – ein weites Feld. Und eines mit viel Belegen.

    Hat auch mit der Postmoderne zu tun und ihren problematischen Dekonstruktionen: Im Namen Heideggers den Faschismus beim Humanismus deponieren, das ist schon mal dreist. Hat mich immer geärgert. das bedeutet nicht, dass all diese Analysen keinen Wert haben – aber dieser gedanke hat mich nie beeindruckt, immer nur geärgert.

  • Bersarin  On August 27, 2012 at 22:52

    Ästhetik ist Inhumanität, ansonsten hieße sie eben Humanismus, Ästhetik soll nicht schillern, sondern schlegeln.

    Nietzsche und Heideggers sind hinreichend komplex, vielschichtig und auch widersprüchlich. Wer Philosophie allerdings als Fernsehprogramm wahrnimmt, der kann gewichtige Unterschiede wie transzendental und transzendent nicht in den Blick bekommen.

    Die blonde Bestie, der Satz, „Was fällt, das soll man stoßen.“ Du gehst zum Weibe, vergiß die Peitsche nicht, sollte man nicht eins zu eins lesen und wortwörtlich lesen. Die Wahrheit, jenseits eines Aletheia -Konzeptes oder einer Korrespondenztheorie, ist bei Nietzsche eine Frau – in diesem Zusammenhang muß jener Satz aus dem Zarathustra gelesen werden. Das läßt sich dann gut auch anhand einiger Passagen aus der „Fröhlichen Wissenschaft“ darstellen. Derrida zeigt diese Verschachtelungen Nietzsches sowie eine feministische Perspektive der Philosophie Nietzsches in seinem Text „Sporen. Die Stile Nietzsches“. Es ist dies eine Form feministischer Philosophie, die über die bloß kommunikationstheoretisch und auf Intersubjektivität gegründeten Anerkennungsmodelle hinaus ist und sie überschreitet.

    Nichtsdestominder steckt in diesen von Dir gebrachten Zitaten eine Kraftmeierei, die nicht bloß läppisch, sondern gefährlich ist. Und insofern ist dieser biographisch-positivistische Hinweis auf jene Männer, die keine zehn Kniebeugen können, in bezug auf Nietzsche zwar richtig, verfehlt aber den Sachgehalt bzw. verlängert das, was sowieso schon ist, ins Unendliche. Denn um diesen Widerspruch zwischen Text und Lebensformen oder um das, was sich performativer Widerspruch nennt, geht es überhaupt nicht: Und wenn diese Männer oder Frauen zweitausend Kniebeugen könnten, wäre der Satz dann plötzlich wahr? Es verwischen sich die Dinge, wenn einer die Differenzen nicht sieht.

    In bezug auf die Posener Rede gebe ich Dir recht. Diese Sätze von Nietzsche sind Protofaschismus in nuce.

    Zu den übrigen Textstellen Nietzsches demnächst mehr.

  • hf99  On August 27, 2012 at 23:20

    „Wer Philosophie allerdings als Fernsehprogramm wahrnimmt, der kann gewichtige Unterschiede wie transzendental und transzendent nicht in den Blick bekommen. “

    ich finde es menschlich-spießig-unreflektiert-nichtzuendegedacht-peinlich-usf hiermit einfach schade, dass DAS jetzt sein musste. Konntest Du Dir das nicht verkneifen, lieber Bersarin?

    Ich habe mal (weil wg Auftakt) Jambus und Trochäus verwechselt. Ich bin aber dennoch selbstbewusst genug, mir eine – auch, was den formalen Kram betrifft- etwas überdurchschnittliche Kenntnis deutschsprachiger Lyrik zuzuschreiben. Und würde mich ehrlich gesagt – ich bin ein mann, also eitel (obwohl ich gerne ein Mädchen gewesen wäre) – ärgern wie Bolle, wenn man mich wieder und wieder vorführte: Der Haaaartmut! Ist der dooooof. Der kennt ja nicht mal den Unterschied zwischen Jambus und Trochäus…

    Mich ärgert es inzwischen sogar, wenn man HW Sinn so vorführt (Export-Import-Verwechslung; wir erinnern uns), obwohl der es sicherlich verdient hat.

  • hf99  On August 27, 2012 at 23:24

    So, jetzt aber inhaltlich:

    „In bezug auf die Posener Rede gebe ich Dir recht. Diese Sätze von Nietzsche sind Protofaschismus in nuce. “

    Eben.

    Aber – so meine Frage – , was könnte das bedeuten?

  • hf99  On August 27, 2012 at 23:44

    Und ein zweites mal inhaltlich:

    „Ästhetik ist Inhumanität, ansonsten hieße sie eben Humanismus“

    Nein. Ästhetik ist schlimmstesfalls ahumanistisch, übt also epoché, was den Humanismus betrifft. Mehr darf nicht drin sein (weniger auch nicht). Ist Kunst auf irgend etwas verpflichtet? Nein. Nicht einmal auf die zwei Schopenhauerregeln (Verletze niemand, sondern hilf vielmehr dort, wo Du kannst)…eines geht allerdings auch nicht, aus identischem Grund: Bewusster ANTIhumanismus.

  • MelusineB  On August 28, 2012 at 06:35

    @Hartmut Vielleicht magst du ja mal diese Nietzsche-Rezeption von Heide Schlüpmann lesen: http://www.nachdemfilm.de/content/abendrö-der-subjektphilosophie-eine-ästhetik-des-kinos (Gibt es glaube ich nur noch antiquarisch.) – Es könnte, auf gewundenen Wegen 😉 eine Antwort auf die Frage sein, wie man mit diesem „Hang zur Inhumanität“ umgehen könnte. Es gibt auch einen Nachfolgeband dazu, der auf ähnliche Weise die Kritische Theorie „durch das Kino“ liest: „Öffentliche Intimität. Die Theorie im Kino“ Schlüpmanns Verfahren unterscheidet sich gerade in den Punkten, die du auch in den Folge-Posts so scharf kritisierst (eine Kritik, die ich teile) vom Dekonstruktivismus.

  • MelusineB  On August 28, 2012 at 06:39

    @Hartmut Vielleicht gibt – auf gewundenen Wegen ;-), weiblich halt – das oben schon zitierte Buch von Heide Schlüpmann Antwort auf die Frage, wie mit dem Zusammenhang von „Ästhetik und Inhumanität“ umzugehen sei. Man kann dieses Buch auch als Nietzsche-Rezeption lesen: http://www.nachdemfilm.de/content/abendrö-der-subjektphilosophie-eine-ästhetik-des-kinos
    Es geht auf jeden Fall einen anderen Weg als der französische Dekonstruktivismus.
    In dem Nachfolge Band: „Öffentliche Intimität. Die Theorie des Kinos“ lese ich grade; diesmal geht es um die Kritische Theorie.

  • KL  On August 28, 2012 at 08:19

    @MelusineB

    Der Hinweis auf Tucholsky war der richtige, danke !
    Ein „Schnipsel“ von 1931 lautet: „Ist es ein Zufall, daß die Vertreter der wildesten Gewaltlehren, Nietzsche, Barrès, Sorel, keine zwanzig Kniebeugen machen konnten? Es dürfte kein Zufall sein.“ (Werke bei zeno.org)

    @Bersarin, @hf99
    Die Gleichung von „Ästhetik“ und „Inhumanität“ wird kaum fruchtbar sein.

    Nietzsche schien mir immer unbewußt eine Übersteigerung des wohlgeordneten Lebens des Bürgers in seiner ästhetizistischen Weltanschauung zu verfolgen. Der vormals kämpfende Adel hatte wenig Zeit, Sinn und Ressourcen, ein Lifestyle-Programm zu verfolgen und sein Leben „als Kunstwerk“ zu gestalten. Das ist eine ureigen bürgerliche Idee, die allenfalls im Repräsentationsleben des späten, sozial dysfunkten Adel ein Pendant hatte das vom Bürgertum als Vorbild adaptiert werden konnte – in Europa, wo sich das Bürgertum mit dem Adel verglich, in Deutschland gar mit einer unerlösten Fixierung des Bürgertums an den Adel, dem es 1848 unterlegen war. Die Goethe-Ideologie des deutschen Bürgertums scheint mir hier exemplarisch einschlägig, zumal für Nietzsche, denn Goethe hat das Modell erfolgreichen Aufstiegs in ein Adelsleben, bereichert um Leistungsideologie, Weltsinn und Kunstverstand des Bildungsbürgers, vorgelebt. Das deutsche Bürgertum hat sich von diesem Vergleichsmaßstab nie emanzipiert und Nietzsche war soziologisch blind genug, um nicht zu bemerken, daß seine Überwindung des vulgär geldverdienenden Bourgeois nur bis zur zum Hyper-Goethe reichte, der sich durch DIstanz, Differenz und Hierarchie vom Pöbel fernzuhalten suchte. (Wir sehen dieses Muster noch heute bei den akademischen Mandarinen, die sich so unangenehm elitär geben, wie ihre US-amerikanischen Kollegen öffentlich nie zu sein wagen.)

    Das Problem scheint mir also nicht ‚Ästhetik‘, sondern Ästhetisierung der Lebensführung zu sein, denn das ist allemal ein Oberklassen-Programm. Wäschewaschen, Staubsaugen, Säuglinge wickeln etc. sind nun einmal nicht recht ästhetisierbar.

  • summacumlaude  On August 28, 2012 at 08:57

    Na ja Bersarin, es ging Hartmut ja gerade darum, den Nietzsche (oder den Hölderlin) im Marschtournister zu reflektieren. Die Aussage, man könne solche Kraftsprüche nicht wörtlich nehmen, greift zu kurz.Dass Nietzsche häufig richtige Diagnosen stellte, bestreitet keiner. Aber: Was folgt aus den Diagnosen? Chirurgie? Ich schneide weg? Was wird da einfach exstirpiert? Die wenigen Enormen dürfen das Bausparkassenungeziefer einfach vertilgen? Auch so könnte man Nietzsche verstehen, A U C H das ist in ihm, das Chirurgische, die eliminatorische Hygiene. Und die erwähnten Kraftmeir mit zweieinhalb Seiten Zarathustra im Kopf HABEN ihn so verstanden.

    Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrungen eben. Ich hatte aber in einem früheren Posting schon den Namen Karl May ins Spiel gebracht und selbstredend steckt auch dieser Volksschriftsteller in dem abenteuernden Idealismus der Nazis. Die spielten Cowboy und Indianer und ahnten als trübe Idealisten wer am Marterpfahl zu enden hat. Wichtig erscheint mir hier dann noch der Hinweis, dass Nietzsche KEIN Antisemit war.

    Aber seine Verbindung zum zeitgleich entstandenen (Sozial)darwinismus ist evident. Diese Verbindung wäre einmal zu untersuchen. Auch Nietzsche ist eben ein Kind seiner Zeit, wie könnte es anders sein.

    (Dennoch ist „Die fröhliche Wissenschaft“ bei mir Klolektüre. Und das ist lobend gemeint). Grüße an alle und die Hoffnung, das die emotionalen Ausschläge nicht allzu heftig sind. Gerade bei diesem Thema geht es ja bis zum Duell mit scharfen Waffen.

  • hf99  On August 28, 2012 at 10:13

    war im Schpäm hängen geblieben, Melusine

    @ summa: nein, es geht mir nicht darum. Klar kann man alles pervertieren, Goethe und Hitler, Goethe und Stalin, das ist aber unproblematisch und widerlegt Goethe nicht. Mir geht es um die Frage, ob Nietzsche selber eine solche Lesart erfordert. dass er sie provoziert hat, ist klar…aber ich befürchte manchmal noch schlimmeres. Nietzsche war Sozialdarwinist und hatte nicht etwa bloß „Verbindungen zu ihm“, und das sollte man dann auch schon klar so sagen.

  • summacumlaude  On August 28, 2012 at 11:35

    Nene Hartmut, mit dem Nietzsche im Marschtournister meine ich eben NICHT die Pervertierung (so kann man jeden Blödsinn entschulden – bin halt falsch verstanden worden), sondern die dingliche Verbindung zwischen Nietzsche und Marschtournister, die einfach da ist (ist doch eigentlich im oben Geschriebenen auch ganz deutlich so formuliert).

    Über diese Verbindung ist mir ab den 80er Jahren gar zu hurtig postmodern drübergehuscht worden. Stimme alles nicht, so der damalige Tenor. Schnell waren die Nietzsche-Kritiker dann ja auch die moralinsauren Gutmenschen. Gewissermaßen wurden mit Nietzsches berechtigter Kritik an der Macht des Moralins ebenso berechtigte Fragen an Nietzsches Werk abgebügelt. „Das Wort moralinfrei kommt leider von Nietzsche“ schrieb schon H. Mann, der sich über Nietzsches fragwürdige Seiten nie etwas vorgemacht hat.

    Dennoch ist seine Kritik an der Macht des Moralins im öffentlichen Sprechen noch immer stimmig. Du kennst selbst die Macht der Empörungsindustrie. Kundera nennt in der „Langsamkeit“ dieses Phänomen einfach „moralisches Judo“, mit dessen Kunstgriffen der jeweils andere zum moralischen Schwein, ja nun muß ich es sagen, zum Unmenschen, zum moralischen Untermenschen gemacht wird. Auch der überdrehte moralische Anspruch definiert Untermenschen. Das sollte zu denken geben.

  • summacumlaude  On August 28, 2012 at 11:54

    Oh, ich lese gerade, dass Du im Steinbruch IX genau hierauf abhebst. Diskussion dann da weiter?

    • hf99  On August 28, 2012 at 13:58

      habs versehentlich veröffentlicht, waren Entwürfe, so, wie sie da stehen, enthielten sie ja kein Argument. Meine Sprache läuft derzeit nicht rund, was natürlich auch Einfluß nimmt auf die Qualität der Gedanken.

  • Bersarin  On August 28, 2012 at 18:52

    Ach, ich dachte mir, wenn die Philosophie Nietzsches Unterhaltung sei, dann schreibe ich halt etwas Unterhaltsames. Die Frau M. B. wird es schon verschmerzen können.

    ________________

    Ästhetik sei Inhumanität, ist eine polemische Überspitzung und kann als geronnene Gestalt der Kunst nur falsch sein. Allenfalls spiegelt diese Position eine bestimmte Form der Ästhetik wider: Das Barbarische und Nietzsche, im Hinblick etwa auf die „Geburt der Tragödie“, dort konzipiert sich ein Griechentum, jenseits der Winckelmannschen Klassik, was u. a. zeigt: das Griechische ist (von Schiller bis zu Heideggers Hölderlindeutung) eine nationalästhetische Kategorie, die je nach Bedarf strategisch eingesetzt wird, um zu legitimieren. Weiterhin in dieses Feld des Inhumanen fällt die Destruktion des Subjekts, die Revolte des Surrealismus – siehe Bretons Satz vom Revolver und der Menge – oder Heiner Müllers Elektra-Monolog in der Hamletmaschine. Zudem möchte ich auf die Geschichte von Apollon und dem Sartyr Marsyas hinweisen, die einige Auskunft über das Wesen der Kunst liefert oder zumindest eine bestimmte Weise von Kunst und dem, was sich mit ihr verbindet, in ein Bild verwandelt. Und wenn es sich um eine Ästhetik der Natur handelt, dann trifft diese Wendung von Inhumanen ebenfalls zu. Das Inhumane ist übrigens nicht das Antihumane.

    Das Problem in bezug auf Nietzsches barbarischen und vor allem: maßlosen Sätze besteht darin, daß wir sie ex post lesen. Und was, daran gekoppelt, zu bedenken bleibt: So etwas kann geschehen, wenn Gedanken wahr werden. Soviel zur Posener Rede und wenn Philosophen zu Königen gemacht werden. Natürlich darf man nicht jede Passage in Nietzsches Text metaphorisch lesen. Es erfordert ein Sensorium bzw. eine Form des dekonstruktiven Taktes beim Lesen von Texten (was zudem die Politik der Dekonstruktion ist), diese Dinge zu sortieren und zu sichten. Das macht gerade das Faszinierende und Spannende an Nietzsche aus – jenem dunklen Schriftsteller des Bürgertums, wie ihn Adorno/Horkheimer in der „Dialektik der Aufklärung“ nannten. Paradigmatisch für die Fehllektüre ist ja dieser Satz: Du gehst zu Frauen, vergiß die Peitsche nicht. Es stellt sich beim normaler Leserin, bei normalem Leser mit Regelmäßigkeit derselbe Reflex ein: oh frauenfeindlich. Ja, das ist dieser Satz. Auch. Aber nicht nur. Und Derrida zeigt gerade dieses Moment des Changierenden im Text Nietzsches, dieses Gleiten der Stile. (Ich wollte zu diesem wichtigen Text Derridas in meinem Blog schon immer etwas schreiben.)

    Der Text Nietzsches es zu vielschichtig, um ihn auf den einen Punkt zu bringen. Nietzsche ist Darwinist und er ist es zugleich nicht. Es gibt bei ihm eine Polung, welche die Hegelsche Dialektik übersteigt – der Anti-Hegelianer Deleuze macht dieses Motiv in seinem Buch über Nietzsche ja sehr stark – und dieses Aussetzen der Dialektik kann man insbesondere am Zarathustra sehr gut sehen. Das Buch ist, als reine Literatur genommen, einerseits sehr eigenwillig und man könnte sogar sagen: mißglückt. Wenn man jedoch einmal etwas genauer den Blick auf die rhetorische Struktur des Textes legt und die verschiedenen Motive und Wendungen dieses Buches analysiert, so zeigt sich eines der faszinierendsten Werke des ausgehenden 19. Jhds. Man darf dieses Buch freilich nicht als Handlungsanweisung in jenem ideologischen Sinne lesen. (Dennoch: da gebe ich summacumlaude und Hartmut recht: der Text Nietzsches insgesamt ist vom Exzeß der Gewalt durchzogen. Einer (teils) faszinierenden Gewalt übrigens. Und diese Reihe setzt sich ja mit Artaud etwa oder mit Breton fort. Nietzsche ist das Ereignis für das 20 Jhd. Und insofern stimmt sein Satz aus dem Ecce Homo, daß er ein Dynamit sei.

    Was die Moral betrifft: ich analysiere nicht unter Maßgabe eines moralischen Blicks (was Nietzsche selbst zum Teil noch tut, indem er – so in seiner Genalogie – die Vorzeichen bloß umkehrt, insofern ist der Begriff des Genalogischen bei ihm zugleich ein wenig erschlichen.) Und ich urteile nicht moralisch. Es gibt Strukturen, die es in den Blick zu nehmen gilt, und auch der Text Nietzsches steht in einer bestimmten Struktur – unter anderem über den Begriff der Kraft, der auch aus der Ästhetik des 18. Jhds stammt und dort seinen Platz hat. Dazu sei auf das interessante Buch von C. Menke verwiesen, der diesen Begriff, freilich nicht primär im Bezug auf Nietzsche, aufschlüsselt.

    @KL
    Und auf alle Fälle ist Nietzsche auch (aber nicht nur) der wildgewordene (Klein-)Bürger, Roi Ubu avant Jarry – wieder ein strukturales Moment. Es ist bei Nietzsche beides: Ästhetik der Lebensführung und Ästhetische Theorie (siehe die „Geburt der Tragödie“ etwa.)

    Was den Adel betrifft, so greift das zu kurz, das gilt nicht für die Zeit des späten Mittelalters und der Renaissance: Die Verfeinerung der Sitten, der Geschmack als Distinktionskategorie, die dann zu einer der Ästhetik wurde, dies alles betrieb der Adel, denn er besaß dazu die Zeit und mußte, im Unterschied zu Bauer, Arbeiter, Bürger nicht arbeiten. Hegels Kapitel von Herr und Knecht ist davon ja ebenfalls geprägt. Der Adel ist frei von bürgerlicher Leistungsideologie im Felde der Arbeit – etwas davon hallt dann im Dandy des 19. Jhds nach.

    „Wäschewaschen, Staubsaugen, Säuglinge wickeln etc. sind nun einmal nicht recht ästhetisierbar.“ Ich kann alles ästhetisieren, wenn ich im Abstand des Denkens oder Schreibens bin. Schlecht ist es nur, wenn man mittendrinn steht, dann lassen sich diese unliebsamen Tätigkeiten nur bewältigen. Aber ich als Mann habe für diese Dinge meine Frau, da kann ich leicht reden. Im konkreten Vollzug selbst ist es schwierig zu ästhetisieren. Ästhetisierung erfordert Muße und Abstand.

    • hf99  On August 28, 2012 at 20:00

      Indeed, Nietzsches Griechenland als Land seiner Sehnsucht ist dasjenige vor Plato (Sokrates ist eine diffus bewertete Übergangsgestalt bei ihm: in „im tragischen zeitalter“ bewertet er sie recht positiv, in der Geburt viel kritischer)

      „Und was, daran gekoppelt, zu bedenken bleibt: So etwas kann geschehen, wenn Gedanken wahr werden. Soviel zur Posener Rede und wenn Philosophen zu Königen gemacht werden.“ Genau das aber ist das Problem. Wie sollen Sätze der Art „Die Minderwertigen soll man fallen lassen“ im Kontext jener geschichtlichen und Gesellschaftsanalyse, die Nietzsche ja betreibt, denn sonst lesen, wenn nicht wörtlich. Im gegensatz zu Breton (der seine berühmten Sätze zweifellos, und jedem erkennbar, eben nicht als wörtliche Aufforderung zur Tötung verstand)

      Zum Opaken oder Oszillierenden bei Nietzsche: Das wird am Peitschensatz (den nietzsche nicht selber spricht sondern bekanntlich ein altes Weib sprechen läßt, als kleine Wahrheit für Z.) deutlich. Aber in anderen passagen sehe ich nicht, wo der Verweis auf Opakes den Text noch retten können. Die Weltherrschaft als Mittel zur Erzeugung eines höheren typus mensch – das ist der nazikrieg in nuce. (siehe Thomas Manns Analysen dazu, etwa seine BBC-Reden)

  • Bersarin  On August 28, 2012 at 18:53

    Ok, ich bin wieder im Spamfilter. Ich habe mich daran gewöhnt. Ist mir gestern auch bei einer faszinierenden Korrespondenz mit einer Frau passiert.

  • summacumlaude  On August 28, 2012 at 20:57

    Lasst mal den blöden Peitschensatz beiseite (mit dem ich immer – ich weiß es noch – meine Deutschlehrerin ärgerte); der verrät einem ja gar nicht, WER dann die Peitsche schwingt. Man(n) soll sie halt mitnehmen…Sex und politische Korrektheit gehen eben nicht immer übereinander. Und von Nietzsches bis heute richtigen Diagnosen habe ich ja auch schon geschwafelt. Weiterhin war N. ein Gegner aller Religionen, nicht aber explizit Gegner der jüdische Religion. Ihn als Antisemiten zu lablen zählt auch zu dem „ex post“ (bersarin!), das wir alle nicht mögen, und es verrät die Sehnsucht nach moralisch-ideologischer Eindeutigkeit, die es bei Nietzsche nun einmal nicht gibt.

    Aber die Verbindung zum Darwinismus ist das Interessante, was untersucht gehört. Hier wäre anzusetzen. Und wie dann „the origin of species“ ganz ohne direktes Lesen des Primärtextes „durchgeschaltet durch Nietzsche“ auf das deutsche Bürgertum gewirkt hat. Gewissermaßen ästhetisierter Darwinismus, auch popularisierter Darwinismus. „Kraft und Stoff“ (wer war es noch? Heckel?). Auch Büchners Bruder wäre zu nennen. Das ist wichtig, das könnte weiter führen. Nur bitte nicht den alten Mist (N. war Vordenker des NS-Staates! -Nein! -Doch! -Nein! -Doch! usw. – wer so argumentiert, hat viele „Vordenker“ zu nennen: Den Karl May und auch den Karl Marx. )

    Abschlußsatz: Daß Nietzsches Gesamtwürdigung in der Summe über diese Frage hinaus geht, hat Bersarin finde ich überzeugend dargetan.

  • Bersarin  On August 28, 2012 at 21:25

    Oh nein, Breton meinte diesen Satz ganz real. Das ist nicht nur Provokation im Sinne des Épater la bourgeoisie.

    Einen Satz wie „Was fällt, das soll man stoßen“ aus dem Zarathustra, den kann man eins zu eins lesen und das wurde ja auch gemacht und sodann praktiziert. Man kann das aber genauso philosophisch sichten, indem man es auf den Gedanken der ewigen Wiederkehr des Gleichen als auch auf den Tod des letzten Menschen (den der Metaphysik) bezieht. Das Wort „Übermensch“ hat einen schlimmen Beiklang, weil darin auch der Gegenbegriff mitschwingt, aber diese Konzeption des Übermenschen lese ich zugleich als ein philosophisches Programm, das nicht bloß ausrottend zu wertend ist, sondern sich auf die Geschichte der Philosophie bezieht und auf eine Aufklärung, die nicht über sich selber aufgeklärt ist. Allerdings stimmt es: man muß Nietzsche häufig gegen den Strich bürsten und lesen

    Der Witz des Peitschensatzes ist es in der Tat, daß er zu Zarathustra von einem alten Weib gesprochen wird. Auch das wird gerne überlesen. Wie gesagt, ich halte die rhetorische Struktur dieses Textes für sehr wichtig. Wer die nicht mitliest, tappt in zahlreiche Fallen.

    Worüber wir uns wohl in bezug auf Nietzsche einig sind: er ist gegen jene jung- oder neukonservativen Wesen wie Bolz, Sloterdijk und wie sie alle heißen zu verteidigen. Und gleichzeitig liegt es in der Struktur mancher seiner Sätze, daß N. genau so gelesen werden kann. Und natürlich ist es absurd, daß immer die, welche vom Heroischen und von der Elite faseln selbstredend mit dazugehören. Als ob die Erwähung dieser Dinge und der Bezug auf Nietzsche sogleich die Inklusion beinhaltete. Beschlösse man einmal, diese Sätze Nietzsches vom Ausschluß auf die Sprecher selber anzuwenden, schauten diese schön-blöd drei. Und immer wenn es dann ganz real und heroisch in die Schlacht gehen soll, heißt es bei diesen Typen meist: „Hannemann geh du voran!“ Aber dies sind, wie gesagt, die Effekte des Nietzsche-Textes. Sie sprechen nicht für oder gegen den Text.

    Ja, der Text Nietzsches bietet sich für Groß- und Allmachtsphantasien sowie für den (kollektiven) Narzißmus an, und zugleich ist das nur die halbe Wahrheit des Textes. Dieser Effekt des Gleitens bei N. zeigt eben genauso die Grenzen (literaturwissenschaftlicher oder philosophischer) Hermeneutik bzw. von hermeneutischer Köhärenzbildung auf. Das ist es, was an Nietzsche fasziniert. Es ließe sich im Grunde auch der Text „Über Wahrheit und Lüge …“ im Sinne einer faschistischen Politik deuten, und zugleich kann man ihn als Programm eines perspektivischen Konzeptes von Wahrheit – auch contre Hegel – lesen: Bis hin zu modernen Sprachphilosophie: daß wir eben in „Interpretationswelten“ (G. Abel) leben und lesen, was Text und Leben betrifft.

    • hf99  On August 28, 2012 at 22:02

      a) summa: irgend ein redakteur zu Beginn des 20. Jhdts. schrieb mal einen Leitartikel zum „Tschechenproblem“ und notierte gelassen, bei so einem kulturfernen Volk könne man auch mal über Ausrotten nachdenken. Wenn man – zu Recht – diesen widerwärtigen wildgewordenen Spießer als Teil jener Bewegung deutet, die dann 1933 kulminierte…mit welchem Recht spricht man Nietzsche dann frei? Weil Nietzsche subtiler schrieb? Weil es ihm auch um das Ende von Metaphysik und Subjektphilosophie zu tun war? Very, very interesting, indeed, ist nur leider gerade nicht unser Thema. Nietzsches kritik an prima philosophia Konzepten, sein Perspektivismus und Ästhetizismus haben, soweit ich das sehe, zumindest oberflächlich keinerlei argumentative Verbindung zur „Ausrottungs“-kraftmeierei. Existieren sie untergründig? das würde mich interessieren. Faschismus als Preis der Moderne? Hoffentlich nicht…aber mit Hoffnung kommen wir nicht weiter.

      b) Bersarin: „Worüber wir uns wohl in bezug auf Nietzsche einig sind: er ist gegen jene jung- oder neukonservativen Wesen wie Bolz, Sloterdijk und wie sie alle heißen zu verteidigen.“ das eben weiß ich nicht. Vielleicht lesen die Nietzsche ja richtig??? Jedenfalls kann man ihn so lesen. ich sprach früher von rechts- und Linksnietzscheanismus (Nietzscheanismus ist ein etwas unglücklicher Begriff) und ahne, worauf Du hinaus willst – aber ich bin mir nicht sicher.

  • Bersarin  On August 28, 2012 at 22:00

    „Aber die Verbindung zum Darwinismus ist das Interessante, was untersucht gehört. Hier wäre anzusetzen.“

    Dies sehe ich ebenfalls so. Um diesen Strom der Zeit und die Transformation geht es.

    • El_Mocho  On August 30, 2012 at 15:01

      „Anti-Darwin. — Was den berühmten „Kampf um’s Leben” betrifft, so scheint er mir einstweilen mehr behauptet als bewiesen. Er kommt vor, aber als Ausnahme; der Gesammt-Aspekt des Lebens ist nicht die Nothlage, die Hungerlage, vielmehr der Reichthum, die Üppigkeit, selbst die absurde Verschwendung, — wo gekämpft wird, kämpft man um Macht … Man soll nicht Malthus mit der Natur verwechseln. — Gesetzt aber, es giebt diesen Kampf — und in der That, er kommt vor —, so läuft er leider umgekehrt aus als die Schule Darwin’s wünscht, als man vielleicht mit ihr wünschen dürfte: nämlich zu Ungunsten der Starken, der Bevorrechtigten, der glücklichen Ausnahmen. Die Gattungen wachsen nicht in der Vollkommenheit: die Schwachen werden immer wieder über die Starken Herr, — das macht, sie sind die grosse Zahl, sie sind auch klüger … Darwin hat den Geist vergessen (— das ist englisch!), die Schwachen haben mehr Geist … Man muss Geist nöthig haben, um Geist zu bekommen, — man verliert ihn, wenn man ihn nicht mehr nöthig hat. Wer die Stärke hat, entschlägt sich des Geistes (— „lass fahren dahin! denkt man heute in Deutschland — das Reich muss uns doch bleiben” … ). Ich verstehe unter Geist, wie man sieht, die Vorsicht, die Geduld, die List, die Verstellung, die grosse Selbstbeherrschung und Alles, was mimicry ist (zu letzterem gehört ein grosser Theil der sogenannten Tugend).

      Friedrich Nietzsche, Götzen-Dämmerung, Streifzüge eines Unzeitgemässen
      http://www.textlog.de/8117.html

      Ist doch eigentlich klar, dass Nietzsche Darwin ablehnt, denn dessen Theorie widerspricht seiner Philosophie grundlegend:

      1) Darwin weißt nach, dass alle Lebewesen miteinander verwandt sind und einen gemeinsamen Stammbaum haben. Es gibt also keine Über- und Untermenschen. Darwin bietet eine hervorragende Basis zur Bekämpfung des Rassismus.

      2) Darwins natürliche Auslese ist eben das Gegenteil von der „Höherzüchtung“ des Menschen, von der Nietzsche träumte („die Schwachen werden immer wieder über die Starken Herr“) Es geht in der natürlichen Auslese eben um Anpassung, nicht um ein Mehr an Macht.

      • hf99  On August 30, 2012 at 16:34

        Es geht aber um Nietzsches Verhältnis zum Sozialdarwinismus, nicht um seines zu Darwin. (Darwin war k e i n Sozialdarwinist.)

  • summacumlaude  On August 31, 2012 at 00:27

    Es geht darum, wie eine spezielle wissenschafttliche Aussage (die niemand bestreitet) aufs Allgemeine angewendet und damit ideologisiert wird. Das war bei Darwin so (Evolution hat bewiesen: Deutsche sind superior; Quatsch! Evolution hat bewiesen, dass der Evolutionsdruck die dem Druck am besten angepassten Spezies bevorteilt! Mehr nicht! Das sind übrigens nicht immer „die Schwachen“. Das hat damit gar nichts zu tun. Da hat ElMocho Darwin gründlich mißverstanden) – also: Das war bei Darwin so und das ist auch heute so. Spezielle wissenschaftliche Aussagen werden auf das Allgemeine ideologisch projeziert und behaupten Allgemeingültigkeit (was nicht alles die Hirnforschung angeblich „bewiesen“ hat).

    Nun: Diese Allgemeingültigkeit ist durch die Fakten nicht gedeckt. Deswegen verspekulieren sich die exakten Wissenschaftler auch seltener als ihre frei assoziierenden Kollegen: Sie sind einfach nicht bereit aus dem, was sie über Drosophila herausgefunden haben, gleich das gesamte Weltall nebst Enstehung und Untergang zu erklären. Auch Darwin war dazu selbstredend nicht bereit. Er hat sich über den Ursprung der Arten geäußert, nicht über den Treibstoff gesellschaftlicher Bewegungen, Veränderungen, Reaktionen.

  • hllizi  On August 31, 2012 at 13:08

    Evolution hat bewiesen, dass der Evolutionsdruck die dem Druck am besten angepassten Spezies bevorteilt! Mehr nicht! Das sind übrigens nicht immer “die Schwachen”.

    Bei aller Liebe zum El-Mocho-Bashing: Das hat er doch gar nicht behauptet. Er kritisiert doch vielmehr Nietzsche wegen dieser Behauptung.

  • summacumlaude  On September 2, 2012 at 07:21

    Da hat der Nietzsche den Darwin gründlich mißverstanden – hätte es natürlich heißen müssen. Zu El-Mocho nur: Sorry! Das Nietzsche-Zitat in El-Mochos Text ist übrigens als solches schwer erkennbar, da doppelt und dreifache Anführungszeichen verwendet worden sind. Stilstische ist es natürlich Nietzsche – und weist auf meine und Hartmuts und Bersarins Vermutung hin, dass man bei Nietzsche viel popularisierten, falsch projezierten Darwin findet. Der dann über diese falsch gelegte Schiene Eingang in die deutschen Bürgerhirne fand. Das ist nicht DIE hinreichende Quelle, aus der sich der Wahn des 20 Jhd. speiste, aber eine notwendige ist es schon.

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